I refuse to fear. Weil Terror & Amok nicht unser Leben bestimmen dürfen

Reisesicherheit

Gestern habe ich auf einer Nachrichtenseite gelesen, dass die Bahn massiv ihr Sicherheitspersonal verstärken will. Nach den Anschläge von Würzburg und Ansbach sowie dem Amoklauf in München soll die Sicherheit auf Bahnhöfen und in Zügen verstärkt werden. Vielleicht im ersten Moment ein nachvollziehbarer Schritt.

Trotzdem denke ich, dass Sicherheitsaspekte nicht zum alles bestimmenden Kriterium werden dürfen, dass mehr Überwachung und verschärfte Gesetzte nicht die Antwort sein können. Kein noch so ausgeklügeltes Sicherheitskonzept kann die Gefahr einer Gewalttat restlos ausschließen, aber es würde unser Leben erheblich einschränken und bei jedem Schritt wären wir konfrontiert mit der Drohung einer potentiellen Gefahr. Und ich sehe die Lösung auch nicht im persönlichen Verzicht, in der Einschränkung meiner Lebensweise.

Will ich jetzt auf Bahnfahrten verzichten? Oder Straßenfeste und öffentliche Veranstaltungen meiden? Soll ich Angst vor Flughäfen haben und einen Städtetrip nach Paris ausfallen lassen? Nein, keinesfalls!

Und nein, ich glaube nicht, dass das leichtsinnig ist. Ganz im Gegenteil. Es ist notwendig.

Wenn mich jemand fragte, ob ich Angst habe, würde ich das verneinen. Ich weigere mich, mein Leben zu ändern. Ich will mich nicht einschüchtern lassen von terroristischen Extremisten oder Amokläufern. Denn das ist genau das, was erreicht werden soll: einschüchtern, Angst und Unsicherheit verbreiten oder einen Moment traurigen Ruhms erlangen.

Womöglich wird es weitere Anschläge geben. In der Welt, in Europa, vielleicht auch in Deutschland.

Gestern morgen gab es einen Bombenanschlag an der türkisch-syrischen Grenze, der mindestens 14 Menschenleben gefordert hat. Der IS erklärt sich für die Tat verantwortlich. Ob in Syrien oder – wie im Frühjahr – in Brüssel: Immer wieder müssen wir hören, dass unschuldige Menschen sinnlos umkommen, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Das ist grausam. Das ist falsch. Und es macht keinen Unterschied, ob die Gewalt irgendwo in weiter Ferne passiert oder direkt vor unserer Haustür. Dennoch sind es die Ereignisse  greifbarer und sickern schmerzhafter in unser Bewusstsein, wenn sie in nächster Nähe passieren. Ich kann auch verstehen, wenn man das angsteinflößend findet.

Ich lese in diesem Zusammenhang gerade öfter das Argument, dass die Welt nicht schlechter und gefahrvoller geworden ist. Das stimmt, auch wenn rationale Argumente leider nicht besonders wirksam sind, wenn Emotionen die Oberhand gewinnen. An der Sicherheitslage hat sich nicht viel geändert – es ist nach wie vor wahrscheinlicher, an einem Verkehrsunfall zu sterben, als während eines Terroranschlages – aber dafür an der Gefühlslage.

Gerade das nutzen die rechtspopulistische Strömungen, die Angst und Verunsicherung nur zu gerne für Meinungsmache, Panik und Untergangsszenerien mißbrauchen. Da werden die tatsächlichen Hintergründe der Taten – Amok oder Terror, individuelle oder organisierte Attacke – ausgeblendet, um aus der Situation einen politischen Vorteil ziehen.

Wenn man richtig schlechte Laune bekommen will, muss man dieser Tage eigentlich nur die Kommentare unter den Nachrichtenartikeln lesen oder sich ein wenig unter den passenden Hashtags bei Twitter umsehen. Was man da lesen kann an Vorurteilen, Schuldzuweisungen, Unwissen und offene Hetze. Da bekomme ich Angst und mir wird gleichzeitig klar, dass ich, dass wir gegen diese rechten Tendenzen klar Position beziehen müssen. 

Hysterie und Stimmungsmache ist niemals eine gute Antwort, in keiner Situation.

Es ist traurig, was passiert, aber die beste Antwort, die wir darauf finden können, ist nicht klein beizugeben und unsere humanitären Werte in Zweifel zu ziehen. Menschlich und besonnen und mitfühlend und solidarisch über die Landesgrenzen zu sein und uns natürlich auch zu fragen, was wir tun können um Terrorismus und Amokläufe zu verhindern. Politisch und gesellschaftlich, hier bei uns und überall auf der Welt.

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11 Kommentare

  1. Hallo Beatrice
    hier in China habe ich persönlich das Gefühl sicher zu leben und mich bewegen zu können. Die Polizei in Uniform und Zivil sind präsent aber nicht aufdringlich. Man kann Bahnhöfe nur nachdem der Rucksack, sofern man einen dabei hat, gescannt wurde betreten. Das weiss jeder hier und hält den Betrieb überhaupt nicht auf. Es fahren übrigens in allen Zügen Polizisten, nicht etwa private Security Leute mit. Auch hier merkt man nichts davon, die sitzen in ihrem Dienstabteil. Ich reise nach wie vor gerne und habe auch keine Angst zu fliegen. Ich würde jetzt nicht unbedingt in Krisengebiete reisen, schon gar nicht mit meinem Sohn. Wer sich leichtsinnig in Gefahr begibt, kann für sich persönlich Probleme verursachen. Es gibt aber genügend Länder wo ich noch nicht war und wo man problemlos reisen und Urlaub machen kann. Ich lebe ja schon länger nicht mehr in Deutschland, aber ich habe zumindest den Eindruck das die Polizei teilweise von dem einen oder anderen Bundesland kaputtgespart wurde. Jetzt 10.000 neue Polizisten einzustellen bringt in meinen Augen nichts, zumindest kurzfristig nichts, weil die ja erstmal ausgebildet werden müssen. Die übrigen Polizisten schieben eine Menge Überstunden vor sich her, die sie gar nicht in der Lage sind abzubauen. In diesem Sinne wünsche ich Dir ein schönes Wochenende….schönen Gruss aus Nanjing .. Dirk

  2. Wer Angst um seine Sicherheit hat, sollte sich im Auto immer anschnallen (es ist erschreckend, wieviele Leute das immer noch nicht tun … „ich sitz ja nur hinten“ oder „für die kurze Strecke …“) und bei Aktivitäten wie Fahrradfahren, Skilaufen und Inlineskaten einen Helm aufsetzen.
    Es ist absurd, Angst vor Terror zu haben, weil es so unwahrscheinlich ist – und mich ärgert es auch unwahrscheinlich, wie gierig sich die Medien auf die Themen stürzen und den Terroristen noch zuspielen und entgegenkommen, indem sie Angst verbreiten. Um der Quoten willen …
    Natürlich sollte man nicht unbedingt ins Kriegsgebiet fahren, aber sonst – es kann einem überall was passieren. Auf der Hochzeit meiner Cousine vor zwei Wochen krachte völlig unerwartet und plötzlich aus einem Baum ein großer Ast runter, 3 m neben uns. Neben einer Freundin von mir kam auf einem Bürgersteig mal ein Dachfenster (!) runter und hat sie knapp verfehlt. Was ist die Konsequenz- sich fortan von allen Bäumen und Häusern fernhalten?
    Oder doch lieber akzeptieren, dass es immer ein Restrisiko gibt, dass einen irgendwas plötzlich umbringen kann – ob das ein dummer Zufall, ein dummer Unfall, ein unentdeckter Herzfehler oder ein Terrorist ist, macht einfach keinen Unterschied. Schützen kann man sich nicht, das Leben ist lebensgefährlich.
    Wenn mich morgen ein Schlaganfall, Dachziegel oder Terrorist umbringen könnte, sehe ich doch lieber zu, dass ich heute mein Leben gut verbringe, ohne Panik vor unwahrscheinlichen Ereignissen zu schieben.

    • Liebe Hana, Du hast absolut recht. Sehr treffende Beispiele, die Du aufgezählt hast. Ich habe heute ein cooles Zitat vom (leider viel zu früh gestorbenen) Roger Willemsen gelesen: „Das Leben kann man nicht verlängern, nur verdichten.“ In diesem Sinne…

  3. Hej Beatrice
    Eim toller Artikel, dem ich absolut zustimmen kann. Wir dürfen uns nicht verunsichern lassen und schon gar nicht von den Medien blenden lassen. Da wird viel zu viel übertrieben. Als ich in Australien war, bekamen wir wegen Sturmmeldungen SMS aus der Heimat, ob alles in Ordnung wäre. Bei uns hat es bloss ein bisschen stärker geregnet. Könnte noch einige ähnliche Situationen aufzählen, wo Medien und andere Gruppierungen das Weltgeschehen für ihre Interessen missbrauchen.
    Weiterhin schöne Reisen und gesund bleiben!
    Gruss, Igor

    • Hi Igor, ja, den Effekt kenne ich auch, den Du beschrieben hast. Aus der Ferne wird immer alles als ganz bedrohlich und gefährlich beschrieben & wahrgenommen, was bei näherer Betrachtung gar nicht so ist. Dir auch weiterhin schöne Reisen & alles Gute, Beatrice

  4. Danke Beatrice,

    du sprichst mir mit deinem Artikel aus dem Herzen. Was mich im Moment stört sind vor allem die Nachrichten , bzw. die Live-Schaltungen im Minutentakt. Berichte die im Prinzip nichts erklären oder aufklären sondern nur die Ahnungslosigkeit und die Hilflosigkeit widerspiegeln. Damit wird mehr Angst verbreitet als nötig ist.

    Was passiert ist, ist schrecklich, ohne Frage. Das bedeutet aber nicht, dass ich permanent in Gefahr bin!
    Ein Leben in Freiheit ist besser als ein Leben im Gefängnis der Angst.

    Liebe Grüße Britta

    • Toller Satz Britta: „Ein Leben in Freiheit ist besser als ein Leben im Gefängnis der Angst.“ Vielen Dank & liebe Grüße an Dich!

  5. Ich war während des Amoklaufs gerade in der Münchner Innenstadt unterwegs. Ich saß eine ganze Weile fest, da ja nichts mehr fuhr und nachdem mein anfänglicher – zugegeben: naiver – Plan, einfach ein Taxi vom Stachus bzw. Hauptbahnhof zu nehmen, auch nicht aufging, ging ich zu Fuß nach Hause. Insgesamt war ich vier Stunden lang in der Stadt unterwegs, eben auch an den großen, vielfrequentierten Plätzen.

    Als ich später die Berichte, Zeitungsartikel und ähnliches gelesen habe, fragte ich mich, ob das wirklich in der gleichen Stadt gewesen sein soll. Es klang in den Medien, als sei ganz München ein Kriegsgebiet gewesen, überall panische, schreiende Menschen, die durch die Straßen irrten auf der Suche nach einem Versteck. Auf einmal Verstand ich, warum ich so viele panische SMS von Auswärtigen erhalten hatte, die ständig fragten, ob ich irgendwo „unterkommen“ oder „mich verstecken“ kann.
    Ich hatte nicht verstanden, warum die Leute mich das fragten. Alles war friedlich, die Menschen waren total entspannt. Ja, es war irrsinnig viel Polizei unterwegs, ja, auch in schwerer Montur. Aber ich habe keine Panik erlebt, keine panischen Menschen gesehen. Im Gegenteil: Es war geraduz grotesk, wie ruhig die Menschen angesichts der Situation waren.
    Sicher wird es Panik gegeben haben, gerade an den Orten des Geschehens. Aber als ich ein paar Minuten nach dem Fehlalarm am Stachus eintraf (vom Alarm selbst hatte ich ja nichts mitbekommen), war alles schon längst wieder ruhig. Die Panik war wohl sehr punktuell und zeitlich begrenzt. In den Medien klang das aber wahrlich nicht so. Da stand nicht „Kurzzeitig brach auch am Stachus Panik aus“, sondern: „Eine Stadt in Angst!“

    Ich muss sagen, dass ich nach diesem Abend noch weniger auf die Panikmache in den Medien gebe, als zuvor.

    LG, Ilona

    • Liebe Ilona,
      ich habe auch eine Weile über Facebook & die Live-Schaltungen der Nachrichtensender die Geschehnisse in München verfolgt und war auch erschüttert, weil man den Eindruck gewinnen musste, es mit einer Stadt im Ausnahmezustand zu tun zu haben – obwohl das gar nicht so war – wie Du ja vor Ort selbst erlebt hast. Dazu dann die wildesten Mutmaßungen und Beschuldigungen in den Kommentaren. Das schürt natürlich Angst und Unsicherheit. Ich habe dann beschlossen, erst mal alle Medien zu meiden und abzuwarten, was sich überhaupt als belastbar herausstellt.
      Liebe Grüße, Beatrice

      • Ein Ausnahmezustand war es durchaus – aber in erster Linie, weil die Öffis nicht mehr fuhren. Die Unsicherheit, was als nächstes geschehen würde, war freilich da. Aber nicht so krass, wie es in den Medien geschildert wurde.
        Und wie du sagst: Spekulationen, Beschuldigungen und Mutmaßungen tun ihr übriges. Ich bin froh,d ass ich keinen Zugang zu Nachrichten hatte, als ich unterwegs war. Vielleicht wäre ich sonst nicht so ruhig geblieben?

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  1. Sport- und Fitnessblogs am Sonntag, 31.08.2016

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