Ultimative Survival Tipps für das Reisen mit der Deutschen Bahn

Leben in vollen Zügen

Bahn Reisen Tipps

Eine wichtige Sache gleich vorneweg: Ich gehöre eigentlich zu den Bahn-Unterstützern. Züge sind eine ökologisch wesentlich verträglichere Reisealternative als Kurzstreckenflüge. Oftmals ist man mit der Bahn nicht viel länger unterwegs, als mit dem Flieger. Beim Flug muss man noch die Zeit einrechnen, die man für die Anreise zum Flughafen braucht, dazu Check-in, Security und Wartezeit. Meist liegt der Zielflughafen ziemlich außerhalb, sodass noch Taxi oder Nahverkehr dazukommen.

Wenn ich von Aachen nach Berlin fahre oder nach Zürich oder an die Ostsee, ist Bahnfahren angesagt.

Als langjähriger Autoverweigerer verfüge ich über einen reichen Schatz an Bahnerlebnissen – mehr, als mir lieb ist. Ich bin ein Jahr zwischen Job in Mainz und Wohnung in Mannheim gependelt. Bevor ich nach Aachen zog, habe ich von Mannheim aus regelmäßig den Liebsten besucht. Und auch sonst war ich oft auf Schienen unterwegs.

Abgesehen vom Umweltaspekt ist Bahnfahren – man muss da mal ganz ehrlich bleiben –  ziemlich nervtötend. Was ich schon an Verspätungen, Komplettausfällen, verpassten Anschlüssen, überfüllten Zügen, nicht existierendem Service, unfreundlichem Personal, kaputten Heizungen und Klimaanlagen erlebt habe – ich kann es unmöglich mehr zählen. Leider wird da sehr viel Potential verschenkt.

Bahnfahren – Vorbereitung ist überlebenswichtig

Aus leidvoller Erfahrung kann ich also behaupten. Es ist von essentieller Wichtigkeit, sich auf eine Bahnfahrt genauso vorzubereiten, wie auf einen Langstreckenflug. Wenn man täglich im Zug sitzt oder eine längere Strecke fährt, gehört das quasi zur Überlebensstrategie!

Buchung des Bahntickets

Ich buche eigentlich fast ausschließlich Sparpreise. So gut wie immer kann ich abschätzen, welchen Zug ich nehmen will/muss. Sollte es dann doch zu Verspätungen auf Seiten der Bahn kommen, ist die Zugbindung ohnehin aufgehoben. So kann man zumindest Geld im Vergleich zum Normalpreis sparen, der in meinen Augen unangemessen teuer ist.

ProTipp: Sei bei der Planung deiner Reiseroute nicht zu ehrgeizig. Umsteigen ist immer ein Risiko. Je weniger du den Zug wechseln musst, umso besser. Die Zeit zum Umsteigen sollte nicht zu knapp kalkuliert sein. Wer ganz sicher gehen will, sollte ca. eine halbe Stunde Pufferzeit bis zum Anschlusszug einrechnen. Die voreingestellte „normale Umsteigezeit“ bei Onlinebuchungen beträgt teilweise zehn Minuten – das kann eigentlich nur schief gehen. (Wenn du mit dem Zug zum Flughafen fährst, plane unbedingt genug Zeit ein. Die Chance, dass auf der Bahnfahrt etwas schief geht, ist hoch. Hier findest du weitere Tipps, um entspannt zum Flieger zu kommen.)

Ich verzichte immer auf eine Platzreservierung. Wie oft saß ich in anderen Zügen, als ursprünglich geplant, weil es eine Verspätung gab. Oder die Platzreservierungen wurden nicht angezeigt. Wenn ein Zug knallvoll ist, habe ich deshalb auch schon mal im Gang gesessen, aber ehrlich gesagt kommt das nicht so häufig vor. Es lohnt sich, den Zug einmal der Länge nach abzulaufen, denn häufig sind die Waggons in der Mitte voll, während ganz am Anfang oder am Ende noch Platz ist. Das setzt voraus, das man überschaubares Gepäck dabei hat, womit ich zum nächsten Punkt komme:

Planung eines (reduzierten) Reisegepäcks

Bei einer Bahnfahrt ist die Planung des Reisegepäcks mindestens genauso wichtig, wie bei einer Flugreise. Extrem schweres, unhandliches Gepäck solltest du nach Möglichkeit vermeiden. Das Mantra „weniger ist mehr“ muss definitiv in einem Zug erfunden worden sein. Nichts ist schlimmer, als ein überbreiter Trolley, den du verzweifelt versuchst, durch den ICE zu zerren. (Pssst, hier findest du meine Tipps für leichtes Gepäck!)

Am besten sind Rucksäcke, die nicht ausladender sind, als man selbst. Damit bahnt (Achtung, Wortspiel!) man sich seinen Weg durch den Zug. Ansonsten gut geeignet: schmale Rollkoffer oder eine Reisetasche mit Rollen, die man auch als Rucksack tragen kann. Ich bin schon seit Jahren auf größeren Reisen mit dem Osprey Sojourn 60* unterwegs und bei kurzen Trips ist der VAUDE Melbourne* in Handgepäckgröße ideal.

Umfangreiche Versorgung mit Reiseproviant

Essentiell wichtig! Wie oft habe ich in der Vergangenheit gedacht: „Ach, ich besorge mir was im Bordrestaurant“, um dann festzustellen, dass es kein Bordbistro gibt oder dieses aus unerfindlichen Gründen geschlossen ist. Von hohen Preisen, geringer Auswahl, geschmacklich/gesundheitlich eher fragwürdigen Angeboten etc. will ich hier mal gar nicht sprechen. Und der Bäcker am Bahnhof ist jetzt meist auch nicht das kulinarische Highlight.

Hier gilt es vorzubeugen! Das heisst: reichlich, leckeres Essen einpacken – und Getränke natürlich auch. Wasserflasche auffüllen, vielleicht noch einen leckeren Smoothie mixen und mitnehmen. Inspirationen gibt es in meinen Artikel über Reiseproviant und auch Energy Balls sind super zum mitnehmen geeignet. Hauptsache, du lässt es dir möglichst gut gehen! Die richtige Nervennahrung hilft dir dabei, dass du nicht so schnell deine gute Laune verlierst.

Wie man beim Bahnfahren die Nerven behält

Eine typische Situation: Du sitzt im Zug, der aus unerklärlicher Ursache immer langsamer fährt oder sogar mitten auf der Strecke anhält. Eine Durchsage gibt es nicht oder man bekommt zu hören, dass der Zug außerplanmäßig zum Halten gekommen ist. Ach, ja?! Du weisst genau, dass du deinen Anschlusszug nicht erreichen wirst. Da sind Nerven wie Drahtseile gefragt.

Ich kann dir aus eigener leidvoller Erfahrung sagen: Aufregen lohnt sich nicht. Folgende Strategien sind zumindest nützlich:

  • Mit der App DB Navigator nach der nächsten möglichen Verbindung suchen.
  • Falls du unterwegs bist zu einem Termin oder einer Verabredung: Mobilnummer parat haben und Bescheid sagen, dass du später kommst. Vermutlich wirst du als Reaktion Verständnis und Beileidsbekundungen erhalten. Wenn es um eine wirklich wichtige Sache geht, unbedingt von vornherein zusätzlich Zeit einplanen oder – bei langen Strecken – sogar einen Tag vorher anreisen.
  • Beiss nicht vor Wut in den Vordersitz, sondern lieber in die mitgebrachte Stulle (siehe Reiseproviant)

Diese weiteren Entspannungstechniken haben sich ebenfalls bewährt:

  • Ins Bordbistro gehen und ein Bier trinken. (Nur empfehlenswert, wenn nichts Wichtiges mehr ansteht.)
  • Tief durchatmen und sich im Zug die Füße vertreten.
  • Mit den Schultern zucken (gut gegen stressbedingte Nackenverspannungen) und sich dem mitgebrachten Entertainment-Programm widmen.

Für ausreichend Beschäftigung sorgen

Neben Essen und Trinken halte ich eine sinnvolle Beschäftigung für überaus wichtig auf einer Bahnreise. Wenn man sich in permanenter Wartehaltung befindet oder sich langweilt, dreht man auch viel leichter durch. Ob Arbeit oder Vergnügen – Hauptsache, du bist stundenlang ausgelastet. Laptop, Bücher, Filme, Musik, was auch immer… Jetzt ist die ideale Chance, deine Memoiren zu schreiben oder den Stammbaum deiner Familie in den letzten fünf Jahrhunderten zu recherchieren. Nur auf das ICE-interne Internet sollte man sich nicht allzu sehr verlassen. Ist ja schon ein großer Fortschritt, dass dafür nicht mehr bezahlt werden muss. Nur funktionieren sollte es dann auch. Bei mir hat es sich in den meisten Fällen zum Arbeiten als zu langsam herausgestellt. Ist aber auch nicht so schlimm, denn ich lade mir unterwegs meist Bücher auf mein Smartphone (Achtung, immer auch eine Powerbank zum Laden dabei haben!) und vertiefe mich stundenlang in einen spannenden Thriller.

ProTipp: Da ich meist allein mit der Bahn fahre und unterwegs nicht telefoniere, bevorzuge ich die Waggons, die als Ruhebereiche ausgewiesen sind. Ich finde, dass man dort wesentlich angenehmer reist. Es sei denn, man sitzt zur Oktoberfestsaison im ICE nach München, der vollgestopft ist mit feierlustigen Wiesn-Besuchern. Da kann man sich dann nirgendwo mehr verstecken…

Wie sind deine Erfahrungen mit der Deutschen Bahn? Welche Tipps hast du für Bahnreisen auf Lager?


Die mit einen (*) Sternchen gekennzeichneten Links sind Affiliate Links. Wenn ein Affiliate Link hier auf der Website benutzt wird, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich als Käufer/in ändert sich nichts. Es werden keine zusätzlichen Gebühren erhoben. Der Preis des Produkts bleibt exakt gleich.

 

4 Kommentare

  1. Hey Beatrice,
    vielen Dank für deinen sehr aufschlussreichen Beitrag. Ich selbst bin auch schon sehr viel mit der Bahn gefahren und habe viele blöde Sachen erlebt. Unangenehme andere Gäste, Verspätungen, Zugausfälle usw.
    Ich finde hier sollte man noch zwischen der Fahrt z.B. im RE oder im ICE unterscheiden. Mit dem ICE fahre ich eigentlich zimelich gerne. Dann komme ich endlich mal dazu, ein gutes Buch zu lesen und so ist die Fahrt auch meistens schnell vorbei 🙂
    Liebe Grüße,
    Carina

    • Hey Carina, lieben Dank für deine Ergänzung. Sicher ist es noch mal ein Unterschied, ob man im Regional- oder im Fernverkehr unterwegs ist. Ich fahre überwiegend lange Strecken und eigentlich könnten ICE’s echt toll sein. Mir sind aber oft die krassesten Dinge im ICE passiert. Besonders unangenehm ist das, wenn man zu einem Termin o. ä. muss… Liebe Grüße, Beatrice

  2. Hi Beatrice,
    haha, ich kann dir in vielen Punkten zustimmen. Auch ich bin oft mit der Bahn unterwegs und buche bei längeren Strecken auch Sparpreis – ohne Sitzplatzreservierung. Bin ebenfalls der Meinung, dass man als Einzelperson fast immer ein Plätzchen findet.
    Auch das Argument mit der Größe des Gepäcks und des Proviants kann ich nachvollziehen. So ein Ausflall oder eine Verspätung kommt schneller als gedacht;)
    LG Monique

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*