Die (innere) Reise geht demnächst auf einen Gnadenhof

Gnadenhof

Mein nächstes Projekt steht fest und ich bin ganz schön aufgeregt. Mit eine großen Reise hat’s nicht zu tun: rund 130 km kann man wohl nicht als nennenswerte Entfernung verbuchen. Als neue Erfahrung und andere Lebensweise schon. Ich werde als WWOOFer auf einem Gnadenbrothof arbeiten. Wie ich auf so eine Idee komme? Da muss ich wohl etwas weiter ausholen…

Neue Perspektiven erschließen

Ich habe seit Anfang September mein Business ein wenig zurück gefahren. Wenn man so will, ein Mini-Sabbatical, indem ich weniger arbeite, Neues ausprobiere und mir Gedanken darüber mache, wie’s weitergehen soll. Welche Kunden will ich ansprechen, welche Projekte betreuen, über welche Themen will ich hier im Blog schreiben, wie soll mein Leben generell weiter gehen?

Ist das so ’ne Art Midlife-Crisis?

Ja, irgendwie schon – und es zieht sich schon eine ganze Weile hin. Ende letztes Jahr bin ich bereits arg ins Grübeln gekommen bin, wie’s weitergehen soll. Damals habe ich es mit einem Coaching versucht und bin damit gescheitert. Womöglich war’s der falsche Coach, vielleicht hätte ich länger am Ball bleiben sollen – keine Ahnung. Echt gute Coachings sind nach meiner Erfahrung wirklich schwer zu finden. Ich habe mich also selbst ans Suchen, Sortieren und Experimentieren gemacht. Ein Zustand, der noch immer anhält – und mich nächste Woche aufs Land führen wird.

Ich werde sterben.

Nein, ich bin nicht krank. Aber es ist ein unveränderlicher Fakt, dass ich sterben werde. Wir alle haben nur ein begrenztes Leben. Ein Gedanke, den wir nur zu gerne verdrängen. Es ist noch nicht lange her, dass eine Bekannte von mir ihren Kampf gegen den Krebs verlor. Jünger als ich! Seither habe ich intensiv über meinen Tod nachgedacht. Zuerst fand ich es erschreckend, aber mittlerweile ängstigt mich der Gedanke nicht mehr. Es macht Entscheidungen leicht(er), wenn man sie aus der Perspektive des eigenen Endes betrachtet. Was ist wichtig? Wer will ich sein? Worauf will ich zurückblicken?

Man muss nicht erst krank werden oder in einer ernsten Krise stecken, um sich darüber Gedanken zu machen. Wer von uns weiss schon, was morgen ist? Und ist es nicht erschreckend, wie uns Zeit durch die Finger rinnt, wenn wir sie nicht nutzen? Interessante Gedanken fand ich dazu im MAAS Mag „Leben & Sterben“.

The BIG FIVE

Von dem Gedanken der Big Five habe ich bei John Strelecky gelesen. Schöner Gedanke, wie ich finde – besonders, weil man Herz sehr für den afrikanischen Kontinent schlägt. Was sind die fünf wichtigsten übergreifenden Themen, die mein Leben bestimmen sollen? Dafür Antworten zu finden, hat mich in vielen Dingen wesentlich klarer werden lassen. Meine persönliche Messlatte, um einschätzen zu können: Bin ich eigentlich noch auf meinem Weg?

Meine (momentanen) BIG FIVE sind:

Die Welt zu einem besseren Ort machen. Das klingt jetzt so riesig und idealistisch, beschreibt aber ein großes Spektrum verschiedenster Möglichkeiten. Das reicht von: „Wie nützlich ist die Arbeit, die ich tue“ bis „Brauche ich wirklich diese Plastiktüte?“

Die beste Ausgabe meiner Selbst sein. Auch ein sehr weites Feld… Wie verhalte ich mich gegenüber anderen. Meinem Partner, Freunden, Familie, Fremden? Was denke ich über mich und andere.

Mit Tieren leben. Das ist ein bisschen wie: „Man kann auch ohne Hund leben, aber es lohnt sich nicht.“ Tiere haben für mich immer eine große Rolle gespielt. Sie zu beobachten, mich für sie einzusetzen und sie in meiner Nähe zu haben, macht mich glücklich.

Die Welt erkunden & (ein wenig) begreifen. Ja, das Reisen… Seit ich für Reisezeilen schreibe und öfters unterwegs bin, hat sich mein Fokus auch noch mal verschoben. Ich muss nicht permanent unterwegs sein. Langsamkeit ist wichtiger geworden. Ich will Projekte besuchen, die ich gut finde – und vielleicht sogar helfen können.

Sich auf den Weg machen. Let’s go. Und wenn es ein paar Menschen gibt, die ich dabei inspirieren kann, umso besser.

Was sind deine BIG FIVE?

Werde ich jetzt verarmen?

Ach, ja… der Job & das liebe Geld. Ganz ehrlich: Es gibt erschreckend viele Jahre in meinem Leben, die hauptsächlich von meiner Arbeit als Angestellte bestimmt waren. Wertvolle, unwiederbringliche Tage, Wochen, Monate, die  an mir vorbei geschossen sind, wie Hochgeschwindigkeitszüge auf der Durchfahrt. während ich mich abgestrampelt habe. Was habe ich davon? Okay, ein paar Rücklagen, die mir gerade sehr gelegen kommen, weil ich beschlossen habe, dass es da Dinge gibt, die anders werden sollen, in meinem Leben.

Viel hat sich schon getan, als ich mich 2009 selbständig gemacht habe. Aber der Veränderungsprozess geht weiter. Arbeit hat nicht nur Bedeutung, wenn man Geld dafür bekommt, sondern definiert sich auch dadurch, was man tut. Meaning is the new money. Klar kann ich damit keine Miete zahlen, aber ein gutes Gleichgewicht finden, das wär’s doch. Denn ein weiterer Punkt steht auch schon eine Weile für mich fest: Das ganze Konsum-Gerangel kann getrost ohne mich stattfinden. Im Grunde sind es nur wenige Sachen, die ich WIRKLICH BRAUCHE.

Was hat das jetzt alles noch mal mit dem Gnadenhof zu tun?

Das Projekt erfüllt alles, was ich als BIG FIVE für mich definiert habe:

-> Ich helfe bei einem Projekt, dass ich für wichtig und richtig halte.

-> Ich wohne das erste mal in einer WG-ähnlichen Gemeinschaft. Wie komme ich damit zurecht?

-> Ich habe mit Tieren zu tun.

-> Ich mache mich zum ersten Mal auf ins echte Landleben – das zählt auch als Erkundung unbekannter Welten…

-> Ich springe einfach mal ins kalte Wasser.


Mission completed. Hier gibt’s mehr dazu, wie’s mir mit elf Hunden, zwei Schweinen, vielen Pferden, etlichen Katzen und dem Hofteam ergangen ist: Vom Landleben, überraschenden Erkenntnissen und starken Oberarmen.

6 Kommentare

  1. Wow das ist wirklich ein Schritt und ich hoffe es ist genau der, den du jetzt brauchst und der dein Weg ist. Hmmm meine Big five, ja darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht, sollte und werde ich jetzt aber. Ist Afrika nun aufgeschoben oder aufgehoben?
    Liebe Grüße

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