Graubünden – Im Land der Walser

By 11. August 2015 Land & Leute, Schweiz
Safiental_Blick vom Wasserfall ins Land Graubünden Schweiz

Ich schaue nach rechts und schaudere. Der Blick in die Tiefe der Rheinschlucht ist spektakulär – und für eine Akrophobikerin wie mich furchteinflößend. Zum Glück muss ich meine Höhenangst nicht allzu lange bezwingen: die Autostraße führt uns vom Abgrund weg – über Versam in Richtung Valendas, unserer ersten Etappe im Safiental.

Bergdorf Valendas

Das Wasser plätschert in einen großen Holzbrunnen mitten auf dem Dorfplatz – angeblich ist er der größte seiner Art in Europa. Was mich noch mehr beeindruckt: über den Brunnen wacht wie eine Galionsfigur eine Brunnennixe mit Florentinerhut. (Für mich sieht sie eher aus wie eine Meerjungfrau mit Sombrero, aber maritime Fabelwesen mexikanischer Abstammung dürften sich kaum in die Schweizer Berge verirrt haben.)

Die nächste Überraschung liegt gleich nebenan: Im historischen “Engihuus” befindet sich das Gasthaus am Brunnen. Als ich neugierig durch ein Fenster in die Gaststube schaue, entpuppt sich das betont schlichte, unprätentiöses Restaurant als Gourmet-Tempel, das im Gault Millau 2015 mit 14 Punkten bewertet ist. Das Gasthaus ist oft ausgebucht und zieht Gäste aus großer Entfernung an, bestätigt mir auch Regula Ragettli, die Dorf- und Museumsführerin in Valendas.

Safiental_Valendas_Dorfmitte Graubünden SchweizDorfansicht Valendas

Wir spazieren mit Regula durchs Dorf, vorbei an historischen Fassaden und alten Straßenzügen. An manchen Stellen scheint sich über die Jahrhunderte kaum etwas geändert zu haben. Hinter all der Idylle stecken viele Anstrengungen, um das Dorf für seine Bewohner auch langfristig attraktiv zu machen. Der Verein “Valendas Impuls”, zu dem auch Regula gehört, engagiert sich für eine Entwicklung der Region, für den Erhalt der alten Bausubstanz und einer Nutzung nach modernen Bedürfnissen. Der Arbeit des Vereins und der Stiftung ist es auch zu verdanken, dass aus dem Gasthaus am Brunnen im  “Engihuus” ein Anziehungspunkt für die gesamte Region werden konnte. An neuen Projekte mangelt es nicht, wie z. B. das alte, baufällige “Jooshuus”, das renoviert werden soll, sobald die Finanzierung gesichert ist und klar ist, welche Nutzung für das Gebäude aus dem 13./14. Jahrhundert möglich ist.

Highlights Valendas

✔️ Im historischen Türalihus in Valendas kann man Ferien im Baudenkmal machen. Mehr Informationen dazu gibt es bei der Stiftung Ferien im Baudenkmal auf www.magnificasa.ch

✔️ Feinschmecker und Liebhaber gehobener regionaler Küche werden es lieben: das Gasthaus am Brunnen ist gleichermaßen Restaurant und kleines Hotel.

✔️ Für einen spektakulären Blick über die Rheinschlucht bietet sich die Aussichtsplattform Islabord an.

Versam & Tour durch das Safiental

Nach unserem Rundgang durch Valendas haben wir im Gasthaus Rössli in Versam übernachtet. Besonders schön fand ich das Frühstück auf der Sonnenterrasse mit der besten hausgemachten Erdbeermarmelade, die ich seit langem gegessen habe.

Am nächsten Morgen ging es auf folgender Route weiter durch das Safiental:
Versam – Safien-Platz – Thalkirch – Wanderung zum Wasserfall – Rückfahrt bis Tenna

Tipps & Informationen zum Safiental

✔️ In Camadaboda (bei Safien-Platz), der höchsten, ganzjährig bewohnten Siedlung des Safientales auf fast 1.800 m, kann man ein altes Walserhaus besichtigen, das noch alle Einrichtungsgegenstände beinhaltet, die bei einem Wohnhaus üblich waren. Hier gibt’s alle Informationen über das Heimatmuseum Althus.

✔️ In Thalkirch haben wir einen kurzen Stop beim Gasslihof Beizli gemacht, um etwas zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen.

Safientag_Thalkirch_Gasslihof Beizli Graubünden SchweizGasslihof Beizli in Thalkirch

✔️ Gegenüber vom Berggasthof Turrahus kann man sich kostenlos ansehen, wie früher die Safier-Ställe ausgesehen haben.

✔️ Der Wasserfall ist perfekt für eine Mini-Wandertour mit Ausblick über das Safiental. Am besten parkt man das Auto am Ausgleichsbecken bei Wanna. Von dort aus sieht man den Wasserfall schon. Entweder macht man einen gemütlichen Spaziergang bis zu der Wiese, die vor dem Wasserfall liegt, oder man kraxelt wie wir noch den kurzen, steilen Anstieg bis zum Fuß des Wasserfalls. (Allerdings sollte man dabei auf seine elektronischen Geräte achten und nicht wie ich das iPhone aus der Hosentasche rutschen lassen. Auf diese Weise haben wir die Tour zweimal gemacht – und das Smartphone zum Glück wiedergefunden.)

Das alte Walserdorf Tenna

Glücklich und mit allen Telefonen im Gepäck sind wir bei einsetzender Dämmerung nach Tenna gefahren, wo wir in der Pension Alpenblick übernachtet haben. Von dem etwas altertümlichen Namen darf man sich keinesfalls täuschen lassen, denn das ehrwürdige Luftkurhaus entwickelt sich gerade zu einem Wohlfühl-Berghotel mit einer gelungenen Mischung aus alten Strukturen und neuem Design. Leider hatten wir viel zu wenig Zeit, alles richtig auszukosten, aber immerhin sind wir in den Genuss eines hervorragenden Abendessens gekommen und konnten auf der Veranda mit Blick auf das Safiental frühstücken.

Safiental_Tenna_Pension Alpenblick Graubünden SchweizPension Alpenblick in Tenna

Tenna bezeichnet sich selbst als Sonnenterrasse des Safientals. Für mich war viel einprägsamer, dass wir mit einem Schlag so viel enthusiastische und engagierte Einheimische getroffen haben, die uns mit ihrem Dorf vertraut gemacht haben. Da war zunächst Jakob Bardill, der als Lehrer in Tenna gearbeitet hat, und uns den Ort und die gotische reformierte Kirche aus dem Jahr 1408 mit ihrer aufwändig restaurierten spätgotischen Wandmalerei erklärte.

Den Korbflechter Michael Pöhl und den Schwyzerörgelibauer Reinhard Spörri trafen wir beide in ihren Werkstätten und und durften ihnen ein wenig bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Mehr über unsere Tour durch Graubünden findest Du hier:

Bergwandern im Prättigau/Graubünden: Ruhe, die süchtig macht
Mein Hoteltipp im Prättigau: Das Türmlihus in Fideris

Herzlichen Dank an Graubünden Ferien und Safiental Tourismus, die mir die Tour durch das Safiental ermöglicht haben.

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2 Kommentare

  • Reply Neni 19. August 2015 at 11:18

    Ich finds immer klasse, wenn man Leuten bei der Arbeit über die Schulter schauen kann, gerade bei so etwas wie Korbflechten.
    Das holt mich immer auf den Boden der Tatsachen zurück, dass nicht alles digital ist und es noch so schöne Handarbeit gibt, die nicht auf Massenproduktion aus ist.

  • Reply Jutta 12. August 2015 at 10:45

    Nicht wahr, die wahren Schätze liegen nicht mitten in Paris, London oder Singapur: auf dem Land, in den Bergen! Ziemlich spektakuläre Aussichten dort!
    Sonnige Grüße
    Jutta

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