Das EcoKidz-Programm im Krüger Nationalpark und was wir davon lernen können

„Die Leute müssen verstehen, dass die Natur wichtig und wertvoll und wunderschön und eine pure Freude ist.“ – das hat mal David Attenborough gesagt, der britische Tierfilmer und Naturforscher.

Aber was ist, wenn Schutzgebiete wie z. B. der Krüger Nationalpark hauptsächlich für ausländische Gäste und gut situierte Einheimische zugänglich sind? Wenn sich die Mehrheit der Bevölkerung den Eintritt nicht leisten kann oder kein Auto besitzt, um auf Selbstfahrer-Safari zu gehen? Wie soll man eine Natur schützen, die man nicht kennt und deren Wert man nie zu schätzen gelernt hat?

Das sind alles Fragen, die sich Joris Bertens gestellt hat, bevor er den Sefapane Community Development Funds gegründet hat, der Kindern aus der Umgebung des Krüger Nationalparks den Zugang zu Natur und Wildtieren ermöglichen soll. Aber bei dem Programm geht es nicht nur um die Big Five und die Weiten einer unvergleichlichen Landschaft. Es geht auch um die Faktoren, die den Fortbestand des afrikanischen Öko-Systems gefährden, wie z. B. Wilderei und Klimawandel.

Was will das EcoKidz-Programm erreichen?

Klar, können die Kids nicht das Weltklima ändern oder das gigantische internationale Business stoppen, welches hinter dem Abschlachten der Nashörner steckt. Nur Bildung kann langfristig Menschen befähigen, bessere und nachhaltigere Lebensentscheidungen zu treffen. Deshalb bezieht das „EcoKidz“-Programm auch ganz alltägliche Probleme aus dem Lebensumfeld der Kinder ein: die Vermeidung von Müll, einen sparsamen Umgang mit Wasser, Recycling und der nachhaltige Umgang mit Ressourcen.

In zehn Schulen rund um den Krüger Nationalpark lernen die Kinder in Unterrichtseinheiten von acht Stunden pro Woche, wie man Bäume pflanzt und pflegt, benutztes Papier in Wasser einweicht und zu kleinen Bällen formt, die zum Feuer anzünden benutzt werden können oder wie man beim Hände waschen möglichst wenig Wasser verschwendet. Das alles betrifft Themen, die den Kids jeden Tag begegnen, die sie leicht zu Hause umsetzen können und die womöglich sogar ihre Eltern zum Umdenken bringen.

Mit den EcoKidz im Krüger Nationalpark

Das EcoKidz-Projekt gibt es seit drei Jahren. 2016 wurden rund 1.500 Kinder geschult, 2017 etwa 2.600 Kinder und bis zum Ende diesen Jahres sollen noch mal fast 3.000 Kinder erreicht werden. Pro Jahr werden ca. 400 besonders interessierte Schüler ausgewählt, die zusätzlich zum Unterricht in der Klasse auch ein zweitägiges Zeltcamp besuchen dürfen, während dessen sie mit dem Auto und zu Fuß auf Safari gehen.

Bei der Walking Safari dürfen sich die Kids zusammen mit zwei Guides auf einen Fußmarsch entlang eines vertrockneten Flusslaufs machen. In der Ferne sind Elefanten zu sehen. Der Wind steht günstig, sodass sich unsere kleine Gruppe vorsichtig und in einer Reihe hintereinander der Familie nähern kann, ohne die Tiere zu beunruhigen.

Es bleibt auch nicht bei nur einer Begegnung: ein einzelner Elefantenbulle geniesst am Fluss ein Schlammbad, Flusspferde haben ihre Spuren im Sand hinterlassen und die Guides erklären die Bedeutung des Marula-Baums, aus dessen Früchten ein bekannter Likör gemacht wird.

Es macht Spaß, die Kinder dabei zu beobachten, wie begeistert sie bei der Sache sind und was es für sie bedeutet, die Tiere aus nächster Nähe zu beobachten. Dass Tierwelt und Natur im Krüger Nationalpark unbedingt schätzenswert sind, hat die ganze Gruppe nach der Safari und den gemeinsamen Diskussionen begriffen. Noch so viele theoretische Lektionen können den Moment des eigenen Erlebens kaum ersetzen.

Die Letzten ihrer Art – Die Bedeutung des Krüger Nationalparks

Ich war schon oft auf Game Drives in Namibia, Botswana und Tansania – stets habe ich dabei jede Menge Safari-Fahrzeuge gesehen, die gefüllt waren mit ausländischen Touristen. Auch der Krüger Nationalpark ist ein Besuchermagnet. Letztes Jahr wurde Südafrika von rund 350.000 Deutschen besucht, das ist neuer Rekord. Die Tendenz in diesem Jahr ist weiter steigend.

Wer im Krüger Nationalpark unterwegs ist, will die afrikanische Tierwelt sehen. Aber man braucht nur genauer hinzuschauen, um zu sehen, wie ungewöhnlich trocken die Landschaft ist, die jetzt schon unter den akuten Klimaveränderungen leidet.

Eine Giraffe nimmt im Schnitt etwa 30 kg Nahrung auf. Bei den kahlen Bäumen wird das schwierig.

Wer seinem Guide aufmerksam zuhört, wird feststellen, wie sehr die Tierarten bedroht sind, die wir so bewundern. Das Paradies ist in Gefahr.

Aus der Nähe sieht das Flussbett noch sehr idyllisch aus. Rechts sieht man, wie extrem wenig Wasser noch übrig ist. Die Landschaft rund um den Elephant River ist kahl. Auch wenn es gerade Winter ist – so eine Trockenheit ist bedrohlich.

Links versammelt sich eine Gruppe Elefanten um eine kleine Wasserpfütze. Normalerweise trinkt eine Elefant 70 bis 150 Liter Wasser am Tag. Die Landschaft rund um das Wasserloch: trocken und kahl.

Der Kampf um das Überleben der Nashörner

„It’s a war.“ sagt Elias, unser Guide im Krüger Nationalpark, über den Kampf gegen die Wilderer. Gut organisierte und modern ausgestattet und bewaffnete Wilderer-Trupps kommen täglich über die Grenze von Moçambique und töten Nashörner. Im Jahr 2017 waren es laut Statistik insgesamt 1.028 Tiere. Damit sterben mehr Nashörner in einem Jahr, als Jungtiere geboren werden.

Es ist eine gefährliche und schwer zu bekämpfende Verkettung von Umständen, die das Überleben der Nashörner sehr fraglich macht: Der Aberglaube in Asien über die Wunderwirkung des Nashorns sorgt dafür, dass dafür mehr gezahlt wird als für Gold und Kokain. Eine international organisierte Kriminalität sorgt für den Nachschub und viele arme und perspektivlose Menschen in afrikanischen Ländern unterstützen sie dabei.

Das EcoKidz-Programm arbeitet daran, so viele Kinder wie nur möglich zu erreichen – mehr als 7.000 Schüler in drei Jahren ist ein großartiger Erfolg.  Es bleibt allerdings zu hoffen, dass die engagierten Maßnahmen zur Bildung und Verbesserung der Lebensumstände der Einheimischen schnell genug wirksam werden, um die Nashörner zu retten.

(Bezeichnenderweise gibt es an dieser Stelle kein Nashornbild. Wir haben auf unserer Safari im Krüger Nationalpark kein einziges Tier entdeckt.)

Was ist eigentlich ein Pangolin?

Auf die Frage, welches Tier am meisten im Krüger Nationalpark gefährdet ist, antwortet unser Guide Elias: „Pangolins.“ Die extrem seltenen Schuppentiere sind eine der am meisten gewilderten Tierarten weltweit. Die meisten aus unserer Gruppe haben von diesem Tier noch nie etwas gehört.

Nicht nur die EcoKidz haben viel zu lernen, auch wir können Nachhilfe in Tier- und Umweltschutz gut gebrauchen.

Was wir von den EcoKidz lernen können

Was ich sofort gedacht habe, als ich die Schulen besucht habe, in denen das EcoKidz-Programm läuft: So eine Erziehung in Sachen Nachhaltigkeit wäre auch für unsere Schüler ein echter Gewinn. Zwar haben wir in Europa etwas andere Themen, aber was lernen die Kinder in der Schule zum Beispiel zu Themen wie nachhaltiges Wirtschaften, Vermeidung von Plastikmüll, Reduzierung von CO2 oder Mikroplastik? Nicht besonders viel, schätze ich. Ein Umstand, den wir dringend ändern müssten.

Auf diese Pressereise bin ich von der TUI Care Foundation eingeladen worden. Das ist eine Stiftung, mit der die TUI Group weltweit verschiedene Projekte unterstützt, die sich mit Bildung, Umwelt- und Naturschutz und einer verbesserten Lebenssituation der Einheimischen befassen. Das EcoKidz-Programm ist eines dieser Projekte. Die TUI Care Foundation arbeitet unmittelbar mit der verantwortlichen Organisationen vor Ort zusammen, wie in diesem Falle dem Sefapane Community Development Fund. 

Über das Projekt habe ich auch im TUI Reiseblog einen Artikel geschrieben.

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