Typisch mongolisches Essen – Zu Gast bei den Nomaden

By 5. September 2014 Asien, Fernweh, Land & Leute, Mongolei
mongolisches essen

Mit einem Lächeln reicht mir unsere Gastgeberin eine braune Schale, bis zum Rand gefüllt mit einer farblosen Flüssigkeit. Ich rieche kurz daran. Nichts. Vorsichtig nippe ich an dem Getränk. Es schmeckt leicht säuerlich, erstaunlich mild, irgendwie erinnert mich das Aroma an… Schweissfüsse! Ich schlucke, jetzt bloss nichts anmerken lassen, schliesslich will ich nicht unhöflich sein. Ich merke, dass die Augen der Nomadenfrau immer noch auf mir ruhen. Warum nur hat sie die Schale so voll gemacht? Egal, ich muss das jetzt austrinken! In möglichst großen Schlucken leere ich das Gefäss, tief durchatmen, lächeln und die Schale zurückgeben. Das war sie, meine erste Begegnung mit Milchschnaps.

Das Getränk wird in der Mongolei Arkhi genannt und üblicherweise „auf ex“ getrunken. Der für meine Begriffe ranzige, käsige Geschmack ist ziemlich gewöhnungsbedürftig.

Mongolisches Essen

Zum Glück stellen nicht alle mongolischen Spezialitäten so eine große Herausforderung dar. Es gibt auch echte Highlights, wie zum Beispiel Khailmag – ein süßer, köstlicher Brei, der mich stark an grobkörnigen Griesspudding erinnert. Hergestellt wird das Ganze aus einer ordentlichen Portion eingedickter Sahne (in der Mongolei Urum genannt), die in einer Pfanne erhitzt wird. Das dabei entstehende flüssige Fett wird abgeschöpft und als Brennstoff für die Öllampen benutzt. Die verbleibende heisse Masse wird mit Zucker und Mehl gemischt und manchmal auch noch mit Rosinen verfeinert.

Lecker, lecker, lecker, kann ich nur sagen!

Khailmag - ein süßer, köstlicher Brei in der MongoleiSo sieht frisch gekochter Khailmag aus – leicht süßlich, mit sehr angenehmer Konsistenz.

Das sind keine Kekse! Das ist Quark!

Fein säuberlich findet man sie zum Trocknen auf dem Jurtendach ausgebreitet oder wie Schmucksteine auf eine Schnur aufgefädelt: kleine, eckige Quarkstücke. Die frische Masse wird in ein Tuch eingeschlagen und mit einem großen Stein beschwert, bis auch das letzte bisschen Flüssigkeit herausgepresst ist. Dann wird der Quarkblock mit einem Faden in kleine Stückchen geschnitten und in der Sonne getrocknet. Heraus kommt Aaruul – die Stücke sind bretthart und nur schwer zu kauen. Eigentlich lutscht man eher darauf herum. Ich fand den Geschmack ein wenig „bröselig“ und recht sauer.

Frischer RahmLinks sieht man den getrockneten Quark = Aaruul und rechts steht der dicke, buttrige Rahm = Urum.

Kekse? Genau, DAS sind Kekse!

Die fingerdicken Würmer haben mich an Mürbeteig erinnert. Knackig, buttrig und nicht zu süß. Die mongolische Bezeichnung lautet Boortsog. Traditionell wurden die kleinen Snacks in Tierfett ausgebacken, mittlerweile wird aber zunehmend Pflanzenöl verwendet.

FingerfoodBoortsog, zusammen mit Käse aus Kamelmilch und Würfelzucker – also einmal mit herzhafter und einmal mit süßer Beilage. Der Käse schmeckt nicht so kräftig, wie wir das kennen. Er ist eher mild.

Gesalzener Milchtee – das klassische Begrüßungsgetränk

Der Milchtee wird in der Mongolei Suutei Tsai genannt und zu jeder Mahlzeit getrunken. Auch als Gast bekommt man von der Hausherrin erst mal eine Schale gereicht. Den Geschmack habe ich als sehr unterschiedlich empfunden, abhängig davon, welches Tier die Milch geliefert hatte: Kuh, Yak, Rentier… Auch der Tee ist nicht vergleichbar mit unserem Tee. Er wird in kleinen Brocken von einem großen, gepressten Block abgeschlagen und mit Wasser kurz aufgekocht. Dann kommt etwa die gleiche Menge Milch dazu und das Getränk wird noch mal erhitzt. Dabei schöpft die Gastgeberin mit einer Kelle die heisse Flüssigkeit und lässt sich mit Schwung und aus größer Höhe wieder in den Kessel fliessen. Zum Schluss wird der Tee gesalzen und in eine Kanne abgeseiht.

Milchtee

Oh, Crunchy? Nein, das ist Käse!

„Was sind das für Krümel?“ Ich deute auf die kleinen Bröckchen, die in einer Schale vor der Jurte stehen. „Das ist Käse.“ erklärt unser Guide. Zugegebenermaßen passt das Erscheinungsbild von Eezgii nicht unbedingt zu dem, was wir unter Käse verstehen. Wie ich erfahre, wird in der Mongolei die Milch zur Käseherstellung nicht mit Lab, sondern mit Kefir angesetzt. Nach der Trennung von der Molke wird die Masse so lange erhitzt, bis alle Flüssigkeit verdampft und schliesslich dunkelgelbe Stückchen von körniger Konsistenz übrig bleiben.

Eezgii - ein krümeliger Käse in der Mongolei

Buuz – in Dampf gegarte Teigtaschen

Nein, von Buuz habe ich kein Bild. Das liegt daran, dass die kleinen, mit Hackfleisch gefüllten Teigtaschen immer zu schnell in meinem Mund verschwunden waren. Das typische mongolische Essen ist einfach zu lecker. Traditionell wird das Gericht mit (möglichst fettem) Schafsfleisch zubereitet, aber für ausländische Gäste gibt es eher die gemäßigte Version. Und selbst im Land der Fleischesser werden mittlerweile auch vegetarische Varianten mit Gemüse zubereitet.

Beim Essen in der Mongolei gehört Schmatzen übrigens zum guten Ton. Es zeigt, dass es dir schmeckt. Vergiss also deine europäischen Tischsitten und schlürfe, was das Zeug hält!

Airag – das Nationalgetränk in der Mongolei

Auch Airag – die vergorene Stutenmilch, habe ich natürlich gekostet. Der Geschmack hat mich etwas an Ayran erinnert, das türkische Joghurtgetränk. Airag hat allerdings ein ganz spezielles Aroma, dass ich nur schwer beschreiben kann. Beim ersten Test fand ich es nicht so überzeugend, aber je öfter ich es getrunken habe, umso besser fand ich es. Da merkt man mal wieder, dass Geschmack gelernt ist…

Lesetipps: Du interessierst dich für Zentralasien? Hier findest du meine Gründe, warum es sich lohnt, die Mongolei zu bereisen – auch wenn es sicherlich nicht das einfachste Land ist. Viele praktische Tipps & Informationen stehen in meinem Travel Guide Mongolei und eine Packliste gibt es auch.

Diese Artikel könnten dich auch interessieren:

3 Kommentare

  • Reply Evy 9. Januar 2015 at 17:56

    Jedes Gericht kurz angerissen 🙂

  • Reply Vegalina 5. September 2014 at 20:30

    Neulich bin ich über die Mongolei geflogen und sofort von diesen endlosen Weiten fasziniert gewesen. Leider konnten wir keinen Zwischenstopp machen also wird das Land wohl noch eine Weile auf meiner Wunschliste warten müssen. Das Essen sieht sehr Milch-Fleischlastig aus oder ist das nur mein Eindruck?
    Liebe Grüsse
    Selina

    • Reply Beatrice 5. September 2014 at 20:45

      Liebe Selina, das traditionelle Essen ist in der Tat sehr, sehr milch- und fleischlastig. Wir waren mit mehreren Leuten unterwegs und hatten eine mongolische Köchin dabei, die hervorragend kochen konnte und sich auch an den westlichen Vorlieben orientierte. Insofern gab es oft Salat, Gemüse, Pasta etc. und ich habe es ganz gut hinbekommen, weitgehend vegetarisch zu essen. Ich glaube, dort vegan unterwegs zu sein, dürfte eine echte Herausforderung sein…. Viele Grüße, Beatrice

Schreibe einen Kommentar