Wildnis & Natur hautnah – Der Ngorongoro Krater in Tansania

By 15. März 2017 Afrika, Fernweh, Naturerlebnisse, Tansania, Tierbegegnungen

Safari stammt von dem arabischen Wort „safar“ ab, was Reise bedeutet. Für mich immer noch ein magisches Wort, wenn auch die Game Drives von heute nicht mehr so viel mit der magischen Aura von „Out of Africa“ zu tun haben. Gerade der Ngorongoro-Krater zieht viele Besucher an. Je nach Saison und Tageszeit reiht sich ein Landcruiser an den nächsten und bei einer interessanten Sichtung kann es schon passieren, dass sich etliche Wagen um eine Stelle scharen und jeder versucht, den besten Blick zu erhaschen.

Aber trotzdem gibt es sie noch, die verzauberten Momente, wenn man ganz allein inmitten einer Herde von Zebras steht und die Tiere so nah sind, dass man fast die Hand nach ihnen ausstrecken kann. Wenn Elefanten direkt am Wegesrand stehen und Warzenschweine im Eiltempo mit zu Wimpeln erhobenen Schwänzen die Straße kreuzen – was ihnen den Spitznamen „Serengeti Express“ eingebracht hat.

Das Ngorongoro Schutzgebiet im Norden von Tansania

Es sind nicht nur die Tiere, die den Krater so einzigartig und überwältigend machen. Es ist auch die Vielfältigkeit dieses Öko-Systems: Die Hänge des Kraters sind überwuchert mit dichten, moosbewachsenen Wäldern, in denen sich immer wieder Fetzen von Dunst verfangen. Sobald man den Kraterrand erreicht, eröffnet sich eine tiefe Ebene, auf die Sonne und Wolken ein unregelmäßiges Muster zeichnen.

Zebras, Büffel und Gnus grasen friedlich nebeneinander. Die Wasserpools sind mit schnaufenden, prustenden und gähnenden Flusspferden bevölkert, die sich dem Motto verschrieben haben: Nur nicht unnötig bewegen. Immer wieder sehen wir Hyänen, die ihr Revier nach Beute durchstreifen oder faul in der Sonne liegen. Kronenkraniche und Riesentrappen stolzieren über die Graslandschaft. Für mich der Inbegriff des Paradieses auf Erden.

Die wichtigsten Fakten zum Ngorongoro Krater: Seit 1951 ist der Krater Teil des Nationalparks Serengeti. Außerhalb des Kraters leben und wirtschaften die Maasai in der Ngorongoro Conservation Area. Seit 1979 ist der Krater UNESCO-Weltnaturerbe und seit 2010 Weltkulturerbe.

Plötzlicher Wetterumschwung

Wir haben schon einen Großteil des Kraters durchfahren, als sich der Himmel plötzlich zu einem unruhigen Grau verdichtet, immer dunkler wird und plötzlich anfängt, prasselnd Wasser auf uns zu schütten. Der Weg verwandelt sich innerhalb von Minuten zu einem Fluss. Unser Guide Edward hat gerade noch einen Rastplatz an einem kleinen See erreicht, wo schon andere Landcruiser parken. Die Dichtung des Aufstelldaches hält der Regenflut nicht stand und durch eine Ritze quillt das Wasser. Wir versuchen das Leck mit einer Socke zu stopfen. Vergeblich. Schon nach wenigen Metern verschwindet die Landschaft hinter einen dunstigen Vorhang. Direkt neben dem Auto sitzt ein klitschnasses Perlhuhn und schaut vorwurfsvoll zu uns nach oben.

Es ist Januar. Trockenzeit in Tansania. So war es bis vor zehn Jahren. Aber längst hält sich das Klima nicht mehr an Tabellen und Temperaturen. Der Regen schwankt extrem, fällt aus, wenn er kommen müsste und überflutet das Land, wenn es trocken sein sollte. Dieser Schauer ist verhältnismäßig kurz. Wir fahren ganz langsam weiter. Einige Fahrzeuge haben sich festgefahren und die Guides helfen sich gegenseitig aus den Schlammlöchern. Nach kurzer Zeit sehen wir zwei Löwen, die gerade gar nicht majestätisch aussehen, sondern wie ausgelassene und wider Willen gebadete Katzenkinder.

Ngorongoro Krater

Weil die Löwen den Krater nicht verlassen und aufgrund der dichten menschlichen Besiedlung im Umland auch keine neuen Tiere von außen dazu kommen, stagniert die Population gerade auf einem sehr niedrigen Level. Als Folge der genetischen Isolation haben die Tiere teilweise schon aufgehört, sich fortzupflanzen. Mehr dazu bei NABU.

Auch die beiden Spitzmaulnashörner, die eiligen Schrittes unseren Weg kreuzen, sind eine glückliche Fügung. Es leben nur noch sieben Exemplare im Krater. Eine Mutter trabt mit ihrem Teenager-Nachwuchs durch das Gras, ohne Notiz von den vielen Fahrzeugen mit Touristen zu nehmen, die sie aus allen Richtungen beobachten.

Ngorongoro Krater

Informationen & persönliche Empfehlungen

Sollte man sich den Krater ansehen?

Ja, unbedingt. Ich gehöre ja nicht zu den Leuten, die Top-Listen erstellen, was man so alles im Leben erledigen sollte. Der Ngorongoro Krater ist für mich definitiv eines der Naturwunder Afrikas, das den Besuch in jedem Fall lohnt.

Ist es dort nicht ganz schön überlaufen?

Je nach Tageszeit und Saison sind dort schon recht viele Besucher auf begrenztem Raum unterwegs. Aber das Erlebnis lohnt sich trotzdem und es finden sich auch immer wieder ruhige Plätze. Im Vorteil sind die Gäste, die direkt am Kraterrand in einer der Lodges wohnen (die allerdings sehr teuer sind) und morgens eine kurze Anfahrt zum Krater haben. Alle, die etwas weiter weg wohnen, haben erst mal ein gutes Stück Fahrstrecke zurück zu legen.

Wie steht es um Nachhaltigkeit & Umweltschutz?

Ein komplexes Thema, zu dem ich nicht sehr viele Informationen gefunden habe. Für mich sah es so aus, als dass es zumindest teilweise gelingt, die Maasai vor Ort in den Tourismus einzubinden. Es gibt die Möglichkeit, Dorfprojekte zu besuchen und sich einen Eindruck von der traditionellen Lebensweise zu verschaffen. Allerdings müssen demgegenüber gerade neue Ideen und Ansätze für Viehzucht, Landwirtschaft und alternativen Einkommensquellen gefunden und etabliert werden, um der Bevölkerung ein perspektivisch besseres Leben zu ermöglichen und sie aktiv (z. B. als Ranger, Wildhüter, Guides etc.)  in den Schutz ihrer natürlichen Umwelt zu integrieren. Auch wird es sicher nötig sein, den Strom der Besucher zu regulieren und nur eine bestimmte Anzahl an Fahrzeugen pro Tag im Krater zuzulassen. Meines Wissens wurde das zwar diskutiert, aber bisher nicht umgesetzt.

Was ist die beste Reisezeit?

Der Krater kann das ganze Jahr über besucht werden. Bei Regen können die steilen Wege am Kraterrand gefährlich werden. Auch im Krater verwandeln sich die Straßen in kurzer Zeit in Schlammpisten, die nur schwer zu befahren sind. Die Trockenzeit beginnt im Juni und endet im Oktober. Auch die Monate Dezember bis März – direkt nach der kleinen Regenzeit – sind empfehlenswert. Das Problem ist allerdings, dass es mittlerweile auch in der Trockenzeit zu plötzlichen, starken Regenfällen kommen kann, wie wir es selber im Januar erlebt haben und dass andersherum Regenzeiten ausbleiben, die das Land so dringend benötigt.

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4 Kommentare

  • Reply Carolin 22. März 2017 at 10:47

    Hallo Beatrice,
    das finde ich sehr interessant: Der Krater ist also quasi ein ganz eigenes Biotop das ohne großen Austausch von außen existiert, ist das richtig? Gillt das nur für die Löwen, oder auch für die anderen, dort lebenden Arten?
    Liebe Grüße
    Carolin

    • Reply Beatrice 22. März 2017 at 12:44

      Liebe Carolin,
      der Krater ist in dem Sinne kein Biotop, sondern durch die veränderten Umweltbedingungen (stärker werdende menschliche Besiedlung im Umland) abgeschnitten von anderen Schutzgebieten wie z. B. die Serengeti. Wie schon im Artikel erwähnt, gibt es deshalb bei den Löwen keine neuen Tiere, die von außen zuwandern. Die einzigen Tiere, die noch aus den Krater wandern und wieder herein sind die Elefanten.
      Viele Grüße,
      Beatrice

  • Reply Britta 15. März 2017 at 16:49

    Hallo Beatrice, toller Artikel. Ich hätte zu gerne den vorwurfsvollen Blick des Perlhuhns gesehen. Aber er macht auch nachdenklich. Löwen von Rangerovern umzingelt und nur noch 7 Spitzmaulnashörner…
    Was ist jetzt besser, hinfahren und es sich ansehen, oder die Tiere lieber in Ruhe lassen. Ich schwanke gerade.
    Liebe Grüße Britta

    • Reply Beatrice 15. März 2017 at 17:06

      Ich glaube, der vorwurfsvolle Blick des Perlhuhns kam auch daher, dass es gehofft hat, etwas von unserer Lunchbox abzubekommen 😀

      Das Problem mit den Touristen: wenn es zu viel sind, schaden sie auf Dauer der Natur. Wenn es zu wenig sind, fehlt das Geld und Wilderei, illegaler Holzeinschlag etc. nehmen wieder zu. Es ist nicht einfach…

      Wenn du pure Wildnis haben willst, solltest du die Nationalparks im Süden Tansanias besuchen – leider nicht so gut als Familienreise geeignet, würde ich sagen. Dort gibt es wenig Besucher, weil die Infrastruktur fehlt. Es wird da wohl gerade auch ein neuer Flughafen gebaut und die Naturschutzbehörden hoffen auf mehr Touristen (und mehr öffentliche Aufmerksamkeit), weil die Wilderei dort leider ganz besonders schlimm ist.

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