Slow Travel – Eine Reise nach Belgien (um nichts zu tun)

By 15. April 2015 Belgien, Naturerlebnisse
Belgien Urlaub Natur

Ich sitze gemütlich auf der Couch. Im Kamin prasselt das Feuer, während draussen ein feiner Nieselregen gegen die Scheibe sprüht und sich der Himmel im eintönigen Grau präsentiert. Das alles spielt sich nicht zu Hause ab, sondern in einem kuschligen Ferienhaus in der Wallonie. Ich bin ein Wochenende nach Belgien gefahren, um einfach mal gar nichts zu machen.

Langsam reisen, selbst, wenn es nur um ein Wochenende geht. Keine großen Pläne, keine Sehenswürdigkeiten abgrasen, sondern einfach den Tag genießen. In den wenigen regenfreien Stunden laufe ich gemütlich zum nächsten Ort, bewundere den Teppich an Buschwindröschen im Wald, lasse mich von Dorfkötern ankläffen und begrüße die Kühe auf der Weide. Spektakuläre Action? Fehlanzeige.

Für ein Wochenende habe ich mich voll und ganz dem Motto verschrieben: Weniger ist mehr.

Slow Travel

Früher habe ich Stillstand auf Reisen nur schwer aushalten können. Ich wollte möglichst viel sehen und es hat mich ständig weiter getrieben. Natürlich will ich nach wie vor noch ganz viele Sachen sehen und erleben. Aber die berühmt-berüchtigten Bucket Lists mag ich gar nicht. Oder diese Landkarten, auf denen man einzeichnen kann, wo man schon überall gewesen ist. Das klingt für mich zu sehr nach “abhaken” und darum geht es doch eigentlich nicht.

Mittlerweile geniesse ich es, auch mal langsam unterwegs zu sein, mich treiben zu lassen, Pausen zu machen und mich nur auf wenige Themen zu konzentrieren, die mich wirklich interessieren. Die Steigerung dessen wäre natürlich, eine Weile wirklich in einem Land zu leben. Ich habe vor vielen Jahren mal in London gewohnt und würde um nichts in der Welt diese Erfahrung missen wollen. Viel mehr reizt es mich, noch ein paar meiner Lebensjahre außerhalb von Deutschland zu verbringen. Womöglich in Afrika? Wer weiss, welche Möglichkeiten sich noch ergeben…

Was bringt es Dir, langsam zu reisen?

✔️ Weniger Vorbereitung! Natürlich ist es sinnvoll, sich im Vorfeld über sein Reiseland zu informieren. Aber muss alles bis ins Detail durchgeplant sein? Eher nicht. Lass’ Dich zwischendurch treiben und geniesse es, Land und Leute dadurch intensiver und mit anderen Augen kennenzulernen.

✔️ Kleine Auszeiten nutzen! Es muss nicht gleich ein mehrwöchiger Aufenthalt oder eine exotische Fernreise sein. Schon ein Wochenende Tapetenwechsel kann ausreichen, um inspiriert und mit neuen Ideen wieder zurück zu kommen. Ich habe es gerade selbst gemerkt, dass zwei Tage in unserem belgischen Ferienhäuschen mitten in der Natur ausgereicht haben, dass ich (unliebsame) Aufgaben, die ich ewig aufgeschoben habe, ohne Probleme plötzlich angehen konnte. Der Knoten hatte sich gelöst.

✔️ Erholung für Körper & Geist! Ich war nie der Typ, der im Urlaub einfach mal nur am Strand liegen konnte. Aber auch das andere Extrem funktioniert nach meiner Erfahrung nicht. Wer auf seinen Trips immer nur weiter hetzt, wird irgendwann reisemüde und hat keine Lust mehr, immer weiter zu ziehen. Man ist einfach erschöpft und der Kopf  übervoll von den viele neuen Eindrücken. Also besser einen Gang zurück schalten und sich die Chance geben, zur Ruhe zu kommen.

✔️ Intensivere Erkenntnisse! Schnell ein Foto schießen und dann weiter hetzen? Aber was bringt Dir das? Du kannst zwar behaupten, dass Du dort warst, aber hast Du ein Gefühl für den Ort, das Land bekommen? Konntest Du mit Menschen sprechen oder Dich über Hintergründe und Geschichte informieren? Hattest Du Zeit, mehrmals eine Stelle in Ruhe zu erkunden? Allein. Zusammen mit anderen. Zu verschiedenen Tageszeiten? Nur wenn du langsam reist, kannst Du tiefer in ein Thema eintauchen.

✔️ Geld sparen! Langsames Reisen wirkt sich meist positiv auf den Geldbeutel aus. Du kannst nach günstigen Unterkünften suchen, findest die richtigen Stellen zum Einkaufen und isst dort, wo auch die Einheimischen unterwegs sind, was meist billiger und authentischer ist.

Live like a local!

Wer sich länger an einem Ort aufhält, kommt viel intensiver mit anderen Menschen in Kontakt und passt sich deren (fremdartiger) Lebensweise an. Es kann sich eine Art Alltag entwickeln, die dazu führt, dass Du viele Kleinigkeiten in Deiner neuen Umgebung entdecken kannst und Dich schrittweise sogar ein bisschen zu Hause fühlst. Wenn es Dir möglich ist, dann bleibe eine Woche an einem Ort. Oder wenn Dir der Platz gefällt, vielleicht sogar einen Monat? Womöglich testest Du auf Bali ein Yoga-Studio, das Dir gefällt oder lernst Tango in Buenos Aires. Das alles kann passieren, wenn Du Zeit hast.

Mehr Informationen…

… was Du alles in und um Houyet unternehmen kannst, findest Du bei 29 Grad und Sonne Bloghouse: (R)Auszeit in Belgien und bei Landlinien Auf den Spuren von Mystik und Natur in Belgien.

Vielen Dank an Ardennes Etappe, die für unseren Slow Travel Selbstversuch dieses wunderschöne Ferienhaus in Houyet zur Verfügung gestellt haben! Noch mehr ausgesuchte Unterkünfte in den Ardennen findest Du auf der Website des belgischen Ferienhaus-Spezialisten. Letztes Jahr hatte ich Gelegenheit, mir drei weitere Häuser im Detail anzuschauen, die ich alle absolut empfehlenswert finde. Mehr dazu in meinem Artikel Warum Du ein Ferienhaus in Belgien mieten solltest.

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Ich sitze gemütlich auf der Couch. Im Kamin prasselt das Feuer, während draussen ein feiner Nieselregen gegen die Scheibe sprüht und sich der Himmel im eintönigen Grau präsentiert. Das alles spielt sich nicht zu Hause ab, sondern in einem kuschligen Ferienhaus in der Wallonie. Ich bin ein Wochenende nach #Belgien gefahren, um einfach mal gar nichts zu machen.

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13 Kommentare

  • Reply Crischo 17. April 2016 at 7:31

    Slow Travel – das ist genau mein Ding! Go with the flow, nur grobe Ziele, die Etappen austauschbar. Wenn man mag bleibt man 3 Wochen lang im selben Dschungeldorf oder in der Hütte am Strand um von dort aus die Gegend zu erkunden oder einfach nur faul in der Hängematte ab zu hängen. Warum nicht? Schön wäre es, man könnte sein Alltagsleben genauso gestalten

  • Reply Gudrun 17. April 2015 at 17:00

    Oja, ich bin ganz bei Dir, Slowtravel, das gefällt mir! Manchmal ist es gar nicht so einfach, denn wie Naninka schon schreibt: Ich bin jetzt gerade da und vielleicht in meinem ganzen Leben nie mehr, also nütze jede Minute! Aber immer öfter gelingt es mir loszulassen und sogar die “großen” Sehenswürdigkeiten beiseite zu lassen- Denn auch eine Weinbergschnecke kann sehenswürdig sein, oder der Bäcker um die Ecke und der Krimskramsladen sowieso…Es gibt übrigens ein tolles Buch von Dan Kieran “Slow Travel. Die Kunst des Reisens.” Das hat mir gut gefallen…

    • Reply Beatrice 17. April 2015 at 23:05

      Das Buch kenne ich noch nicht. Ich glaube, dass muss ich mir unbedingt mal ansehen. Danke für den Tipps und liebe Grüße an Dich, Beatrice

  • Reply Naninka 15. April 2015 at 23:45

    Ich kenne dieses Gefühl, die Ruhe nicht auszuhalten sehr gut. Dabei kommt es darauf an wo ich bin, im näheren Umfeld “ertrage” ich langsam und planlos sein besser. Wenn ich weiter weg bin habe ich oft das Gefühl “wenn ich schon mal hier bin, will ich auch alles sehen was es hier gibt”. Das sorgt oft dafür, dass ich mir keine Pausen gönne oder nur ganz kurze und dann total platt bin. Nach dem Urlaub bräuchte ich dann erst mal Urlaub. Oft hat es glaube ich auch mit der begrenzten Zeit zu tun. Wenn ich zwei Monate Zeit habe, reise ich anders als wenn es nur zwei Wochen sind. Ich bewundere auf jeden Fall Jeden, der das kann! Also langsam reisen.

    • Reply Beatrice 16. April 2015 at 8:09

      Ja, genau: man braucht dann eigentlich Urlaub nach dem Urlaub. Das ist mir auch häufig schon so gegangen, weil ich oft eher ungewöhnliche Ziele bereise, die dann auch anstrengender sind, als touristisch gut erschlossene Destinations. Wenn man mehr Zeit zur Verfügung hat, ist das in jedem Fall hilfreich. Aber oftmals sucht man sich ja die Länge der freien Zeit nicht aus, sondern ist z. B. als Angestellter an die Urlaubstage gebunden oder als Selbständiger an seine Kunden und Projekte… Liebe Grüße, Beatrice

  • Reply Janett 15. April 2015 at 23:07

    Ich kenne das Problem. Ich bin ja als Kurzreisender immer nur in der Lage – kurze Ausschnitte einer Sache zu erleben – ich liebe es jedoch auch – an besondere Orte wiederzukommen und zu verweilen. Was mich aber mehr interessiert – die Unterkunft. Ich brauch nämlich noch eine für Anfang Mai, da plan ich eine Tour nach Spa Francorchamp – zur Rennstrecke. Mein Problem ist, das ich für wirkliche Ruhe auch absolutes loslassen brauche. Kein Handy, keine Kamera, kein Internet – und das ist wirklich schwer. Mit dem allen bin ich viel zu oft Rastlos. Ich find die Idee zu dritt loszuziehen wirklich genial !

    • Reply Beatrice 16. April 2015 at 8:14

      Hi Janett, Du hast ja mit Deinem Blog das kurze Reisen sozusagen zum Programm gemacht. Aber für etwas Ruhe braucht man wohl auch Zeit und vor allen Dingen ein bisschen Abstand. Wenn man bloggt, ist man ja quasi im Dauereinsatz. Das kann echt anstrengend sein auf Dauer. Da fand ich es in der Mongolei letztes Jahr schon insofern erholsam, weil es zwei Wochen kein Internet gab. Da war nichts mit Beiträge posten – und ich hatte automatisch Pause. Ich schreibe Dir gleich mal eine Mail mit den Kontaktdaten der Unterkunft. Liebe Grüße, Beatrice

  • Reply Jutta 15. April 2015 at 14:41

    Beim Lesen mancher Reiseberichte schießt es mir durch den Kopf: “Meine Güte, die haben ja gar keine Ahnung!” Es liest sich, fühlt sich oft so an, als sei tatsächlich jemand durch einen Ort gestürmt und habe sich das “Wissen”, das er/sie niederschreibt, aus einem drittklassigen Reiseführer – und jetzt bin ich ganz böse – wie “Lonely Planet” zusammengekratzt. Manchmal ist die Zeit kurz und man möchte trotzdem viel “sehen”, manchmal braucht man einfach nur den sprichwörtlichen Tapetenwechsel. Mir geht das so. Ich mag es, lange (und das ist natürlich relativ) an einem Ort zu verweilen, um die vielen kleinen Details in mich aufzusaugen. Manchmal reicht mir aber auch ein Streifzug, um einen ganz allgemeinen Eindruck von einem Ort zu bekommen. Ich plane viel, aber die Pläne sind oft nur Orientierungshilfen. Meist kommt es ganz anders! Schöne Schnecke übrigens : ) Liebe Grüße, Jutta

    • Reply Beatrice 15. April 2015 at 17:52

      Bei der Weinbergschnecke ist uns aufgefallen, wie lange wir schon keine Artgenossin mehr in Deutschland zu Gesicht bekommen hatten… 😉

      Da in Belgien ist mir der Zeitfaktor beim Reisen ganz extrem bewusst geworden. Alles möglichst komprimiert machen – in möglichst kurzer Zeit viel erleben – aber was bringt einem das wirklich? Zumindest auf Dauer ist das ganz schön erschöpfend (und es bleibt auch nicht viel “hängen”, wie Du ganz richtig sagst). Bei vielen (mich eingeschlossen) steckt ja auch eine gewisse Notwendigkeit dahinter: der strenge Takt an Arbeits- und Freizeit (oder an Projekten bei Freiberuflern), der einen äußeren Rahmen vorgibt. Da ist es wirklich ein echter Luxus, wenn man ganz nach Lust und Laune agiert. Verweilen, wenn man es mag. Weiterziehen, wenn einem danach ist… Zumindest ein Wochenende hat’s ja geklappt! 🙂 😉 Liebe Grüße, Beatrice

  • Reply TanjasBunteWelt 15. April 2015 at 13:18

    Hallo Beatrice,

    die Idee gemeinsam und aus verschiedenen Perspektiven über das Selbe zu berichten, finde ich klasse und spannend. Bin schon gespannt was hier alles noch kommt 😉
    So eine Reise mit beinahe “Stillstand” hat auch etwas und erholt ungemein. Eine Liste habe ich zwar schon, doch darauf stehen noch Länder oder Orte, die wir uns unbedingt ansehen möchten, das Leben ist ja so kurz und vergeht schnell.
    Action kann man mit einem Rind, wie oben, auch ganz schön haben *gg*
    Liebe Grüße Tanja

    • Reply Beatrice 15. April 2015 at 17:33

      Ja, einmal komplett zur Ruhe kommen, war echt hilfreich. Ich habe auch direkt in den Tagen nach dem Wochenende gemerkt, wie ich plötzlich Dinge, die ich schon ewig aufgeschoben hatte, endlich mal angepackt habe. Manchmal hängt man ja ganz komisch fest, wenn man nur in seinem Alltagskram herumrudert… Liebe Grüße an Dich!

  • Reply Silja 15. April 2015 at 11:09

    Liebe Beatrice,

    #bloghouse – was für eine schöne Idee.
    Ich gehöre auch nicht zu den Menschen, die einfach nur am Strand liegen können. Trotzdem liebe ich Ferienhäuser auf dem Land, wo man einfach mal seine Seele baumeln lassen kann. In Schweden beispielsweise. Einfach ein Haus direkt an einem See mieten, Ruderboot fahren, Blaubeeren pflücken & dann Blaubeermuffins backen, früh morgens nach Elchen ausschau halten, ich brauch nicht mehr.

    LG
    Silja

    • Reply Beatrice 15. April 2015 at 17:28

      Oh, Blaubeeren pflücken und Elche beobachten – das wäre auch komplett meine Kragenweite 😀
      Liebe Grüße zurück, Beatrice

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