Meine Lieblingsplätze in Aachen

Aachen Insidertipps

Aachen und ich – das war keine Liebe auf den ersten Blick. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: es ist eine charmante Stadt, aber hier wohnen, da war ich skeptisch. Ich habe dann aber doch gewagt, es mit „Oche“ zu versuchen. Nach fast zwei Jahren bin ich zwar immer noch kein Karnevalsfan, aber mit der einen oder anderen Aachener Institution habe ich Freundschaft geschlossen. Jetzt im Frühjahr gab’s zudem einige erfreuliche Neueröffnungen in der Stadt und da ich mich mittlerweile schon fast als „Local“ bezeichnen kann, will ich das zum Anlass nehmen, dir meine Hot Spots in Aachen vorzustellen.

Aachen City Guide Augehtipps Cocktails Dry Bar

#Cocktails

Einer meiner Lieblings-Jammer-Sätze in Bezug auf Aachen hiess: „Hier gibt’s überhaupt keine vernünftigen Cocktails!“ Die Klage kann ich aus dem Repertoire streichen, seit die Dry Bar in der Kockerellstraße 15 aufgemacht hat. Mixgetränke auf Weltstadtniveau. Für Gin Basil Smash & Co. muss man zwar ein wenig tiefer in die Tasche greifen, aber bei der Qualität kann ich nur sagen: absolut gerechtfertig. Fast alchemistisch mutet das Sammelsurium an hausgemachten Essenzen, Sirups und frischen Zutaten an. Kleine Schälchen mit Schnupperproben zu Wacholder, Pfeffer und anderen Gewürzen sind an der Bar aufgereiht. Schon allein die Gin-Auswahl ist beeindruckend und ich durfte an etlichen Flaschen riechen, um die Aromen der einzelnen Sorten kennenzulernen. Die beiden Inhaber sind mit Leidenschaft bei der Sache, das merkt man an jedem Detail.

Mein Fazit: Endlich mal was für Erwachsene. Hingehen!

Dry Bar in Aachen

#SweetTooth

Lust auf Süßes? Das beste Eis in Aachen gibt’s bei Delzepich in der Bismarckstraße 197. Eine echte Institution, und das schon seit einigen Jahrzehnten. Das Eis wird nach Originalrezept aus Vollmilch, Zucker, Stärke und frischen Zutaten hergestellt. Keine künstlichen Aromen, keine Emulgatoren, keine Zusatzstoffe. Deshalb ist das Eis auch nicht haltbar, sondern wird in den alten Eismaschinen täglich frisch gemacht und dann komplett verkauft. Es gibt immer fünf, sechs Sorten zur Auswahl und wenn das Eis alle ist, macht der Laden dicht. Durch die Verwendung von Milch statt Sahne schmeckt das Eis wesentlich leichter. Wer jetzt frohlockt und denkt: „Hurra, Kalorien gespart!“, den muss ich enttäuschen. Es gibt bei Delzepich keine Kugeln, sondern das Eis wird großzügig in die Waffeln gespachtelt und zwar in üppigen Portionen (wohingegen die Preise mit EUR 0,70 pro Sorte extrem günstig sind)!

Das Konzept war übrigens so überzeugend, dass zwei tatkräftige Ladies dieses Wahnsinnseis direkt nach Hamburg mitgenommen und in meiner Lieblingsstadt im Norden eine Dependance von Delzepich Eis gegründet haben. Also, Nordlichter und Freunde der kalten Köstlichkeit, macht Euch auf zum Winterhuder Weg 67.

Der Oecher Eis-Treff in der Bismarkstraße 72 bietet ebenfalls hausgemachtes Eis von hervorragender Qualität. Mir fehlt es ein bisschen an Auswahl, denn wenn man das „Eis des Monats“ nicht mag, kann man nur noch auf die Standards wie Vanillezauber, Zitrone, Nusspli und Erdbeerglück zurückgreifen. Dennoch einer meiner Lieblings-Eis-Dealer in Aachen. Zum Geniessen kann man sich nebenan in den Frankenberger Park setzen.

#ExternesWohnzimmer

Restaurant Jolie Jour in AachenIn Ruhe arbeiten, gemütlich einen Merlot trinken oder die beste Pizza von Aachen essen (unbedingt probieren: Karamelisierter Radicchio mit Ziegenkäse und Walnüssen) – das geht alles im Jolie Jour in der Harscampstraße 57. Für mich sozusagen Heimspiel, denn ich wohne direkt gegenüber. Immer, wenn ich mal Tapetenwechsel brauche und lieber auswärts arbeite, setze ich mich zu Julija. Sie ist die Besitzerin vom Jolie Jour und tut alles, damit sich ihre Gäste wohl fühlen. Da kann’s dann auch mal passieren, dass man als kleinen Gruß aus der Küche ein frisches Schoko-Croissant auf dem Tisch gestellt bekommt, obwohl man eigentlich nur ein Heißgetränk bestellt hatte. Das freie WLAN funktioniert reibungslos und schnell. Es gibt eine kleine, mediterran inspirierte Basiskarte, die von wechselnden Gerichten auf dem Tagesmenü ergänzt wird. Innen ist gemütliche Bistro-Atmosphäre, während man im Sommer schön draußen sitzen und sein Bierchen trinken kann – wird nur Zeit, dass der Frühling da auch bald mitspielt… (Foto: Jolie Jour/charininphoto.com)

#ChineseFood

Das beste, authentische (!) chinesische Restaurant in Aachen ist das Miyabi in der Großkölnstraße 71. Nicht abschrecken lassen: der Eingang ist relativ unscheinbar und der lang gestreckten Raum erinnert fast an einen Imbiss. Eigentlich bin ich nur darauf aufmerksam geworden, weil der Laden immer vollgepackt ist mit Asiaten – da das meistens ein Hinweis für gute Qualität ist, habe ich’s einfach ausprobiert und kann nur sagen: perfekt! Wenn man mit mehreren Leuten unterwegs ist, kann man sich gut verschiedene Gerichte teilen. Alles ist sehr unprätentiös und entspannt: man trinkt sein chinesisches Bier und isst dabei lecker (und preiswert).

Ach, bevor ich’s vergesse…

Du willst sicher wissen, was es mit dem bedrohlichen Monster auf dem Titelbild auf sich hat? Das ist mein Aachener Lieblingstier. Ich gebe zu, ich habe eine Schwäche für alle Fabelwesen. Die Brunnenfigur am Büchel stellt ein Bahkauv (übersetzt Bachkalb) dar. Der Sage nach soll das Untier nachts betrunkenen Männern auflauern und sie auffordern, es auf ihren Schultern zu tragen. Frauen bleiben dagegen unbehelligt.

Bahkauv, wenn Du das liest: Ich würde Dich sofort als Haustier adoptieren!

Weil ich Dir nicht nur meine Sicht von „Oche“ vorstellen will, habe ich drei Reiseblogger aus Aachen gefragt, welche persönlichen Tipps sie parat haben. Lass‘ Dich inspirieren!

Der Aachener Dom

ProfilbildJessica von Fernweh und so ist eine echte Schatzsucherin, was lokale Kleinode in Deutschland und Europa angeht. Auf ihrem Blog berichtet sie detailreich von ihren Städtetrips und Erkundungen, von historischen Hintergründen, regionalen Leckereien und lebendigen Traditionen:

„Mein Lieblingsplatz in Aachen ist eindeutig der Dom. Das mag für einen Öcher (Aachener) erst einmal einfallslos und aus dem Munde einer Atheistin merkwürdig klingen, aber es ist wie es ist. Von außen sieht das erste UNESCO Weltkulturerbe wie ein architektonisches Sammelsurium aus, innen glitzert es seinen Besuchern mit voller Kraft entgegen. Als ich den monumentalen Bau das erste Mal betrat, stand für mich fest: „Das ist der schönste Dom der Welt!“ Natürlich habe ich längst nicht alle Kirchen der Welt besucht, doch bin ich meist von ihrer nüchternen Innengestaltung gelangweilt oder empfinde das bunte Innere als kitschig. Eine Ausnahme ist natürlich die Sagrada Familia, doch um die soll es hier ja nicht gehen.

Dom in Aachen

Der Dom lässt sich aus vielen wunderbaren Blickwinkeln betrachten. Im Frühling z. B. durch die blühenden Magnolien hindurch, während um einen herum die Öcher Blumen auf dem Münsterplatz kaufen und ein paar Straßenmusiker die Szenerie mit schönen Melodien unterlegen. Besonders schön finde ich auch den Blick durch die die Hans-von-Reutlingen-Gasse. Sie teilt die Häuserfront am Dreieck Kleinmarschierstraße, Schmiedstraße, Münsterplatz. Sie beschert dem Betrachter nur den Blick auf einen kleinen Teil des Doms, doch gemeinsam mit der bereits erwähnten Häuserreihe bildet der sichtbare Domteil ein wunderschönes Ensemble. Wer Karls ausgewachsene Pfalzkapelle in Gänze genießen möchte, der setzt sich am besten auf die Treppen hinter dem Rathaus; vorzugsweise bei Sonnenschein und mit einem Eis in der Hand.“

Münsterplatz & türkische Köstlichkeiten

fernwehge_groß

Silja von FERNWEhGE wohnt mittlerweile in Köln, kommt aber ursprünglich aus Aachen. Ihr Reiseblog hat Schwerpunkt Nord- und Westeuropa. Von Island bis Schottland und Frankreich bis Skandinavien kann sie nicht genug bekommen:

„Bei gutem Wetter setze ich mich gerne mal auf eine Bank am Münsterplatz im Schatten des Doms, esse ein Eis, beobachte das Treiben um mich herum und lausche den Straßenmusikern. Die sind oft so gut, dass ich wesentlich länger sitzen bleibe, als ich das vorher eigentlich beabsichtigt hatte und verleihen dem Platz ein tolles Flair. Einem Streicher-Quartett, das nicht nur Klassiker, sondern auch Musicalstücke spielt oder einfach nur den Klängen einer Akustikgitarre lauschen, gehört zu meinen Highlights.

Ein weiterer Tipp von mir ist das türkische Restaurant Efes an der Neupforte, welches ich schon aus meiner Kindheit kenne. Es ist etwas unscheinbar und recht klein, sodass man manchmal auch mit fremden Leuten an einem großen Tisch sitzt, aber das habe ich noch nie als störend empfunden. Das Essen ist wirklich sehr lecker und der Wirt super freundlich und lustig. Mein Tipp: Bestell als Beilage Reis. Man glaubt nicht, dass Reis so köstlich schmecken kann.“

Konzerte „for free“ in Aachen

Logo_StylusSusanne von Jolly & Luke bloggt nicht nur über Fernweh und spontane Reisetrips, sondern auch über leckere Rezepte aus der Heimat – und das alles ist garniert mit wunderschönen Bildern.

„Wie beschränkt man sich bei der großen Auswahl an tollen Dingen in Aachen auf eine einzige Sache? Am liebsten gar nicht. Aber gut – die Frage von Beatrice lautete EIN Tipp von mir in Aachen! Ich habe mir einfach vorgestellt, ich wohnte weit weg und hätte nur einen Tag Zeit, noch einmal etwas in Aachen zu machen: Was wäre das? Oder besser gesagt: Wann?

Die Antwort darauf war eindeutig: Ich würde im September nach Aachen fahren! Zum SeptemberSpecial! Selten ist die Stadt so fröhlich belebt, wie zu dieser Zeit. Es gibt eine große Auswahl an leckeren Speisen und Getränken und kostenlose tolle Konzerte in der gesamten Altstadt. Das ist einfach einmalig und absolut erlebenswert!“

Achtung: 2017 wird das AachenSeptemberSpecial vom 14. bis 17. September an verschiedenen Plätzen in der Aachener Innenstadt stattfinden. .

Ein Mega-Dankeschön an Jessi, Silja und Susanne! War was Passendes für dich dabei? Das würde mich sehr freuen!

Wir wär’s mit noch ein paar Lesetipps? Wenn ich mal eine Pause von Aachen brauche, fahre ich gerne in Hohe Venn nach Belgien oder mache einen Ausflug an die Nordsee. Auch ein Abstecher nach Brüssel bietet sich an. Wer es lieber ruhiger mag, mietet sich ein Ferienhaus in Belgien und übt sich in der hohen Kunst des Slow Travel.

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14 Kommentare

  1. Erst einmal auch von mir vielen Dank für den liebevollen Bericht! Ich hatte einfach nur nach Informationen zur Dry-Bar gesucht und da Webseite noch im Aufbau befindlich war bin ich hier gelandet. 😉
    Die Cocktail-Bar ist wirklich sehr lecker und die Einrichtung recht schön! Manche der Preise finde ich schon mal etwas grenzwertig, aber das gehört wohl bei solchen Bars mit dazu.
    Da ich selber auch immer sehr über die Cocktails in Aachen jammere und seit Jahren immer auf der Suche nach guten Lokalen bin anbei zumindest ein Tipp von mir über zwei Bars die ebenfalls Wert auf gut gemachte Cocktails legen:

    Absolut wie aus dem Lehrbuch gibt es Cocktails in der „Bar Zuhause“ (http://zuhause-aachen.de/). Diese sind wirklich gut, es gibt eine große Auswahl an Whisky, Rum und Gin-Sorten und was auch wichtig ist: man fühlt sich wirklich hier willkommen! Es ist keine typische Aachener Kneipe sondern eher ein Treffpunkt für alle Altersklassen und auch für den ganzen Tag. Vermutlich würde man sich dort auch nicht unbedingt hin verlaufen und daher von mir der Tipp das Lokal mal auszuprobieren! Ich komme auch gerne mit 😉

    Eine andere Adresse wo es wirklich leckere (aber leider auch recht teure) Cocktails gibt ist die Elephant Bar im Quellenhof. Meist lässt man die Hotel-Bars bei der Barsuche außen vor, aber diese ist wirklich sehr gut und ab und an muss ich einfach mal dort vorbei um die stylischen Gläser zu bewundern in denen die Getränke serviert werden oder auch nur um in den riesigen Ledersesseln zu versinken 😉

    Es würde mich freuen wenn der ein oder andere meiner Empfehlung nachkommen möchte und vielleicht ebenso davon begeistert sein wird wie ich!

    Allen viel Spaß in Aachen und ich freue mich auch sehr über weitere kulinarische Tipps aus der Stadt!
    Ramy

  2. Schöne Tipps, wenn ich mal nach Aachen kommen sollte, werde ich mir deinen Artikel aufs Handy ziehen; allein schon um mir das Bachkalb anzuschauen – ich bin nämlich auch ein Fan von Fabelwesen, die Dämonen auf der Notre Dame in Paris etwa haben es mir besonders angetan. 😉

    Herzlich,
    Anna

  3. DANKE für den Tipp mit der Cocktailbar…ich bin auch eine Aachener Bloggerin (auch nicht gebürtig aus Aachen) und gehörte zu den Jammerern, dass es hier keine vernünftigen Cocktails gibt…Die Bar werde ich bald ausprobieren!

  4. Seufz! Hier in meinem „Dorf“ gibt es nichts dergleichen. 30 km sind es bis zum nächsten richtig guten Eissalon (der ist immerhin Weltspitze!). Eigentlich könnte ich da gleich die restliche Wegstrecke bis Aachen fahren, nicht wahr? Ich denke, das sollte ich bald einmal in die Tat umsetzen. Mit deinen Tipps in der Hosentasche : ) Sonnige Grüße, Jutta

    • Oh, herzlichen Dank, Anke! Den Japaner kenne ich noch nicht. Werde ich demnächst mal ausprobieren! Liebe Grüße, Beatrice

  5. Ein schöner Artikel, Beatrice! Da waren selbst für uns noch neue Sachen dabei! 😉
    Vielen Dank, dass wir mitmachen durften! Bis bald!
    Liebe Grüße!
    Jolly

  6. So viele tolle Tipps, die ich selber mal ausprobieren muss! Mit den Cocktails fange ich am besten an… 🙂

    Danke für den schönen Artikel und die Chance, ein Teil davon zu sein! Ich freue mich schon auf unser Treffen in der „normalen“ Welt.

    Viele Grüße
    Jessi

1 Trackback / Pingback

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