10 Dinge, die du vielleicht noch nicht über die Bretagne weisst

Sehenswürdigkeiten in der Bretagne

Bretagne Sehenswürdigkeiten

Frankreich gehört zu den TOP 10 der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen. Paris ist ein berühmter (wenn auch teurer) Touristenmagnet, das französische Essen ist Weltkulturerbe und die Lebensart über die Landesgrenzen berühmt. Das sind die ersten Gedanken, die mir beim Thema Frankreich in den Kopf kommen.

Aber wie sieht es mit der Bretagne aus, diesem wilden Zipfel im Westen, den ich vor kurzem besucht habe? Da muss man meist etwas länger nachdenken, es sei denn, man ist schon eingefleischter Bretagne-Fan. Vor meinem Trip sind mir spontan folgende Stichworte eingefallen: Atlantik, Austern, bretonische Ringel-Pullis und Leuchttürme. Alles richtig. Zusätzlich gab es noch ein paar neue Erkenntnisse, die ich mit euch teilen will:

Leuchttürme in der Bretagne: Lebensretter im Meer

Die bretonische Küste gehört mit ihren schroffen, zerklüfteten Felsen, dem wilden Wetter und der stark ausgeprägten Meeresströmungen zu den gefährlichsten der Welt. Seit Jahrhunderten sind deshalb die rund 50 Leuchttürme lebenswichtige Orientierungspunkte für die Schifffahrt vor der Bretagne.

Viele Leuchttürme wurden direkt an der Küste oder auf kleinen vorgelagerten Felseninseln errichtet. Es gibt aber auch Türme, die weit draußen im Meer stehen. In früheren Zeiten, als die Leuchtfeuer noch nicht automatisiert waren und Leuchtturmwärter dafür verantwortlich waren, wurden diese einsamen Orte als „Enfers = Hölle” bezeichnet.

Insel „Ile de Vierge“ mit dem gleichnamigen Leuchtturm, der mit 82,5 Metern der höchste Leuchtturm Europas ist. 392 Stufen führen nach oben. (Ich habe mich leider nicht hoch getraut. Höhenangst.)

Frisch aus dem Meer: Austern in der Bretagne

Austern sind schon seit langer Zeit eine begehrte Delikatesse, was übrigens schon im 18. Jahrhundert zu einer Überfischung der wilden Bestände geführt hat. Heute werden Austern hauptsächlich in kontrollierter Aquakultur gezüchtet – übrigens keine Erfindung der Neuzeit, denn schon im antiken Rom wurden Austern kultiviert. Bretonische Austern sind berühmt und wer die Spezialität frisch aus dem Meer kosten will, kann das z. B. in Canale auf dem Austernmarkt tun.

Dort hat man auch Gelegenheit, die sogenannte „Tischkultivierung“, eine Form der Austernzucht, mit eigenen Augen zu sehen. In der Gezeitenzone werden Eisentische aufgestellt, auf denen Säcke liegen, die mit Austern gefüllt sind. Diese sind bei Flut im Wasser und bei Ebbe im Trockenen. Die Säcke werden in regelmäßigen Abständen geschüttelt und gewendet, damit die Austern nicht zusammenwachsen und eine gleichmäßige Form bekommen, denn die Optik ist speziell für „Schlürfaustern“ wichtig ist.

Bretagne Sehenswürdigkeiten

Bretagne Sehenswürdigkeiten

Auf dem Markt in Canale kann man die Austern probieren. Oder, wenn man Vegetarier ist wie ich, einfach nur fotografieren.

Exkurs Nachhaltigkeit: Was Austern mit Meeresschutz zu tun haben

Alles Lebewesen im Meer sind Umweltverschmutzung und Mikroplastik ausgesetzt. Das betrifft Fische, Krustentiere, Muscheln und natürlich auch Austern. Letztere sind übrigens besonders empfindlich, was die Schadstoffbelastung angeht, weshalb die Zucht nur in besonders sauberen Meeresregionen möglich ist. Aber die Meeresverschmutzung ist ein globales Problem und geht uns alle an, denn unsere Ozeane sind miteinander verbunden. Mikroplastik wurde mittlerweile überall gefunden: an Stränden, auf dem Meeresboden, in Fischen und Meeresfrüchten. Wenn wir also erhalten wollen, was wir am Meer so lieben – in der Bretagne und jeder anderen Küstenregion auf der Welt – müssen wir uns dringend um diese ernsten Gefahren kümmern.

Getränke in der Bretagne: Wo man Cidre aus Tassen trinkt

Armorik, den bretonischen Whisky kannte ich schon, weil der Liebste ein Flasche in seiner kleinen Whisky-Sammlung hatte. Im ersten Moment war ich erstaunt, als ich davon hörte (und ihn probierte), aber eigentlich gehört Whisky ziemlich klar zur Bretagne, wenn man die starken keltischen Wurzeln bedenkt, die es in der Region gibt.

Cidre war mir auch schon vor meiner Reise ein Begriff, aber ich habe mein Wissen in der Bretagne, sagen wir, VERFEINERT. Das erste Learning bestand darin, dass man Cidre aus Keramiktassen trinkt und nicht etwa aus dem Glas! Es gibt den Cidre in der trockenen und etwas süßeren Variante. Was mir sehr gefallen hat, ist das feinperlige, ausgewogene Aroma. Das bekommt kein Apfelwein in Deutschland hin.

Chouchenn: Ein Honiglikör, der traditionell aus Buchweizenhonig hergestellt wird. Das Getränk ist sehr populär als Apéritif.

Die Flaschen kann man allein schon wegen den schönen Etiketten kaufen.

Eine Märchenwelt unter Wasser: Algen in der Bretagne

Der Atlantik ist voll mit den unterschiedlichsten Algen, die sich wie ein märchenhafter Unterwasserwald in der Meeresströmung wiegen. Ich konnte mich davon mit eigenen Augen auf meiner Schnorcheltour mit Kegelrobben überzeugen. Sobald sich das Meer bei Ebbe zurückzieht und die Boote in den Häfen wie Spielzeug auf dem Trockenen liegen, kann man es sogar vom Land aus sehen: Der Boden ist bedeckt mit einem Gewirr aus Algen.

Algen, alles Algen!

Was sich im Meer findet, wird in der Bretagne auch kulinarisch verarbeitet. Algen werden in unzähligen Produkten zugesetzt. Weit über die Landesgrenzen berühmt ist z. B. die Algenbutter von Monsieur Bordier, einem bekannten bretonischen Buttermacher. Die leicht grünlich schimmernde Algenbutter ist mit feinen Streifen von Trockenalgen marmoriert und holt den den Geschmack des Meeres auf den Tisch. Wer das gerne testen möchte und gerade nicht in der Bretagne ist: Bestellen kann man die Algenbutter z. B. beim Genusshandwerker.

Exkurs Nachhaltigkeit: Das Problem der Algenpest

Auch bei den Algen gibt es eine negative Seite: die Algenpest, unter der die Bretagne immer wieder zu leiden hat. Hauptursache ist die Überdüngung der landwirtschaftlichen Nutzflächen mit Gülle aus der Massentierhaltung. Der überschüssige Stickstoff kann von den Feldern nicht komplett aufgenommen werden und gelangt in Form von Nitraten in Flüsse, Seen, ins Grundwasser und zum Schluss ins Meer. Dort regen die Nitrate das Wachstum von Grünalgen an, die als grüne Masse an die Strände gespült werden, wo sie verfaulen und giftige Dämpfe freisetzen.

Es gibt in der Bretagne sehr starke Bemühungen, sich um dieses Problem zu kümmern und es gibt keinen Grund, die Region aus diesem Grund zu meiden. Die Strände werden überwacht und großflächig bereinigt. Auf der offiziellen Seite von TOURISME BRETAGNE gibt es auch eine Umweltinformation zu diesem Thema.

Aber eine wirkliche Besserung kann es natürlich nur geben, wenn man sich auch um die Ursachen kümmert, zumal die Grünalgen nicht nur die Küste verschmutzen, sondern auch ernsthaft das ökologische Gleichgewicht im Meer stören. Es gibt seit 2010 ein Programm zur Bekämpfung der Grünalgen, was die öffentliche Hand und die bretonischen Bauern verpflichtet, die Nutzung der Düngemittel tiefgreifend zu überdenken. In Deutschland wird ja leider erbittert über viele Umweltthemen gestritten und ich kann nur vermuten, dass es in Frankreich ähnlich ist.

Tierbeobachtung in der Bretagne: Delfine & Kegelrobben

Was ich vorher nicht wusste und was mich in der Bretagne sehr begeistert hat: man kann dort ganz hervorragend Tiere beobachten. Über meine Tour zu den Kegelrobben habe ich schon ausführlich berichtet.

Mit der lokalen Delfinschutzorganisation Al-Lark bin ich in der Bucht von Cancale hinausgefahren und konnte bei strahlenden Sonnenschein einige Delfine beobachten, sogar mit Nachwuchs. Die kleine Gruppe ist zwar nicht ganz so nah ans Boot gekommen, wie die Möwe oben. Aber es war ein absolut beeindruckendes Erlebnis, die rasend schnellen Schwimmer in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten.

Legendäre Streifen: Das Marinière

Das Marinière, der gestreifte Pullover, ist wohl das berühmteste Kleidungsstück der Bretagne schlechthin. Ursprünglich wurde es von Fischern getragen, die so leichter im Wasser zu sehen waren, wenn sie über Bord gegangen sind. Später wurde das Oberteil von der Marine übernommen und um ein einheitliches Aussehen zu gewährleisten, wurden 21 weiße Streifen als Standard festgelegt. Das entsprach der Anzahl der napoleonischen Siege.

Noch heute werden die traditionellen Streifenshirts von Amor Lux in der Bretagne gefertigt, es gibt alle möglichen modische Variationen, aber die Grundversion ist unverändert erhalten. Da ich viele Jahre in der Modebranche tätig war, kann ich mir den Hinweis nicht verkneifen, dass ich die Heritage-Kollektion am schönsten finde.

Die Bretagne ist eigentlich ein Gebirge

Was mir sofort aufgefallen ist, als ich in der Bretagne unterwegs war: die Landschaft hatte nicht diese komplett flache, erhebungslose Anmutung, die sonst oft in Küstenregionen zu finden ist. Die Atmosphäre hat mich eher an die Berge erinnert und wie ich dann später erfahren habe, lag ich mit dieser Assoziation nicht daneben. Die Bretagne ist geprägt vom geologisch sehr alten Armorikanischen Massiv, das allerdings keine hohen Gipfel aufweist, sondern eher Hügelcharakter hat. Das genügt aber, um die Landschaft sehr malerisch und abwechslungsreich zu gestalten.

Schönster Rundblick: Mont Saint-Michel de Grasparts mit kleiner Kapelle aus dem Jahr 1672.

Der Roc’h Trévezel ist mit 384 m die zweithöchste Erhebung der Bretagne.

Weitere Informationen: Die Aufnahmen sind in den Montes d’Arrée entstanden, wo man hervorragend die Hügel, Felsen und bunte Heidelandschaft bewundern kann.

Huelgoat – Ein sagenumwobener Wald

Der Wald von Huelgoat ist eine mystische Felsenlandschaft mit unzähligen Granitbrocken entlang eines zunächst unterirdisch dahin rauschenden Wildbachs. Das Gestein ist vulkanischen Ursprungs, aber viel schöner als die wahre Entstehungsgeschichte ist die Sage, dass ein Riese wütend die Brocken in den Wald schleuderte, weil die Dorfbewohner so geizig waren und ihm nur eine kleine Mahlzeit anboten, als er dort Rast machte.

Die Felsen sind eingebettet in eine dichte Waldlandschaft mit alten Bäumen, die immer wieder neue, schöne Perspektiven bieten. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit ist alles dicht mit Farnen und Moosen überwuchert. Man kann die schöne Wassermühle (Moulin du Chaos) bewundern, in die geheimnisvolleTeufelsgrotte (la Grotte du Diable) klettern und seine Kraft an einem riesigen Steinblock (la Roche Tremblante) messen, der sich bewegen lässt, wenn man an der richtigen Stelle drückt.

Tipp: Bei der Wanderung auf feste Schuhe achten. Die Wege können teilweise schlammig und rutschig sein.

Die bretonischen Crêpes

Crêpes sind zwar in ganz Frankreich und über die Grenzen hinaus bekannt, aber ihren Ursprung haben sie in der Bretagne. Dort werden sie aus zwei verschiedenen Mehlsorten zubereitet: Für alle herzhaften Crêpes verwendet man das traditionelle Buchweizenmehl. Dann heißen sie Galettes oder auch “Crêpes au sarrasin”. Für die süße Crêpes nimmt man Weizenmehl. Kein Bretone würde auf die Idee kommen, einen hellen Crêpe mit herzhaften Zutaten zu füllen, so wie es bei uns gemacht wird. Aber wer einmal echte bretonische Crêpes gegessen hat, wird sich vermutlich ohnehin nie mehr für die kulinarisch zweifelhaften Kreationen begeistert können, die an deutschen Crêpes-Ständen verkauft werden.

Es gibt Grundversionen, mit einem hauchzarten, leicht knusprigem Crêpe und ganz einfachen Füllungen mit Ei, Schinken oder Käse. Dann gibt es aber in fast jeder Crêperie noch raffinierte Specials mit Algenbutter, Ziegenkäse, Lachs oder Camembert. Als Dessert kann man sich unter köstlichen Varianten mit Eis, Karamell oder üppiger Valrhona-Schokolade entscheiden.

Anmerkung: Vegetarisch zu essen ist in den Crêperien kein Problem. Auf Nachfrage können bestimmte Zutaten einfach weggelassen werden. Vegan zu essen, dürfte allerdings schwierig werden.

Palets Breton – Die besten bretonischen Kekse

Das sage ich jetzt nicht nur, weil ich die Palets selbst gebacken haben. Es sind eigentlich ganz einfache, runde, relativ dicke Mürbeteig-Kekse aus Zucker, gesalzener Butter, Eigelb, Mehl, etwas Backpulver und Fleur de sel. Mich hat das Gebäck an das klassische Shortbread erinnert. Einfach unheimlich lecker und ohne viel „Chichi“.

Bei La Maison Guella kann man in einem Backkurs lernen, die Palets zu machen. Oder man kauft sie in dem angeschlossenen Laden ein, der jede nur erdenkliche bretonische Spezialität bietet: Von Cidre, handgemachten Bonbons über Salzkaramell bis zum Fleur de sel, einfach alles.


Mein herzlicher Dank geht an den Tourismusverband der Bretagne, der mir diesen Trip ermöglicht hat. 

 

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2 Kommentare

  1. die Bretagne ist echt toll, ich war schon als Kind oft dort, aber im Huelgoat war ich noch nie, klingt aber auch toll
    vegan zu Essen ist dort auch tatsächlich leider nicht so einfach, ohne Selbstverfplegung geht es jedenfalls nicht meiner Erfahrung nach
    liebe Grüße

    • Stimmt genau. Vegetarisch geht schon, aber vegan wird echt schwierig. Da muss man sich dann wirklich selbst versorgen. Viele liebe Grüße zurück, Beatrice

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