Shalom, Jerusalem! Sehenswürdigkeiten, Tipps & Highlights

By 9. Februar 2015 Israel, Städtereisen
Jerusalem Sehenswürdigkeiten

Wer durch die Altstadt von Jerusalem läuft, kann über uralte Pflastersteine aus römischer Zeit flanieren, vorbei an Auslagen mit christlichen Devotionalien, um kurze Zeit später die unsichtbare Grenze zum muslimischen Viertel zu überschreiten. Erkennbar ist der Wechsel nur an den Waren der geschäftigen Verkaufsstände: statt Kruzifixen werden verlockende arabische Süßigkeiten feil geboten.

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In den engen Straßen mit den üppigen Auslagen und einem unendlichen Strom geschäftiger Einheimischer und staunender Touristen wird klar, was das hebräische Wort „Tohuwabohu“ bedeutet, nämlich „Chaos, Wirrwarr“.

In Jerusalem verschmelzen jahrtausendealte Geschichte und Moderne. Gleichzeitig ist es das religiöse Zentrum von Juden, Christen und Muslimen – zutiefst verehrt und leider auch hart umkämpft. Der Streit um die Stadt zieht sich durch die gesamte Geschichte und kann schon als historisch bezeichnet werden.

In Jerusalem treffen sich Gott und die Welt

Eine beeindruckende Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert umschließt die Altstadt, die in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde. Sie unterteilt sich in das christliche, das jüdische, das armenische und das muslimische Viertel.

Unser Bild von Jerusalem ist geprägt von den Konflikten, die immer wieder durch die Nachrichtensender in unser Bewusstsein schwappen. Viel mehr als alle gesammelten Sehenswürdigkeiten interessiert mich deshalb das Leben in der Stadt. Funktioniert im Alltag, was in der Politik offenbar immer wieder scheitert: ein friedliches, respektvolles Miteinander? Die Wahrheit liegt – wie so oft – in der Mitte. Ich erlebe gleichermaßen ein versöhnliches Zusammenleben, aber auch Straßensperren, Luftüberwachung, Militärpräsenz als Zeichen einer steten Angst vor Ausschreitungen und Anschlägen.

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Jerusalem Sehenswürdigkeiten – Tipps in der Altstadt

✔️ Im christlichen Viertel befindet sich die Grabeskirche, die von endlosen Besucherströmen aufgesucht wird.  Auf der Steinplatte am Eingang soll der Leichnam Jesu gesalbt worden sein und die zur Kirche gehörende Golgatha-Kapelle befindet sich an der Stelle der Kreuzigung.

✔️ Entlang der 14 Stationen der Via Dolorosa können Gläubige den Leidensweg Jesu nachempfinden.

✔️ Im jüdischen Viertel befindet sich die Klagemauer, zu der man durch eine Sicherheitssperre Zugang erhält. Es handelt sich um die frühere Westmauer des Plateaus des zweiten Jerusalemer Tempels, der sich an dieser Stelle befand und ist nicht – wie häufig angenommen – eine Mauer des Tempels selbst. Auf der rechten Seite beten die Frauen, während die linke Seite nur den Männern vorbehalten ist. Beide Bereiche sind durch eine hölzerne Trennwand abgeteilt.

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In den Ritzen zwischen den großen Kalksteinböcken der Mauer stecken Unmengen kleiner Zettel – sogenannte „Kwittelchen“ – mit Bitten und Gebeten der jüdischen Gläubigen. Mehrmals im Jahr werden diese Botschaften aus der Mauer entfernt und ungelesen auf dem Ölberg begraben, denn nach alter Tradition dürfen keine Schriften, die Gott erwähnen, verbrannt oder weggeworfen werden. Ein anderer Brauch besteht darin, vor einer Auslandsreise einen Nagel in die Mauer zu schlagen, mit dem man sich seiner Rückkehr versichern will.

Gut zu wissen!

❕Männer und verheiratete Frauen müssen beim Betreten des abgetrennten Bereiches unmittelbar an der Mauer eine Kopfbedeckung tragen. Am Eingang sind deshalb kostenlose, weisse Kippas erhältlich. Von Männern und Frauen wird gleichermaßen eine angemessene Kleidung erwartet, also keine nackten Schultern und Beine oder tiefe Ausschnitte. Ein ähnlicher „Dresscode“ wird auch in allen anderen heiligen Stätten vorausgesetzt. Auch wenn Du keine Sehenswürdigkeiten besichtigen willst, empfehle ich Dir in einer religiös geprägten Stadt wie Jerusalem, lange Hosen (oder Röcke) und langärmlige, hochgeschlossene Oberteile zu tragen. In meinen Augen eine Frage des Respekts.

✔️ Wichtige muslimische Bauwerke auf dem Tempelberg sind der Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee. Heute haben nur Muslime uneingeschränkten Zugang zum Tempelberg. Andersgläubigen ist der Zutritt nur nach strengen Kontrollen außerhalb der Gebetszeiten von Samstag bis Donnerstag möglich. Bei meinem Besuch war der Tempelberg aufgrund der angespannten Lage komplett gesperrt.

✔️ Mein Tipp: Begib Dich einfach mitten hinein ins Getümmel der Altstadt. Auch wenn das Durcheinander der Gassen zuerst verwirrend ist – auch ohne Karte kannst Du Dich eigentlich nicht verlaufen. Die Altstadt ist nur einen Quadratkilometer groß und irgendwann landest Du immer an der Stadtmauer, an der Du Dich orientieren kannst.

Das armenische Viertel ist eher ruhig und beschaulich, während Du Dir im muslimischen Viertel vorkommst, wie auf einem arabischen Basar. Lass‘ Dich an den Ständen vorbei treiben, trinke einen frischen Granatapfelsaft und feilsche um ein paar orientalische Wohlgerüche.

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Wenn Du lieber den Überblick behälst, kannst Du auch auf der 12 Meter hohen Stadtmauer einen Spaziergang machen. Von dort aus kannst Du das Treiben der Altstadt betrachten und Dir einen Eindruck vom Alltagsleben in den Straßen machen. Der Rundlauf geht in zwei Richtungen, jeweils am Jaffa-Tor beginnend.

Mein Übernachtungstipp für Jerusalem: das Austrian Hospice mitten im Trubel der Altstadt.

Jerusalem Sehenswürdigkeiten – Restauranttipps Altstadt

Falafel mit Blick auf die Altstadt: Auf einer Dachterrasse sitzen, den Blick über die Altstadt von Jerusalem schweifen lassen und dabei gemütlich Fallapfel essen – das geht im christlichen Viertel im Restaurant Golden City. (Altstadt, Dabagha-Aftemos Market 130)

Abu Shukri: Der Imbiss an der Via Dolorosa hat den Ruf, den besten Humus in Jerusalem zu machen. Ich bin leider nur vorbeigelaufen, würde aber beim nächsten Besuch unbedingt das Essen dort testen. (Altstadt, Al-Wad Street 63)

Jerusalem Sehenswürdigkeiten – Tipps außerhalb der Altstadt

Mahane Yehuda Markt

Das kulinarische Zentrum von Jerusalem bildet der Mahane Yehuda Markt mit Bergen an frischem Obst, Gemüsen, duftenden Gewürzen und allen erdenklichen Köstlichkeiten. Hier kann man durch die Gänge zwischen den Einkaufsständen spazieren, Spezialitäten kosten oder bei einem orientalischen Kaffee die Menschenmenge an sich vorüber ziehen lassen. Das Marktgelände liegt außerhalb der Altstadt zwischen der Jaffa Road im Norden, der Agrippa Street im Süden, der Beit Yaakov Street im Westen und der Kiach Street im Osten. Der Markt selbst besteht aus zwei Hauptstraßen: Eitz Chaim Street (der überdachte Markt) und Mahane Yehuda Street (der offene Straßenmarkt).

Jerusalem Sehenswürdigkeiten – Restauranttipps außerhalb der Altstadt

Adom Restaurant & Wine Bar: Das Adom ist eine Institution in Jerusalem und spezialisiert auf französisch und italienisch inspirierte Küche. Es liegt auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände, in dem 2013 ein neuer Kulturtreffpunkt für Jerusalem erschaffen wurde und Restaurants, Cafés sowie kleine Geschäfte zum Bummeln einladen. Das Essen ist köstlich und wer einfach nur einen Drink nehmen will, kann sich in die dazu gehörende Weinbar setzen.

Canela Food & Wine: Das Canela ist ein elegantes Restaurant mit klassisch französischen Gerichten, aber auch mediterraner, israelisch geprägter Küche. Das Ambiente ist modern und entspannt, es gibt hervorragende Weine.

Zu meiner Rundreise durch Israel wurde ich vom Staatlichen Israelischen Verkehrsbüro eingeladen.

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8 Kommentare

  • Reply Katharina 4. Juli 2016 at 9:40

    Genau das waren auch meine Erfahrungen 🙂 nachdem ich 5 minuten lang vergeblich versucht habe, auf dem Stadtplan die winzigen Straßennamen der Altstadt zu entziffern, habe ich aufgegeben und bin einfach drauflos gegangen. https://hello-hummingbird.com/2016/07/03/jerusalem/

    • Reply Beatrice 4. Juli 2016 at 14:17

      Genau so sieht’s aus…! 😉 Liebe Grüße!

  • Reply Neni 6. Oktober 2015 at 17:25

    Wahnsinn, ein echtes Traumreiseziel.
    Und wie witzig, ich wusste gar nicht, dass Tohuwabohu aus dem hebräischen kommt. Die Sprache ist so faszinierend.

    • Reply Beatrice 6. Oktober 2015 at 18:00

      Ja, die Sprache ist einfach faszinierend. Ich liebe ja auch „Mischpoke“ oder „Ganove“ 😀

  • Reply Jutta 9. Februar 2015 at 21:28

    Das Austrian Hospice hatte ich mir schon einmal notiert – für den Fall der Fälle! Dass „Tohuwabohu“, das hier bei uns ziemlich geläufig ist, aus dem Hebräische stammt, wusste ich nicht. Mal wieder sehr interessant! Sonnige Grüße, Jutta

    • Reply Beatrice 9. Februar 2015 at 21:35

      Ich mag ja diese jüdischen Worte im Deutschen ohnehin sehr gern. Haben eindeutig Lieblingswort-Potential… Mischpoke, Chuzpe, Ganove, Ische… ach, da fallen mir jede Menge ein! 😉

  • Reply TanjasBunteWelt 9. Februar 2015 at 17:08

    Hallo Beatrice,
    wow, das Jerusalem weit mehr zu bieten hat hätte ich nicht gedacht. Sehr interessant finde ich es mit der Klagemauer. Das hier Männer und Frauen getrennt sind.
    Liebe Grüße Tanja

    • Reply Beatrice 9. Februar 2015 at 21:28

      Ich wusste vor meiner Reise auch nicht genau, wie ich mir Jerusalem vorstellen sollte und war auch von der Vielfältigkeit extrem überrascht. Liebe Grüße, Beatrice

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