Vorurteile über nachhaltiges Reisen – und warum sich das Ausprobieren lohnt!

By 8. Januar 2017 Nachhaltig reisen, Nachhaltigkeit
Vorurteile über nachhaltiges Reisen

Eigentlich mag ich das Wort Nachhaltigkeit überhaupt nicht! So oft ist es schon für die unterschiedlichsten Produkte, Prozesse & Branchen gebraucht worden und ein gewisser Abnutzungseffekt ist unbestreitbar. Außerdem ist es so abstrakt, dass man nicht so recht fassen kann, was Nachhaltigkeit eigentlich sein soll. Generell geht es um den Grundsatz, dass man nicht mehr verbrauchen soll, als künftig bereitgestellt werden kann. Das ist für Ressourcen wie Holz, Energie oder Erdöl noch relativ leicht nachvollziehbar, aber wie sieht es mit einem komplexen Thema wie Reisen aus?

Der Ansatz des nachhaltigen Reisens fängt gerade erst an, Fuß zu fassen und ist sehr erklärungsbedürftig. Einige Reisende haben schon Erfahrungen damit gemacht, andere können sich wenig darunter vorstellen. Und wie so oft im „postfaktischen Zeitalter“ werden „gefühlte Wahrheiten“ gerne als allgemeingültige Tatsachen dargestellt.


Wissenswertes: 2014 wurde vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) ein Bericht zum Thema Nachfrage für nachhaltigen Tourismus in Auftrag erstellt. 19,4 Mio. Personen bzw. 28% der deutschen Bevölkerung interessieren sich für ökologisch und sozial verträgliche Urlaubsreisen. Zwischen dem Wunsch, nachhaltig zu verreisen und der tatsächlich Umsetzung gibt es allerdings eine deutliche Diskrepanz. Laut einem Artikel in der Süddeutschen buchen nur 1 % der Deutschen nachhaltige Reiseangebote – und das, obwohl wir nach wie vor Urlaubsspitzenreiter sind. Als Hinderungsgründe werden überwiegend genannt: (vermutete) höhere Kosten, mangelnde Angebote und fehlende Informationen/Beratung.


Welche Vorurteile über nachhaltiges Reisen könnten der Grund sein, dass so wenig Deutsche die entsprechenden Angebote nutzen?

1. Viel zu teuer, das kann ich mir nicht leisten!

Bedeutet Nachhaltigkeit wirklich auch immer einen höheren Preis? Klar kann man in ein Luxus-Eco-Resort auf die Malediven reisen, was vermutlich nicht die kostengünstigste Urlaubsvariante darstellt. Aber wenn man nicht gleich eine Fernreise anvisiert, muss eine nachhaltige Unterkunft nicht mehr kosten, als ein vergleichbares anderes Hotel. Ich war kürzlich in einem Naturhotel im Schwarzwald, wo eine Übernachtung im Doppelzimmer mit Frühstück zwischen 69,- und 75,- EUR kostet – also ein ganz normaler Preis.

Modernes Design oder ein gehobenes Ambiente werden auch von nachhaltig geführten Hotels geboten. Man muss also keineswegs auf Komfort verzichten. Eines der schönsten, geschmackvollsten (und nicht teuren!) Hotelzimmer habe ich z. B. in dem kleinen Hotel Seehaus Forelle in der Pfalz bewohnt.

Recherchetipps: Eine große Auswahl nachhaltiger Übernachtungsmöglichkeiten (auch für Business-Trips!) weltweit findet man bei Green Pearl®. Im forum anders reisen haben sich über 100 Reiseveranstalter zusammengeschlossen, die sich für nachhaltigen Tourismus einsetzen.

Sehr wichtig finde ich es, wenn Anbieter generell ihre Kostenkalkulation transparent halten und genau erklären, was sie tun und warum sie es tun. Mir geht es beispielsweise so, dass ich gerne bereit bin, einen etwas höheren Preis zu akzeptieren, wenn ich weiss, dass ich mit dem Mehraufwand einen sinnvollen Beitrag leiste.

2. In so einem Nachhaltigkeitshotel trifft man bestimmt nur komische Leute!

Klar, da sind nur Ökos in Birkenstocks unterwegs und Yoga-Leute, die schon vor’m Frühstück Sonnengrüße machen.

Nein, aber im Ernst. Mir sind dort bisher nur ganz normale Leute begegnet. Paare und Alleinreisende und Geschäftsleute. Keine ungewöhnlichen Erscheinungen.

3. Gibt’s da nur Müsli und veganes Essen?

Ich persönlich freue mich über ein reiches Angebot an pflanzlichem Essen. Aber es muss sich niemand Sorgen machen, zu verhungern: Die Bandbreite für ein nachhaltiges Essen ist riesig und reicht von regionalen Spezialitäten über Bio bis zum veganen Imbiss. Da dürfte eigentlich jeder das Passende finden.

Im Restaurant des Hotels Lamm dürfte das Herz jedes Fleischliebhabers höher schlagen, denn es gibt eine große Auswahl an Fleischgerichten. Der Unterschied besteht nur darin, dass jedes Tier aus verantwortungsvoller Haltung stammt und nicht sein kurzes Leben in einem Mastbetrieb fristen musste. Trotzdem hatte ich kein Problem, für mich ein leckeres, vegetarisches Gericht auf der Karte zu finden. Da kommt also jeder auf seine Kosten.

4. Nachhaltigkeit lässt sich nicht mit einer Flugreise vereinbaren!

Dazu gibt’s ganz unterschiedliche Meinungen. Ich höre immer mal wieder, dass man aus Gründen der Nachhaltigkeit ganz auf’s Fliegen verzichten sollte. Natürlich verursacht Fliegen einen großen CO2-Ausstoß, aber globale Probleme lassen sich nicht dadurch lösen, indem ab sofort alle zu Hause bleiben.

Meine persönliche Taktik sieht deshalb so aus: Meine Kurzstrecken-Flugaktivitäten versuche ich zu minimieren, indem ich kürzere Distanzen mit der Bahn fahre. Jaja, ich mag die „super-verlässliche“ Bahn auch nicht besonders. Aber Strecken wie Aachen – Berlin oder Aachen – Zürich kann man teilweise ganz gut (und ziemlich kostengünstig) mit unseren Freunden vom Schienenfernverkehr zurücklegen.

Bei längeren Strecken kann man Klimakompensation betreiben, indem man an atmosfair spendet und dabei direkt in Klimaschutzprojekte investiert. Für mich ist das ein fairer Ausgleich, der auch nichts mit „Ablasshandel“ zu tun hat. Außerdem versuche ich natürlich, in Relation zur zurückgelegten Entfernung entsprechend lang im Reiseland zu bleiben.

Abgesehen davon, dass man den eigenen Horizont erweitert, ist verantwortungsvoller Tourismus in meinen Augen eine sehr gute Sache. Sobald Einheimische davon verlässlich ihren Lebensunterhalt bestreiten können, entsteht dadurch auch genügend Motivation, sich für den Schutz und Erhalt der Umwelt einzusetzen (statt z. B. von Wilderei abhängig zu sein oder Brandrodung betreiben zu müssen).

6. Ist das nicht alles nur Green Washing?

Leider gibt’s immer mal wieder Unternehmen, die sich nur allzu gerne ein grünes Mäntelchen umhängen, weil es gerade angesagt ist und sich so Kunden gewinnen lassen. Wenn man dann hinter die Kulissen schaut, wird’s mit der Nachhaltigkeit nicht so ernst genommen. Klar wird es immer ein paar schwarze Schafe geben. Dafür aber jede Bemühung zu ignorieren, die in die richtige Richtung geht, ist aber auch der falsche Ansatz, frei nach dem Motto: „Hat doch eh‘ alles keinen Sinn!“ Doch, hat es! Auch kleine Schritte sind hilfreich. Aber auch da ist die Transparenz wichtig, die ich schon oben erwähnt habe. Je mehr Anbieter kommunizieren und erklären, wie sie arbeiten und wozu sie etwas tun, umso besser kann man sich als Kunde darauf einlassen.


Ausblick: Meinen Individualtrip nach Tansania habe ich komplett über einen nachhaltigen Anbieter gebucht – und zwar über Accept Reisen. Das ist auch mein „1. Mal“, dass ich das in der Form gemacht habe und ich werde ausführlich berichten, wie es gelaufen ist, welche Eindrücke ich vor Ort gesammelt habe und was es gekostet hat. Beratung und Service waren im Vorfeld schon mal tadellos.

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9 Kommentare

  • Reply Kees van Surksum 19. Januar 2017 at 17:53

    Zu Punkt 4: „Zu Hause bleiben löst keine globalen Probleme“. Wie soll man das verstehen? Ein großes, globales Problem – unter das vor allem anderen als wir leiden – ist die Erderwärmung und der Flugverkehr ist dabei ein sehr großer Faktor. In Deutschland gehört der Ausstoß pro Kopf zur Weltspitze und das lässt sich alleine schon durch die Reisefreudigkeit erklären. Ein Flug Düsseldorf-Mallorca verursacht pro Passagier so viel Ausstoß wie ein Familienauto mit 15.000 Km Laufleistung pro Jahr. und damit werden auch noch glaich mehere Personen transportiert. Und der größte Paradox ist, dass gerade die Wählerschaft der Grünen in Deutschland am meisten Flugkilometer zurücklegt … !

    Der so genannten CO2-Ausgleich ist eine Mogelpackung ohne Gleichen. Mit Maßnahmen an der Erdoberflächen kann man die Tonnen an CO2 die direkt hoch in der Atmosphäre ausgepustet werden nicht abbauen. Und dort bleiben sie, ohne dass sie in irgendwelche Weise abgebaut werden. Und addiert sich und addiert sich …

    Nicht fliegen heißt noch lange nicht sofort zu Hause bleiben zu müssen, übrigens. Selbst reise ich viel mit der Bahn und alles, was dazu gesagt wird, wie Verspätungen, Ausfälle, Streiks, gilt fast genau so für den Flugverkehr. Kennen wir nicht alle die Bilder von gestrandeten Flugpassagieren?? Es ist in meinen Augen ein Gelegenheitsargument, weil man einfach nicht aufs Fliegen verzichten will.

    Ich verstehe Ihr Dilemma. Aber da lässt sich nichts schön reden. Beitrag Nummer Eins zur Reduzierung des CO² und jede Menge andere Schadstoffen in der Erdatmosphäre ist schlicht und ergriefend nicht zu fliegen.

    • Reply Beatrice 3. Februar 2017 at 16:44

      Hallo Kees,
      danke für Deinen Kommentar und sorry, dass ich jetzt erst dazu komme, Dir zu antworten.

      Ich stimme Dir zu, dass man bei kürzeren Strecken möglichst auf umweltfreundliche Alternativen wie z. B. die Bahn zurückgreifen werden sollte. Das habe ich in meinem Artikel auch geschrieben.

      Trotzdem bin ich nach wie vor der Meinung, dass es keine Lösung wäre, wenn niemand mehr fliegt – ganz davon abgesehen, dass der Flugverkehr bei weitem nicht der einzige Verursacher für den Klimawandel ist. Eine deutliche Reduktion tierische Produkte wäre z. B. auch ein wesentlicher Fortschritt. Den Tourismus generell zu verdammen, halte ich für falsch, denn er ist einer der größten globalen Wirtschaftssektoren, der sehr vielen Menschen das Überleben sichert. Klar halte ich nichts von heuschreckenartigen Besucherfluten, die mehr Schaden als Nutzen anrichten – weshalb es ja hier im Blog auch um nachhaltiges Reisen geht.

      Ein Beispiel: Gerade war ich in Tansania, wo einiges für die berühmten Nationalparks im Norden getan wird – eben weil sie Besucher anziehen, die wiederum Geld bringen und viele Arbeitsplätze ermöglichen. Ein Ranger vor Ort erzählte mir, welche großen Probleme es dagegen im Süden von Tansania gibt, wo es ebenfalls etliche Nationalparks sind, die aber eher unbekannt sind und verkehrstechnisch schlecht zu erreichen. Es gibt wenig Besucher, wenig Geld, dafür enorme Probleme mit Wilderei, illegalen Holzeinschläge (Stichwort Brennholz) etc. Die Menschen haben dort kaum Einkünfte und nehmen dadurch in Kauf, ihren Lebensraum langsam aber sicher zu zerstören. Ein sanfter Tourismus wäre also die Lösung für so einige Probleme und würde in dem Fall zum Schutz der Natur beitragen.

      Costa Rica ist nach meiner Meinung ebenfalls ein gutes Beispiel, wo Tourismus und Umweltschutz sehr gut Hand in Hand arbeiten.

      Genauso denke ich, dass Klimaschutzprojekte keinesfalls „Mogelpackungen“ sind, denn irgendwo muss man anfangen. Der Gedanke der Nachhaltigkeit muss in alle Richtungen gedacht werden und betrifft uns alle – nicht nur Menschen, die reisen. Es geht um die Frage, wie viel Müll wir verursachen, welchen Strom wir kaufen, ob wir Fahrrad statt Auto fahren und vieles, vieles mehr. Und nicht zuletzt ist es auch eine Frage dringender politischer Entscheidungen.

      Ein unendliches Thema, ich weiss.
      Beste Grüße,
      Beatrice

  • Reply Karoline 12. Januar 2017 at 20:34

    Hallo Beatrice,
    auf der Suche nach Blogs zu Natur- und nachhaltigen Reisen habe ich die Reisezeilen gefunden. Gefällt mir rundum sehr gut. Ich freue mich schon darauf bald mehr von dir zu lesen.

    • Reply Beatrice 13. Januar 2017 at 12:38

      Liebe Karoline,
      herzlichen Dank, das Thema Nachhaltigkeit ist bei mir immer mehr in den Fokus geraten. Ich find’s einfach ein wichtiges Thema und hoffe sehr, dass ich hier ein paar brauchbare Ideen und Anregungen sammeln kann. Freue mich in jedem Fall, wenn Du hier mal wieder vorbei schaust. Viele Grüße, Beatrice

  • Reply ReNatour 10. Januar 2017 at 11:33

    Schön, mal mit den Mythen aufzuräumen ;)!

    • Reply Beatrice 10. Januar 2017 at 15:03

      Danke! Vielleicht lassen sich ja ein paar mehr Reiselustige inspirieren, doch mal entsprechende Angebote zu recherchieren…

  • Reply Franka 10. Januar 2017 at 9:41

    Hallo Beatrice,
    schön, dass du das Thema anschneidest. Ich vertrete eine ganz ähnliche Einstellung. Natürlich ist fliegen nicht sonderlich nachhaltig, aber genau wie du sagst: Wenn alle zuhause bleiben, ist es auch keine Lösung für globale Probleme. Außerdem vertrete ich die Meinung, dass jeder Schritt in die Richtung eines verantwortungsbewussteren Lebens und somit auch Reisens wertvoll ist. Ich bin gespannt, was du berichten wirst 🙂
    Gute Reise und liebe Grüße,
    Franka

  • Reply Neni 9. Januar 2017 at 16:26

    Wirklich interessantes Thema, danke für dein kleinen Einblick.
    Ich bin dann schon einmal gespannt, wie die Reise nach Tansania abläuft und was du da alles an Erfahrungen zum Thema mitbringst.

    • Reply Beatrice 9. Januar 2017 at 19:45

      Danke, Neni! Ich bin auch gespannt! In zwei Wochen geht’s los! 😀

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