Warum ich dieses Jahr meine Flüge ausgleiche & denke, dass CO2-Kompensation kein Ablasshandel ist

CO2 Ausstoß

Ich sitze hier gerade mit Stift und Notizbuch bewaffnet und schreibe Listen zu unserem CO2 Ausstoß. Genauer gesagt: Fluglisten mit Destinationen, zu denen mein Liebster dieses Jahr aus beruflichen Gründen geflogen ist. Darunter meine Aufzählung der Flüge, die ich dieses Jahr als Blogger zurückgelegt habe. Gleichzeitig gebe ich die Strecken in den Kompensationsrechner von Atmosfair ein, um herauszufinden, welche Emissionen dafür angefallen sind.

Wir haben beschlossen, dass wir für alle Flüge, die dieses Jahr bei uns angefallen sind, einen CO2-Ausgleich zu machen. Ich bin selbst gespannt, wie das Ergebnis ausfallen wird, denn bei den meisten Strecken habe ich keine genaue Vorstellung, wie hoch der CO2 Ausstoß tatsächlich ist.

Hier findest du meine Tipps für nachhaltiges Reisen.

Der Moment der Wahrheit: Die Kalkulation der Emissionen

Der Rechner von Atmosfair ist ziemlich präzise einstellbar: alle Airports sind abrufbar, man kann Zwischenstops und Sitzklasse einfügen, dazu noch Flugart (Linie oder Charter) und (wenn bekannt) den Flugzeugtyp.

Ich liste dir hier mal alle unsere Ergebnisse auf, denn sie geben einen ganz guten Überblick, welche Klimawirkung bei verschiedenen Flugstrecken zusammen gekommen sind.

Erstes Rechenbeispiel

Hier ist die Jahresflugbilanz meines Lebensgefährten. Alle Flüge sind Linienflüge in der Economy Class (Hin- und Rückflug für eine Person).


Düsseldorf – Dublin | 2.272 km | Klimawirkung 442 kg CO₂ → Kompensation EUR 11,00

Frankfurt – Turin | 1.178 km | Klimawirkung 306 kg CO₂ → Kompensation EUR 10,00

Frankfurt – Edinburgh | 2.164 km | Klimawirkung 586 kg CO₂ → Kompensation EUR 14,00

Frankfurt – EDI – Orkney Islands | 2.930 km | Klimawirkung 705 kg CO₂ → Kompensation EUR 23,00

Düsseldorf – München – Tiflis | 6.540 km | Klimawirkung 1.468 kg CO₂ → Kompensation EUR 39,00

Frankfurt – Budapest | 1.764 km | Klimawirkung 442 kg CO₂ → Kompensation EUR 12,00

Gesamtsumme Kompensation EUR 109,00


Fazit: Mein Mann war überwiegend in Europa unterwegs. Insgesamt ist er auf rund 16.848 Flugkilometer gekommen, was etwa 3.966 kg CO2 ausmacht – allein durch die Flüge.


Zweites Rechenbeispiel

Hier ist meine Jahresflugbilanz. Alle Flüge sind Economy Class (Hin- und Rückflug für eine Person).


Berlin – Sochi | 4.488 km | Klimawirkung 913 kg CO₂ → Kompensation EUR 22,00

Düsseldorf – Mailand | 1.450 km | Klimawirkung 365 kg CO₂ → Kompensation EUR 10,00

Düsseldorf – Izmir | 4.394 km | Klimawirkung 806 kg CO₂ → Kompensation EUR 19,00

Hannover – Pisa | 2.054 km | Klimawirkung 460 kg CO₂ → Kompensation EUR 10,00

Düsseldorf – Samos | 4.468 km | Klimawirkung 705 kg CO₂ → Kompensation EUR 17,00

Düsseldorf – Brest | 1.820 km | Klimawirkung 450 kg CO₂ → Kompensation EUR 11,00

Frankfurt – Colombo | 16.594 km | Klimawirkung 3.919 kg CO₂ → Kompensation EUR 91,00

Gesamtsumme Kompensation EUR 180,00

Anmerkung: Der Liebste und ich sind beide Anfang des Jahres gemeinsam nach Tansania geflogen. Den Flug haben wir bei der Buchung kompensiert, weil wir mit einem nachhaltigen Reiseanbieter unterwegs waren, bei dem die Zahlung direkt inklusive ist. Der Flug Frankfurt – Addis Ababa – Kilimandscharo entspricht 13.668 km und 3.921 kg CO₂, die wir bereits mit EUR 92,00 pro Person ausgeglichen haben. Deshalb sind sie in der Rechnung oben nicht aufgeführt.


Fazit: Ich bin dieses Jahr auf gut 35.268 Flugkilometer gekommen. Das entspricht rund 7.618 kg CO₂. Ganz schön krass, das mal vor Augen zu haben. Dabei gibt es Vielreisende, die noch deutlich mehr unterwegs sind, als ich. Besonders der Ausstoß, der bei einem Langstreckenflug zusammenkommt, ist ziemlich hoch.

Zum Vergleich: Das klimaverträgliches Jahresbudget eines Menschen liegt bei 2.900 kg CO2 pro Jahr. Allein durch die Flüge habe ich mein Jahreskontingent fast um das Dreifache überschritten.

Was bedeutet das klimaverträgliche Jahresbudget?

Um dieses Ziel zu erreichen, verbleibt bis 2050 ein globales Emissionsbudget von ca. 750 Mrd. Tonnen CO₂. Bei einer angenommenen mittleren Weltbevölkerung von 8,2 Mrd. Personen im Zeitraum 2010 bis 2050 bedeutet dies, dass jedem Menschen auf dieser Erde ein klimaverträglicher Ausstoß von im Durchschnitt jährlich rund 2,3 t CO₂ zusteht. (Quelle: Atmosfair)

Wann ist CO2-Kompensation sinnvoll?

Klimaschutz funktioniert ganz klar in der Reihenfolge: vermeiden, reduzieren und erst als letzte Instanz: kompensieren. Durch Kompensation können Emissionen nicht verringert werden. Es ist eine „Behelfslösung“, bis sich bessere Technologien und veränderte Verhaltensweisen durchgesetzt haben.

Kompensation ist – laut Atmosfair – nur dann sinnvoll, wenn die folgenden Mindestbedingungen erfüllt sind:

  • Es gibt keine realistische Alternative, die weniger CO₂ verursacht.
  • Das technologisches Weiterentwicklungspotential zu einem CO₂-freien oder deutlich CO₂-ärmeren Produkt ist vorhanden.
  • Bei der Umsetzung der Kompensation werden durchgängig hohe Standards eingehalten und die Mittelverwendung erfolgt transparent und vollständig im Projekt.

Ein Beispiel, wo die Kompensation derzeit sinnvoll ist, sind beispielsweise Langstreckenflüge. Für Flugzeuge gibt es potentiell saubere, CO₂-freie Treibstoffe (Power to Liquid), die komplett mit erneuerbaren Energien hergestellt werden können. Bis diese bessere Technologie marktreif ist, kann mit der Kompensation zumindest eine klimaschonendere Übergangslösung geschaffen werden.

Wer sich für das Thema interessiert, findet hier einen aktuellen Artikel vom Deutschlandfunk: Emissionsfreier Flugverkehr bis 2050?

Wie verwendet Atmosfair das Geld aus den Kompensationen?

Atmosfair investiert nur in Klimaschutzprojekte, die nach dem CDM Gold Standard zugelassen sind.

Was ist der CDM Gold Standard?

Der „Clean Development Mechanismus“ (CDM) umfasst Projekte zur Einsparung von Treibhausgasen in Entwicklungs- und Schwellenländern, die nachweislich strenge Kriterien erfüllen müssen:

  • Nur nachhaltige, klimafreundliche Entwicklungsprojekte in Nicht-Industriestaaten sind zugelassen.
  • Es muss ein umweltfreundlicher Technologietransfer von einem Industrieland in ein Entwicklungsland stattfinden.
  • Es gibt Prüfverfahren durch einen unabhängigen Gutachter, der alle Projekterfolge wie z. B. Schaffung von Arbeitsplätzen, verbesserte lokale Umweltbedingungen etc. untersucht.
  • Die Projektplanung erfolgt gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung und Institutionen vor Ort
  • Es ist ein besonders strenger Nachweis der eingesparten Emissionsmenge und der Zusätzlichkeit notwendig, d. h. das Projekt hätte ohne die CDM-Registrierung nicht stattgefunden.

Ist die CO2-Kompensation ein Ablasshandel?

Ich höre immer mal wieder, dass die CO2-Kompensation als Ablasshandel bezeichnet wird. Als würde ein Geldbetrag für dubiose Zwecke gespendet, um sich von seinen „Sünden“ reinzuwaschen. Ein Gedankengang, den ich nicht nachvollziehen kann, denn bei meiner Recherche hat sich eher herausgestellt, dass man es bei Atmosfair sehr ernst meint mit der Verbesserung unserer Klimasituation.

Was ist mein persönliches Fazit?

Den Klimawandel halte ich für eines der wichtigsten Kernthemen unserer Zeit. Hier im Blog berichte ich immer wieder über die Auswirkungen, wie in Tansania oder am  Beispiel der Zerstörung unserer Korallenriffe. Es ist dringend nötig, etwas zu tun: auf politischer Ebene und auch, was unsere Lebensführung angeht.

Natürlich hat meine Lebensweise Konsequenzen für unsere Erde. Ich kann und will nicht auf alle Flüge verzichten. Bei den Reisen, die ich mache, möchte ich zumindest dafür sorgen, dass ein Ausgleich für meine CO2-Emission gemacht wird. Wir werden also beide – mein Mann und ich – unsere Flüge in diesem Jahr kompensieren.


Dieser Artikel ist keine Werbung für Atmosfair. Ich habe mich persönlich mit dem Thema auseinander gesetzt und entschieden, den Ausgleich für meine Flüge mit dieser Klimaschutzorganisation zu machen.

4 Kommentare

  1. Ganz schön krass wie viel CO2 da in die Luft gepustet wird. Ich hatte mir das kürzlich auch mal für meine Flüge ausgerechnet, weil ich dachte ich fliege ja nicht viel. 2016 waren es zb. 3 Hin- und Rückflüge innerhalb von Europa und selbst damit habe ich das Jahresbudget schon überschritten.
    Ich finde ein Ausgleich ist auf jeden Fall eine Gute Sache solange man sich auch mit Alternativen beschäftigt und sich genau überlegt ob man nicht doch zB. mit der Bahn fahren kann auf kürzern Strecken.
    Liebe Grüße

    • Mit den kurzen Strecken hast du absolut recht, da bin ich auch immer mit der Bahn unterwegs. Es wäre aber in meinen Augen echt wünschenswert, wenn Zugfahrten in Deutschland und Europa attraktiver gemacht würde. Oft ist die Bahn unangemessen teuer, die Züge überfüllt und länderübergreifende Verbindungen sind ja meist eher nicht so prickelnd. Da wird so viel Potential verschenkt…

  2. Ganz schön krass, wenn man sich das mal vor Augen führt.

    Im letzten Jahr und auch dieses, war ich ja mit Fähren unterwegs, was auch nicht gerade gut für die Umwelt ist. Stichwort: Schweröl!
    Letztes Jahr habe ich für ein Projekt des WWFs zum Schutz der Ostseeringelrobbe gespendet, die unter dem Klimawandel leidet. Es stellt sich vielleicht die Frage, ob das nicht ein bisschen makaber ist? Aber es ist wahrscheinlich trotzdem besser, als gar nichts zu tun. Ob der Begriff Ablasshandel gerechtfertigt ist? Schwierig. Von „Sünden“ möchte ich mich nicht direkt reinwaschen. Aber ich dachte, wenn ich schon durch ihren Lebensraum schipper, möchte ich zumindest etwas zurückgeben. Hätte ich keine Baltikum-Rundreise gemacht, wäre ich wahrscheinlich nicht auf die Ringelrobben aufmerksam geworden und hätte nichts gespendet. Hatte die Rundreise dann doch etwas Gutes?

    Für dieses Jahr suche ich noch ein Projekt.
    Bei Atmosfair kann man auch die Emissionen von Kreuzfahrten berechnen lassen. Wobei eine 20 stündige Fährfahrt nicht direkt in die Kategorie gehört. Dort wäre ich dann bei 252 kg CO2 (= 12€). Leider kann man nicht Start- und Zielhafen angeben, sondern nur Anzahl der Passagiere und die Reisedauer in Tagen. Somit läge die Strecke Helsinki – Tallinn ebenfalls bei 252 kg, obwohl man nur 2,5 h fährt. Die Variante ist zwar nicht ganz so genau, wie die bei Flügen, aber immerhin gibt es die Möglichkeit.

    • Ich bin auch auf dem Standpunkt: besser selbst im Rahmen der eigenen Möglichkeiten aktiv werden, als gar nichts zu tun.

      Dein Rechenbeispiel für die Fähre halte ich für ziemlich nachvollziehbar. Wir hatten ein ähnliches Problem, weil Ben seine beruflichen Autofahrten in diesem Jahr kompensieren wollte und dafür gibt es bei Atmosfair auch keine Möglichkeit. Wir haben dann die Emissionen ungefähr hochgerechnet und dann eine Spende in der entsprechenden Höhe geleistet.

      Danke für deinen Kommentar, liebe Grüße & happy new year!!!

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  1. Sport- und Fitnessblogs am Sonntag, 7.1.2018 – Eigenerweg

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