2018 bin ich zum ersten Mal auf dem Sahara Festival in Douz, die Kamera in der Hand, und spüre den Wüstenboden vibrieren. Mit donnernden Hufen und eingehüllt in eine Staubwolke umkreisen die Pferde den Festivalplatz. Zwei Favoriten liegen vorn, stürmen dicht nebeneinander ins Ziel, Kopf an Kopf. Die beiden Reiter beugen sich im wilden Galopp zueinander, umarmend sich lachend. Die Massen auf der Tribüne toben im frenetischen Jubel und feuern die Wettkämpfer an. Ich drücke auf den Auslöser – und denke: Warum reitet da keine Frau mit?
Drei Jahre später – 2021 – sitze ich selbst im Sattel.
Und noch ein Jahr später – also 2022 – reite ich mit meinem eigenen Pferd über den Festivalplatz.
Das Sahara Festival in Douz ist kein Event für westliche Traveller, keine touristische Folklore mit Fotospots und Workshops. Es ist ein echtes, wildes, pulsierendes Spektakel – verwurzelt in der nomadischen Kultur Südtunesiens. Wer hier mitreitet, gehört dazu. Oder hat zumindest den Mut, es zu versuchen.
Ich bin dreimal dabei. Und jede dieser Erfahrungen ist anders.
Inhalt auf einen Blick
Der erster Besuch 2018 – und der Beginn eines Traums
Ich weiß nicht, was mich erwartet, als ich an diesem Dezembertag in Douz ankomme. Vom Sahara Festival hatte ich vorher kaum etwas gehört. Dafür scheint die ganze Stadt auf den Beinen zu sein. Ich sichte einige prächtig gekleidete Reiter, die auf ihren Pferden über die Straße tänzeln. Auf dem Marktplatz steht ein opulent geschmückter Hengst samt seinem Besitzer, der stolz für Fotos posiert. Noch ahne ich nicht, wohin die ganzen Vorbereitungen führen und was mich am Nachmittag auf dem Festivalplatz erwartet.
Momentan interessiert mich noch mehr die heiße, frisch zubereitete Mtabga, die ich an einem Straßenstand esse. Der gefüllte Teigfladen ist ein typisches Gericht im Süden Tunesiens und wird auch als „Berber-Pizza“ bezeichnet. Die (mal mehr, mal weniger) scharfe Soße im Innern besteht aus Tomaten, Olivenöl, Zwiebel, Chili und anderen Gewürzen. Unbedingt probieren!
Die Wüstenstadt Douz – Das Tor zur Sahara
Douz ist eine Oasenstadt am Rand der Grand Erg Oriental, dem größten Sandmeer der Sahara und wird deshalb auch „Tor zur Sahara“ genannt. In früherer Zeit war Douz ein wichtiger Halt auf der Transsahara-Karawanenroute. Heute ist die Stadt touristisches Zentrum und Ausgangspunkt für Kameltouren und Wüstentrekking. Immer donnerstags findet hier der größte Wochenmarkt Südtunesiens statt, auf dem auch ein reger Viehhandel betrieben wird.
Lesetipp Wenn du die Sahara entdecken möchtest, habe ich dir in meinem Südtunesien Guide jede Menge Tipps und Highlights zusammengestellt.
Lasst die Spiele beginnen
Zeitig am Nachmittag fahre ich zum riesigen H’nish Platz außerhalb der Stadt direkt am Rande der Wüste. Eine Seite der Arena ist von einer großen Gästetribüne abgeschlossen, auf der anderen Seite sind in einem großen Halbkreis Beduinen-Zelte aufgebaut. In der Mitte tummeln sich die Menschenmassen und ich bin auf einen Schlag wie elektrisiert. Die Stimmung steckt an.
Ich werde mit einem Journalistenausweis und einer Weste ausgestattet, die mich weithin auf englisch und arabisch als „Presse“ ausweist. Eigentlich soll ich vor der Tribüne Platz nehmen, um gesittet dem Schauspiel zu folgen. Einige aufgeregte Security-Leute versuchen, mich von dem Gedränge und den galoppierenden Pferden abzuschirmen. Aber genau dort will ich hin. Immer wieder werde ich von allzu eifrigen Ordnungshütern verscheucht, lasse mich widerwillig ein paar Meter zurück zur Tribüne dirigieren, um möglichst schnell wieder zu entwischen.
Um mich wogt und vibriert es. Aufwändig geschmückte Reiter, hochbeinige Kamele, aufgeregte Hengste. Alle schreiten, posieren, tänzeln, galoppieren. Sehen und gesehen werden gehört hier dazu. Die traditionellen Gewänder, der Schmuck der Pferde, alles ist sorgfältig aufeinander abgestimmt. Ein lebendes Gesamtkunstwerk.
Ich fotografiere und versuche dabei, nicht unter die Hufe zu geraten. Aber zum Glück kann hier jeder reiten wie ein Gott der Wüste. Ich mache mir weniger Sorgen um meine Unversehrtheit, als bloß nichts zu verpassen.
Wenn die Sonne am Horizont versinkt
Der erste Festivaltag geht zu Ende. Die Sonne sinkt immer tiefer und taucht den Platz in ein warmgoldenes Licht. Die Reiter mit ihren Pferden und Kamelen verschwinden langsam. Jetzt kommt die Stunde der Angeber, die mit Quads und Mopeds über das Gelände rasen und mit heulenden Motoren ein wenig Aufmerksamkeit erhaschen wollen. Zeit, zu gehen.
Ich erkenne schnell: Das ist nicht irgendein Schauspiel, das ist gelebte Identität. Und mir fällt ebenso schnell auf: Keine Frau auf dem Platz. Keine Reiterin unter den Fantasia-Gruppen, keine, die mitreitet. Vielleicht am Rand, posierend fürs Foto, aber nicht mittendrin. Ich denke: Das muss doch anders gehen.
Ein Sahara-Festival, das in Europa kaum bekannt ist
Als ich bei Google nach dem Festival suche, zeigt die Suchmaschine erstaunlich wenige Informationen. Das Event ist in Europa nahezu unbekannt. Immerhin erfahre ich, dass der Ursprung des Festivals bis auf das Jahr 1910 zurück geht, als es von den in Douz ansässigen Berberstämmen als „Fest der Kamele“ zelebriert wurde und ein Marathon mit den langbeinigen, weißen Renndromedaren stattfand.
Im Jahr 1967 wurde das Programm ausgeweitet mit Pferderennen, Windhund-Wettbewerben, traditionellen Vorführungen und einem Wettstreit der Dichter. Der damalige Präsident von Tunesien Habib Bourguiba war ein großer Unterstützer der nomadischen Wüstenstämme und wollte ihre Traditionen und Lebensweise pflegen.
Mittlerweile ist das Festival eine der wichtigsten Veranstaltungen in Nordafrika und tausende Besucher aus den umliegenden Ländern strömen Ende Dezember nach Douz. Der genaue Termin wird immer erst einige Monate vorher festgelegt und ist an das Ende der Dattelernte geknüpft.
Meine Rückkehr 2021 – Von der Publikumstribüne in den Sattel
Drei Jahre habe ich gebraucht, um zurückzukehren. Nicht, weil ich alles vergessen hatte – sondern weil sich das Festival häufig sehr ungünstig mit den europäischen Feiertagen überschneidet. Doch der Gedanke von damals, selbst mitzureiten, war nicht verschwunden. Wie wäre es wohl, als einzige europäische Teilnehmerin beim Festival dabei zu sein?
Ich bin wieder mit der Kamera unterwegs, will fotografieren, beobachten, durch die Zuschauerränge streifen. Es ist wie damals: Staub, Hufgetrappel, wild geschmückte Pferde, dazwischen Kinder, Zuckerwatte, Mtabga. Das Festival hat nichts von seiner Wucht verloren – aber ich hatte mich verändert.
Seither war ich oft in Tunesien gewesen und hatte jeden Aufenthalt genutzt, meine Reitfähigkeiten zu verbessern. Auf immer neuen Pferden und in immer neuen Konstellationen. Manchmal mit großen Erfolgserlebnissen. Manchmal verzweifelnd an den temperamentvollen Pferden. Aber ich hatte nicht aufgehört, mich den Herausforderungen zu stellen und war schrittweise immer erfahrener im Sattel geworden. Auf dem Festival durfte ich das Pferd eines Freundes reiten.
Komm, wir reiten jetzt
Und dann kam dieser eine Satz:
„Komm, wir reiten jetzt.“
Mehr hat Fathi nicht gesagt. Und im selben Moment setzt er sein Pferd in Bewegung.
Ich hatte keine Sekunde zum Überlegen. Mein Pferd zieht automatisch mit. Plötzlich war ich mittendrin. Mitten im Staub, mitten im Rennen, direkt an der Tribüne vorbei – wie durch einen Tunnel. Ich hörte die Schreie der Zuschauer wie aus weiter Ferne.
Plötzlich erfüllte sich der Traum von damals wie von selbst. (Hier ist ein kurzes Video vom Rennen als Download.) Es war ein komplett surrealer Moment, der mich förmlich elektrisierte.
Am nächsten Tag reite ich noch einmal – diesmal im traditionellen Berbergewand, das mir ein Freund leicht. Ich reihe mich ein in die Formation aus Douz, stellte mich mit den anderen Reitern vor der Tribüne auf, versuchte, mein Pferd ruhig zu halten. Der Moderator spricht pausenlos, ich verstehe kein Wort. Egal. Ich bin dabei. Mein Herz jubelt.
Später, als ich schon zu Fuß unterwegs bin und die Pferde führe, kommen Frauen auf mich zu, bitten um Fotos. Ich bin sichtbar gewesen – nicht als Tourist, sondern als Teilnehmerin.
Ein Freund sagte beim Nachhauseweg nur:
„Du bist jetzt berühmt in Douz.“
Als er mein ungläubiges Gesicht sieht, lacht er nur und meint, dass viele mein Mitmachen gesehen hätten.
Mein drittes Mal 2022 – Mit dem eigenen Pferd
Ich bin zum dritten Mal beim Sahara Festival in Douz – aber diesmal ist alles anders. Nicht, weil das Festival sich verändert hätte. Sondern weil ich mein eigenes Pferd dabei habe.
Ghasak. Mein kleiner, ungestümer Hengst, drei Jahre alt, frisch angeritten. Noch kein Festivalprofi, kein Showpferd. Aber mein Pferd. Ich habe ihn aufgezogen, zugesehen, wie er größer wurde, stärker, neugieriger. Jetzt war er bereit – zumindest bereit genug, um den Trubel auszuhalten, den Lärm, den Staub, die aufgeregten Hengste, die Reitergruppen in vollem Galopp.
Ich lasse es ruhig angehen. Am ersten Tag bin ich nur zu Fuß unterwegs, beobachte. Und sehe zum ersten Mal wirklich viele Frauen auf dem Platz. Bunt gekleidet, sichtbar, Teil der Performance. Kinder in Vereins-T-Shirts, Fahrradgruppen, Mädchen, die sich nicht nur an den Rand drückten. Das Festival ist in Bewegung – nicht nur auf dem Festplatz, sondern auch in der Wahrnehmung der Menschen.
Ghasaks erster großer Auftritt
Am zweiten Tag reiten wir. Langsam, nicht mittendrin, aber sichtbar. Ich halte Ghasak am Rande des Festival, lasse ihn schauen, schnuppern, sich eingrooven. Er machte es gut. Ich bin nervös, er auch – aber wir sind ein Team. Keine großen Gesten, kein Rennen. Nur Dasein.
Als wir am Abend zurückreiten, bin ich ruhig. Kein Adrenalin wie 2021, keine elektrisierte Euphorie. Aber ich bin stolz auf mich und mein Pferd.


Ich weiß nicht, ob ich noch einmal teilnehmen werde. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Das Festival braucht mich nicht – und ich brauche es nicht mehr, um mir etwas zu beweisen.
Aber ich weiß, dass ich es getan habe. Dass ich mitgeritten bin. Dass ich gesehen wurde, nicht als Touristin, sondern als jemand, der dazugehört.
Dreimal Douz. Dreimal anders.
Was bleibt? Der Staub auf der Haut. Das Dröhnen der Hufe. Und das Gefühl, dass nichts über das Glück im Pferdesattel geht.
Vier Tage jagt ein Highlight das nächste – Das Festivalprogramm
Das Sahara Festival wird vier Tage lang gefeiert und besteht nicht nur aus den Vorführungen auf dem Hauptfestplatz H’nish Square vor den Toren der Stadt Douz, auch wenn das sicherlich die Hauptattraktion ist. Es werden typische Szenen aus dem traditionellen Berberleben vorgeführt. Es gibt Hundejagden, die nicht für zarte Gemüter geeignet sind, denn ein Hase wird live in der Arena von zwei Sloughis (Windhunden) gejagt und getötet.
Außerdem werden verschiedene Pferderennen, Kamelkämpfe und ein großer Mehari (Rennkamel)-Marathon durchgeführt. Start und Ziel des Marathons sind der Hauptfestivalplatz, während die Route durch die Wüste führt und von zahlreichen Zuschauern in Jeeps und auf Motorrädern begleitet wird.
In Douz selbst gibt es einen Poetry Contest, der sich über mehrere Tage erstreckt. Es finden Schönheitswettbewerbe für Kamele und Pferde statt. Abends im Souk finden Musik-Performances statt, traditionelle Künstler treten auf und es gibt sogar Sport-Wettkämpfe.
Das Sahara-Festival findet jedes Jahr Ende Dezember in Douz statt.
Offenlegung: Dieser Artikel über das Sahara Festival in Douz ist mit Unterstützung des Tunesischen Fremdenverkehrsamt entstanden.
War schon ein mal sa. Besonders ist mir Ali Baby ein Café in douz sehr gut im Gedächtnis.
War im hotel saharien in douz. Da war ich 1987 mit meinem Auto das erste Mal. Dann immer wieder. davor 3 Tage mit Kamelen und Hassan in der Wüste. plane dieses Jahr wieder zu kommen. inchalla
War schon einmal da. Besonders ist mir Ali Baby ein Café gut im Gedächtnis. War im hotel saharien davor 3 Tage mit Kamelen in der Wüste.