Reiseziele im November haben ihren ganz eigenen Zauber – leiser, tiefer, oft unterschätzt. Wenn der Trubel des Sommers vorbei ist und die Weihnachtszeit noch nicht begonnen hat, entstehen Räume für besondere Erfahrungen: ein stilles Café in Berlin, das dich in andere Städte träumen lässt. Nebel über den Hügeln der Ardennen, wo Legenden und Landschaft ineinanderfließen. Oder die atemlose Schönheit Kappadokiens im Morgengrauen – aus der Luft betrachtet, zwischen Licht und Schweigen.
Inhalt auf einen Blick
Reiseziele November – 3 Cafés in Berlin, die dich in andere Metropolen versetzen
Wenn der Novemberregen an die Scheiben klopft, ist der beste Ort der Welt vielleicht ein Café – mit sanfter Musik, duftendem Gebäck und einem Hauch von Paris, Tokio oder Lissabon mitten in Berlin.
Kame Japanese Bites – Eine Reise ins Land der aufgehenden Sonne
Kame ist eine Bäckerei & japanisches Café in Berlin, in dem man sich bei Matcha Latte und typischen Gebäck wie in Tokio fühlen kann. Wer Fernweh hat und für fernöstliches Essen schwärmt, ist hier bestens aufgehoben.
Ich persönlich liebe die klebrig-weichen Mochi, die typisch japanischen Reiskuchen mit ihrer ganz besonderen Konsistenz. Nicht ganz so mein Fall sind Melonpan, eine Art süßes Gebäck. Sie sehen sehr hübsch aus, sind aber für mein Empfinden recht süß und leider ziemlich trocken.
Der Entdeckerfreude sind im Kame kaum Grenzen gesetzt. Wer etwas Neues kosten möchte, findet hier die Gelegenheit. So gibt es z. B. Matcha-Cheesecake, Yuzu-Cheesecake oder An-Pan (Brötchen mit Rote-Bohnen-Paste gefüllt). Wer mag, kann auch Mittagessen bekommen, wie etwa Onigirazu Rice Burger oder eine Rice Bowl. Ich habe dort auch schon ein wunderbar fluffiges Matcha-Tiramisu gegessen.

Wo? Berlin-Charlottenburg in der Leibnitzstraße 45 (Öffnungszeiten von täglich von 11 bis 18 Uhr)
Loti Pantón – Französische Macaron-Perfektion in Berlin Mitte
Loti Pantón ist genau genommen kein Café in Berlin, sondern eine kleine Macaron-Manufaktur, wie man sie eher in Paris vermuten würde. Ursprünglich befand sich das Geschäft in Zehlendorf. Wegen eines Brandes wurde die neue edle Boutique in Berlin Mitte eröffnet.
Der Geschäftsführer und Patissier Lotan Bar Hama, von allen Loti genannt, erzählt mir von seiner Passion. Das Macaron backen hat er sich selbst beigebracht, angespornt von der Behauptung, dass es sich dabei um das schwierigste Gebäck der Welt handelt. Schon kleine Veränderungen in der Luftfeuchtigkeit genügen zum Beispiel schon, um die Gefahr zu erhöhen, dass die empfindliche Kruste reißt. Ich wage gar nicht, mir vorzustellen, wie viele Fehlschläge und Geduld es kostet, um Macarons herzustellen, die so vollkommen aussehen.
Loti ist fasziniert von einzigartigen Aromen und so kreiert er seine Macarons in den ungewöhnlichsten Geschmacksrichtungen. Seine Macarons sollen ein komplexes und stimmiges Erlebnis bieten. Der zarte Geruch, der Biss in die knusprige Schale und schließlich der cremige Kern. Dabei entwickeln sich die Aromen nacheinander. Manchmal ist man überrascht, wie klar plötzlich ein Geschmack deutlich wird, manchmal tauchen unerwartete Nuancen erst ganz am Ende auf. Es ist wie ein Parfum, das sich langsam entfaltet.
Die Macarons sind wirklich eine kulinarische Offenbarung. Es lohnt sich unbedingt, sie auszuprobieren.
Wo? Das elegante Geschäft mit der angeschlossenen Backstube befindet sich in der Linienstr. 141. Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 12 bis 19 Uhr und Samstag von 12 bis 17 Uhr.
Nicht zu vergessen: Die Macarons können auch im Shop bestellt und innerhalb von Berlin geliefert werden. Es werden für jede Saison neue köstliche Kreationen geschaffen – der Suchtfaktor ist also enorm hoch.
Bekarei – Portugiesisch-griechisches Café in Berlin Prenzlauer Berg
Die Bekarei ist eine Institution am Prenzlauer Berg. Es ist wie ein kleiner Urlaub, hier einen Galão zu trinken (auch mit Soja- oder Hafermilch erhältlich) und sich aus der umfangreichen Theke eine süße Nascherei oder ein Sandwich auszusuchen. Etwas Zeit sollte man mitbringen, denn ich kenne das Café eigentlich nur gut besucht – aus gutem Grund.
Die Betreiber sind ein portugiesisch-griechisches Pärchen, das eine schöne Mischung an Köstlichkeiten anbietet. Natürlich gibt es die klassischen Pastel de Nata, aber auch die von mir sehr geschätzten Pastel de Coco (süß und unwiderstehlich) oder Pastel de Noz.
Der Geheimtipp aus Griechenland sind Bougatsa, ein dünner Filoteig mit einer Füllung aus Griess und echter mexikanischer Vanille. Dazu knuspriges Rustico-Brot, vegan oder vegetarisch belegte Buns (schon allein die Bekabuns sind eine Sensation), portugiesische Hefe-Croissant und vieles mehr.
Wo? Das Bekarei Café befindet sich in der Dunckerstraße 23 am Prenzlauer Berg. Die Öffnungszeiten sind von täglich von 7.30 Uhr bis 18.30 Uhr.
Still & kraftvoll – Herbstwanderung mit Gänsehautmomenten in den belgischen Ardennen
Stille Pfade & alte Legenden – Novemberwandern in den Belgischen Ardennen: Die belgischen Ardennen sind für mich ein Ort voller rauer Schönheit – durchzogen von Nebelschwaden, Schieferfelsen und jahrhundertealten Legenden. Der Name der Region geht angeblich auf Arduinna, die keltische Göttin des Waldes und der Jagd, zurück. Und tatsächlich kann man sich beim Wandern durch diese urwüchsige Landschaft gut vorstellen, wie sie einst auf einem Eber reitend durch ihr Reich zog – bewaffnet mit Pfeil und Bogen.
Im kleinen Ort La Roche-en-Ardenne, tief im Tal der Ourthe, wacht eine trutzige Burgruine über die Stadt – düster, massiv, gespenstisch. Hier soll die unglückliche Berthe, Tochter des Schlossherrn, noch heute als Geist durch die Ruinen wandern. Eine Legende, die dem Ort im grauen November ein ganz eigenes Flirren verleiht.
Aber es sind nicht nur Geister, die diesen Landstrich prägen. Wer den steilen, rutschigen Pfad hinauf zum Aussichtspunkt am Deister erklimmt, wird belohnt: mit einem weiten Blick über die Wälder, die sich im Spätherbst in gedämpften Gold- und Grautönen zeigen. Unterwegs begegnet man den typischen Trockenmauern aus Schiefer, kunstvoll aufgeschichtet, ohne Mörtel – funktional, schlicht, wunderschön in ihrer Struktur.
Wieder unten im Ort wird es kulinarisch: In der Metzgerei Maison Bouillon & Fils hängen gewaltige Schinkenkeulen im Räucherofen – regionale Delikatesse mit jahrhundertealter Tradition. Dazu wird der hauseigenen Schlehenlikör serviert, der mit Sekt aufgegossen wird. Santé!
Reiseziele November: Tipps für La-Roche-en-Ardenne
✔ Besuch der armen Berthe auf der Burgruine Château Féodal de La Roche-en-Ardenne
✔ Verkostung von Ardenner Schinken in einer der Metzgereien, z. B. Maison Bouillon & Fils
✔ Ferienhäuser kannst du bei Ardennes-Etape mieten.
Reiseziele November: Die Ardennen sind im Herbst ein Ort der Kontraste: rau und sanft, neblig und leuchtend, voller Geschichten und Stille. Wer sich darauf einlässt, findet hier nicht nur Natur, sondern auch Tiefe.
Reiseziele November – Heißluftballon fahren über Kappadokien in der Zentraltürkei
Ich muss gestehen, dass ich dem Ballonfahren mit gemischten Gefühlen entgegengesehen habe. Einerseits war da diese ungefilterte Vorfreude: „Über Kappadokien schweben – diese märchenhafte Felsenlandschaft von oben sehen!“ Ein unvergessliches Erlebnis, da war ich mir sicher.
Andererseits meldete sich meine Höhenangst. Nicht immer logisch, manchmal diffus – aber definitiv vorhanden. In den Bergen? Kein Problem. Hohe Gebäude oder Brücken? Totalausfall, je nach Tagesform. Und nun ein Heißluftballon, der bis zu 3.000 Meter steigen kann? Ich wusste nicht, wie mein inneres Alarmsystem reagieren würde. Aber eins war klar: Diese Chance würde ich nicht ungenutzt lassen.
Morgendämmerung in Kappadokien
Vor dem Heißluftballon fahren kommt bekanntlich das Aufstehen. Selten war ich um 5 Uhr so wach wie an diesem Morgen. Wir hatten Glück und es versprach, ein klarer, sonniger Tag zu werden. Dafür war es richtig kalt. Nachdem ich mir alles angezogen hatte, was sich an Kleidung in meinem Gepäck befand, konnte es los gehen.
Der Kleinbus bringt uns in der Dunkelheit zum Startplatz. Dort beginnt ein faszinierendes Schauspiel: Überall füllen sich gewaltige Ballonhüllen langsam mit heißer Luft, flackernd erleuchtet vom Feuerschein der Brenner – wie lebendige Wesen, die erwachen.
Es herrscht geschäftiges Treiben. Die Balloncrews eilt umher, die Gäste kommen an und umringen redend und lachend die Passagierkörbe. Ich bin erstaunt, wie groß die in vier Viertel unterteilten Körbe sind. In der Mitte unter dem Brenner steht der Kapitän in einem abgetrennten Bereich, von wo aus er den Ballon lenkt und navigiert. Insgesamt können 21 Personen mitfahren: in jedes Viertel klettern also sieben Passagiere und warten dich gedrängt darauf, dass es los geht. Die Aufteilung gibt bei Start und Landung mehr Halt und sorgt dafür, dass der Korb gleichmäßig ausgelastet ist.
Bevor es ernst wird, gibt es noch eine Einweisung, wie wir uns bei der Landung verhalten sollen: in die Hocke gehen und den Rücken gegen die Korbwand drücken. Dicht gedrängt mit den anderen Passagieren hat man so eine stabile Position und kann im Ernstfall nicht so leicht herumgeschleudert werden.
Um uns herum steigen die ersten Ballons in die Luft und ziehen an uns vorbei. Immer wieder lodern die Flammen der Brenner auf und erhellen die Morgendämmerung. Fast unmerklich fängt unser Korb an zu schweben und bewegt sich senkrecht nach oben.
Schweben über einer surrealen Landschaft
Um mich herum herrscht teils andächtige Stille, dann wieder ungläubiges Lachen und aufgeregtes Tuscheln. Der Gasbrenner faucht und lässt uns weiter aufsteigen. Niemand an Bord bleibt unberührt von diesem Schauspiel. Es ist ein unwirkliches Bild, wie sich die bunten Ballons am blassblauen Himmel abzeichnen, darunter die surreale Sandsteinlandschaft von Kappadokien. Der Anblick ist so einmalig schön, dass ich nicht weiss, ob ich lieber staunen oder fotografieren soll.
Die Felsen unter uns scheinen zum Greifen nah und manchmal habe ich das Gefühl, wir streifen gleich einen der hoch aufragenden Steinkamine. Aber unser Kapitän navigiert unbeeindruckt und mit Präzision an jedem Hindernis vorbei.
Das Glücksgefühl wird ein wenig gedämpft, als wir auf über 800 Meter aufsteigen. Die Landschaft unter uns wird immer kleiner und der Angstpegel schnellt ein wenig nach oben. Egal, ich ziehe mich vom Rand des Korbes zurück und versuche, auch den Rest der Fahrt noch zu geniessen. Nach einer guten Stunde geht unsere Luftfahrt zu Ende. Der Ballon verliert langsam wieder an Höhe und steuert auf den Landeplatz zu.
Punktlandung auf einem Jeep mit Anhänger
Auf Kommando gehen wir in die Hocke. Ich mache mich innerlich auf eine holperige Landung gefasst und erwarte, dass uns der Ballon erst noch ein Stück über den Boden zieht, bis wir zum Stehen kommen. Das Gegenteil ist der Fall. Der Kapitän schafft es tatsächlich, den Korb genau auf einem Auto-Anhänger zu landen, der am Boden schon für uns bereit steht.
Wieder ist die Crew sofort zur Stelle, hilft den Passagieren aus dem Korb und verstaut sorgfältig den Ballon. Mit steif gefrorenen Gliedern klettere ich in unser Auto und freue mich auf eine heiße Dusche und ein üppiges Frühstück. Ich bin ich unglaublich froh, die Fahrt gemacht zu haben, auch wenn ich stellenweise etwas Angst hatte. Es hat sich tausendfach gelohnt.
Die Ballonfahrt war eines meiner schönsten Reiseerlebnisse, die ich je hatte.
Kappadokien als Reiseziele November? Absolut. Die Landschaft, das Licht, die Stille – alles passt. Und wenn man sich traut, wird man belohnt. Ich würde es jederzeit wieder tun.
Wo? Kappadokien ist eine faszinierende Region in der Zentraltürkei. Heißluftballon-Fahrten kann man bei vielen Anbietern buchen oder über ein lokales Hotel organisieren lassen.
Reiseziele November – Zwischen Rückzug, Weite und Magie
Der November ist kein lauter Reisemonat. Er lockt nicht mit Strand oder Postkartenfarben, sondern mit Raum für Gedanken, für das Besondere abseits der Massen. Ob du dich in einem Berliner Café in die Ferne träumst, durch neblige Täler in den Ardennen wanderst oder im Morgengrauen über Kappadokien schwebst – der Herbst zeigt sich in diesen Momenten von seiner zartesten, ehrlichsten Seite.
Keine Lust auf neblige Reiseziele im November? Vielleicht willst du dich lieber ins warme Südindien zu träumen oder dir einen schönen Wellness-Tag im Vabali Spa Berlin zu gönnen?