Naturpark Teutoburger Wald Eggegebirge – Von einer, die in den Wald ging und Rinder & Pferde fand

Naturpark Teutoburger Wald Eggegebirge

Ein Wald, in dem Rinder und Pferde frei zwischen Bäumen weiden? Ich hatte keine Ahnung, dass es in Nordrhein-Westfalen solche Orte gibt – und dann auch noch mitten im Naturpark Teutoburger Wald Eggegebirge. Genau hier, in der Wistinghauser Senne, trifft man auf schottische Hochlandrinder mit zotteligem Fell und weit ausladenden Hörnern sowie auf robuste Exmoor-Ponys, die sich fast wie Wildpferde durch den Wald bewegen. Eine Landschaft, die archaisch wirkt – und gleichzeitig überraschend nah.

Begegnung mit den Hochlandrindern

Schottische Hochlandrinder sind markante und majestätische Tiere, die mit ihrem imposanten Erscheinungsbild die Waldweide im Naturpark Teutoburger Wald bereichern. Diese robusten Rinder zeichnen sich durch ihr zotteliges, wetterfestes Fell und ihre beeindruckenden, weit ausladenden Hörner aus. Mit einem ruhigen und gelassenen Charakter passen sie sich hervorragend an die natürlichen Gegebenheiten an und spielen eine Schlüsselrolle in der Bewirtschaftung der bewaldeten Flächen.

Die Exmoor-Ponys – wild, wachsam, eigenständig

Die Pferde – genauer gesagt, die Exmoor-Ponys – bleiben eher auf Abstand. Die mittelgroße, englische Pferderasse gleicht Wildpferden. Und sie verhalten sich auch so: zielstrebig und selbstbewusst. Ein Tier mustert mich mit hoch erhobenem Kopf, um dann über den Weg zu galoppieren. Ein anderes schnuppert neugierig in meine Richtung und zieht sich dann wieder unter die Bäume zurück.

Sie durchstreifen die beweideten Gebiete und tragen maßgeblich zur Erhaltung der natürlichen Ökosysteme bei. Durch ihre Ursprünglichkeit und Anpassungsfähigkeit fügen sie sich harmonisch in die Waldweide ein und ermöglichen den Besuchern einzigartige Begegnungen.

Beweidungsgebiet Wistinghauser Senne im Naturpark Teutoburger Wald Eggegebirge

Was machen Rinder und Pferde im Wald? Waldweiden waren früher in Mitteleuropa üblich. Haustiere nutzten das üppige Nahrungsangebot, hielten Flächen offen und schufen abwechslungsreiche Landschaften. Diese Praxis verschwand – bis 2011 im Naturpark Teutoburger Wald Eggegebirge ein neues Beweidungsprojekt startete.

Zunächst wurden schottische Hochlandrinder in der Wistinghauser Senne angesiedelt, 2015 folgten die Exmoor-Ponys. Das Ergebnis ist eine einzigartige Kulturlandschaft: Durch Tritt und Verbiss entsteht ein lichter, warmer Wald – ideale Lebensbedingungen für seltene Pflanzen-, Tier- und Vogelarten. Biodiversität zum Anfassen.

Wer Ruhe sucht, findet sie hier

Ein gut ausgeschildertes Netz aus Wanderwegen zieht sich durch das Beweidungsgebiet. Beim Gehen stellt sich schnell ein Gefühl ein, das man selten findet: Weite im Kopf. So große Tiere mitten im Wald zu sehen, wirkt fast surreal. Normalerweise freut man sich schon über ein Reh in der Ferne – hier beobachtet man ganze Herden aus nächster Nähe. Ich fühlte mich in eine Zeit zurückversetzt, in der Auerochsen und Wildpferde die europäischen Wälder prägten.

Waldmeditation statt Programmpunkte

Die Kombination Natur plus Tiere ist einfach das beste Mittel, um inneren Abstand zu gewinnen. Ich kann mir keine bessere Kontemplation vorstellen, als mich – langsamen Schrittes – durch den Wald zu bewegen. Mich in die Nähe der Herde zu setzen und den Tieren beim Grasen und Kauen zuzusehen. Auf die Geräusche der Natur zu hören. Tief ein- und auszuatmen und nichts dabei zu denken.

Klar sind die imposanten Schottlandrinder eine Haustierrasse und die Ponys keine „echten“ Wildpferde. Aber es hat trotzdem nichts zu tun mit „Ferien auf dem Bauernhof“, sondern fühlt sich durchaus wild an und ist eine sehr ursprüngliche Art, den Tieren zu begegnen.

Die Waldweide im Naturpark Teutoburger Wald Eggegebirge bietet auch die ideale Kulisse für eine intensive Walderfahrung. Das sanfte Rauschen der Blätter, das Zwitschern der Vögel und der erdige Duft des Waldes schaffen eine Atmosphäre der Ruhe und Entspannung. Hier, umgeben von majestätischen Hochlandrindern und wilden Exmoor-Ponys, kann man die heilende Kraft des Waldes in ihrer reinsten Form erleben. Ein Spaziergang durch die beweideten Wälder wird so zu einer meditativen Reise, bei der die Sinne geschärft und der Stress des Alltags abgebaut wird.

Verhaltensregeln – wichtig für alle

Ein respektvoller Umgang mit den Tieren ist essenziell, um die harmonische Begegnung in der Waldweide zu bewahren. Obwohl die Tiere in der Regel friedlich sind, ist es wichtig, ihre natürlichen Instinkte zu respektieren. Das bedeutet, dass Besucher darauf achten sollten, die Tiere nicht zu streicheln oder ihnen nachzulaufen.

Das Verweilen in angemessener Entfernung ermöglicht es, die Atmosphäre zu genießen, ohne die Herde zu stören. Ein ruhiges Verhalten wird oft mit purer Neugierde belohnt, und es kann vorkommen, dass sich ein Tier aus eigenem Antrieb nähert. Dennoch ist Vorsicht geboten, insbesondere im Hinblick auf die imposanten Hörner der Schottlandrinder. Manchmal schütteln und schwenken die Tiere unvermittelt den Kopf. Durch das respektvolle Einhalten dieser Verhaltensregeln wird nicht nur die Sicherheit aller Beteiligten gewährleistet, sondern auch die einzigartige Wildheit und Ursprünglichkeit im Naturpark Teutoburger Wald Eggegebirge bewahrt.

Alle Informationen gibt es auf der Website des NATURPARK TEUTOBURGER WALD/EGGEGEBIRGE.

Mehr Abenteuer mit Tieren? Wie wäre Schnorcheln mit Kegelrobben in der Bretagne?


Mein Fazit: Die Waldweide im Naturpark Teutoburger Wald Eggegebirge ist eines der eindrucksvollsten Naturerlebnisse in NRW. Schottische Hochlandrinder, Exmoor-Ponys und eine offen gehaltene Waldlandschaft schaffen eine Atmosphäre, die gleichzeitig archaisch und beruhigend wirkt. Wer sich darauf einlässt, entdeckt eine Form von Wildnis, die nicht spektakulär laut ist – sondern leise nachwirkt.


Offenlegung: Ich war im Rahmen einer Einladung von Tourismus NRW ein Wochenende in Nordrhein-Westfalen unterwegs. Der Artikel wurde ursprünglich 2016 veröffentlicht und 2025 redaktionell vollständig überarbeitet. Alle Eindrücke und Meinungen sind meine eigenen.MerkenMerkenMerkenMerken

Comments 9
  1. Was für ein toller Bericht! Und zudem habe ich nun wieder ein neues Da-will-ich-unbedingt-hin-Ziel. Und ich habe was dazu gelernt, denn von diesen frei grasenden Rindern und Pferden habe ich bisher nichts gehört.
    Werde mit Sicherheit nun öfter auf Deinem Blog vorbeischauen und mir Anregungen holen (meiner ist noch im Aufbau…)
    Herzliche Grüße von
    Kerstin

    1. Liebe Kerstin, herzlichen Dank für Deine netten Zeilen. Der Ausflug dorthin lohnt sich in jedem Fall. Mir hat’s total viel Spaß gemacht. Toi, toi, toi für Deinen Blog & viele Grüße, Beatrice

  2. Das sieht nach einer tollen #Rauszeitlust Tour aus. Die Hochlandrinder sind ja total zutraulich!? Unsere auf Tour 1 haben sich eher auf Distanz gehalten. Schade, dass die Wisent-Wanderung ins Wasser gefallen ist. Die wäre sicherlich ein Highlight geworden.

    Viele Grüße
    Udo

    1. Ja, das fand ich auch mega-schade, dass das Wetter so schlecht war. Ich hatte mich auch total auf die Wanderung gefreut. Naja, kann man nichts machen… 😉 Liebe Grüße zurück!

  3. Welch schöne Bilder, welch schöne Erlebnisse! Das sieht sehr beeindruckend aus und zeigt mir wieder einmal, dass man gar nicht so weit gehen müsste, da auch unser nördliches Nachbarland sehr viel schöne Natur zu bieten hat! Liebe Grüsse, Miuh

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