Wer nach Reiseziele Mai recherchiert, sucht oft den Charme der Vorsaison: Sonne, aber noch keine Hitze. Bewegung, aber keinen Trubel. Orte, die bereits nach Sommer riechen, sich aber noch leicht und entspannt anfühlen. Genau deshalb gehört Samos für mich zu den schönsten Reisezielen im Mai.
Die griechische Insel zeigt sich zu dieser Zeit von ihrer idealen Seite. Die Landschaft ist noch grün, die Temperaturen angenehm mild, das Leben ruhig und gelassen. Diese Ruhe ist nicht nur in der Natur spürbar, sondern auch in den Orten selbst. Niemand hetzt, niemand versucht, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen. Inselleben bedeutet hier: Single Tasking.
Die Menschen leben es vor – und als Gast lässt man sich erstaunlich schnell davon anstecken. Ein unbeschwertes In-den-Tag-hinein-Leben wird zur einzigen Aufgabe. Lange frühstücken, in Büchern blättern, Spaziergänge machen, erste Badetage am Meer genießen, Eidechsen beobachten, die über sonnenbeschienene Wege huschen. Abends sitzt man in einer Taverne, während die Sonne langsam im Meer versinkt, und schaut den Menschen auf der Straße zu. Nach wenigen Tagen spürt man, wie innere Unruhe einem ruhigen, entspannten Wohlbefinden weicht.
Inhalt auf einen Blick
Was macht man auf der Insel Samos?
Meine Lieblingsorte auf Samos sind Pythagório, Kokkári und Mytiliní. In Pythagório sind vergleichsweise viele Touristen unterwegs, aber selbst dort hatte ich nicht den Eindruck, dass der Fremdenverkehr zur alles beherrschenden Größe geworden ist. Kokkári ist die stille Perle im Norden, wo man kreuz und quer durch die Gassen laufen kann und sich an den üppig begrünten Häusern freuen kann. Versteckt im Inneren von Samos liegt Mytiliní, wo kaum Fremde unterwegs sind und die Griechen mit Bedächtigkeit ihrem Tagesablauf nachgehen.
Kokkári – Die Perle im Norden
Der schönste Ort im Norden ist ohne Zweifel Kokkári. Mehr Dorf als Stadt schmiegt sich die kleine Siedlung an die Küste. Blumenüberwucherte Häuschen, schmale Gassen und eine geschwungene Hafenbucht prägen das Bild. Still ist es in der mittäglichen Wärme. Die Badegäste dösen unter ihren Sonnenschirmen am Strand, ein Mann steht am Strand und schaut unverwandt auf’s Meer. Ein Schwarm Fische erkundet das Hafenbecken. Als ein Kellner in einer anliegenden Tavernen unser Interesse sieht, wirft er für uns ein Stück Brot ins Wasser. In Sekundenschnelle drängen sich die Fische um den Brocken und zerreißen ihn in kleine Stücke. Dann tritt wieder Ruhe ein in Kokkári.
Tipp: Eine Alternative zu den Tavernen im Hafen bietet die westliche Strandstraße, wo es kleine Bars und Cafés gibt, in denen man den Nachmittag verbummeln kann, z. B. das Café del Mar oder die Reef Bar.
Pythagório – Das malerische Hafenstädtchen im Südosten
Hauptanziehungspunkt im Süden ist das jahrtausendealte Städtchen Pythagório. Der Tourismus hat hier historische Dimensionen, denn schon Kleopatra soll zum Ausspannen die Insel besucht haben. Heute sorgt der nahe Flughafen für einen steten Besucherstrom und bringt Kundschaft für die zahlreichen kleinen Boutiquen, Autovermieter, Restaurants und Bars. Mittelpunkt ist der geschäftige Hafen, in dem sich Boote und schicke Segelyachten wiegen und sich an der Uferstraße eine Taverne an die andere reiht.
Bei einem süßen Wein aus getrockneten Trauben (unbedingt empfehlenswert), kann man nachmittags die Boote beobachten, die von ihren Ausflügen zurück kommen. Sehnsüchtig erwartet werden die Heimkehrer auch von den Hafenkatzen, die schon wissen, dass der Skipper ihnen ein paar kleine Fische als Leckerbissen mitbringt.
Tipp: Ein kleiner Spaziergang führt hoch zum Kastell im westlichen Teil der Stadt, wo sich auch eine Kirche und ein marmorweißer, kleiner Friedhof befinden. Im sanften Spätnachmittagslicht hat man einen weiten Blick über das Meer. Überhaupt lohnt es sich, abseits der Hauptstraßen in die kleinen Gässchen abzubiegen und ein wenig zu flanieren. Nur wenige Straßenzüge abseits der Touristenströme spielt sich das griechische Alltagsleben ab. Es wird gespielt, gelacht und mit der Familie zu Abend gegessen. Alte Frauen sitzen vor ihren Häusern und Katzen schlafen auf den warmen Steinmauern.
Das beste Eis gibt es im Two Spoons in Pythagório, etwas versteckt am nordöstlichen Ende des Hafens. Auch hervorragender Kaffee, Smoothies, Desserts, Kuchen – alles, was sich Naschkatzen nur wünschen können. Dabei noch sehr stylisch aufgemacht.
Ebenfalls sehr lecker: Das Storia Dolce mit einer großen Auswahl an verschiedenen Sorten.
Mytiliní – authentisches Dorfleben
Weitaus weniger stylisch, aber dafür sehr beschaulich und authentisch ist der Besuch des kleinen Orts Mytiliní von Pythagório weiter landeinwärts nach Norden gelegen. Nach einem Bummel durch das Dorf landet man fast automatisch auf dem schattigen Dorfplatz, auf dem man unter Platanen sitzen, lesen und die Einheimischen beobachten kann.
Life is better at the beach – Die schönsten Strände auf Samos
Ich bin eigentlich kein sonderlicher Strandgänger, dazu wird es mir einfach zu schnell langweilig, wenn ich den ganzen Tag nur an einer Stelle liege. Aber ein paar Stündchen im Schatten chillen, ein Buch lesen und mal zwischendurch ins Meer springen – das hat schon was. Es hat mir deshalb großen Spaß gemacht, einige Strände auf Samos unter die Lupe zu nehmen.
Bei Samos muss man wissen, dass die meisten Ufer aus Kies bestehen, doch es gibt auch ein paar wenige Sandstrände.
Strände im Westen
Im östlichen Teil der Bucht von Marathókampos gibt es lange, geschwungene Strände und kleine Badebuchten. Das Meer ist dort sehr ruhig – im Gegensatz zum Norden der Insel. Das Hinterland ist geprägt von den schroffen Gebirgszügen des Kérkis-Massivs, die deutlich über tausend Meter aufragen und einen schönen Kontrast zum glatten, blauen Meer ergeben.
Tripiti Beach
Wo: Am Ortseingang von Kampos führt eine kleiner Fußweg nach unten zum Strand. Der Pfad ist mit einen gemalten Banner gekennzeichnet.
Besonderheiten: Kleine, versteckte Badebucht mit wenigen Liegen und Sonnenschirmen. Der Strand besteht aus Kies und direkt am Wasser befindet sich ein breiter Streifen Sand. Eher für Einzelgänger geeignet: sehr ruhig, keine Gastronomie in direkter Nähe.
Limniónas
Wo: Ganz im Westen am Ende der Bucht von Marathókampos biegt man von der Hauptstraße ab, um nach Limniónas zu kommen.
Besonderheiten: Schöne Badebucht, die mit Bootsverleih und kleinen Tavernen ganz in der Nähe etwas mehr Komfort bietet. Trotzdem ging es hier im Mai eher ruhig und gemütlich zu. Der Strand besteht aus Sand und Kies und endet in eine kleine, felsige Halbinsel.
Strände im Norden
Generell im Norden zu beachten sind die etwas raueren Badebedingungen: stärkerer Wind, höhere Wellen und teilweise schnell abfallende Uferbereiche, die besonders für kleine Kinder nicht so gut geeignet sind. Wer mehr Action mag, kommt dafür hier voll auf seine Kosten.
Tsábou Beach
Wo: Der Tsábou Beach liegt bei Avlákia – eingerahmt von hohen Felsen rechts und links. Man kann mit dem Auto nach unten zum Strand fahren und dort parken.
Besonderheiten: Der Kiesstrand bietet allen Komfort mit Liegen & Sonnenschirmen, Getränkeservice am Strand, Cocktailbar und einer kleinen Taverne mit vorzüglicher, griechischer Hausmannskost. Statt Sandburgen kann man hier Steinhäuser mit den großen, flachen Kieselsteinen bauen.
Tsamadoú Beach
Wo: Noch etwas weiter östlich in Richtung Kokkári liegt etwas abseits der Küstenstraße der ebenfalls sehr beliebte Tsamadoú Beach.
Besonderheiten: Sehr schön gelegen mit Olivenbäumen und Zypressen am dahinter liegenden Hang. Gastronomie, Liegestühle und Sonnenliegen sind vorhanden. Am östlichen Ende des Strandes können sich FKK-Anhänger hüllenlos in die Sonne legen.
Strände im Osten
Im Osten von Samos liegt eine der bekanntesten Badebuchten der Insel – nicht zuletzt, weil sich hier einer der wenigen echten Sandstrände von Samos befindet. Entsprechend belebt kann es dort in der Saison werden. Abseits dieser Bucht finden sich jedoch auch ruhigere Strandabschnitte mit klarem Wasser und geschützten Lagen, ideal für entspannte Badetage, wenn man Ruhe sucht und das Meer ohne Trubel genießen möchte.
Psilí Ámmos
Wo: Ganz im Südosten, etwa 10 km südlich von Samos-Stadt.
Besonderheiten: Sehr bekannt und entsprechend gut besucht ist die kleine Badebucht Psilí Ámmos – einer der wenigen Sandstrände der Insel. Von dort aus hat man einen guten Blick auf die nahe türkische Küste. Reichlich Gastronomie versorgt die Badegäste mit allem Lebensnotwendigen.
Mykáli
Wo: An der Zufahrtsstraße zu Psilí Ámmos liegt der lang gesteckte Strand von Mykáli.
Besonderheiten: Der großzügig Kiesstrand bietet viel Platz und ist eher wenig besucht. Es gibt verstreut einige Tavernen und Abschnitte mit Liegen und Sonnenschirmen. Das Hinterland ist relativ flach und karg.
Landschaftliche Besonderheiten & Ausflüge auf Samos
Ausflug entlang der malerischen Küstenstraße im Westen
Der Südwesten ist besonders geeignet für einen Ausflug entlang der Küstenstraße. Die Berge des Kérkis-Massivs erheben sich schroff und steil hinter der Bucht und sorgen für eine besondere Atmosphäre. Im äußersten Westen knickt die Straße nach Norden ab in Richtung des kleinen Bergdorfes Drakéi.
Der Weg führt durch ausgedehnte, silbrig glänzende Olivenhaine und windet sich mit vielen Kurven nordwärts entlang der Küste. Linker Hand glitzert das Meer mit immer neuen, faszinierenden Ausblicken. Zur Rechten erhebt sich der über 1.400 Meter hohe Vígla. Die Straße endet abrupt in dem winzigen Örtchen Drakéi, wo man eine kleine Pause einlegen und „homemade food“ genießen kann, um sich dann wieder auf den Rückweg zu machen.
Ausflug zu den Potámi-Wasserfällen im Norden
Der Norden ist deutlich grüner als der Rest der Insel und damit ideal für Wanderungen und Ausflüge. Die Landschaft ist geprägt von einer reichen Vegetation mit Wein und Obstbäumen, Zypressen und Olivenhainen, Platanen und Pinienwäldern. Die Küste fällt an einigen Stellen felsig und steil ins Meer ab und die starken Nordwinde sorgen für Abkühlung.
Lohnenswert ist ein Spaziergang zu den Potámi-Wasserfällen. Der Weg startet an der Zufahrtsstraße zum Potámi Beach und ist mit einem großen Schild gekennzeichnet. Zuerst läuft man an einer winzigen Kirche vorbei – dem ältesten byzantinischen Gotteshaus von Samos. Dann folgt man dem Bachlauf in einen überraschend dichten Wald. Es empfiehlt sich, möglichst früh zu starten, denn dann hat man die Route für sich alleine.
Der Pfad wechselt mehrmals von einer Flußseite auf die andere – die Stege sind grob aus Ästen zusammengezimmert, weshalb sich trittsichere Schuhe empfehlen. Der Weg endet an einem kleinen Wasserbecken, das in eine schmale Schlucht führt. Von dort gelangt man watend oder schwimmend (je nach Wasserstand) bis zum Wasserfall. Am besten hat man also Schwimmsachen, Handtuch und ggf. Badeschuhe dabei. Wer noch mehr Abenteuer will, kann auf einer sehr steilen, wackeligen Treppenkonstruktion links der Schlucht weiter aufwärts steigen. Laut Hinweisschild gibt es dort oben eine Taverne.
Mietfahrzeug – Praktische Tipps
Um die Insel weitläufig zu erkunden, empfiehlt sich ein Mietfahrzeug. Wir waren mit einen kleinen PKW unterwegs, der sehr gut dafür geeignet war, bis in den letzten Winkel zu gelangen. Immerhin ist Samos mit 478 Quadratkilometern die achtgrößte Insel Griechenlands.
Wer nur kleine Ausflüge in die Umgebung machen will, kommt sicherlich auch mit einem Motorroller aus. Allerdings würde ich dazu raten, nur einen Roller zu mieten, wenn du dich damit auskennst, denn es gibt jedes Jahr viele Unfälle mit Urlaubern.
Wer sportlich ambitioniert ist, kann sich auch ein Mountainbike mieten, allerdings sollte man nicht vergessen, dass ca. 60 Prozent der Insel bergig sind.
Tanken ist unterwegs kein Problem. Zumindest im östlichen, stärker bevölkerten Teil der Insel gibt es etliche Tankstellen.
Die Straßensituation auf Samos
Rund um Samos Stadt sind die Straßen oft recht gut ausgebaut, aber besonders im Westen und in abgelegenen Gegenden sind die Verkehrswege schmal und haben reichlich Kurven, die schlecht einsehbar sind. An den Fahrbahnrändern liegen oft lose Steine oder trockene Piniennadeln, allzu zügiges Fahren ist also nicht überall angebracht und man sollte unterwegs entsprechend mehr Zeit einkalkulieren. Wir haben es auch oft erlebt, dass der Gegenverkehr die Kurve geschnitten hat, weil der Fahrer einfach nicht mit einen entgegenkommenden Fahrzeug gerechnet hat. Entsprechende Vorsicht ist also angesagt.
Samos ist kein Ort für schnelle Highlights oder abgehakte To-do-Listen. Gerade im Mai entfaltet die Insel ihre besondere Qualität: Die Tage sind warm, aber nicht drückend, die Landschaft noch grün, das Leben angenehm unaufgeregt. Wer bei der Suche nach Reisezielen im Mai nicht nur Sonne, sondern auch Gelassenheit, Authentizität und Raum zum Durchatmen sucht, findet auf Samos genau das richtige Maß. Die Insel lädt dazu ein, den Sommer leise zu beginnen – mit Zeit, Ruhe und dem Gefühl, am richtigen Ort zu sein.
Transparenzhinweis: Die ursprüngliche Reise nach Samos fand im Rahmen einer bezahlten Zusammenarbeit mit TUI im Jahr 2017 statt. Der Artikel wurde 2026 redaktionell überarbeitet, aktualisiert und unabhängig neu eingeordnet. Alle genannten Orte, Strände und Empfehlungen wurden überprüft und entsprechen weiterhin meinen persönlichen Eindrücken.