Der Baumkronenpfad Beelitz-Heilstätten: Eine einzigartige Kombination aus Naturerlebnis und geschichtlichem Abenteuer 

Stellt euch vor, ihr spaziert an einem sonnigen Frühlingstag zwischen zartgrünen Baumwipfeln und seid gleichzeitig umgeben von dem historischen Ensemble der denkmalgeschützten ehemaligen Lungenheilstätten. Genau das bietet der Baumkronenpfad Beelitz-Heilstätten. Gemeinsam mit einer Freundin entdeckte ich nicht nur die atemberaubende Aussicht, sondern auch die Ruinen eines historischen Ortes, der sich seit Jahrzehnten in einem stetigen Wandel befindet.

Vom Sanatorium zum Ausflugsziel: Die Evolution der Beelitz-Heilstätten

Die Beelitz-Heilstätten, ein architektonisches Ensemble von 60 Gebäuden, erstrecken sich über eine beeindruckende Fläche von 200 Hektar im Berliner Umland. Diese Anlage, die zwischen 1898 und 1930 von der Landesversicherungsanstalt Berlin errichtet wurde, zählt zu den größten Krankenhauskomplexen in der Region und steht heute unter Denkmalschutz.

Ursprünglich als Lungenheilstätten konzipiert, umfasste das Areal vier separate Bereiche, die nach Geschlechtern aufgeteilt waren: Zwei Bereiche nordwestlich der Bahnstrecke für Lungenkrankheiten und zwei südöstlich gelegene Bereiche für die Behandlung nicht-ansteckender Krankheiten. Diese klare Trennung spiegelte sich auch in der Aufteilung der Arbeitskräfte wider, denn Frauen waren hauptsächlich in den südwestlichen und Männer in den nordöstlichen Betriebsgebäuden beschäftigt.

Die Entwicklung des Komplexes erfolgte in drei wesentlichen Bauphasen. Die erste Phase unter den Architekten Heino Schmieden und Julius Boethke fand von 1898 bis 1902 statt, während der die Anlage um ein bedeutendes Heizkraftwerk ergänzt wurde, welches bis heute als technisches Denkmal gilt. Die zweite und dritte Bauphase (1908-1910 und 1926-1930), unter der Leitung des Architekten Fritz Schulz, verdoppelten nicht nur die Bettenzahl von 600 auf 1200, sondern erweiterten auch die infrastrukturellen und medizinischen Einrichtungen.

Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg

Während des Ersten und Zweiten Weltkriegs wurden die Heilstätten als Lazarett und Sanatorium für verletzte Soldaten genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Rote Armee das Gelände in Beschlag und nutzte es bis 1994 als eines ihrer größten Militärhospitäler außerhalb der Sowjetunion. In den nachfolgenden Jahren wurde ein Teil der Anlage saniert und für medizinische sowie pflegerische Zwecke neu genutzt, darunter eine neurologische Rehabilitationsklinik und ein Parkinson-Fachkrankenhaus.

Nachdem die Eigentümergesellschaft im Jahr 2001 Insolvenz anmelden musste, kam die Entwicklung des Areals zum Erliegen. Die Sanierungsarbeiten an den denkmalgeschützten Strukturen wurden größtenteils unterbrochen, wodurch ein bedeutender Teil der Anlage verfiel und erheblichen Schäden durch Vandalismus und Diebstahl ausgesetzt war.

Erst nach mehreren Jahren des Stillstands und anhaltenden Verfalls fanden im März 2008 die Gläubigerbanken endlich ein Käufer für das Gelände. Doch erst nach weiteren Verkäufen an private Investoren ab 2015 wurde mit der schrittweisen Sicherung, Restaurierung und Neunutzung eines Großteils der Gebäude begonnen.

Seit 2015, mit der Eröffnung des Baumkronenpfades, erlebt das Gelände eine Renaissance als touristische Attraktion, die die historische und natürliche Schönheit des Ortes zugänglich macht.

Hoch hinaus: Der Baumkronenpfad Beelitz-Heilstätten

Im September 2015 wurde auf dem historischen Gelände der ehemaligen Frauen-Lungenheilstätte der erste Baumkronenpfad in Brandenburg eröffnet. Was als 320 Meter langer Pfad begann, hat sich zu einer beeindruckenden Strecke von über 700 Metern entwickelt, die bis zu 23 Meter über dem Erdboden schwebt. Der Pfad bietet nicht nur eine einzigartige Perspektive auf die natürliche Umgebung, sondern auch auf die Ruinen des durch einen Brand zerstörten Pavillons B IV, besser bekannt als das „Alpenhaus“.

Von der dritten Plattform des markanten, 40 Meter hohen Aussichtsturms aus (oder barrierefrei per Aufzug) können Besucher den Pfad betreten. Die Tour durch die Baumwipfel führt sie direkt über das „Alpenhaus“. Von dieser Höhe aus sind die Überreste des alten Inventars und der Dachkonstruktion fast zum Greifen nah, während der Dachwald, der seit Jahrzehnten auf dem Dach wurzelt, eine beeindruckende Kulisse bietet.

Informationstafeln entlang des Pfades bieten spannende Einblicke in die Geschichte der Heilstätten und erklären die Vielfalt der Flora und Fauna der umliegenden Wald-Parkanlage. Der Aussichtsturm selbst, ein dreieckiger Stahlbau, ermöglicht von seiner obersten Plattform aus nicht nur eine fantastische Aussicht auf das Gelände, sondern auch bis zum Fläming im Süden und Berlin im Norden. Besucher, die den Turm zu Fuß erklimmen möchten, müssen 200 Stufen bis ganz nach oben laufen.

Mutprobe über den Baumwipfeln

Auf dem Baumkronenpfad Beelitz-Heilstätten windet sich eine „Metall-Schlange“ – eine Röhre aus Metallgitter – die sowohl über als auch unter dem Pfad entlangführt. Diese Herausforderung ist für die ganz mutigen Kinder (und Erwachsenen) gedacht, die sich trauen, auf diese Weise der Höhe ganz nah zu kommen. Für mich, die ich mit einer leichten Höhenangst zu kämpfen habe, bot der Pfad eine Art Konfrontationstherapie. Besonders herausfordernd war die riesige Hängematte mitten auf dem Pfad, die durch ihren freien Blick nach unten den Boden unter den Füßen scheinbar verschwinden lässt. Obwohl ich mich letztendlich dazu überwinden konnte, über die Hängematte zu gehen, war die „Metall-Schlange“ dann doch eine Nummer zu gewagt für mich.

Nützliche Tipps für Deinen Besuch im Baumkronenpfad Beelitz-Heilstätten

Alle Informationen findest Du auf der Webseite des Baumkronenpfads Beelitz-Heilstätten: baumundzeit.de

Öffnungszeiten: April bis September 10-19 Uhr, Oktober 10-18 Uhr, November bis Februar 10-16 Uhr, Oktober 10-18 Uhr (Kassenschluss jeweils eine Stunde früher)
Preise: Erwachsene 17 Euro, Kinder & Jugendliche 12 Euro, Kinder unter 6 Jahre frei, ermäßigter Eintritt 15 Euro

Gastronomische Angebote: Es gibt mehrere Möglichkeiten, sich auf dem Gelände mit Essen und Getränken zu versorgen. Wir haben uns mit Radler und Kuchen versorgt und gemütlich auf der Außenterrasse in der Sonne entspannt. Ob eine schnelle Erfrischung oder eine ausgiebige Mahlzeit, die Auswahl ist vielfältig.

Es werden verschiedene Führungen angeboten, zu denen Du hier Informationen findest: baumundzeit.de/fuehrungen

Von Mai bis September ist als weiteres Highlight ein Barfußpark zugänglich (kostet zusätzlich Eintritt).


Der Ausflug zum Baumkronenpfad Beelitz war eine private Unternehmung. Da ich ehrlicherweise gar nicht erwartet hatte, dass die Anlage so cool ist, habe ich meine Kamera nicht mitgenommen. Aber es wäre schade gewesen, nichts darüber zu schreiben. Deshalb hat mir netterweise die Presseabteilung des Baumkronenpfades mit Bildern ausgeholfen. Alle hier verwendeten Fotos sind also Copyright ©BAUM&ZEIT.

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