Thailand Reisetipps – Acht wichtige Einblicke in Kultur & Tradition

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Thailand gilt als Einsteigerland für Asienreisende. Freundliche Menschen, lebhafte Märkte, köstliches Essen und eine gut ausgebaute Infrastruktur machen es einfach, das Land zu bereisen. Das Preisniveau ist so günstig, dass viele Backpacker und Langzeitreisende Thailand zu einem ihrer bevorzugten Reiseziele erklärt haben. Auch wenn das Urlaubsparadies in Südostasien oberflächlich betrachtet relativ westlich und modern wirkt, herrschen hier andere Spielregeln und Verhaltensmuster.

Thailand Reisetipps

Einem ausländischen Besucher wird es meistens nachgesehen, wenn er sich nach thailändischem Empfinden daneben benimmt oder den einen oder anderen Fehler begeht. Thais würden einen Gast aufgrund ihrer Mentalität niemals kritisieren oder abfällig behandeln. Dennoch schadet es nicht, wenn man sich als Reisender ein wenig mit der Kultur und der Denkweise in Thailand auseinander setzt, um den Einheimischen möglichst mit Respekt und Höflichkeit zu begegnen.

Hier findest Du meine 8 Tipps, wie Du in Thailand das eine oder andere Fettnäpfchen vermeiden kannst:

1. Begrüßung

Der traditionelle thailändische Gruss ist der wai. Dafür werden die beiden Handflächen wie beim Gebet vor der Brust zusammengelegt. Was für Europäer wie eine höfliche Geste wirkt, ist in Thailand eine streng reglementierte Angelegenheit, deren exakte Ausführung an den Status des zu Grüßenden gekoppelt ist. Je wichtiger die Person ist, die begrüsst wird, umso höher werden die aneinander gelegten Hände gehoben und umso tiefer wird der Kopf gesenkt. Bei sehr angesehenen Mönchen oder beim König geht der Grüßende zusätzlich auf die Knie, beugt sich nach vorn und legt die Handflächen auf den Boden. Das ist nur eine sehr grobe Umschreibung der vielen Varianten und Abstufungen, die beim wai zu beachten sind.

Da es als Reisender unmöglich ist, die sozialen Strukturen zu durchdringen, die für eine korrrekte Ausführung des wai nötig wäre, gilt die einfach Regel: besser ganz darauf verzichten. Kein Thai nimmt das übel, denn jeder weiss, dass sich Ausländer nicht auf diese Art begrüßen. Wirst Du mit einem wai begrüßt, ist die beste Erwiderung ein Kopfnicken und ein freundliches Lächeln.

2. Das thailändische Lächeln

Thailand wird als „Land des Lächelns“ bezeichnet. Was auf den ersten Blick sanft und gastfreundlich wirkt, hat seinen Ursprung in den sehr strengen thailändischen Hierarchien. Das Lächeln ist eine Art gesellschaftliche Konvention, die einem reibungslosen Miteinander im Alltag dient. Es wird gelächelt, um höher stehende Personen gewogen zu stimmen, es wird gelächelt, um sich gegenüber den Eltern dankbar zu zeigen, es wird gelächelt, um Konflikte zu vermeiden oder einen Fehltritt zu überspielen. Das Lächeln liegt wie ein Zuckerguss auf der gesamten thailändischen Kommunikation: Probleme werden übergangen, Kritik vermieden und kontroverse Diskussionen gibt es faktisch nicht. Die Kehrseite der Medaille: Die meisten Thais beschweren sich nie und ertragen Missstände mit buddhistischer Geduld. Wo nichts in Frage gestellt wird, kann sich aber natürlich auch wenig ändern.

Beautiful old lady - Thailand

Diese Einstellung hat nichts mit unserer Mentalität zu tun, bei der konstruktive Kritik dazu gehört und man auch gerne mal laut seinem Unmut Luft macht. Solltest Du also eine aufbrausende Ader haben, ist es in Thailand angebracht, Dein Temperament zu zügeln und z. B. Beschwerden nur sehr behutsam, freundlich lächelnd und mit viel Fingerspitzengefühl vorzutragen. Persönliche Angriffe solltest Du in jedem Fall vermeiden, denn das kann für einen Thai eine ernsthafte Beleidigung darstellen.

3. Sein Gesicht wahren

Das gesamte gesellschaftliche Miteinander ist in Thailand darauf ausgerichtet, dass jede Person in jeder Situation ihr Gesicht wahren kann. Höflichkeit gilt als essentielle Tugend, der man verpflichtet ist. Auch Ausländer können natürlich in den Augen der Thais ihr Gesicht verlieren. Um das zu Vermeiden, solltest Du folgende Verhaltensweisen vermeiden:

❕Lautes Herumschreien führt garantiert dazu, dass jeder Thai möglichst das Weite sucht.

❕Negative Kommentare gelten als sehr respektlos und widersprechen der buddhistischen Lehre, derzufolge niemand durch üble Nachrede verletzt werden soll. Wer schlecht über Familie, Freunde, seine Heimat und schlimmstenfalls über Thailand redet, wird auf wenig Verständnis stoßen.

❕Der Gipfel unfassbaren Verhaltens ist ein öffentlicher Streit. Wer sich mit seinem Mann oder Mitreisenden in die Haare kriegt oder gegenüber einem Kind ausfallend wird, gilt als absolut untragbar.

4. Buddhismus und der Glaube an Geister

Etwa 95 Prozent der Einwohner Thailands sind gläubige Buddhisten. Atheisten sind praktisch unbekannt. Religionslosigkeit bedeutet für einen Thai einen unvorstellbaren Zustand der Leere und Sinnlosigkeit. Wer als Reisender erklärt, keiner Religion anzugehören, dürfte bestenfalls Unverständnis ernten. Der Glaube ist fest im Alltag verhaftet und selbst Thai Airways würde niemals darauf verzichten, neue Flugzeuge durch angesehene Mönche in einem feierlichen Ritual segnen zu lassen.

Thailand Reisen Verhaltensregeln

Neben dem Buddhismus ist auch der Geisterglaube in Thailand weit verbreitet. Zu jedem Haus gehört ein Geisterhäuschen, in dem die Geister logieren, die vorher auf dem Gelände wohnten, das jetzt von dem Haus belegt wird. Die Hausbewohner bringen regelmäßig Opfergaben, um die Hausgeister bei guter Laune zu halten. Auch Hotels, Banken und Kaufhäuser haben Geisterhäuser, den schliesslich sollen die wohlwollend gestimmten Geister helfen, dass der Umsatz floriert.

Der Geisterglaube wird auch in anderen alltäglichen Situationen deutlich. Thais fragen z. B. niemals: „Wie geht es Dir?“, sondern „Wohin gehst Du?“. Der Grund liegt in der Annahme, dass sich böse Geister sofort auf jeden stürzen, dem es gut geht, um diesen Zustand schnurstracks zu beenden.

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5. Der Kopf ist heilig und die Füße schmutzig

Der Kopf ist der Sitz der Seele und damit der heiligste Teil des Körpers. Demzufolge darf der Kopf nicht berührt werden und es gilt als schwere Missachtung, wenn es trotzdem getan wird. Bei einem Besuch in Thailand solltest Du also nicht den Kopf von Kindern zu streicheln, da sowas nicht gern gesehen wird, auch wenn man Dir vielleicht noch zugute hält, dass Du es als Ausländer nicht besser weisst.

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Füße kommen mit dem Schmutz der Straße in Berührung und gelten als unrein. Sie dürfen nie auf einen Menschen oder eine Buddha-Figur gerichtet werden. Im Tempel knien Thais immer so, dass die Fußsohlen in die entgegengesetzte Richtung zeigen. Mit dem Fuß auf einem Menschen zu deuten, ist beleidigend und selbst bei Tieren oder Gegenständen wird eine solche Geste als ungehobelt wahrgenommen.

Übrigens ist es in Thailand auch ein Tabu, mit dem Finger auf andere Menschen zu zeigen oder sie unverhohlen anzustarren. Beides ist unhöflich und wird sogar als Aggression wahrgenommen.

Es gilt auch als Beleidigung, über am Boden sitzende/liegende Personen zu steigen. Essen, das auf dem Boden steht, würde dadurch entweiht. In beiden Situation solltest Du versuchen, sowohl Menschen als auch Nahrungsmitteln weiträumig auszuweichen.

In Tempeln und auch in privaten Haushalten sind Schuhe tabu. Die Schwelle wird immer barfuß überschritten und die Schuhe bleiben draussen stehen.

6. Dresscode in Thailand

Thailänder sind Ästheten, die ihr Gegenüber im hohen Maß nach ihrem äußeren Erscheinungsbild beurteilen. Schlampige, ungepflegte Kleidung gilt als abstoßend und wird automatisch als Unhöflichkeit wahrgenommen. Zerzauste, ungewaschene Haare und mangelnde Körperpflege steigern das Ganze noch. Auch zu viel nackte Haut (bei Frauen) finden Thais eher peinlich und Männer, die mit nackten Oberkörper herumlaufen, gelten als unzivilisierte Zeitgenossen. Wer als Reisender in Thailand unterwegs ist und gerne für voll genommen werden möchte, tut sich keinen Gefallen, im schludrigen Urlauberlook durchs die Gegend zu schlurfen.

7. Es lebe der König

Der König wird in Thailand sehr verehrt und ist unantastbar. Kaum ein Thai würde sich selbst hinter verschlossenen Türen negativ über das Königshaus äußern. Jede kritische Bemerkung ist eine Majestätsbeleidigung und wird mit Gefängnisstrafen bis zu 15 Jahren bestraft – das gilt auch für Ausländer! Als Gast sollten man es also genauso handhaben wie die Thais: lächeln und keine abwertenden Bemerkungen über die königliche Familie machen.  Selbst wer „nur“ ein Bild des Königs zerstört oder auf einem Geldschein herumritt, auf dem der König abgebildet ist, riskiert es, sich mit der Polizei anzulegen.

8. Thai Food

Thais essen oft und gern und das ist auch nicht verwunderlich: Thai food ist absolut köstlich und das Angebot reich. Gegessen wird bevorzugt im großen Kreis, wobei viele verschiedene Gerichte auf dem Tisch landen, von denen sich alle bedienen können. Findet das Gelage in einem Restaurant statt, wird die Rechnung von einer Person bezahlt, weil es als peinlich gilt, die einzelnen Positionen auseinander zu rechnen.

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In Thailand wird so ziemlich alles verzehrt, was schwimmt, läuft oder fliegt. Man darf sich also nicht wundern, das auch fette Reisfeldratten oder Schlangen ihren Weg auf den thailändischen Speiseplan gefunden haben.

Wer sich die Mühe macht, hinter die Kulissen zu schauen, erkennt, dass die sanftmütigen, lächelnden Thailänder eine sehr komplexe und andersartige Lebens- und Wertestruktur haben. Ein guter Grund, wie ich finde, sich nicht nur durch das Urlaubsparadies treiben zu lassen, sondern zumindest zu versuchen, sein Gastland ein bisschen zu verstehen.

Ein ganz wichtiger Tipp zum Schluss: In Thailand gibt es immer noch sehr viele Angebote, um auf Elefanten zu reiten. Bitte mach das nicht! Warum, kannst du in meinem Artikel nachlesen.

Mehr Leseempfehlungen: Hier kannst du eintauchen in die sagenumwobene Hauptstadt Nepals: Kathmandu. Oder du lässt dich von mir nach Costa Rica entführen? Oder interessierst du dich für Botswana oder Tansania?

 

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12 Kommentare

  1. Hallo Beatrice,

    das kann ich alles voll und ganz so unterschreiben, das habe ich in Thailand auch so alles wahrgenommen und erlebt.
    Was uns in Europa so manchmal fehlt, ist die fast schon stoische Gelassenheit der Thais.

    Beste Grüße,
    Jürgen

    • Hallo Jürgen,
      da stimme ich Dir zu: etwas mehr Gelassenheit wäre gerade in den „modernen Industrieländer“ häufig ganz hilfreich…
      Hab‘ eine schönes Wochenende & viele Grüße,
      Beatrice

  2. Hallo! Ich war noch nie in Thailand, wollte aber sehr gerne mal hin um meinen Horizont zu erweitern. Deswegen bin ich dankbar für Tipps, die einem den Urlaub in einem fremden Land bzw. einer fremden Kultur erleichtern, von daher vielen Dank für deinen Artikel. Beste Grüße aus dem meran hotel!

    • Lieber Malte, freut mich sehr, dass Du ein paar Einsichten finden konntest und ich hoffe, dass Du bald selbst den Praxistest in Thailand machen kannst. Herzliche Grüße, Beatrice

  3. Tolle Tipps. Wobei man bei diesen Anstandsregeln vielleicht ergänzen muss, dass das sowie bei uns in Europa ist: Auch wir befolgen nicht immer unsere eigenen Regeln.

    Während es natürlich durchaus Reisende gibt, die sich wie der berühmte Elefant im Porzelanladen aufführen, habe ich doch auch immer wieder den Eindruck, dass es am anderen Spektrum Touristen gibt, die sich überassimlieren und thailändischer sein wollen, als die Thais selber.

    In Thailand kenne ich mich zu wenig aus. Aber in China wird das teilweise durchaus mit Befremden wahrgenommen, wenn sich Besucher übertrieben korrekt verhalten (wollen). Ich persönlich denke, so lange man sein Gegenüber respektvoll behandelt, macht man in keiner Kultur allzugrosse Fehltritte.

    • Lieber Oli, ich gebe Dir absolut recht: die Wahrheit liegt – wie so oft – in der Mitte. Allerdings bin ich viel öfters den besagten „Elefanten im Porzellanladen“ begegnet, als den Touristen, die zu sehr um Anpassung bemüht waren. Generell denke ich aber auch, dass Höflichkeit, Respekt und ein bisschen Hintergrundwissen zu dem Reiseland, in dem man sich bewegt, gute Methoden sind, um sich „unfallfrei“ zu bewegen.

      • Interessant finde ich ja, dass unterschiedlich Länder oft ganz andere Arten von Touristen anziehen. Thailand als Massenziel für jedermann zieht vermutlich mehr „Elefanten“ an als Länder, die fast nur von Leuten besucht werden, die sich wirklich für Land und Leute interessieren und nicht einfach eine „geile Zeit“ haben wollen.

  4. Je häufiger ich über das Thema „Schuhe an der Tür abstellen“ lese – in Skandinavien/Island ist das ja auch Usus – umso mehr wundere ich mich darüber, dass es in Deutschland nur von Kindern erwartet wird, Erwachsene aber ganz ungerührt den Straßenschmutz mit ins Haus schleppen. Eigentlich merkwürdig.
    Übrigens ist der liegende Buddha eines meiner Lieblingsmotive aus Bangkok! Ich mag auch seine Fußsohlen sehr : )

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