Von einer, die in den Wald ging und Rinder & Pferde fand

By 2. Oktober 2016 Deutschland, Europa, Fernweh, NRW, Tierbegegnungen
Ausflugsziele NRW

Ein Wald, mit Rindern und Pferden, die darin weiden? Ich hatte keine Ahnung, dass es so etwas in NRW gibt. Und das mitten im Naturpark Teutoburger Wald. Erstere sind nicht die typischen schwarzbunten Zeitgenossen, sondern echte schottische Hochlandrinder. Mit zotteligen Fell und weit ausladenden Hörnern. Mit einem dunkelbraunen Ochsen mache ich gleich nähere Bekanntschaft. Er schaut mich neugierig durch seine wirre Ponyfrisur an, kommt näher, schnüffelt mit seiner feuchten Nase, leckt über meine Hand und geht wieder. Seine Kumpels und Kolleginnen stehen verstreut im Wald, kauen und nehmen kaum Notiz von mir. Menschen in bunten Outdoor-Jacken sind in der Rinder-Community bekannt. Zweibeiner halt, die hier die Wanderwege bevölkern. Pfff, total uninteressant!

Die Pferde – genauer gesagt, die Exmoor-Ponys – bleiben auch eher auf Abstand. Die mittelgroße, englische Pferderasse gleicht Wildpferden. Und sie verhalten sich auch so: zielstrebig und selbstbewusst. Ein Tier mustert mich mit hoch erhobenem Kopf, um dann über den Weg zu galoppieren. Ein anderes schnuppert neugierig in meine Richtung und zieht sich dann wieder unter die Bäume zurück.

Beweidungsgebiet Wistinghauser Senne im Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge

Was machen die Tiere im Wald? Früher war es üblich, dass Haustiere im Wald weideten. Das Nahrungsangebot war üppig. Was lag also näher, als die Herden dort fressen zu lassen? Aber Waldweiden gibt es in Deutschland schon lange nicht mehr. Bis 2011 im Naturpark das Projekt gestartet wurde, schottische Hochlandrinder in der Wistinghauser Senne anzusiedeln. Anfang 2015 kamen die Exmoor-Ponys dazu.

Durch die Beweidung entsteht eine ganz besondere, wertvolle Naturlandschaft. Tritt und Verbiss sorgen dafür, dass ein eher offener, lichter, warmer Wald entsteht. Ideale Lebensbedingungen für seltene Pflanzen-, Tier- und Vogelarten.

Wer Ruhe sucht, findet sie hier

Ein Netz an Wanderwegen zieht sich durch das Beweidungsgebeit. Wer Natur und Tiere mag, für den ist die Waldweide der perfekte Platz. Laufen, atmen, sich frei fühlen.

So große Lebewesen mitten im Wald zu sehen, ist man als Wanderer gar nicht mehr gewöhnt. Normalerweise mache ich schon einen Freudensprung (natürlich nur innerlich), wenn ich in der Ferne mal ein Reh sichte. Hier kann man in Ruhe die Herde beobachten – und das aus nächster Nähe! Ich kam mir vor, wie in längst vergangene Zeiten versetzt, als noch Wildpferde und Auerochsen die europäischen Wälder durchstreiften.

Waldmeditation

Die Kombination Natur plus Tiere ist einfach das beste Mittel, um inneren Abstand zu gewinnen. Ich bin ja nicht so der meditative Typ (obwohl es mir wahrscheinlich gut tun würde…). Aber ich kann mir keine bessere Kontemplation vorstellen, als mich – langsamen Schrittes – durch den Wald zu bewegen. Mich in die Nähe der Herde zu setzen und den Tieren beim Grasen und Kauen zuzusehen. Auf die Geräusche der Natur zu hören. Tief ein- und auszuatmen und nichts dabei zu denken.

Klar sind die imposanten Schottlandrinder eine Haustierrasse und die Ponys keine „echten“ Wildpferde. Aber es hat trotzdem nichts zu tun mit „Ferien auf dem Bauernhof“, sondern fühlt sich durchaus wild an. Für mich als eher stadtorientiertes Individuum ein Zugewinn, auf diese ursprüngliche Art Tieren zu begegnen. (Auch ein Grund übrigens, warum ich demnächst für ein paar Wochen auf einem Gnadenhof in Rheinland-Pfalz arbeiten werde.)

Verhaltensregeln einhalten!

Die Tiere sind absolut friedlich und man kann unbesorgt an ihnen vorbei spazieren oder sich in ihre Nähe aufhalten, um die Atmosphäre zu geniessen. Aber man sollte nicht versuchen, sie zu streicheln oder ihnen hinterher zu laufen. Sonst kann es passieren, dass sich auch mal unwillig reagieren und den Störenfried verjagen wollen.

Wenn man sich einfach ruhig verhält, kann es gut sein, dass ein Tier aus purer Neugierde selbst näher kommt. Allerdings achtet man besser auf die langen Hörner, denn manchmal schütteln und schwenken die Tiere unvermittelt den Kopf und dann kann es passieren, dass man unabsichtlich ein Horn um die Ohren gehauen bekommt.

Mehr Wildes NRW direkt vor der Haustür

Eine wunderschöne Gelegenheit, sich den einstigen Königen der europäischen Wälder zu nähern, ist in der Wisent-Welt in Bad Berleburg. In einem aufwändigen Artenschutz-Projekt ist eine Wisent-Herde im Rothaargebirge ausgewildert worden. Damit gibt es erstmals seit über 200 Jahren wieder Wisente in Deutschland.

Neben der komplett frei lebenden Herde gibt es auch ein Schaugehege, in dem sich eine kleine Gruppe von sieben Tieren befindet. Das Gelände ist sehr weitläufig und der natürlichen Lebensweise nachempfunden. Es handelt sich hier nicht um einen Zoo, wo die Tiere zur Schau gestellt werden! Das heisst aber auch, dass man nicht selbstverständlich erwarten kann, die Tiere zu Gesicht zu bekommen. Wir wollten dort eigentlich eine Vollmondwanderung machen. Wegen starken Regens ist das im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen. Einen kurzen Blick auf die Tiere konnten wir trotzdem erhaschen, was selbst im Dunklen beeindruckend war.

schaeferwagenÜbernachtungstipp: Wer zum Schlafen in die Natur will, kann im (komfortabel ausgestatteten) Schäferwagen mitten im Wald übernachten.

Meine Wanderempfehlung in NRW sind die Bruchhauser Steine im Sauerland. Unten im Bild sieht man den Feldstein, den einzigen erkletterbaren Felsen der insgesamt vier Bruchhauser Steine. Die zerklüfteten Felsen bieten ein wild-beeindruckendes Bild in der Landschaft (und werden in Kürze wahrscheinlich zum Nationalen Naturmonument in Deutschland gekürt).

Ich war ein Wochenende in Nordrhein-Westfalen unterwegs und es hat es mich begeistert, so viel Natur und Wildlife unmittelbar vor der Haustür zu entdecken. Zur #rauszeitlust-Tour wurde ich von Tourismus NRW eingeladen. Alle Ansichten sind meine eigenen. Mehr Impressionen von unserer Tour gibt es bei Heldenwetter Faszinierende Felsen, oder: Wie wir Orte nutzen und im OutZeitBlog Wildes NRW: So vielfältig kann Wandern sein.

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7 Kommentare

  • Reply Faszinierende Felsen, oder: Wie wir Orte nutzen - heldenwetter 4. November 2016 at 15:09

    […] möchte ich dir die tollen Artikel meiner Kolleginnen Simone von OutZeit-Blog und Beatrice von Reisezeilen ans Herz […]

  • Reply Kerstin 4. November 2016 at 8:42

    Was für ein toller Bericht! Und zudem habe ich nun wieder ein neues Da-will-ich-unbedingt-hin-Ziel. Und ich habe was dazu gelernt, denn von diesen frei grasenden Rindern und Pferden habe ich bisher nichts gehört.
    Werde mit Sicherheit nun öfter auf Deinem Blog vorbeischauen und mir Anregungen holen (meiner ist noch im Aufbau…)
    Herzliche Grüße von
    Kerstin

    • Reply Beatrice 4. November 2016 at 9:29

      Liebe Kerstin, herzlichen Dank für Deine netten Zeilen. Der Ausflug dorthin lohnt sich in jedem Fall. Mir hat’s total viel Spaß gemacht. Toi, toi, toi für Deinen Blog & viele Grüße, Beatrice

  • Reply Udo 5. Oktober 2016 at 21:43

    Das sieht nach einer tollen #Rauszeitlust Tour aus. Die Hochlandrinder sind ja total zutraulich!? Unsere auf Tour 1 haben sich eher auf Distanz gehalten. Schade, dass die Wisent-Wanderung ins Wasser gefallen ist. Die wäre sicherlich ein Highlight geworden.

    Viele Grüße
    Udo

    • Reply Beatrice 6. Oktober 2016 at 17:35

      Ja, das fand ich auch mega-schade, dass das Wetter so schlecht war. Ich hatte mich auch total auf die Wanderung gefreut. Naja, kann man nichts machen… 😉 Liebe Grüße zurück!

  • Reply Miuh 2. Oktober 2016 at 21:08

    Welch schöne Bilder, welch schöne Erlebnisse! Das sieht sehr beeindruckend aus und zeigt mir wieder einmal, dass man gar nicht so weit gehen müsste, da auch unser nördliches Nachbarland sehr viel schöne Natur zu bieten hat! Liebe Grüsse, Miuh

    • Reply Beatrice 3. Oktober 2016 at 9:04

      Ja, man muss tatsächlich nicht immer weit fahren, um tolle Erlebnisse zu haben. Liebe Grüße in Richtung Schweiz!

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