Das beste Weihnachtsgeschenk für Reisende: nichts!

By 22. November 2015 (Reise-)Inspirationen
Weihnachtsgeschenke-Detox

Ich öffne Twitter und die Überschrift springt mir förmlich entgegen: Weihnachtsgeschenke für Reisende. Egal, wohin ich schaue, überall hat die Festtagsmaschinerie schon seit Wochen ihren Dienst aufgenommen. Das fängt mit den Tonnen saisontypischer Süßigkeiten in den Supermärkten an und hört längst nicht mit den Hundertschaften Kauflustiger auf, die sich durch die Innenstädte drängen.

Ganz ehrlich, ich will niemand die Freude an schönen Dingen vermiesen. Aber wie oft ist dieses Geschenke-hin-und-herschieben zum Selbstzweck geworden? Wie oft hat es mehr mit Konventionen zu tun, als mit echten Emotionen? Und was schenkt man Menschen, die eigentlich schon alles haben?

BRAUCHEN wir das wirklich alles?

Eine der einschneidenden Entwicklungen der letzten Jahre, zu dem meine Reisen einen wesentlichen Beitrag geleistet haben, ist meine wachsende Konsumunlust. Immer noch mehr, immer wieder was Neues… Wer braucht das, wer will das? Und was macht das auf Dauer mit uns, dieser Kreislauf des ständigen Kaufens? Mit unserer Umwelt? Unseren Ressourcen?

Wer schon in fernen Ländern unterwegs war, die weit von unserem Lebensstandard entfernt sind, wird gesehen haben, mit wie wenig Menschen auskommen – auskommen müssen. Wie viel bittere Armut es gibt und trotzdem meistern diese Menschen ihr Leben mit einem bewundernswerten Mut und Durchhaltevermögen. Sind gastfreundlich über alle Maßen, obwohl sie selbst fast nichts haben.

Nach meiner Rückkehr aus Ländern wie Nepal und Indien habe ich mich in unserer Warenwelt wie ein Zombie gefühlt und viel Zeit gebraucht, um mich wieder an den Überfluss zu gewöhnen. Ich habe deshalb schon vor Jahren beschlossen, mich aus dem weihnachtlichen Geschenke-Irrsinn auszuklinken. Habe aufgehört, Präsente zu besorgen und auch mein Umfeld gebeten, mir nichts mehr zu schenken. Das hat manchmal ein wenig Unverständnis hervorgerufen, aber irgendwann hat es funktioniert.

Ist Weihnachten jetzt für mich kahl und frustrierend? Nein, ganz im Gegenteil.

1. Die Vorweihnachtszeit ist doch eigentlich immer hektisch, auch schon ohne Geschenke-Einkauf. Im Job ist viel zu tun, tausend Sachen müssen noch erledigt werden. Ohne Shopping habe ich die Chance, die Zeit trotzdem einigermaßen zu geniessen. Ich schlendere über den Weihnachtsmarkt, schlürfe heißen Met, backe zu  Hause Zimtsterne. Es ist perfekt.

2. Natürlich gibt es auch Menschen, die mir sehr nahe stehen und mir einfach etwas Gutes tun möchten. Wie meine Eltern oder „Schwiegermama“. Wer mir eine Freude machen will, schenkt mir Geld. Früher war es irgendwie verpönt, einfach Geld weiterzugeben. Dabei hat es in meinen Augen kein bisschen mit Lieb- oder Gedankenlosigkeit zu tun. Wie soll jemand aus der Ferne mutmaßen, was ich gerade wirklich brauche. Mit Geld kann ich mir genau das besorgen, was ich möchte. Und alle sind glücklich.

3. Wer nicht mit Hin- und Hergerenne beschäftigt ist, kann sich auch viel mehr Zeit nehmen für persönliche Gesten. Eine lange Mail an eine gute Freundin. Ein lecker gekochtes Essen, das ein bisschen aufwändiger ist. Man kann schauen, ob es vielleicht Freunde gibt, denen es gerade nicht so gut geht – und wie man denen helfen kann. Man kann sich für Hilfsprojekte einsetzen, die einem am Herzen liegen – mit Geld oder indem man selbst Hand anlegt.

4. Statt Geschenke ein handgeschriebener Brief oder eine schöne Weihnachtskarte? In meiner Jugend (Hilfe, wie das klingt…), war es noch üblich, Weihnachtspost zu erledigen. Irgendwie ist das ein wenig aus der Mode gekommen. Ich habe es zumindest lange nicht mehr gemacht. Vielleicht sollte ich dieses Jahr noch die eine oder andere Karte versenden…?

5. Nur weil man geschenktechnisch kürzer tritt,  muss das nicht heissen, dass man komplett auf alles verzichtet. Vielleicht gibt es jemand, bei dem man das echte Bedürfnis hat, mit einer Geste seine Verbundenheit auszudrücken? Dieses Jahr habe ich das erste Mal richtige Päckchen an meine langjährigen Geschäftspartner versendet. Einfach, weil ich wirklich sehr dankbar bin, mit so tollen Menschen zusammenarbeiten zu dürfen. Das hat mir selbst viel Spaß gemacht und ich hoffe sehr, sie freuen sich darüber.

Meine Gedanken beinhalten nichts Neues, aber vielleicht geht es Dir um Grunde ganz ähnlich? Man MUSS nicht immer alles machen, so wie’s alle machen. Das Geschenke-Detox funktioniert für mich wunderbar. Ich kann es nur empfehlen!

Mehr Lust auf das Thema? Anika von anidenkt hat zum Thema Konsum Anfang des Jahres einen schönen Artikel geschrieben: „H wie Hamsterrad, S wie Systemtrottel, Z wie ZARA“.

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4 Kommentare

  • Reply Jules 13. Februar 2016 at 22:24

    WIrklich ein schöner und wahrer Beitrag. Wir leben bereits in einer solchen Überflussgesellschaft, dass niemand mehr weiß was er dem anderen schenken soll und dann krampfhaft irgendetwas gekauft wird. Das ist einfach nicht notwendig. Zu Weihnachten geht es um das Beisammensein mit Freunden und Familie und sonst um gar nichts.
    Alles Liebe
    Jules
    www,mabelicious.com

  • Reply Neni 24. November 2015 at 18:26

    Ich muss ja sagen, dass ich anderen gerne Geschenke besorge. Ich liebe es lange zu überlegen, zu kaufen und es dann hübsch zu verpacken.
    Ich selber wünsche mir jetzt seit fast 3 Jahren nichts mehr. Wenn man mir eine Freude machen will, dann wünsche ich mir allerhöchstens mal ein Bahnticket, ein paar Tage Airbnb oder ähnliches.

  • Reply Jessi 23. November 2015 at 11:36

    Ich finde das alles sehr nachvollziehbar und vor allem auch sehr löblich. Generell bin ich ja auch der Meinung: „Einen Scheiß muss ich!“ (Übrigens ein tolles Buch von Tommy Jaud!)

    Für mich gehören Geschenke aber irgendwie dazu. Das heißt nicht, dass es etwas besonders Teures sein muss. Ich liebe es einfach, meinen Lieben eine Freude zu machen und mir Gedanken darüber zu machen, worüber sie sich freuen würden. Mein Freund und ich wünschen uns von meinen Eltern meist einen Gutschein o. ä. für irgendeine Veranstaltung oder einen Ausflug. Oder aber etwas „Praktisches“, das wir gerade benötigen und uns sonst selbst kaufen würden.

    Weihnachtspost haben wir die letzten beiden Jahre auch mal wieder verschickt und alle haben sich sehr gefreut. Bekommt man ja heutzutage wirklich eher selten. Wir haben dafür ein weihnachtliches Foto von uns gemacht und als Postkarte drucken lassen. 🙂

    Vorweihnachtliche Grüße
    Jessi

  • Reply Anika 22. November 2015 at 17:19

    Vielen Dank dir für die Erwähnung! Sehr wahre Worte 🙂

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