Was tun bei Durchfall auf Reisen?

By 21. Januar 2016 Gesundheit auf Reisen

Ich bin zum Glück relativ stabil, was meine Gesundheit betrifft, aber an einem Punkt hat es mich schon mehrmals erwischt: Durchfall. Ob in Indien, wo ich krank wieder zurück nach Hause kam oder in Nepal, als ich allein und hundeelend auf meinem Zimmer gehockt habe, weil es mir so schlecht ging. Also musste ich mich aus „gegebenen Anlass“ mit dem Thema auseinandersetzen – vor allen Dingen, weil ich bei künftigen Trips möglichst nicht mehr krank werden wollte.

Durchfall ist die häufigste Reisekrankheit überhaupt. Bei Trips nach Lateinamerika, Asien und Afrika liegt das Risiko bei 50 Prozent, dass es einen erwischt.

Was sind die Ursachen von Durchfall?

Auf Reisen sind es oft die ungewohnten Bakterien des Gastlandes, auf die unser Darm reagiert. Noch häufiger sind es aber ganz einfach schlechte hygienische Verhältnisse, die dafür sorgen, dass z. B. Kolibakterien ins Essen gelangen und den Durchfall auslösen.

Was sind die Symptome bei Durchfall?

Wer häufiger als dreimal pro Tag zum stillen Örtchen pilgert, wird sich wohl eingestehen müssen: da stimmt was nicht. Meist fühlt man sich unwohl und abgeschlagen, hat Bauchschmerzen, Kreislaufprobleme und keinen Appetit. Wenn es ganz schlimm läuft, kommen Übelkeit, Erbrechen und manchmal auch Fieber dazu. Häufig tritt die Krankheit in „Wellen“ auf. Mir ist es oft so gegangen, dass es mir ein paar Stunden ganz gut ging und ich dachte: „Ach, schön. Es wird besser!“ Dann bekam ich plötzlich wieder Bauchkrämpfe und es ging von vorn los.

Wie kann man Durchfall auf Reisen vorbeugen?

Nicht umsonst lautet das Mantra aller Reisenden: Boil it, cook it, peel it or forget it.

EIGENTLICH ist damit schon fast alles gesagt, aber nach meiner Erfahrung sind es eher kleine Unachtsamkeiten, denen man zuerst keine Bedeutung beimisst – und zack, plötzlich liegt man flach. Deshalb habe ich hier eine recht umfangreiche Liste an Faktoren zusammengestellt, die bei Durchfall eine Rolle spielen können.

Trinkwasser

✔️ Wasser, das Einheimische bedenkenlos trinken können, ist möglicherweise für Deinen Darm „gewöhnungsbedürftig“. Wer sicher gehen will, trinkt nur abgefülltes Wasser aus geschlossenen Flaschen.

✔️ Wer keinen Zugang zu unbedenklichen Wasser hat, muss es vor dem Trinken entweder abkochen oder mit Mikropur entkeimen.

✔️ Keine Eiswürfel oder Crushed Ice im Getränk!

✔️ Nicht mit Leitungswasser die Zähne putzen, sondern nur abgefülltes Trinkwasser nehmen.

Lebensmittel

✔️ Kein rohes oder halbgares Fleisch, keinen rohen oder halbgaren Fisch, keine rohen (Austern!) oder halbgaren Meeresfrüchte!

✔️ Früchte und Gemüse vor dem Verzehr schälen! Am besten ein eigenes Messer benutzen und vorher die Hände waschen. (In Nepal hat mir mal eine nette, ältere Dame Gurke angeboten – vorschriftsmäßig geschält. Ich wollte nicht unhöflich sein und habe etwas davon gegessen. Nur leider waren ihre Hände und/oder das Messer nicht ganz sauber. Nur so viel: ich hab’s bereut!)

✔️ Keine Rohkost, keine Tomaten, nichts von der Salatbar. (Eine Freundin von mir bekam mal in Georgien Probleme. Sie war sehr vorsichtig mit dem Wasser, aber zum Abendessen gab es häufig nicht nur warme Gerichte, sondern auch Salat & Tomaten, die vermutlich der Auslöser waren.)

✔️ Kein Eis, was nicht abgepackt ist.

✔️ Auch Drinks wie z. B. Lassis und Milk Shakes können leider problematisch sein.

✔️ Keine Gerichte mit rohem Ei, wie z. B. Mayonnaise oder Remoulade. (Daran denken, bevor man herzhaft in ein Sandwich beisst!)

Persönliche Hygiene

Wasche Deine Hände vor dem Essen und nach jedem Toilettengang! In Ländern, wo das nicht immer möglich ist, habe ich meine eigene Ausstattung dabei: Flüssigseife oder Seifenblättchen plus etwas Wasser aus der Trinkflasche. Auch ein Fläschchen Händedesinfektionsmittel ist in dem Fall sinnvoll.

Vertraue auf Dein Bauchgefühl

Sicher kann man sich bei Streetfood den Magen verderben, aber auch genauso in einem Restaurant. Wenn Dir irgendwas nicht einwandfrei vorkommt, dann lass‘ die Finger davon. Ich fände es persönlich aber schade, wenn man aus lauter Vorsicht auf jeden (spontanen) Genuss verzichtet. Wenn man unterwegs ist, wird man sicher das eine oder andere Mal abwägen müssen – und hoffen, dass es der Darm verträgt.

Was tun, wenn Du Durchfall bekommst?

Wenn der Bauch grummelt, Du ständig auf Toilette musst und Dich nicht fit fühlst, dann sind mindestens ein, zwei Tage Ruhe wichtig, bis es Dir wieder besser geht. Keine Ausflüge, keine Reiseaktivitäten. Sichere Dir ein halbwegs angenehmes (Hotel-)zimmer und bleib im Bett (und in der Nähe einer Toilette).

Außerdem wichtig:

✔️ Viel trinken, denn Du musst den Flüssigkeitsverlust ausgleichen. Mindestens drei Liter sollten es sein, z. B. stilles, nicht zu kaltes Mineralwasser oder leicht gesüßter Tee.

✔️ Je nach dem, wie stark der Durchfall ist, trinkst Du zusätzlich eine Elektrolyt-Lösung, um den Mineralstoffhaushalt wieder auszugleichen. Am besten hast Du ein entsprechendes Pulver (z. B. Elotrans) im Gepäck. (Hier findest Du meine Tipps zur Ausstattung Deiner Reiseapotheke.) Alternativ kann man sich auch selbst eine Lösung mischen, indem man acht Teelöffeln Zucker und einem gestrichenen Teelöffel Salz in einem Liter Wasser auflöst.

✔️ Falls Dir überhaupt nach Essen zumute ist, empfiehlt sich Schonkost wie Banane oder gekochter Reis.

Geh‘ in jedem Fall zum Arzt, wenn:

❗️Du fiebrig bist,

❗️Dich sehr krank fühlst,

❗️starke Schmerzen hast,

❗️nach maximal drei Tagen keine Besserung eingetreten ist,

❗️Blut oder Schleim im Stuhl sind.

Welche Medikamente sind bei Durchfall sinnvoll?

Wenn ich in Länder reise, wo Durchfall auftreten könnte, nehme ich schon prophylaktisch Perenterol. Dabei handelt es sich um Kapseln mit Arznei-Hefe, die den Darm stärken und ihn auf die Veränderung der Nahrung vorbereiten. Ich war zuerst skeptisch, als ich die Empfehlung von meinen Hausarzt bekam, habe es aber ausprobiert und muss sagen, dass es bei mir sehr gut gewirkt hat. Statt zur Vorbeugung kann man die Kapseln auch akut bei Durchfall einsetzen, um den Genesungsprozess zu unterstützen.

Ebenfalls eine gute Vorbeugung gegen jede Art von Darmkeimen ist Dukoral. Das Arzneimittel ist ein Schluckimpfstoff gegen Cholera, der die Immunabwehr im Darm anregt. Wenn Du in Risikogebieten wie z. B. auf dem indischen Subkontinent, bestimmten afrikanischen und südamerikanischen Ländern unterwegs bist, kann es ohnehin sinnvoll sein, eine Cholera-Immunisierung (die Schutzrate liegt bei 85 %) durchzuführen. Der positive Nebeneffekt: der Darm kann sich auch gegen andere Bakterien besser verteidigen.

Medikamente wie Immodium  (Wirkstoff Loperamid), die den Darm „lahmlegen“, sind nur im Notfall geeignet, z. B. wenn ein Flug ansteht. Durch die Ruhigstellung des Darms werden die Erreger nur verzögert ausgeschieden, was die Erkrankung noch verlängert. Sobald es Dir möglich ist, solltest Du deshalb die Einnahme beenden und den Durchfall auskurieren.

Wenn die Erkrankung auch nach drei Tagen nicht besser wird, kann ein Antibiotikum sinnvoll bzw. notwendig sein. Das würde ich am besten vor Ort mit einem Arzt (oder wenn es nicht anders geht mit einer Apotheke) besprechen. Falls Du in abgeschiedenen Regionen mit einer schlechten Gesundheitsversorgung unterwegs bist, würde ich vor der Reise mit Deinem Hausarzt abklären, ob er Dir ein Medikament für den Notfall mitgeben kann.

Noch ein sehr wichtiger Rat zum Schluss

Je nach dem, wo Du unterwegs warst und wie schlimm es Dich erwischt hat, kann es durchaus Sinn machen, dass Du nach Deiner Rückkehr noch mal vorsichtshalber zu Deinem Hausarzt gehst und Dich untersuchen lässt. Nachdem ich aus Indien zurück war, habe ich mich noch ein Weilchen schlapp und nicht richtig gesund gefühlt. In solchen Fällen ist es wichtig, dass ausgeschlossen wird, dass nicht eine ernste Erkrankung (wie z. B. Amöbenruhr) dahinter steckt.

Durchfall auf Reisen - Wie kann man vorbeugen? Was tut man, wenn es einen erwischt hat? Welche Medikamente helfen und wann sollte man besser zum Arzt gehen?

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1 Comment

  • Reply Jutta 25. Januar 2016 at 20:02

    Lästiges Thema. Kann ich alles unterstreichen! Ich habe festgestellt, dass auch ZU kalte Getränke oder einfach andersartiges (aber durchaus einwandfreies) Essen schon ausreichen kann, um den Magen in Aufruhr zu bringen. Ein Quäntchen Glück muss man in dieser Hinsicht sicher auch haben. Sonnige Grüße, Jutta

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