Mehr wissen, besser entscheiden – 10 Fakten über Kreuzfahrten

Kreuzfahrt buchen

In Hochglanz-Prospekten mit strahlend weißen Schiffen ohne Abgas-Wolken werden Traumstrände, unberührte Natur und aufsehenerregende Landgänge beworben. Das lockt viele Gäste an, die eine Kreuzfahrt buchen. Mehr als 2 Millionen Deutsche haben sich 2017 von Hafen zu Hafen schippern lassen. Die Tendenz ist nach wie vor steigend.

Was sollte man wissen, bevor man sich in einem Kreuzfahrtschiff mit den Ausmaßen einer Kleinstadt über die Weltmeere reist und dabei womöglich auch in sensiblen Ökosystemen wie im südlichen Polarmeer oder in den Fjorden Nordeuropas unterwegs ist.

1. Schweröl verursacht eine enorme Luftverschmutzung

Fast alle 300 Kreuzfahrtschiffe, die weltweit unterwegs sind, werden mit Schweröl betrieben – ein billiges Abfallprodukt der erdölverarbeitenden Industrie. Ein großes Schiff verbraucht pro Tag ca. 150 Tonnen des hochgradig belastenden Antriebsstoffes, das 3500-mal mehr Schwefel enthält, als bei für PKW’s erlaubt ist. Bei der Verbrennung entstehen Unmengen an Schwefeldioxid, Stickoxid und Feinstaub bzw. Rußpartikel. Allein der Anteil an Schwefeldioxid in den Abgasen liegt bei über 5 Tonnen pro Tag und Kreuzfahrtschiff. Schwefeldioxid führt zu „saurem Regen“, der empfindliche Ökosysteme wie Wälder und Gewässer gefährdet

2. Giftige Abfälle werden teilweise illegal im Meer entsorgt

Schweröl ist bei Umgebungstemperatur nicht pumpfähig und muss bereits in den Tanks auf 40 bis 50 Grad aufgeheizt werden, um weiter aufbereitet werden zu können. Damit Schweröl überhaupt verbrannt werden kann, müssen unerwünschte Nebenstoffe, die sonst die Maschinen schädigen, über Filter und Separatoren abgeschieden werden. Es entsteht ein hochgiftiger Ölschlamm, der sogenannte Sludge, der teilweise illegal auf hoher See entsorgt wird.

3. Unfälle sind besonders umweltbelastend

Kommt es bei einem Schiff zu einem Unfall, bereitet die Sicherstellung von Schweröl besondere Probleme. Wie oben schon beschrieben muss es erhitzt werden, bevor es aus den Tanks entfernt werden kann. Unfälle mit Schweröl haben gravierende Umweltauswirkungen. Besonders bei niedrigen Temperaturen sinkt die mit Schwermetallen belastete Schwerölmasse zum Meeresgrund und vergiftet den Boden über Jahrzehnte. Leicht lösliche Teile des Schweröls treiben an der Wasseroberfläche und verunreinigen das Gefieder von Seevögeln, giftige Bestandteile schädigen Atmungs- und Verdauungssysteme der Tiere.

4. Auf See gibt es andere Schadstoffregelungen als an Land

Während auf dem Land der Ausstoß von Schadstoffen streng geregelt ist, verursachen Schiffe – auch die Kreuzfahrtschiffe – große Mengen an Schwefeloxide, Stickoxide, Ruß, Feinstaub und Schwermetall. Laut dem Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) ist die Schifffahrt einer der Hauptverursacher von Luftverschmutzung in Europa. Ohne Gegenmaßnahmen werden die klima- und gesundheitsschädlichen Abgase von Kreuzfahrt- und Frachtschiffen im Jahr 2020 die Emissionen aller anderen Quellen in der EU übertreffen.

5. Was passiert, wenn ein Kreuzfahrtschiff im Hafen liegt?

Legt ein Kreuzfahrtschiff im Hafen an, läuft die gesamte Versorgung pausenlos weiter. Schiffseigene Dieselgeneratoren erzeugen Tag und Nacht den benötigten Strom. Selbst, wenn eine Landstromanlage im Hafen vorhanden ist, wird sie häufig nicht genutzt, weil der selbst erzeugte Strom deutlich billiger ist. Weitere Probleme sind unterschiedliche elektrische Spannungen und Frequenzen in den Häfen, weil es noch keinen internationaler Standard für die Ausführung von Landstromsystemen gibt.

6. Gibt es bei Kreuzfahren umweltfreundliche Alternativen?

Auf einigen neueren Kreuzfahrtschiffen gibt es Stickoxid-Katalysatoren. Rußpartikelfilter kommen dafür so gut wir gar nicht zum Einsatz. Das ist aus Klimaschutzgründen sehr problematisch, denn vor allem in der Arktis lagert sich Ruß auf Schnee- und Eisflächen ab, verändert deren Strahlungsverhalten und verursacht damit eine frühere und intensivere Schneeschmelze.

Bisher ist nur ein Kreuzfahrtschiff, die AIDAnova, mit LNG als Treibstoff unterwegs. Flüssigerdgas ist zwar auch eine fossiler Kraftstoff, kann aber zumindest die Luftverschmutzung drastisch reduzieren. Schwefeloxid und Ruß-Emissionen entfallen komplett und Stickoxid-Emissionen werden um etwa 70 Prozent verringert.

Hier habe ich über Fjordline geschrieben, die ihre Fähren mit LNG betreiben.

7. Auf Kreuzfahrten entstehen Unmengen an Müll und Lebensmittelabfällen

Wo so viele Menschen unterwegs sind, entstehen große Mengen Müll und an den Buffets werden viele Lebensmittel nicht gegessen, die dann entsorgt werden. Weil die Lagerkapazität nicht ausreicht, werden die Essensreste meistens im Meer entsorgt. Dort zersetzen sie sich zwar schnell, aber die Meere werden so überdüngt, das Algenwachstum steigt und der Sauerstoffmangel im Meer nimmt zu.

Was verbrannt werden kann, landet in der der schiffseigenen Verbrennungsanlage. Der übrige Müll wie Plastik, Metall und Glas wird gesammelt, gepresst und beim nächsten Landgang an ein Entsorgungsunternehmen gegeben. Da es weltweit einen sehr unterschiedlichen Umgang mit Müll gibt, kann man davon ausgehen, dass nicht alles optimal verbrannt oder recycelt wird.

Meine Erfahrungswerte, wie man Plastikmüll vermeiden kann.

8. Niedrige Steuern, lange Arbeitszeiten und schlechte Personalstandards durch das Fahren unter einer Billigflagge

Kreuzfahrtschiffe fahren häufig unter Länderflaggen, die es den Betreibern ermöglichen, große Summen Steuern zu sparen. Hinzu kommt, dass die Crew nicht nach europäischen Standards entlohnt und behandelt wird, sondern wie in dem Land, in dem das Schiff seine Flagge hat. Damit lassen sich grotesk lange Arbeitszeiten, schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne für den Großteil des Personals durchsetzen. Besonders im schlecht bezahlten Restaurant- und Küchenbereich, in der Wäscherei und im Housekeeping kommen die Beschäftigten aus absoluten Niedriglohnländern und haben auf den Schiffen keinerlei Möglichkeiten, sich gegen ihre Arbeitsbedingungen zur Wehr zu setzen.

9. Bei Landgängen profitieren Einheimische so gut wie gar nicht

Bei einer Kreuzfahrten finden Verpflegung und Übernachtung an Bord statt – die angesteuerten Destinationen profitieren kaum von der Flut an Kreuzfahrtgästen. Die Gäste buchen und zahlen viele Ausflüge direkt an Bord. Der überwiegende Teil der Gewinne bleibt somit bei den Kreuzfahrtbetreibern und den Reiseveranstaltern. Damit überwiegen sogar die Nachteile, wenn eine große Menge Kreuzfahrttouristen einen Ort bevölkern und nach kurzer Zeit wieder verschwunden sind, ohne dass die Wirtschaft des Urlaubslandes profitiert hätte.

10. Kreuzfahrten in nachhaltig, geht das?

Für mich sind Kreuzfahrten nichts. Ich war noch nie auf einem Schiff und daran wird sich auch nichts ändern. Die umweltschonendste Variante ist und bleibt, sich gar nicht erst auf eine Kreuzfahrt zu begeben. Wer nicht davon lassen kann, hat die Möglichkeit – genau wie bei Flügen – den CO2-Ausstoß zu kompensieren (z. B. bei atmosfair). Auch bei der An- und Abreise kann man sich schonend(er) verhalten, indem man z. B. kein Flugzeug nutzt.

Kreuzfahrtschiffe machen zwar nur einen kleinen Teil der weltweiten Schifffahrt aus, aber gerade sie ankern mitten in Hafenstädten und befahren sensible Ökosysteme in den Meeren. Deshalb ist es extrem wichtig, dass sich ein steigendes Umweltbewusstsein durchsetzt und dies auch von den Kreuzfahrtgästen eingefordert wird. Der deutsche Naturschutzbund NABU erstellt alljährlich ein Ranking der Kreuzfahrtanbieter gemessen an ihren Umweltauswirkungen. Dort kann man sich über den aktuellen Stand informieren und eine fundierte Entscheidung treffen.

Hier findest du meine Tipps, um nachhaltiger zu reisen.

NABU-Kreuzfahrtranking 2018 / Fotokredit NABU

2 Kommentare

  1. Ich bin auch eher skeptisch bezüglich Kreuzfahrten und habe deswegen noch an keiner teilgenommen. Trotzdem finde ich, dass deine Argunentation nicht ganz so solide ist, wie ich es mir von dir gewohnt bin.

    Der Punkt ist ja, dass niemand auf den Urlaub verzichtet. Deswegen muss man die Kreuzfahrten mit den Alternativen vergleichen.

    Zum Beispiel der Punkt Abfall. Der fällt ja auch bei einem Urlaub anderso an (auch zu hause). Ich wage zu bezweifeln, dass er in einem Hotel in Mexiko oder Thailand besser entsorgt wird.

    Oder der Punkt Angestellte. Ich kenne ein paar Leute, die auf Kreuzfahrten gearbeitet haben. Sowohl Europäer als auch Afrikaner und Asiaten. Sie alle bezeichneten die Löhne als fair. Hätten sie zuhause in einem Hotel gearbeitet, wäre der Lohn viel tiefer gewesen.

    Bezüglich Abgase stimme ich djr aber zu und wünschte mir mehr Verantwortung von den Anbietern.

    • Hey Oli! Danke für deinen Kommentar! Es stimmt schon, dass man auch die Alternativen heranziehen muss. Klar wäre es am umweltschonendsten, wenn wir alle zu Hause bleiben. Das halte ich aber nicht für realistisch und es würde in meinen Augen ein wesentliches, menschliches Kulturmerkmal wegfallen.

      Natürlich fällt in einem Hotel in Mexiko auch Müll an und damit wird vermutlich ebenfalls nicht so toll umgegangen. Ich finde, es ist aber trotzdem mengenmäßig etwas anderes, als wenn ein Ozeanriese den Müll von 5.000 Passagieren mit einem Schlag in einem Hafen ablädt.

      Auch das Lohnargument halte ich immer noch für haltbar, auch wenn die Beschäftigten in ihren Heimatländern womöglich noch weniger verdienen würden. Kreuzfahrtschiffe sind Unternehmen nach westlichen Standards, die sich aber (wie in so vielen Industriezweigen auch) daran bereichern, ihre Angestellten in Billiglohnländern anzuheuern. Nur so sind überhaupt die günstigen Preise möglich, die diesen Kreuzfahrtboom ausgelöst haben.

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