Once in a lifetime – Heißluftballon fahren über Kappadokien

Heißluftballon fahren

Ich muss gestehen, dass ich dem Heißluftballon fahren mit gemischten Gefühlen entgegen blickte. Einerseits loderte ungebremste Vorfreude in meiner Magengegend: „Über die märchenhafte Felsenlandschaft von Kappadokien schweben! Was für ein unvergessliches Ereignis!“

Immer dann, wenn mein Glücksfeuerwerk ein wenig nachliess, krochen leichte Panikgefühle durch meine Hirnwindungen. Ich habe nämlich Höhenangst, die nicht ganz logischen Grundregeln folgt. Manchmal ist es ganz schlimm, zum Beispiel auf hohen Gebäuden oder Brücken, manchmal merke ich fast gar nichts.

Mir war also nicht ganz klar, wie mein inneres Alarmsystem reagieren würde. Immerhin können Heißluftballons auf bis zu 3.000 Meter aufsteigen. Ich war mir also sicher, dass wir hoch genug fahren würden, um mich in Schockstarre zu versetzen. Andererseits kam es für mich unter keinen Umständen in Frage, diese unglaubliche Möglichkeit ungenutzt verstreichen zu lassen.

Nein, ich wollte unbedingt Heißluftballon fahren über Kappadokien.

Morgendämmerung in Kappadokien

Vor dem Heißluftballon fahren kommt bekanntlich das Aufstehen. Selten war ich um 5 Uhr so wach wie an diesem Morgen. Wir hatten Glück und es versprach, ein klarer, sonniger Tag zu werden. Dafür war es richtig kalt. Nachdem ich mir alles angezogen hatte, was sich an Kleidung in meinem Gepäck befand, konnte es los gehen.

Der Kleinbus, der uns zum Startpunkt bringen soll, fährt zügig durch die Dunkelheit. Ich bin schon ganz aufgeregt, als wir gefühlt im Nirgendwo halten. Direkt neben unserem Auto flammt ein großer Brenner auf und taucht die ganze Szene in ein flackerndes, rotgelbes Licht. Überall liegen halbvolle Ballonhüllen, die sich nach und nach mit der heißen Luft füllen, wie übergroße Lebewesen zu atmen scheinen und sich langsam aufrichten.

Die letzten Vorbereitungen zum Heißluftballon fahren

Es herrscht geschäftiges Treiben. Die Balloncrews eilt umher, die Gäste kommen an und umringen vorfreudig redend und lachend die Passagierkörbe. Ich bin erstaunt, wie groß die in vier Viertel unterteilten Körbe sind. In der Mitte unter dem Brenner steht der Kapitän in einem abgetrennten Bereich, von wo aus er den Ballon lenkt und navigiert. Insgesamt können 21 Personen mitfahren: in jedes Viertel klettern also sieben Passagiere und warten dich gedrängt darauf, dass es los geht. Die Aufteilung gibt bei Start und Landung mehr Halt und sorgt dafür, dass der Korb gleichmäßig ausgelastet ist.

Bevor es ernst wird, gibt es noch eine Einweisung, wie wir uns bei der Landung verhalten sollen: in die Hocke gehen und den Rücken gegen die Korbwand drücken. Dicht gedrängt mit den anderen Passagieren hat man so eine stabile Position und kann im Ernstfall nicht so leicht herumgeschleudert werden.

Um uns herum steigen die ersten Ballons in die Luft und ziehen an uns vorbei. Immer wieder lodern die Flammen der Brenner auf und erhellen die Morgendämmerung. Fast unmerklich fängt unser Korb an zu schweben und bewegt sich senkrecht nach oben.

Aufwärts in die Lüfte

Um mich herum herrscht teils andächtige Stille, dann wieder ungläubiges Lachen und aufgeregtes Tuscheln. Der Gasbrenner faucht und lässt uns weiter aufsteigen. Niemand an Bord bleibt unberührt von diesem Schauspiel. Es ist ein unwirkliches Bild, wie sich die bunten Ballons am blassblauen Himmel abzeichnen, darunter die surreale Sandsteinlandschaft von Kappadokien. Der Anblick ist so einmalig schön, dass ich nicht weiss, ob ich lieber staunen oder fotografieren soll.

Die Felsen unter uns scheinen zum Greifen nah und manchmal habe ich das Gefühl, wir streifen gleich einen der hoch aufragenden Steinkamine. Aber unser Kapitän navigiert unbeeindruckt und mit Präzision an jedem Hindernis vorbei.

Das Glücksgefühl wird ein wenig gedämpft, als wir auf über 800 Meter aufsteigen. Die Landschaft unter uns wird immer kleiner und der Angstpegel schnellt ein wenig nach oben. Egal, ich ziehe mich vom Rand des Korbes zurück und versuche, auch den Rest der Fahrt noch zu geniessen. Nach einer guten Stunde geht unsere Luftfahrt zu Ende. Der Ballon verliert langsam wieder an Höhe und steuert auf den Landeplatz zu.

Punktlandung auf einem Jeep mit Anhänger

Auf Kommando gehen wir in die Hocke. Ich mache mich innerlich auf eine holperige Landung gefasst und erwarte, dass uns der Ballon erst noch ein Stück über den Boden zieht, bis wir zum Stehen kommen. Das Gegenteil ist der Fall. Der Kapitän schafft es tatsächlich, den Korb genau auf einem Auto-Anhänger zu landen, der am Boden schon für uns bereit steht.

Wieder ist die Crew sofort zur Stelle, hilft den Passagieren aus dem Korb und verstaut sorgfältig den Ballon. Mit steif gefrorenen Gliedern klettere ich in unser Auto und freue mich auf eine heiße Dusche und ein üppiges Frühstück. Ich bin ich unglaublich froh, die Fahrt gemacht zu haben, auch wenn ich stellenweise etwas Angst hatte. Es hat sich tausendfach gelohnt: Die Ballonfahrt war eines meiner schönsten Reiseerlebnisse, die ich jemals hatte!

Mehr unvergessliche Abenteuer? Schau dir meinen Artikel über das märchenhafte Sahara-Festival in Tunesien an!

Weitere Tipps für die Region um Safranbolu und Kappadokien

Safranbolu ist eine Kleinstadt im Norden der Türkei. Wegen ihres typischen osmanischen Stadtbildes mit alten Fachwerkhäusern, Moscheen und Hamams gehört sie zum UNESCO-Weltkulturerbes. Besonders gut hat es mir auf dem Arasta Bazaar aus dem 17. Jahrhundert gefallen, wo man ganz stilecht seinen türkischen Kaffee trinken kann.

Ungefähr 10 Kilometer von Safranbolu entfernt befindet sich das ca. 750 Jahre alte Nomadendorf Yörük Köy, wo man durch die alten Straßen und Gassen schlendern kann, ein prachtvolles, osmanisches Wohnhaus und die Dorfwäscherei besichtigen kann.

Im trockenen Hochland zwischen Ankara, Konya und Aksaray befindet sich der Tuz Gölü, der zweitgrößte See der Türkei und gleichzeitig einer der salzhaltigsten Seen der Welt. Auf der weitgehend trockenen Oberfläche sammelt sich eine Salzschicht an, die den See wie eine surreale Mondlandschaft wirken lässt.

In der unterirdischen Stadt Kaymakli kann man ein einmaliges System aus Tunneln, Ställen, Lager- und Wohnräumen besichtigen. Das Labyrinth aus mehrere Stockwerken wurde teilweise schon im dritten Jahrtausend v. Chr. von den Hethitern – einem kleinasiatischen Volk des Altertums – angelegt. In der Anlage konnte man sich vor feindlichen Zugriffen schützen. Es wird geschätzt, dass sich zwischen 3.000 und 15.000 Menschen dort aufhielten.

Das Freilichtmuseum von Göreme ist ein einzigartiger Komplex aus mehr als 30 Felsenkirchen, Höhlenwohnungen und sakralen Gewölbe, die teilweise mit beeindruckenden Malereien verziert sind. Die bedeutendste Kirche – für die auch noch mal zusätzlich Eintritt bezahlt werden muss, ist die Karanlik Kilise, die sogenannte „dunkle Kirche“, in das kaum Licht von außen dringt. Es lohnt sich, noch mal das Geld zu investieren, denn die Wandgemälde sind sehr gut erhalten und von so intensiver Farbigkeit, dass sie alles davor gesehene noch mal in den Schatten stellen. In den Kirchen herrscht striktes Fotoverbot, sodass ich leider keine Aufnahmen von innen habe.

Informationen zur Oeger Tours Jubiläumsreise

Oeger Tours hat zum 50. Firmenjubiläum im nächsten Jahr eine ganz besondere Jubiläums-Rundreise mit Türkei-Highlights zusammenzustellen, deren Route ich in Teilen bereist habe.

Die Reise dauert 8 Tage auf der Route Istanbul – Safranbolu – Ankara – Kappadokien – Antalya. Von dort erfolgt die Rückreise oder es ist alternativ eine Bade-Verlängerung möglich. Hier sind alle Details zu der Jubiläumsrundreise zu finden.


Zu dieser unbezahlten Pressereise und der Ballonfahrt wurde ich von Oeger Tours eingeladen. Ganz herzlichen Dank dafür.

4 Kommentare

  1. Mutig!!!

    Wir reisten 2013 mehrere Wochen durch die Türkei. Den Ballonflug haben wir leider nicht wahrgenommen, Kappadokien aber trotzdem kennen gelernt.
    Toll mal von Safranbolu zu lesen. Die Stadt hat uns besonders gut gefallen und man liest und hört doch selten davon. Da werden wunderbare Erinnerungen wach.
    Einige Ziele, die Du beschreibst kannten wir noch nicht. Ein Grund nochmal hin zu fahren. Bist Du dort mit einem Mietwagen gereist oder wie warst Du mobil?

    Reiselustige Grüße
    Carolin

    • Kappadokien kann man auch ohne Ballonfahrt ganz hervorragend kennenlernen. Freut mich sehr, dass du trotzdem auch noch ein paar unbekannte Ziele entdeckt hast.

      Ich war nicht mit dem Mietwagen unterwegs. Es war ja eine Pressereise, insofern wurde für unseren Transport gesorgt.

      Reiselustige Grüße zurück, Beatrice

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