Animal Hope Bulgaria – Es gibt gute Gründe, ein Straßentier aus dem Ausland zu adoptieren

By 20. September 2016 Aktiv werden, Nachhaltigkeit, Tierbegegnungen
Animal Hope Bulgaria

Ich war im August in Varna, um ANIMAL HOPE BULGARIA zu besuchen, eine Tierschutzorganisation, deren Arbeit ich schon seit vielen Jahren verfolge. In den wenigen Tagen konnte ich zumindest einen kleinen Eindruck bekommen, was hier tagtäglich mit viel Überzeugung, Idealismus und Durchhaltevermögen geleistet wird. Mein Respekt vor den Menschen, die das alles möglich machen.

Wenn man in Varna mit offenen Augen durch die Straßen läuft – besonders abends und abseits der bekannten Touristenpfade – sieht man viele Hunden und Unmengen Katzen. Einige kommen ganz gut zurecht und werden von den Anwohnern gefüttert. Andere fristen ein erbärmliches Dasein, sind krank, unterernährt, wurden angefahren oder mißhandelt.

Zumindest in den schlimmsten Fällen versucht ANIMAL HOPE zu helfen. Kranke, verletzte, unterernährte und desorientierte Tiere oder hilflose Welpen werden mitgenommen und in die nächste Tierklinik gebracht. Aber damit hört die Versorgung nicht auf: Mariela Tasseva, das Herz des Vereins, fährt jeden Tag stundenlang von Tierarzt zu Tierarzt, um dort die Schützlinge zu besuchen und deren Behandlung zu besprechen. Das alles kostet natürlich Geld, das der Verein immer wieder auf’s Neue durch Vermittlungsgelder, Spenden & und die Zusammenarbeit mit anderen Tierschutzorganisationen aufzubringen versucht.

Sobald die Tiere gesund genug sind, werden sie in Pflegestellen versorgt, die überall in der Stadt verteilt sind. Der wichtigste Teil ist nicht zuletzt natürlich die Vermittlungsarbeit, um das Happy-End komplett zu machen und für die Tiere in ein gutes Zuhause zu finden.

Warum ausgerechnet ein Hund oder eine Katze aus dem Ausland? Die deutschen Tierheime sind doch voll mit Tieren!

Es stimmt, dass es in Deutschland schon viele Tieren gibt, die im Tierheim auf einen neuen Besitzer warten. Wer sein Herz an eine Fellnase aus dem örtlichen Tierschutz verliert: wunderbar! Manchmal gibt es auch eine länderübergreifende Zusammenarbeit, bei der deutsche Tierheime Tiere von ausländischen Organisationen übernehmen und dann vor Ort in Deutschland vermitteln.

Trotzdem kann ich nur aus voller Überzeugung betonen: Wenn ihr überlegt, euch ein Tier zu holen, dann denkt auch über die Möglichkeit nach, ein Straßentier aus dem Ausland zu adoptieren. Ich habe in Varna so wundervolle Tiere gesehen, die nur darauf warten, dass sie jemand in ihr Herz schließt. Zugegeben ist es nicht ganz einfach, „sein“ Tier anhand von ein paar Fotos auszusuchen. Aber durch die ausführlichen Beschreibungen und teilweise auch Videoaufnahmen bekommt man einen ganz guten Eindruck von den Vierbeinern. Nicht zu vergessen die Möglichkeit, die ich gewählt habe: einfach zwei, drei Tage eine Tierschutz-Organisation vor Ort zu besuchen, um sich einen Eindruck zu machen und sich die Tiere genau anzusehen.

So eine Kurzreise ist nicht teurer als ein Wochenendtrip in eine europäische Metropole – im Fall von Bulgarien warmes Sommerwetter und Sandstrand inklusive. Für den Flug Düsseldorf – Varna habe ich bei SunExpress EUR 232,- bezahlt. Für drei Übernachtungen mit Frühstück in einem schönen Hotel direkt an der Strandpromenade EUR 162,-. Vor Ort zu Essen oder im Supermarkt einzukaufen, ist sehr günstig.

Animal Hope BulgariaBei der Rettung von Carlos von der Landstraße war ich dabei. Wir sind sofort in die Tierklinik gefahren. Der supernette Arzt hat nicht gezögert und dem Kleinen erst mal eine Dose Futter aufgemacht. Glücklicherweise ist Carlos in der Zwischenzeit schon vermittelt und in seinem neuen Zuhause in Deutschland angekommen.

Möglicherweise rettet man ein Tier vor dem sicheren Tod!

In manchen Mittelmeerländern ist es üblich, dass es in den öffentlichen Tierheimen nur eine bestimmte Schonfrist gibt, innerhalb der die Tiere vermittelt werden müssen – oder sie werden getötet. In anderen Ländern gibt es gar keine Tierheime oder sie befinden sich im erschreckenden Zustand. Im Vergleich dazu geht es den Tieren in unseren Tierheimen den Umständen entsprechend gut. Es lohnt also, auch die Auslandsoption in Betracht zu ziehen.

Die Wahrscheinlichkeit, genau das richtige Tier für seine Lebensumstände zu finden, ist deutlich höher!

Meist gibt es durch die persönlichen Lebensumstände einige Rahmenbedingungen für den neuen Mitbewohner: Soll es noch ein junges Tier sein? Vielleicht Katzen-Geschwister, die gleich zusammen einziehen? Ein besonders umgänglicher Zeitgenosse, wenn man zum ersten Mal ein Tier hält? Ein lauffreudiger, sportlicher Vierbeiner, wenn man viel draußen unterwegs ist? Oder ein ruhiger, älterer Hund, der weniger Auslauf benötigt? Im örtlichen Tierheim gibt es – zum Glück! – oftmals nicht sehr viele Tiere zur Vermittlung. Bei einem ausländischen Tierschutzverein ist deshalb die Chance ungleich höher, genau das richtige Tier zu finden.

Was passiert bei den Tierschutzvereinen mit dem Geld?

Tiere aus dem Tierschutz gibt es nicht „umsonst“. Durch die Vermittlungsgebühr werden nicht nur die laufenden Kosten für die Behandlung, das Futter und den Transport gedeckt, sondern auch teilweise Kastrationsprojekte und Aufklärungsarbeit vor Ort durchgeführt. Die zusätzlichen Spenden sind dringend nötig, um besonders aufwändige und kostspielige Tierarztbehandlungen und Operationen durchzuführen. Die Mitarbeiter bei ANIMAL HOPE BULGARIA arbeiten ALLE EHRENAMTLICH.

Ich muss das hier mal ausdrücklich betonen, denn bei ANIMAL HOPE BULGARIA war es tatsächlich so, dass von Außenstehenden gemutmaßt wurde, dass das Geld in „dunkle Kanäle“ versickert und sich die Organisatoren mit den Spenden ein fettes Leben finanzieren. Das Gegenteil ist der Fall: Die Menschen geben dort eher noch ihr letztes Hemd her, um etwas für die Tiere zu erreichen!

Animal Hope BulgariaLeiterin Mariela und Jeni, die Betreuerin der deutschen Facebook-Seite von ANIMAL HOPE BULGARIA.

Ist so ein Tier aus dem Ausland nicht krank und verhaltensgestört?

ANIMAL HOPE BULGARIA (und auch jede andere seriöse Organisation) lässt ihre Tiere sofort nach dem Auffinden in einer Tierklinik untersuchen und behandeln. Es werden alle üblichen Gesundheitstests gemacht. Das Tier wird gechipt, geimpft und bekommt einen EU-Ausweis. Unmittelbar vor der Ausreise gibt es nochmals vom Tierarzt eine Untersuchung, um die Reisefähigkeit zu bestätigt. Es werden also alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um die Tiere in einem guten gesundheitlichen Zustand abzugeben. Gesundheitliche Beeinträchtigungen oder chronische Krankheiten werden offen bei der Vermittlung angegeben.

Eine hundertprozentige Sicherheit kann es natürlich nicht geben, zumal es auch Erkrankungen mit einer langen Inkubationszeit gibt. Trotzdem würde ich behaupten, dass insgesamt das Risiko, später in der neuen Heimat ernsthaft zu erkranken, bei ehemaligen Straßentieren nicht höher liegt als bei jedem anderen Tier hierzulande.

Freudige Begrüßung: Ein Teil der ehemaligen Straßenhunde lebt bei Mariela im Garten und wartet darauf, in ein neues Zuhause vermittelt zu werden.

Die Tiere sind nach ihrer tierärztlichen Behandlung in Varna auf Pflegestellen verteilt, sodass man ihr Wesen beobachten kann und über eventuelle Verhaltensauffälligkeiten Bescheid weiss (z. B. Verträglichkeit mit Artgenossen, anderen Tieren, Kindern etc.). Allerdings ändert sich das Verhalten der Tiere in ihrem neuen Heim meist auch noch mal. Die Tiere werden ruhiger, weniger misstrauisch oder ängstlich. Ich bin immer wieder erstaunt, wie schnell die neuen Mitbewohner aufblühen.

Warum ist das Verhältnis der einheimischen Bevölkerung zu Tieren so schlecht?

In Varna und auch bei meiner Reise durch Albanien habe ich mich oft gefragt, warum Menschen Tiere so schlecht behandeln. Meist bekam ich die Antwort: „Das war schon immer so. Ich kenne das seit meiner Kindheit nicht anders.“ Die meisten überlegen gar nicht weiter. Tiere haben traditionell einen niedrigen Stellenwert und die breite Bevölkerung hat andere Sorgen. Wenn Armut, schlechte wirtschaftliche Perspektiven und fehlende Empathie für Tiere zusammentreffen, dann findet, glaube ich, nur langsam ein Umdenken statt. Ich hoffe sehr, dass sich trotzdem etwas ändert.

Nur am Rande bemerkt: Auch wenn im deutschsprachigen Raum weitestgehend Konsens besteht, dass Haustiere gut behandelt werden sollten – der Tierschutz geniesst Verfassungsrang – gibt es bei den zum „Nutztier“ degradierten Lebewesen auch bei uns noch jede Menge Verbesserungsbedarf.

Mehr zu ANIMAL HOPE BULGARIA

Wer sich für die Organisation interessiert, findet mehr Informationen auf der Website und ganz besonders auf dem immer aktuellen Facebook-Profil.

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11 Kommentare

  • Reply Freiwilligendienst im Ausland 22. Februar 2017 at 16:45

    Vielen Dank für den tollen Bericht. Ich weiß nicht, ob ich mir gleich ein Tier mit nach Hause nehmen würde. Aber es ist ein interessanter Anstoß.

  • Reply Carolin 2. Februar 2017 at 11:13

    Hallo Beatrice,
    ein sehr schöner Bericht! Ich selbst reise zusammen mit meinem Hund Yeti durch die Welt und besuche hin und wieder auch verschiedene Tierschutz-Initiativen, um journalistisch darüber zu berichten. 2013 macht ich in Bulgarien ähnliche Erfahrungen wie Du. Auch in Rumänien, auf dem Balkan und vielen anderen osteuropäischen Ländern ist die Situation der Streunerhunde, Straßenkatzen und Nutztiere eine traurige. Das größte Tierelend erlebte ich bisher aber in Marokko. Besonders den Hunden und Eseln geht es dort sehr schlecht…vielen Menschen aber auch…das ist eben das Problem.
    Meinen Vizsla Yeti adoptierte ich übrigens in Ungarn. Genau wie Du, besuchte ich für eine Recherche eine Hilfsorganistaion (Hundehilfe Nordbalaton)..in meinem Fall in Ungarn. Dort verliebte ich mich in Yeti und packte ihn gleich ein in mein Womo. Seitdem ist er mit Freude mein schlappohriger Reisebegleiter. Du hast inzwischen auch einen Hund, oder? Das bereichert das Reisen sehr. Liebe Grüße.

    • Reply Beatrice 3. Februar 2017 at 15:55

      Das ist eine superschöne Geschichte, vielen Dank! Hoffe, Du und Yeti erleben noch viele Abenteuer! Wir hatten 4 Monate lang einen Pflegehund von Animal Hope Bulgaria, der ganz schnell jemand brauchte, der ihn aufnimmt. Arda ist ein sehr großer Hund, der leider schon in seinem jungen Alter Probleme mit der Hüfte hat. Deshalb wäre er auf Dauer nicht mit unserer Stadtwohnung im 4. Stock ohne Aufzug klar gekommen. Wir hatten eine coole Zeit mit ihm und zum Glück hat er eine supertolle, passende Endstelle gefunden, wo er sich sehr gut eingelebt hat. Happy End also… 😀

  • Reply Eva 21. September 2016 at 12:25

    Ich habe schon einige Tiere aus dem Tierheim geholt und gerade kürzlich aus der Nachbarschaft eine Katze adoptiert (bzw. sie mich 😉 deren Besitzerin gestorben ist. Immer wieder gibt es Bedarf hier und ich habe mich oft gefragt, warum man Tiere aus dem Ausland holt. Nach deinem Bericht jedoch kann ich die Grüne mehr nachvollziehen. Merci für die Aufklärung!

    • Reply Beatrice 21. September 2016 at 15:42

      Wenn man genau das passende Tier im heimischen Tierheim entdeckt, ist das natürlich perfekt. Wenn nicht, können die ausländischen Vereine eine sehr coole Lösung sein. Lieben Dank für Deine Zeilen, Eva!

  • Reply Kristin 21. September 2016 at 9:19

    Toller Bericht, du hast meinen tiefen Respekt dafür!
    Du hast die vor Ort ein Bild gemacht und alle Eindrücke und Fakten schön zusammengetragen. Leider hat der Auslandstierschutz ja viele Widersprecher, aber ich bin da anderer Meinung.
    Gerade in Ländern mit einem großen Straßentierproblem wird jede helfende Hand gebraucht um die Situation irgendwie halbswegs in den Griff zu bekommen, sei es durch Kastration oder Rettung von Einzeltieren.
    Ich habe selbst eine Katze vom Auslandstierschutz. Ich habe sie zuvor nur von einem Foto und Berichten gekannt, bereue aber die Entscheidung keinesfalls.
    Richtig kennenlernen kann man eine Katze ohnehin erst wenn man längere Zeit mit ihr verbringt. Meine Katze war anfangs sehr scheu, ist aber schnell aufgetaut und einfach ein tolles Tier!

    • Reply Beatrice 21. September 2016 at 9:34

      Ganz herzlichen Dank, Kristin! Ich denke auch, dass dort wirklich jede Unterstützung benötigt wird, um langfristig die Situation zu ändern und zu verbessern. Es freut mich total, dass Du mit Deiner Katze so ein gutes Team geworden bist! 😀 Eine Freundin von mir hat eine Hündin aus dem Ausland, die wirklich total verängstigt und förmlich traumatisiert war. Mit viel Geduld hat sie es geschafft, dass ein toller Hund daraus geworden ist, der selbst mit Babies und Kleinkindern hervorragend klarkommt.

  • Reply Anika 21. September 2016 at 9:13

    Was für ein unglaublich wichtiger Beitrag, danke dir dafür!
    Hast du auch ein Tier mit nach Hause genommen? Ich schau mir das mal an – ich glaube, das würde mich auch interessieren.

    Grüße!
    Anika

    • Reply Beatrice 21. September 2016 at 9:27

      Hey Ani, ganz lieben Dank! Dieses Thema lag mir wirklich selbst am Herzen. Ich habe jetzt kein Tier mitgenommen – obwohl es einige Kandidaten gab, die mir sofort gefallen haben. Wir müssen erst umziehen – was vielleicht nächstes Jahr ansteht. Hier in der Wohnung geht leider keine Tierhaltung. Dann werde ich noch mal mit Ben nach Bulgarien fliegen, um vermutlich zwei Hunde zu adoptieren.

      • Reply Anika 21. September 2016 at 9:30

        Wow – das klingt nach einem tollen Plan. Ich bin gespannt.

        Ich hatte 8 Jahre einen Hund, sie ist ganz überraschend schwer erkrankt und auch innerhalb von zwei Tagen trotz OP gestorben. Meine Mutter hat das so belastet, dass sie sich gegen einen neuen Hund entschieden hat, was ich verstehen kann. Und ich reise derzeit noch zu viel, aber auf lange Sicht möchte ich auch wieder einen. In einer Stadtwohnung ist das schwierig – es sei denn, ich finde nochmal so eine faule Tante, wie meine das war: Die hat bei so nem Wetter keinen Fuß vor die Tür gesetzt und wir haben auf dem Sofa gekuschelt. Man sagt ja: Hund und Besitzer sind sich sehr ähnlich :))

        • Reply Beatrice 21. September 2016 at 9:45

          Hihi, also ich hatte jetzt ehrlich gesagt aus der Ferne nicht so den Eindruck, als ob Du am liebsten auf der Couch sitzst! 😀 😀 😀

          Für mich gehören Tiere eigentlich einfach dazu. Ben geht’s genauso. Aber mitten in der Stadt (wie bei uns auch) ist das der Horror. Wir haben hier wirklich g-a-r n-i-c-h-t-s in der Nähe, um vernünftig raus zu gehen. Deshalb ist auch der Plan, dass die nächste Bleibe eher im Grünen sein soll. Das Reisethema haben wir natürlich auch, weil wir beide viel unterwegs sind, aber Ben meist die Hunde mitnehmen könnte. Wenn wir mal BEIDE zusammen eine weite Reise machen, hoffe ich, dass wir noch einen coolen Hundenarr finden, der die Tiere auch mal zu sich nehmen kann. Du siehst, eine ganz ähnliche Problemlage wie bei Dir! 😉

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