Unsichtbar & gefährlich – Wie man Mikroplastik beim Einkauf vermeiden kann

Mikroplastik beim Einkauf vermeiden

Mikroplastik sieht man kaum. Von daher kann man leicht zu der Fehleinschätzung gelangen, dass es doch gar nicht so schlimm sein kann mit der Belastung.

In anderen Ländern oder auf anderen Kontinenten sieht es bestimmt viel schlimmer mit der Verschmutzung aus?

Falsch! Der Rhein gehört zu den weltweit am stärksten mit Mikroplastik belasteten Flüssen. zwischen Basel und Rotterdam findet man die höchste Konzentrationen von kleinsten Plastikteilen, die bisher in Meereszuflüssen gemessen wurden – am meisten im Ruhrgebiet mit bis zum Vierfachen des Durchschnitts. Damit gehört der Rhein zu den untersuchten Flüssen, die weltweit am stärksten mit Mikroplastik belastet sind (mehr dazu in einer Studie der Universität Basel).

Gab es da nicht diese Selbstverpflichtung der Industrie, auf Mikroplastik zu verzichten?

Ja, aber Mikroplastik ist nach wie vor in einer Vielzahl konventioneller Kosmetikprodukte enthalten.

WDC-Kampagne – Weniger Plastik ist Meer

Viele Informationen zum Problem der Plastikverschmutzung der Meere habe ich beim Workshop der Whale & Dolphin Conservation. Die Organisation setzt sich im Rahmen ihrer Kampagne Weniger Plastik ist Meer für den Schutz der Ozeane ein. Das war auch der Grund, warum ich mich nochmal speziell mit dem Thema Mikroplastik auseinandergesetzt habe.

Jede Minute landet in Deutschland eine Tonne Plastik im Meer, jedes Jahr weltweit 13 Millionen Tonnen! Das sind jährlich etwa 13 solide Plastikwürfel von je 100 Meter Kantenlänge! Hundert Meter lang, hundert Meter hoch, hundert Meter breit und das dreizehnmal! In dieses Volumen passt der Kölner Dom mehr als sechsmal hinein! Eine tödliche Gefahr für alle Meeresbewohner und eine irreversible Verschmutzung dieses wertvollen Lebensraums.

Ja, es ist leider ein ökologisches Desaster! Und nein, ich will hier garantiert niemand abschrecken oder überfordern. Ich arbeite mich selbst mit Mini-Schritten vorwärts. Aber wer Bescheid weiss, kann Dinge ändern und jede kleine Veränderung zählt. Deshalb will ich auch die Story mit euch teilen, die man uns beim Workshop von WDC erzählt hat:

1997 hat man einen gestrandeten Schweinswal an der Küste von Kanada gefunden. Als man den Wal obduzierte, stellte man fest, dass der Magen leer war. In der Speiseröhre hing ein Plastikball fest, sodass er zwar Fische gefangen hatte, diese aber nicht schlucken konnte und langsam verhungert ist. Nur diese kleine Plastikball weniger im Meer hätte das Leben des Schweinswals retten können.

Was hat es mit dem Plastik im Meer auf sich

Plastik baut sich nicht ab, sondern fragmentiert sich durch mechanische Einwirkung & UV-Strahlung in immer kleinere Teile (sekundäres Mikroplastik). Je kleiner die Partikel sind, desto höher ist die Gefahr der betroffenen Tiere, sie mit Nahrung zu verwechseln oder sie unabsichtlich mit der Nahrung aufzunehmen. Hinzu kommt das sogenannte primäre Mikroplastik – das sind kleine, synthetische Kunststoffe, die z. B. bei der Kosmetikherstellung genutzt werden und durch unsere Kläranlagen nur unzureichend wieder herausgefiltert werden können.

Die kleinen Plastikteile enthalten giftige Substanzen wie Weichmacher, Flammschutzmittel etc. Zusätzlich wirken sie wie ein Magnet auf Schadstoffe und Bakterien, sodass die Fische und andere Meeresbewohner nicht nur das Plastik, sondern auch Toxine und Krankheitserreger aufnehmen. Auf diesem Weg landet das Plastik dann auch auf unserem Teller. Und was nicht auf unserem Teller landet, gefährdet ganz substantiell das ökologische Gleichgewicht im Meer.

Wissenschaftler konnten in Fischen und Meeresfrüchten wie Thunfisch, Kabeljau, Makrele oder Garnelen bereits Mikroplastik nachweisen. Besonders betroffen sind z. B. auch Muscheln und Austern.

Mikroplastik in Kosmetik

Einen Schlüsselmoment gab es dazu vor nicht allzu langer Zeit, als ich mit Codecheck probeweise einige Produkte bei uns im Haushalt gescannt habe und plötzlich bei Sensitiv-Duschgel, Deoroller und Gesichtswaschlotion Mikroplastik angezeigt wurden. WTF!

Sicher stellt Mikroplastik in Kosmetik nur einen kleinen Teil des Plastikproblems in unseren Meeren dar, aber es wäre leicht vermeidbar. Dass es auch ohne geht, beweist die große Menge zertifizierter Naturkosmetik, die kein Mikroplastik enthalten *darf*. Das ist auch ein Grund, warum ich jetzt schon seit einer Weile alle meine Produkte nach und nach auf Naturkosmetik umgestellt habe.

 

Die Selbstverpflichtung im sogenannten „Kosmetikdialog“ zwischen Beautyindustrie und Bundesregierung hat zwar seit 2014 dafür gesorgt, dass feste Plastikpartikel aus vielen Produkten verschwunden sind. Trotzdem gibt es noch keinen Grund zur Freude.

Bei vielen Herstellern kommt Mikroplastik nach wie vor zur Anwendung und zwar oft in flüssiger, gelförmiger oder wachsartiger Form. In Ermangelung einer klaren Definition gelten diese Stoffe für die Industrie nicht als Mikroplastik, obwohl die Wissenschaft sie klar dazurechnet. Welche Gefahr davon ausgeht, ist bisher nur unzureichend erforscht.

Wer jetzt denkt: ob ich ein Produkt mit Mikroplastik benutzte oder nicht, macht doch keinen großen Unterschied: Durch nur eine Tube Peeling können bis zu 2,8 Millionen Kunststoffteilchen in die Meere gelangen. (Quelle: codecheck)

Wie kann man Mikroplastik beim Einkauf von Kosmetik vermeiden?

Codecheck hat rund 103.000 Kosmetikprodukte aus den Jahren 2014 und 2016 miteinander verglichen. Jedes dritte untersuchte Gesichtspeeling und mehr als jedes zehnte Körperpeeling enthält Polyethylen, also Mikroplastik. Mikroplastik befindet sich auch in Produkten, in denen es bisher kaum vermutet wurde. Polyquaternium-7 steckt beispielsweise in jedem vierten untersuchten Duschgel und Nylon-12 in jedem zehnten Make-up. (mehr dazu in der Codecheck Mikroplastik-Studie 2016).

Es gibt zwei Tipps in Bezug auf eine mikroplastik-freie Kaufentscheidung, an die ich mich selbst nach Möglichkeit halte:

⇒ Zertifizierter Naturkosmetik den Vorzug geben!

⇒ Beim Einkauf Codecheck nutzen und gezielt nach mikroplastik-freien Alternativen suchen!

Weitere Lesetipps

Beim oben erwähnten Workshop mit dem WDC haben auch einige Bloggerkolleginnen aus Deutschland und Österreich teilgenommen. Wir sind inspiriert und motiviert nach Hause gefahren – alle mit dem Vorsatz, noch bewusster mit dem Thema Plastik umzugehen. Dabei herausgekommen sind ganz wundervolle Blogbeiträge:

Mehr „nachhaltiger“ Lesestoff auf Reisezeilen

In einem anderen Artikel habe ich auch schon mal darüber berichtet, wie ich versuche, insgesamt meinen Plastikmüll zur reduzieren. Schaut mal vorbei, wenn euch das Thema interessiert.

Sich selbst sein Reiseproviant vorzubereiten und in Boxen mitzunehmen ist auch sehr verpackungsschonend. Meine Lieblingsleckerei sind Energy Balls.

Die Bedrohung der Weltmeer wird sehr anschaulich im Ozeanbuch dargestellt. Ernstes Thema in hervorragenden Infografiken ausgearbeitet.

Noch eine paar persönliche Lebensweisheiten gibt es hier: Was ich in 45 Jahren über das Leben gelernt habe.

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8 Kommentare

    • Meist bekommt man erst mal einen Schock, wenn man sich durch seine Habseligkeiten scannt. Aber es ist extrem hilfreich. Ich kaufe seither ganz anders ein… Liebe Grüße zurück!!!

  1. Echt erschreckend, wie weit verbreitet dieses unnötige Mikorplastik ist. Was hat sich die Kosmetikindustrie da bloß wieder ausgedacht?! Die App werde ich mir jetzt auch mal runterladen, danke für den Tip! Und ansonsten finde ich es auch immer super, wenn man sich Kosmetikprodukte selbst herstellt. Dann kann man ganz sicher sein was drin ist. Liebe Grüße und danke auch für die Verlinkung. :-*

    • Kosmetik selbst machen ist allerdings ziemlich klasse. Körperöl zu Hause mischen ist ja z. B. echt einfach und zudem noch kostengünstig.

      Und ja: Codecheck ist wirklich sehr empfehlenswert.

      Liebe Grüße zurück!!!

  2. Liebe Beatrice,
    danke für den super Artikel! Peelings benutze ich aus eben diesem Grund schon lange nicht mehr. Ich hatte aber auch schon gelesen, dass sich Mikroplastik noch in vielen anderen Produkten befindet. Codecheck werde ich deshalb auf jeden Fall ausprobieren und auch gleich noch lesen, wie du Plastikmüll vermeidest. Das hatten wir vor einer Weile nämlich auch schon mal versucht und sind leider relativ schnell gescheitert. Ich hoffe, dass es beim zweiten Anlauf besser gelingt. Das mit dem Plastik muss endlich aufhören. Es ist der reinste Wahnsinn, wie viel Müll man so produziert. Welche Folgen das mit sich bringt, hast du ja beschrieben. Ich finde, dagegen sollte wirklich jeder etwas tun.
    Liebe Grüße
    Lu

    • Liebe Lu,

      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Codecheck kann ich dir wirklich mehr als ans Herz legen – es ist so ein „Augenöffner“. Mein Einkaufsverhalten hat sich dadurch extrem geändert, weil ich Produkte plötzlich viel besser beurteilen konnte.

      Und mit dem sonstigen Plastikmüll: ja, es ist leider Wahnsinn… Einige gute Gewohnheiten kann man sich immerhin mit der Zeit angewöhnen, aber bei uns gibt es z. B. leider keinen Unverpackt-Laden. Die meisten Produkte MUSS ich also verpackt kaufen, weil sie nicht anders zu kriegen sind. Echt doof!

      Liebe Grüße zurück,
      Beatrice

  3. Super Blick über den Tellerrand!! Schon oft habe ich mich gefragt, was mit den kleinen Kügelchen aus dem Gesichtspeeling passiert. Im Sinne unserer Meere sollte man da mehr als nur ein Auge drauf haben.

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