Nachhaltig Reisen – Warum die Vorurteile nicht stimmen und sich das Ausprobieren lohnt

nachhaltig reisen

Worum geht es in diesem Artikel? Ein Drittel der Deutschen interessieren sich für nachhaltig Reisen, aber nur 1 Prozent tut es tatsächlich. Eine Spurensuche, warum das so ist – und warum die Hinderungsgründe eigentlich gar keine sind.

Nachhaltig Reisen – Die Idee steckt noch in den Kinderschuhen

Bei der letzten ITB in Berlin, der großen, internationalen Reisemesse – ist es mir mal wieder klar geworden: Der Ansatz des nachhaltig Reisen fängt gerade erst an, Fuß zu fassen. Nur eine Handvoll Unternehmen positionieren sich als grüne Reiseanbieter und der Bereich ist (noch) sehr überschaubar. Bei der Übermacht des konventionellen Tourismus gewinnt man schnell den Eindruck, hier kämpft David gegen Goliath.

Mal wieder alles umsonst? Die Frage hat mir keine Ruhe gelassen.


Wissenswertes: 2014 wurde vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) ein Bericht zum Thema Nachfrage für nachhaltigen Tourismus in Auftrag erstellt. Diese (und auch andere) Studien haben folgendes Bild ergeben.

  • Rund ein Drittel der reisefreudigen, deutschen Bevölkerung interessieren sich für ökologisch und sozial verträgliche Urlaubsreisen.
  • Zwischen dem Wunsch, nachhaltig zu verreisen und der tatsächlich Umsetzung gibt es allerdings eine deutliche Diskrepanz. Laut einem Artikel in der Süddeutschen buchen aber nur 1 % der Deutschen nachhaltige Reiseangebote.
  • Als Hinderungsgründe werden überwiegend genannt: (vermutete) höhere Kosten, mangelnde Angebote und fehlende Informationen/Beratung.

Kann ich mir das überhaupt leisten?

Bedeutet nachhaltig Reisen wirklich auch immer einen höheren Preis?

Klar kann man in ein Luxus-Eco-Resort auf die Malediven reisen, was vermutlich nicht die kostengünstigste Urlaubsvariante darstellt. Aber wenn man nicht gleich eine Fernreise anvisiert, muss eine nachhaltige Unterkunft nicht mehr kosten, als ein vergleichbares anderes Hotel. Ich war vor einiger Zeit in einem Naturhotel im Schwarzwald, wo eine Übernachtung im Doppelzimmer mit Frühstück zwischen 69,- und 75,- EUR kostet – also ein ganz normaler Preis.

Modernes Design oder ein gehobenes Ambiente werden auch von nachhaltig geführten Hotels geboten. Man muss also keineswegs auf Komfort verzichten. Eines der schönsten, geschmackvollsten (und nicht teuren!) Hotelzimmer habe ich z. B. in dem kleinen Hotel Seehaus Forelle in der Pfalz bewohnt. Gerade auch für innerdeutsche Städtereisen gibt es spannende Angebote, die es sich auszuprobieren lohnt.

Sehr wichtig finde ich es, wenn Anbieter generell ihre Kostenkalkulation transparent halten und genau erklären, was sie tun und warum sie es tun. Mir geht es beispielsweise so, dass ich gerne bereit bin, einen etwas höheren Preis zu akzeptieren, wenn ich weiss, dass ich mit dem Mehraufwand einen sinnvollen Beitrag leiste.

Gibt es da nur Müsli und veganes Essen?

Ich persönlich freue mich über ein reiches Angebot an pflanzlichem Essen. Aber es muss sich niemand Sorgen machen, zu verhungern: Die Bandbreite für ein nachhaltiges Essen ist riesig und reicht von regionalen Spezialitäten über Bio bis zum veganen Imbiss. Da dürfte eigentlich jeder das Passende finden.

Im Restaurant des Hotels Lamm dürfte das Herz jedes Fleischliebhabers höher schlagen, denn es gibt eine große Auswahl an Fleischgerichten. Der Unterschied besteht nur darin, dass jedes Tier aus verantwortungsvoller Haltung stammt und nicht sein kurzes Leben in einem Mastbetrieb fristen musste. Trotzdem hatte ich kein Problem, für mich ein leckeres, vegetarisches Gericht auf der Karte zu finden. Da kommt also jeder auf seine Kosten.

Lässt sich Nachhaltigkeit mit einer Flugreise vereinbaren?

Dazu gibt’s ganz unterschiedliche Meinungen. Ich höre immer mal wieder, dass man aus Gründen der Nachhaltigkeit ganz auf’s Fliegen verzichten sollte. Natürlich verursachen Flugzeuge einen großen CO2-Ausstoß, aber ich denke, bei der wachsenden Bevölkerungszahl ist es illusorisch zu denken, dass unser weltweites Transportaufkommen sinken wird. Die Menschen sind gereist, so lange es sie gibt. Die Welt in ihrer Vielfalt zu sehen, gehört für mich ganz essentiell dazu.

Aber natürlich können wir unsere Reisen reduzieren, verantwortungsvoll planen und hoffentlich kommt uns auch bald verbesserte Technologien zur Hilfe, die das Fliegen umweltfreundlicher machen.

Meine persönliche Taktik sieht deshalb so aus: Meine Kurzstrecken-Flugaktivitäten habe ich komplett gestrichen, indem ich kürzere Distanzen mit der Bahn fahre. Jaja, ich mag die „super-verlässliche“ Bahn auch nicht besonders. Aber mir geht der Umweltschutz in dem Fall vor und ich kann nur hoffen, dass es die Bahn mal schafft, in die Modernisierung ihres Schienennetzes zu investieren, statt immer nur die Preise anzuheben.

Bei längeren Strecken kann man Klimakompensation betreiben, indem man an atmosfair spendet und dabei direkt in Klimaschutzprojekte investiert. Für mich ist das ein fairer Ausgleich, der auch nichts mit „Ablasshandel“ zu tun hat. Außerdem versuche ich, in Relation zur zurückgelegten Entfernung entsprechend lang im Reiseland zu bleiben.

Nachhaltig Reisen – Ist das nicht alles nur Green Washing?

Leider gibt’s immer mal wieder Unternehmen, die sich nur allzu gerne ein grünes Mäntelchen umhängen, weil es gerade angesagt ist und sich so Kunden gewinnen lassen. Wenn man dann hinter die Kulissen schaut, wird’s mit der Nachhaltigkeit nicht so ernst genommen oder man konzentriert sich auf wenige, vorzeigbare Maßnahmen.

Klar wird es immer ein paar schwarze Schafe geben. Dafür aber jede Bemühung zu ignorieren, die in die richtige Richtung geht, ist aber auch der falsche Ansatz, frei nach dem Motto: „Hat doch eh‘ alles keinen Sinn!“ Doch, hat es! Auch kleine Schritte sind hilfreich. Aber auch da ist die Transparenz wichtig, die ich schon oben erwähnt habe. Je mehr Anbieter kommunizieren und erklären, wie sie arbeiten und wozu sie etwas tun, umso besser kann man sich als Kunde darauf einlassen.


Übrigens: Meinen Individualtrip nach Tansania habe ich komplett über einen nachhaltigen Anbieter gebucht – und zwar über Accept Reisen. Meine Erfahrungen damit waren sehr gut. Es lohnt sich also in jedem Fall, einen Versuch zu starten.

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12 Kommentare

  1. „Gibt es da nur Müsli und veganes Essen?“ 😀 Lustige Überschrift, obwohl sie sehr, sehr passend ist. Denn es sind wohl wirklich gerade die Vorurteile, die davon abhalten, nachhaltig zu reisen. Weil auch wir mit solchen Vorurteilen aufräumen wollen, haben wir für unsere Blogrubrik „#Energiewender“ mal mit dem Hotelbesitzer eines klimafreundlichen Ökohotels gesprochen – vielleicht auch für Dich interessant? Das Hotel hat zum Beispiel eine riesige Solaranlage, ein eigenes Blockheizkraftwerk und setzt auf Elektromobilität. Reiselustige Grüße!

  2. Hallo Beatrice!
    Nachhaltiges Reisen finde ich auch wichtig und zugleich schwierig umzusetzen. Wir haben auf facebook die Gruppe „Reiseklee“ gegründet, die noch ziemlich in den Kinderschuhen steckt. Mir ist auch da aufgefallen, dass es zwar Interessenten gibt, aber sich kaum einer einbringt. Sicherlich empfinden es viele so, wie du geschrieben hast: Die Angst vor Kosten und Verzicht und vielleicht auch Unwissenheit. Wenn du deinen Blog oder Bilder, Tipps, Texte dort posten möchtest, dann schau einfach rein!

  3. Zu Punkt 4: „Zu Hause bleiben löst keine globalen Probleme“. Wie soll man das verstehen? Ein großes, globales Problem – unter das vor allem anderen als wir leiden – ist die Erderwärmung und der Flugverkehr ist dabei ein sehr großer Faktor. In Deutschland gehört der Ausstoß pro Kopf zur Weltspitze und das lässt sich alleine schon durch die Reisefreudigkeit erklären. Ein Flug Düsseldorf-Mallorca verursacht pro Passagier so viel Ausstoß wie ein Familienauto mit 15.000 Km Laufleistung pro Jahr. und damit werden auch noch glaich mehere Personen transportiert. Und der größte Paradox ist, dass gerade die Wählerschaft der Grünen in Deutschland am meisten Flugkilometer zurücklegt … !

    Der so genannten CO2-Ausgleich ist eine Mogelpackung ohne Gleichen. Mit Maßnahmen an der Erdoberflächen kann man die Tonnen an CO2 die direkt hoch in der Atmosphäre ausgepustet werden nicht abbauen. Und dort bleiben sie, ohne dass sie in irgendwelche Weise abgebaut werden. Und addiert sich und addiert sich …

    Nicht fliegen heißt noch lange nicht sofort zu Hause bleiben zu müssen, übrigens. Selbst reise ich viel mit der Bahn und alles, was dazu gesagt wird, wie Verspätungen, Ausfälle, Streiks, gilt fast genau so für den Flugverkehr. Kennen wir nicht alle die Bilder von gestrandeten Flugpassagieren?? Es ist in meinen Augen ein Gelegenheitsargument, weil man einfach nicht aufs Fliegen verzichten will.

    Ich verstehe Ihr Dilemma. Aber da lässt sich nichts schön reden. Beitrag Nummer Eins zur Reduzierung des CO² und jede Menge andere Schadstoffen in der Erdatmosphäre ist schlicht und ergriefend nicht zu fliegen.

    • Hallo Kees,
      danke für Deinen Kommentar und sorry, dass ich jetzt erst dazu komme, Dir zu antworten.

      Ich stimme Dir zu, dass man bei kürzeren Strecken möglichst auf umweltfreundliche Alternativen wie z. B. die Bahn zurückgreifen werden sollte. Das habe ich in meinem Artikel auch geschrieben.

      Trotzdem bin ich nach wie vor der Meinung, dass es keine Lösung wäre, wenn niemand mehr fliegt – ganz davon abgesehen, dass der Flugverkehr bei weitem nicht der einzige Verursacher für den Klimawandel ist. Eine deutliche Reduktion tierische Produkte wäre z. B. auch ein wesentlicher Fortschritt. Den Tourismus generell zu verdammen, halte ich für falsch, denn er ist einer der größten globalen Wirtschaftssektoren, der sehr vielen Menschen das Überleben sichert. Klar halte ich nichts von heuschreckenartigen Besucherfluten, die mehr Schaden als Nutzen anrichten – weshalb es ja hier im Blog auch um nachhaltiges Reisen geht.

      Ein Beispiel: Gerade war ich in Tansania, wo einiges für die berühmten Nationalparks im Norden getan wird – eben weil sie Besucher anziehen, die wiederum Geld bringen und viele Arbeitsplätze ermöglichen. Ein Ranger vor Ort erzählte mir, welche großen Probleme es dagegen im Süden von Tansania gibt, wo es ebenfalls etliche Nationalparks sind, die aber eher unbekannt sind und verkehrstechnisch schlecht zu erreichen. Es gibt wenig Besucher, wenig Geld, dafür enorme Probleme mit Wilderei, illegalen Holzeinschläge (Stichwort Brennholz) etc. Die Menschen haben dort kaum Einkünfte und nehmen dadurch in Kauf, ihren Lebensraum langsam aber sicher zu zerstören. Ein sanfter Tourismus wäre also die Lösung für so einige Probleme und würde in dem Fall zum Schutz der Natur beitragen.

      Costa Rica ist nach meiner Meinung ebenfalls ein gutes Beispiel, wo Tourismus und Umweltschutz sehr gut Hand in Hand arbeiten.

      Genauso denke ich, dass Klimaschutzprojekte keinesfalls „Mogelpackungen“ sind, denn irgendwo muss man anfangen. Der Gedanke der Nachhaltigkeit muss in alle Richtungen gedacht werden und betrifft uns alle – nicht nur Menschen, die reisen. Es geht um die Frage, wie viel Müll wir verursachen, welchen Strom wir kaufen, ob wir Fahrrad statt Auto fahren und vieles, vieles mehr. Und nicht zuletzt ist es auch eine Frage dringender politischer Entscheidungen.

      Ein unendliches Thema, ich weiss.
      Beste Grüße,
      Beatrice

  4. Hallo Beatrice,
    auf der Suche nach Blogs zu Natur- und nachhaltigen Reisen habe ich die Reisezeilen gefunden. Gefällt mir rundum sehr gut. Ich freue mich schon darauf bald mehr von dir zu lesen.

    • Liebe Karoline,
      herzlichen Dank, das Thema Nachhaltigkeit ist bei mir immer mehr in den Fokus geraten. Ich find’s einfach ein wichtiges Thema und hoffe sehr, dass ich hier ein paar brauchbare Ideen und Anregungen sammeln kann. Freue mich in jedem Fall, wenn Du hier mal wieder vorbei schaust. Viele Grüße, Beatrice

  5. Hallo Beatrice,
    schön, dass du das Thema anschneidest. Ich vertrete eine ganz ähnliche Einstellung. Natürlich ist fliegen nicht sonderlich nachhaltig, aber genau wie du sagst: Wenn alle zuhause bleiben, ist es auch keine Lösung für globale Probleme. Außerdem vertrete ich die Meinung, dass jeder Schritt in die Richtung eines verantwortungsbewussteren Lebens und somit auch Reisens wertvoll ist. Ich bin gespannt, was du berichten wirst 🙂
    Gute Reise und liebe Grüße,
    Franka

  6. Wirklich interessantes Thema, danke für dein kleinen Einblick.
    Ich bin dann schon einmal gespannt, wie die Reise nach Tansania abläuft und was du da alles an Erfahrungen zum Thema mitbringst.

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