Das Hohe Venn in Belgien – Wasser in seiner schönsten Form

By 3. September 2014 Belgien, Naturerlebnisse
Wandern in Belgien

Immer mal wieder schweift mein besorgter Blick Richtung Himmel. In den letzten Tagen hatte es stark geregnet und auch die Prognose für heute sieht nicht allzu positiv aus. Ich bin mit acht anderen Travel- und Outdoorbloggern unterwegs – zum Wandern in Belgien.

Wandern in… Belgien?!

Unser westliches Nachbarland ist nicht gerade bekannt für Wandertouren. Zu Unrecht, wie ich bei meinen Ausflügen ins Hohe Venn festgestellt habe. Das Hochmoor ist eine Landschaft mit vielen Gesichtern: An einem sonnigen Sommertag verzaubert es den Besucher mit sanfter Anmut, die bei grauem Himmel und schlechtem Wetter in melancholische Verschlossenheit umschlagen kann.

Dieses Mal sollte ich das Venn von seiner rauen Seite kennenlernen.

Der Regen peitscht in Böen über die nassen Holzstege, über die wir mit unserem Naturführer laufen. Erwin Legros kann das Wetter nichts anhaben. Seine Augen leuchten vor Begeisterung, als er uns von seiner wallonischen Heimat und seiner Liebe zum Venn erzählt. Sein Vortrag sprüht von wissenswerten Fakten und Anekdoten. Die Themen wechseln schnell: historische Hintergründe, Pflanzen- und Tierwelt, Geologie, Klima.

Kein Detail entgeht seiner schnellen Wahrnehmung: eine eilig weghuschende Eidechse, die großen Blätter der Pestwurz oder ein besonders auffallender Stein am Wegesrand – Erwin weiß die Geschichte dazu.

Naturführer Erwin Legros

Im Moor herrscht eine permanente Wassersättigung.

Wasser, das ist hier überall. Es sammelt sich in großen Teichen und stillen Tümpeln, es gluckst und plätschert und hängt als kleine, glitzernde Tropfen an den filigranen Grashalmen. Die ständig positive Wasserbilanz sorgt dafür, dass aufgrund des Sauerstoffmangels pflanzliche Reste nicht abgebaut werden, sondern sich als Torf ablagern. Da sich immer mehr Torf ansammelt, wächst das Moor in die Höhe – daher auch der Name Hochmoor.

Belgien - Wandern - Hohes Venn - Reisen - Reisetipps - Ausflugtipss - Hochmoor - Moor

Um uns zu demonstrieren, dass es im Hohen Venn durchaus gefährlich werden kann, klettert Erwin vom Steg und steht auf dem Moorboden steht, der sofort anfängt zu schwingen. Der dichte Bewuchs aus Moos und Gräsern bildet eine elastische und sehr verletzliche Pflanzenhaut, die sich bewegt wir ein überdimensionaler Wackelpudding. Man darf nie vergessen, dass sich unter der dünnen Vegetation eine metertiefe und wenig trittsichere Torfschicht verbirgt. Erwin demonstriert das eindrucksvoll, indem er einen langen Stab nimmt und ihn tief in eine der dunklen, schlammigen Pfützen bohrt. Der Stock findet keinen festen Grund, egal, wie tief Erwin auch stochert.

Wer im Venn unterwegs ist, muss sich an die vorgeschriebenen Wege und Stege halten – aus Respekt vor der Flora und Fauna – und zu seiner eigenen Sicherheit!

Mehr oder weniger aufgeweicht und durchgefroren endete unsere Tour im Restaurant Le Mont Rigi, wo wir uns wieder aufwärmen und stärken konnten. Das Essen war sehr lecker – allerdings auch deutlich fleischlastig – als Vegetarier ist die Auswahl begrenzt.

Aktuelle Informationen über das Hohe Venn erhälst Du im Naturparkzentrum Botrange.

Unbedingt empfehlenswert! Den Naturführer Erwin Legros kannst Du buchen. Tel. +32 (0)87 740214

Weitere praktische Tipps zum Wandern in Belgien

Wenn Du eine Tour im östlichen Belgien planst, dann hilft Dir der Online-Wanderroutenplaner bei der Zusammenstellung Deiner Route.

„Go Eastbelgium“ gibt es auch als App für iOS und Android.

Ich war auf Einladung von Belgien Tourismus in den Ardennen und im Hohen Venn unterwegs.

 

Belgien: Unser westliches Nachbarland ist nicht gerade bekannt für Wandertouren. Zu Unrecht, wie ich bei meinen Ausflügen ins Hohe Venn festgestellt habe.

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3 Kommentare

  • Reply Wandern im Naturpark Hohes Venn Belgien - Eifel 17. Juli 2016 at 12:38

    […] Wasser in seiner schönsten Form – von Reisezeilen […]

  • Reply Katrin 22. September 2014 at 16:25

    Wow, deine Bilder und der Bericht sind wunderschön geworden. Es war ein tolles Wochenende und Erwin hatte recht: Wer einmal hier war kommt wieder. Ich bin total angefixt!

    LG Katrin

    • Reply Beatrice 22. September 2014 at 16:29

      Yay, vielen Dank!!! Dein Artikel über das Tal der Feen ist aber auch der Hammer! LG, Beatrice

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