Norwegisches Essen – Nicht nur Rakfisk & Gravlaks

By 30. August 2015 Essen & Trinken, Norwegen
Norwegische Spezialität Rakfisk Norwegen Essen

Wer ab und zu mal bei Reisezeilen vorbeischaut, hat schon gemerkt, dass es sich hier keinesfalls um einen Foodblog handelt. Ich bin nicht weltweit auf der Jagd nach ausgefallenen Genüssen und bei üppigen Gastmählern schwenke ich spätestens nach dem dritten Gang die weisse Fahne, weil ich einfach nicht mehr kann. Aber klar: auch ich muss essen und das tue ich sogar sehr gern. In Norwegen hat mir gefallen, dass viele Zutaten eher einfach sind, aus der Region stammen – und deshalb besonders lecker schmecken.

Während Frankreich und Italien immer wegen ihrer kulinarischen Höhenflüge gelobt werden und von der englischen Küche behauptet wird, dass sie tendenziell wenig schmackhaft ist, hat norwegisches Essen nicht mal einen guten oder schlechten Ruf, sondern eigentlich überhaupt keinen. Zumindest war das in meiner Wahrnehmung so.

Weil ich so unglaublich geschlemmt habe – was ich im Vorfeld überhaupt nicht erwartet hatte – hat sich klammheimlich ein Thema in den Vordergrund gespielt, auf das ich normalerweise gar keinen so großen Fokus lege: Essen & Trinken.

Sehr beliebt in Norwegen: Beeren in allen Formen und Farben. Werden auch gerne zu herzhaften Gerichten kombiniert.

Norwegisches Essen – Als Pescetarier unterwegs in Skandinavien

Ich habe während meines fünftägigen Trips nur einen kleinen Ausschnitt mitbekommen, insofern erheben meine Eindrücke keinen Anspruch, vollständig zu sein. Als Vegetarierin, die ab und zu auch mal Fisch isst, hatte ich in Norwegen eine reich gedeckte Tafel. Fisch gab es in vielgestaltigen Variationen und von der besten Qualität, die man sich überhaupt vorstellen kann. Fleisch erfreut sich ebenfalls großer Beliebtheit, darunter auch Elch und Rentier. Aber es ist kein Problem, fleischlos zu essen, sofern man auf Fisch ausweicht. Rein pflanzliche Kost ist sicher auch umsetzbar. Das hat allerdings dann nicht mehr viel mit traditioneller norwegischer Ernährung zu tun, die eben sehr auf Fisch, Fleisch und Milchprodukte ausgerichtet ist.

Rakfisk – Die norwegische Spezialität mit „Riechfaktor“

Essen ist ja immer eine kulturelle Eigenheit und wird schon im Kleinkindalter gelernt. Ekel kommt dann oft als Reaktion, wenn man etwas als ungewohnt oder verdorben wahrnimmt. Viele Landesspezialitäten sind jedoch gar keine „ekligen Lebensmittel“, sondern bedenkenlos genießbar – sie sind uns nur einfach nicht vertraut.

Rakfisk passt in diese Kategorie: es handelt sich dabei um Forelle, die in Bottiche mit eine Salzlake eingelegt wird und dort mehrere Monate reift. (Die Fermentation ist eigentlich ein Fäulnisprozess, der unter Luftabschluss stattfindet.) Wie man sich denken kann, riecht der Fisch recht intensiv.

Es gibt Rakfisk in drei Reifungsstufen: Der junge Rakfisk wird ca. drei bis vier Monate eingelegt, der mittelalte Fisch reift bis maximal fünf bis acht Monate und so richtig durchgezogen ist die Spezialität, wenn sie ungefähr ein Jahr im Bottich war.

Was sich im ersten Moment gewöhnungsbedürftig anhört, ist eigentlich ganz harmlos. Der Fisch ist nach der Reifung relativ weich und der Geschmack hat mich an Matjes erinnert (was ja auch nichts anderes ist als fermentierter Fisch). Selbst der „mittelalte“ Fisch ist gut geniessbar. Viel könnte ich von dieser Spezialität nicht verdrücken, aber kosten lohnt sich allemal.

Gegessen wird Rakfisk traditionell meist mit rohen Zwiebeln, Rømme (Sauerrahm) und Flatbrød (knuspriges Flachbrot aus Kartoffeln).

Tipp zur Rakfisk-Verkostung

Geruchs- und Geschmacksproben von Rakfisk sind bei Noraker Gård in Aurdal (Region Valdres) möglich. In einem charmanten, kleinen Lädchen kann man den Fisch kosten, kaufen und durch eine Glasscheibe beobachten, wie das fertige Produkt von Hand zerlegt und abgepackt wird. Den Hof gibt es seit dem 19. Jahrhundert – auf der angeschlossenen Fischfarm wird die norwegische Spezialität seit 1969 hergestellt.

Essen und Trinken in Norwegen

Wer jetzt denkt, dass die ganze Umgebung nach Fisch mieft, der irrt sich. Tradition und Hightech ergänzen sich insofern, dass der ganze Produktionsprozess unter makellosen Hygienebedingungen (und damit auch nahezu geruchsfrei) abläuft. Auch von der Haltung der Fische kann man sich mit eigenen Augen überzeugen, denn die großen Becken mit ständiger Frischwasser-Zufuhr sind direkt neben der Farm.

Gravlaks – Norwegisches „Fast Food“

Bisher hatte ich die Herstellung von „Graved Lachs“ als aufwändiges Verfahren abgespeichert. Ist es auch in der traditionellen Variante, bei dem der Fisch mit Beizstoffen (Salz, Zucker und Dill) eingerieben wird und dann für mindestens drei Tage in Strand- oder Erdlöchern vergraben (graved) und mit Steinen beschwert wird. Durch den Druck und die Beize wird Wasser aus dem Lachsfleisch herausgezogen und der Fisch fermentiert etwas, was eine längere Haltbarkeit zur Folge hat.

Heute wird der Fisch allerdings nicht mehr vergraben, sondern kommt zur Reifung einige Tage ins Kühlhaus. Eine Fermentierung findet wegen der Kälte nicht statt. Allerdings – und das war mir neu – kann man „Gravlaks“ auch im Schnellverfahren herstellen. Man braucht dafür ein gutes Lachsfilet, dass man in dünne Scheiben schneidet. (Braucht ein bisschen Übung, bei mir sah das Ergebnis eher aus wie Lachshackfleisch…) Danach bestreut man den Lachs gleichmäßig mit Salz, Zucker und Dill und lässt die Scheiben im Kühlschrank ein paar Stunden durchziehen – fertig!

Top-Tipp Kulturstua i Ro

Wer die Kulturstua i Ro in der Nähe von Lillehammer besucht, fühlt sich bei den Gastgebern Lina Dybdal und Tor Jacobsen wie in alten Wikingerzeiten.

Essen und Trinken in Norwegen

Auf dem Hof gibt es ein Restaurant, in dem traditionelles norwegisches Essen serviert wird. Man kann dort einen Festsaal mieten, es gibt ein paar Übernachtungszimmer und nicht zuletzt kann man Kochkurse für Gruppen buchen.

Dort habe ich nicht nur Bekanntschaft mit Gravlaks gemacht, sondern in Linas Garten gelernt, welche Kräuter schon zu alten Zeiten in Norwegen gebräuchlich waren und Tor hat uns gezeigt, wie früher der Hof bewirtschaftet wurde.

Eine magische Zeitreise mit fantastischen Menschen. Unbedingt empfehlenswert.

Norwegischer Aquavit – Ein Schluck Lebenswasser

Da Fisch bekanntlich schwimmen muss, noch ein kurzer Exkurs zum Thema Alkohol, der in Norwegen ziemlich teuer ist. „Hochprozentiges“ ist nicht unbedingt meine Vorliebe, aber probieren musste ich das Nationalgetränk dann doch: den goldgelben Aquavit. Das Wässerchen wird aus Kartoffeln gebrannt, mit Kümmel und Dillsamen versetzt und dann mit diversen Gewürzen wie Koriander, Fenchel, Zimt, Nelken etc. abgerundet.

Aquavit Verkostung Norwegen - Essen - Norwegische SpezialitätenSkål

Milchprodukte & norwegischer Käse

Mein Liebling unter den norwegischen Milchprodukten ist Kulturmjølk, eine Art Sauermilch, die ähnlich wie dünnflüssiger Yoghurt schmeckt, sich hervorragend mit Müsli und Obst mischen lässt – mein bevorzugter Start in den Tag – und in Norwegen auch gerne zum Backen benutzt wird. Passend dazu die coole norwegische Werbung: „MILK MAKES TOUGH NORWEGIANS“.

Ganz, ganz dicht auf Platz 2 folgt für mich der Braunkäse, auch Karamellkäse genannt. Diesen auf norwegisch „brunost“ genannten Molkenkäse kannte ich vorher nicht. Während der Herstellung wird die Molke lange eingekocht, wodurch der enthaltene Milchzucker karamellisiert. Der typisch süßliche Geschmack hat eine Menge Fans – mich jetzt auch! Traditionell wird der Braunkäse mit einem Käsehobel von den großen Käseblöcken geschnitten und mit Brot und etwas Marmelade gegessen.

Fun Fact: Der Käsehobel wurde übrigens in Norwegen erfunden!

P. S. Wir haben auf unserer Norwegen-Tour ein sehr leckeres Gewürzbrot gegessen, das mit besagtem Karamellkäse hervorragend schmeckt. Erfreulicherweise habe ich das Rezept ergattern können, das ich an den Food- und Reiseblog Jolly & Luke weitergereicht habe. Jolly hat sich direkt an die Arbeit begeben und einen tollen Artikel über das norwegisches Gewürzbrot Krydderbrødkake (oder ist es eher ein Kuchen?) gemacht. Schaut unbedingt bei ihr vorbei und probiert das Rezept aus!

Rezept Krydderbrødkake-JollyundLukeBildquelle: Jolly & Luke

P. P. S. Karamellkäse kann man auch ziemlich gut online bestellen – für den norwegischen Geschmack zu Hause! (Update vom 5. September 2015: Dank Jolly & Luke weiss ich jetzt, dass es den „brunost“ sogar in gut sortierten deutschen Supermärkten (z. B. REWE) gibt.)

Tipp zur Käseverkostung

Brennnesselkäse, Ziegenkäse, Käse mit Bockshornklee oder einer Pizza-Gewürzmischung aus Thymian, Oregano, Tomaten und Knoblauch – viele verschiedene norwegischen Käsesorten kann man in der Beito Cheesemakery – einem lokalen Käseproduzenten in Beitostølen (Wintersportgebiet in der Region Valdres) kosten und kaufen.

Nützliche Informationen für Fjellnorwegen

Einkaufen in NorwegenIch war in Fjellnorwegen unterwegs. Die Tipps zum Testen & Probieren beziehen sich auf die Regionen Valdres, Lillehammer & Gjøvik. Leider ist Norwegen nicht ganz preisgünstig, vor allen Dingen, wenn man in Bars, Restaurants oder Cafés essen geht oder auch einfach nur einen (alkoholischen) Drink nehmen möchte. Deshalb mein Tipp, wenn man das Reisebudget schonen will: Alle genannten Spezialitäten können auch einfach beim Produzenten oder im Supermarkt gekauft werden und gemütlich im Zelt, im Campingbus oder beim Couchsurfing verspeist werden.

Übernachtungsmöglichkeiten

Quality Hotel Strand in Gjøvik – Typisches entspanntes skandinavisches Design. Schöne, moderne Zimmer. In ein paar Minuten ist man zu Fuß am Mjøsa, dem größten Binnensee Norwegens.

Grønolen Fjellgard in Beito – Eher kleine Zimmer, aber sehr uriges, norwegisches Ambiente. Von hier aus können auch Wander- und Klettertouren gebucht werden.

Vielen Dank an Visit Norway, Region Valdes und Visit Lillehammer, die diese Reise ermöglicht haben.

 

Weil ich in Norwegen so unglaublich geschlemmt habe - was ich im Vorfeld überhaupt nicht erwartet hatte - hat sich klammheimlich ein Thema in den Vordergrund gespielt, auf das ich normalerweise gar keinen so großen Fokus lege: Essen & Trinken.

Diese Artikel könnten Dich auch interessieren:

  • Reisetipps & Informationen für GeorgienReisetipps & Informationen für Georgien Obwohl Georgien touristisch noch sehr unerschlossen ist, sind viele Reisende an der Region interessiert. Wer schon dort war, berichtet von gastfreundlichen Menschen, einer vielseitigen […]
  • Die Mongolei zu bereisen ist nicht einfach. Warum Du’s trotzdem tun solltest!Die Mongolei zu bereisen ist nicht einfach. Warum Du’s trotzdem tun solltest! Die Mongolei ist ein faszinierendes Land, aber kein einfaches. Dort zu reisen hat Expeditionscharakter, denn ausserhalb der Hauptstadt gibt es kaum befestigte Straßen und nur wenig […]
  • Shalom, Tel Aviv!Shalom, Tel Aviv! Als ich früh am Morgen den Vorhang an meinem Hotelfenster aufziehe, muss ich kurz die Augen schliessen, so strahlend hell ist das Sonnenlicht. Weiss leuchten die Häuser vor einem […]
  • Dhal Bhat & Co. – Typisch nepalesisches EssenDhal Bhat & Co. – Typisch nepalesisches Essen Ähnlich wie in der indischen Küche wird bei nepalesischem Essen nicht mit Gewürzen gegeizt. Auf den Straßen türmen sich die Säcke mit allen erdenklichen Zutaten, die entweder ganz, […]
  • Mongolisches Essen – Zu Gast bei den NomadenMongolisches Essen – Zu Gast bei den Nomaden Mit einem Lächeln reicht mir unsere Gastgeberin eine braune Schale, bis zum Rand gefüllt mit einer farblosen Flüssigkeit. Ich rieche kurz daran. Nichts. Vorsichtig nippe ich an dem […]

5 Kommentare

  • Reply Neni 2. September 2015 at 22:23

    Ich musste wirklich lachen. Ich dachte bislang auch, dass Norwegen kulinarisch gesehen so gar keinen Ruf hat 😀

  • Reply Jolly | jollyandluke.de 31. August 2015 at 14:41

    „Er du klar for ditt første glas?“ Ich bin sowas von bereit! 😉

    Mensch, das ist eine Reise nach meinem Geschmack! Sobald die Temperaturen das Backen zulassen schwing ich mich in die Küche! Das Rezept für das norwegische Gewürzbrot liegt schon da und wartet darauf gebacken zu werden!

    Liebe Grüße!
    Jolly

    P.s.: Mal wieder sehr schöne Bilder! Welche Kamera nutzt du eigentlich?

    • Reply Beatrice 31. August 2015 at 14:49

      Ja, die Temperaturen sind zum Backen echt tödlich 😉

      Danke für das Kompliment zu den Bildern. Ich fotografiere mit der Sony Alpha 6000. Habe ich mir letztes Jahr gekauft und ist seither im Einsatz…

      Liebe Grüße zurück!

  • Reply Geertje 30. August 2015 at 21:33

    Jag är klar!!!! die Milchwerbung ist ja wohl der Hammer! Danke dafür und den tropfenden Zahn nach dem Lesen des Artikels!

    • Reply Beatrice 31. August 2015 at 14:45

      Ja, diese Werbung habe ich per Zufall entdeckt. Sehr cool, das musste ich einfach mit in den Artikel nehmen…

Schreibe einen Kommentar