Swanetien – Wandern in der ursprünglichsten Region von Georgien

By 29. Januar 2016 Georgien, Naturerlebnisse
georgien swanetien

Ich glaube, während unserer dreitägigen Trekkingtour durch Swanetien hat meine Freundin Mirjam kurzzeitig mit dem Gedanken gespielt, mich umzubringen. Es war nämlich meine Idee, eine Tour durch Georgien wählen, bei der wir auch in Swanetien wandern würden – was sich als ziemlich anstrengend herausstellte.

Ich kann mich an einige endlos lange, steile Aufstiege erinnern, wo mir mein keuchender Atem in den Ohren rauschte und ich mich einfach nur noch darauf konzentriert habe, ein Bein vor das andere zu setzen. Noch ein Schritt und noch ein Schritt und noch ein Schritt… Es war eine Herausforderung, aber auch unbeschreiblich schön, sehr ursprünglich und weit weg vom Trubel der restlichen Welt. Unterwegs trifft man nur eine Handvoll Wanderer verschiedenster Nationalität – wer hier auf Tour ist, hat sich ganz bewusst dafür entschieden.

Ein paar Hunde hatten sich auf Trekkinggruppen spezialisiert und begleiteten uns während unserer Tour. Zum Dank gab’s natürlich ein paar leckere Häppchen aus dem Lunchpaket. Unterwegs sind uns auch immer mal verwilderte Hausschweine begegnet, die ihr Leben in den Bergen genießen und quiekend die Flucht ergriffen, sobald jemand auftauchte.

Swanetien – Im Land der 1000 Türme

Die Bergwelt des Kaukasus ist einfach atemberaubend schön. Die vielfach gefalteten Berge sind von einem dichten, blumendurchwirkten Grasteppich bedeckt und sehen aus, als hätten sie sich ein elegantes Samtkleid übergeworfen. Die Gipfel sind schroff und schneebedeckt und in den alten Bergdörfern scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Leider auch mit negativen Auswirkungen, denn große Teile der Bevölkerung haben ihre Heimatdörfer verlassen, weil ihnen das Auskommen fehlte. Imposante, große Wohnhäuser stehen leer und verfallen, die berühmten Wehrtürme, denen Swanetien den Beinamen Land der 1000 Türme verdankt, bröckeln langsam vor sich hin.

Ein wenig Aufschwung ist allerdings auch zu beobachten, der unmittelbar mit dem Wandertourismus zusammenhängt. Unter den Naturliebhabern hat es sich herumgesprochen, welches versteckte Paradies hier schlummert. Einige Swanen haben die Gelegenheit genutzt, um kleine Gästehäuser zu eröffnen, in denen man sehr ursprünglich übernachten kann und köstlich verpflegt wird. Das Essen ist einfach, aber unglaublich lecker – dafür sorgen die Frauen des Familienclans, die mit vereinten Kräften in der Küche den Kochlöffel schwingen und nicht eher aufhören, bis man die Tischplatte vor lauter Köstlichkeiten kaum noch sieht. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass hier überwiegend die Frauen das Zepter in der Hand halten und sehr erfolgreich ihren kleinen Familienbetrieb führen.

Impressionen aus Adishi: Das Dorf wurde 1985 durch eine gewaltige Lawine zerstört – die Spuren sind noch heute sichtbar. Die Bewohner wurden umgesiedelt. Aber in der Zwischenzeit sind einige Familien wieder zurückgekehrt und bewohnen das Dorf im Sommer.

Georgien – Von Bergdorf zu Bergdorf in Swanetien

Die Wandertour von Mestia nach Ushguli ist eine der beliebtesten Strecken in Swanetien. Für die Dreitagestour startet man in Mestia und lässt sich mit dem Jeep zum Ausgangspunkt der Tour unterhalb des Ughvir Passes bringen. Hier beginnt man den Aufstieg und genießt gleichzeitig den Ausblick auf  die imposanten Berge. (Bei meiner Tour im Sommer 2015 war allerdings auf dem Ughvir Pass alles aufgewühlt und die Bauarbeiten für einen Skilift im vollen Gange.) Von dort wandert man bis Adishi und übernachtet in einem der Gästehäuser (sehr empfehlenswert: das Guesthouse von Maia).

Am nächsten Tag geht es talaufwärts entlang des Adishi-Flusses, den man – mangels einer Brücke – mit Hilfe von Pferden überqueren muss. (Zwei Jungs begleiteten uns mit Pferden ab Adishi und nahmen die Tiere dann wieder mit nach Hause.)

Der anstrengendste Teil der Wanderung ist der Aufstieg am Chkhutnieri-Pass, wobei man mit dem herrlichen Ausblick auf den Adishi-Gletscher entschädigt wird. Übernachtet wird in Iprali. Der letzte Teil der Tour führt nach Ushguli, von wo aus man per Jeep wieder zurück nach Mestia gelangt.

Georgien_Trekking in Swanetien_Gletscher bei AdishiAdishi-Gletscher

Praktische Tipps für die Tour

  1. Tag ca. 6 Stunden Laufzeit, ca. 12 km Distanz, 920 m Aufstieg, 480 m Abstieg
  2. Tag ca. 8 Stunden Laufzeit, ca. 18,5 km Distanz, 760 m Aufstieg, 900 m Abstieg
  3. Tag, ca. 5 Stunden Laufzeit (hier hat mich mein GPS leider im Stich gelassen)

Die Werte sollen nur grobe Anhaltewerte sein. Ich würde die Tour vom Anspruch als mittelschwer bis schwer bezeichnen.Wir wurden bei unserer Tour von einem Bergführer begleitet und das Hauptgepäck wurde für uns transportiert. Eine sehr luxuriöse Ausgangssituation also.

Georgien - Trekking in Swanetien

Wer auf eigene Faust unterwegs ist, sollte sich vorher gut über die Route informieren und mit GPS und Karte ausgerüstet sein. Hilfestellung gibt es im Touristeninformationszentrum in Mestia, wo auch Bergführer vermitteln werden oder Pferdetouren gebucht werden können.

I can’t get no sleep – erste Auswirkungen der Höhe

Wenn man den ganzen Tag auf den Beinen ist, sollte man meinen, dass man abends erschöpft in die Kissen sinkt und schläft. Aber ganz das Gegenteil war der Fall. Ich schlief schlecht ein, wachte immer wieder auf, musste nachts zur Toilette und war morgens alles andere als erfrischt, obwohl wieder ein anstrengender Tag vor mir lag. Nicht nur mir ging es so, sondern auch einigen meiner Mitwanderer. Zunächst habe ich überhaupt nicht den Zusammenhang hergestellt, dass die Probleme mit der Höhe zusammenhängen könnten, aber wir waren am 1. Tag auf rund 2.500 m unterwegs und am 2. Tag auf rund 2.750 m. Zum Schlafen sind wir nicht deutlich abgestiegen: Adishi liegt auf ca. 2.100 m und Ushguli ist mit 2.200 m eines der höchsten durchgehend bewohnten Dörfer in Europa.

Erste Symptome der Höhenkrankheit wie Leistungsverlust, Kopfschmerzen, Schwindel und Schlafstörungen können ab etwa 2.500 bis 3.000 Meter auftreten. Ursachen sind der in zunehmender Höhe abnehmende Luftdruck und Sauerstoffgehalt der Luft – dadurch kann es zu einem Sauerstoffmangel im Körper kommen, von dem besonders die Lunge und das Gehirn betroffen sind.

Das mit den Schlafstörungen kann ich leider bestätigen. Es ist also möglich, dass man unterwegs mit leichten Beschwerden rechnen muss. Deshalb wie bei allen Bergtouren der Rat: die Strecke bewusst langsam angehen, viel trinken, Alkohol meiden und mit seinen Kräften haushalten.

Georgien - Trekking in SwanetienUshguli

Insektenabwehr

Womit man in dieser Höhe möglicherweise nicht rechnet: beißende Insekten. Doch die Bremsen können in Swanetien leider ganz schön hartnäckig sein und meine Beine sahen ziemlich mitgenommen aus. Zwar hatte ich „Nobite“ dabei, habe aber ständig vergessen, es zu benutzen. Nimm also ein Abwehrspray Deines Vertrauens mit und verwende es bei Bedarf auch!

Mehr über Georgien & Swanetien – Lesetipps

Meine Bloggerkollegin Nina Kramm hat die gleiche Tour in Swanetien gemacht und auf ihrem Blog Reiselieber und als Gastautorin bei Weltreiseforum darüber berichtet. Ansonsten empfehle ich Dir auch noch meinen Artikel mit allgemeinen Tipps und Informationen über Georgien .

Vorbereitungen für das Abendessen in Ushguli. Das wunderbare Essen ist ein besonderes Highlight, wenn man groggy vom Wandern ist.

Geogien - Wahnsinnsberge, unberührte Landschaften und unglaublich leckeres Essen: Die Eindrücke von meiner dreitägigen Trekkingtour in Swanetien

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4 Kommentare

  • Reply Backpacking in Georgien: Reisetipps & Highlights 21. Juli 2016 at 12:53

    […] nachholen und meine Tipps an dieser Stelle einfügen 🙂 bis dahin kannst Du mit dem tollen Swanetien Bericht von Reisezeilen vorlieb […]

  • Reply Nina 2. Februar 2016 at 11:57

    Hi Beatrice,

    nach meinem Bericht auf Reiselieber.org weißt du ja schon, dass ich Swanetien liebe – aber jetzt muss ich erst recht nochmal hin!
    Schöner Bericht! Wann genau warst du denn da? Ich war im September 2015 dort unterwegs und man merkte, dass der Winter bald kommt. Mit nervigen Insekten hatte ich im Spätherbst zum Glück keine Probleme mehr 🙂

    Viele Grüße
    Nina

    • Reply Beatrice 2. Februar 2016 at 12:23

      Ich war im Juli 2015 dort und die Bremsen waren echt nervig… Meine Beine sahen schlimm aus, total zerbissen :/ Aber ich hab’s überlebt… 😀 😉

  • Reply Unterwegs in Georgien: Was du vor der Reise wissen solltest – Weltreiseforum: Langsam reisen in Asien und der Welt 30. Januar 2016 at 10:56

    […] Svaneti: Weit im Norden von Georgien liegt die raue Region Svaneti, die wunderbare Wandergebiete bietet. Der weiter oben erwähnte Blogger-Kollege Christian war dort und berichtet darüber. Ausserdem findest du auf weltreiseforum.com einen Gastbeitrag von Nina, die bei sich im Blog ausführlich zum Trekking in Svaneti  schrieb. Zur gleichen Wanderung schrieb auch Beatrice von Reisezeilen. […]

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