Malaria – Infos, Tipps & meine Erfahrungen mit der Malariaprophylaxe

malariaprophylaxe

Malariaprophylaxe – ja oder nein? Bei meinem Trip durch Botswana war es das erste Mal, dass ich in einem Gebiet mit hohem Risiko für Malaria unterwegs war. Besonders der Norden Botswanas (nördliches Okavango-Delta, Chobe Nationalpark mit Oberzentrum Kasana, Ghanzi (nur N), Ngamiland, Tutume Distrikt, Moremi-Wildreservat) wird in der Regenzeit von November bis Mai vom Auswärtigen Amt als Hochrisiko-Region klassifiziert. Ich habe mir also zur Vorbereitung einen Termin bei meinem Hausarzt geben lassen, um abzuklären, wie ich mich am besten verhalte und ob eine medikamentöse Malariaprophylaxe nötig ist.

Verbreitung von Malaria

Die Malaria ist (nach wie vor!) die verbreitetste Tropenkrankheit und in Deutschland die häufigste Infektion, die aus dem Ausland eingeschleppt wird. Mein Hausarzt meinte dazu, dass es gerade in Europa auch immer wieder zu Todesfällen kommt, weil Malaria noch viele Wochen nach der Auslandsreise auftreten kann. In einem afrikanischen Land denkt man bei Fieber sofort an Malaria, während in Europa die Krankheitssymptome leicht als Grippe fehldiagnostiziert werden und sofern keine Malaria-Behandlung erfolgt, die Erkrankung tödlich enden kann.

Nach Schätzungen der WHO erkrankten 2015 weltweit 214 Millionen Menschen, ca. 438 000 Menschen starben. 90% der Todesfälle treten in Afrika auf.

Verschiedene Malaria-Erreger

Es gibt insgesamt fünf verschiedene Malariaerreger (Plasmodien), die unterschiedliche Formen der Erkrankung hervorrufen. Die gefährlichste Form ist die Falciparum-Malaria (Malaria tropica), verursacht durch das Plasmodium falciparum, und die Malaria knowlesi, die unbehandelt zum Tode führen können. Drei weitere Plasmodienarten führen zu einer Malaria mit meist milderem Krankheitsbild: Plasmodium vivax und Plasmodium ovale sind die Erreger der Malaria tertiana, Plasmodium malariae der Erreger der Malaria quartana.

Übertragungswege

Die Übertragung der Malaria erfolgt über einen Stich der weiblichen Anophelesmücke. Mit dem Speichel der Mücke werden die Erreger in das Blut des Menschen übertragen.

Die Übertragung ist auch durch Bluttransfusionen und Injektionsnadeln möglich!

Inkubationszeit

Die Dauer zwischen Infektion und Ausbruch der Erkrankung beträgt mindestens 6 Tage –  kann aber auch ein bis mehrere Wochen oder sogar Monate (!) dauern.

Malaria-Symptome

Die Erkrankung beginnt oft plötzlich mit Kopf- und Gliederschmerzen, Frösteln, Hitzegefühl, Mattigkeit und Fieber und gleicht anfangs oft einer Grippe. Sie kann aber auch ähnliche wie ein Reisedurchfall ohne Fieber, dafür mit Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen beginnen. Gerade bei der gefährlichen Malaria tropica fehlen die sonst typischen periodisch auftretenden Fieberschübe, so dass die Gefahr einer Fehldiagnose groß ist. Wird die Krankheit nicht frühzeitig behandelt, kann es zu schwerwiegenden Schädigungen der inneren Organe und tödlichen Komplikationen kommen. Entscheidend ist, an die Möglichkeit einer Malaria zu denken und bei einer Erkrankung ohne Verzögerung einen Arzt aufzusuchen. Die Diagnose wird anhand einer Blutuntersuchung gestellt und sofort mit den entsprechenden Medikamenten behandelt.

Zur Beruhigung: Wenn Malaria erkannt wird, kann sie auch gut behandelt werden. Man muss sich einfach darüber im Klaren sein und sich entsprechend verhalten. (Laut Statistik werden Reisende viel häufiger nach einem Autounfall nach Hause transportiert und nicht, weil sie eine Tropenkrankheit haben.)

Malaria-Vorbeugung

Grundsätzlich ist der Mückenschutz die Grundlage jeder Malariavorbeugung: abends (nach Einbruch der Dunkelheit) bedeckende, helle, ggf. mit einem Insektizid (z. B. Nobite-Kleidung) imprägnierte Kleidung tragen (etwa 40% der Mückenstiche erfolgen durch die Kleidung). Mückenabweisende Mittel auf die unbedeckten Stellen der Haut auftragen. Unter imprägnierten Moskitonetze schlafen und die Klimaanlage (sofern vorhanden) laufen lassen.

Vorbeugend: Bei Reisen mit hohem Infektionsrisiko ist es zusätzlich zum Mückenschutz ggf. empfehlenswert, eine Malariaprophylaxe einzunehmen. Je nach Art der Reise kann dies auch bereits bei mittlerem Risiko empfehlenswert sein – das hängt aber sehr von Deinem Reiseziel ab und sollte am besten mit Deinem Arzt besprochen werden.

Als Notfallbehandlung: Je nach Reiseland kann es auch ausreichend sein, ein Notfallmedikament (Stand-By-Medikation) mitzunehmen, falls unterwegs Fieber auftritt und nicht sofort ein Arzt hinzugezogen werden kann. In diesem Fall wird mit Hilfe des Notfallmedikaments  die Erkrankung auf Verdacht so behandelt, als ob es eine Malaria wäre.

Welche Medikamente gibt es zur Malariaprophylaxe?

Um jedem Missverständnis vorzubeugen: Ich bin kein Arzt und natürlich ersetzt dieser Artikel kein Beratungsgespräch mit einem erfahrenen Mediziner. Ich will Dir nur einen kleinen Überblick geben und rate Dir, Dich bei einer Reise in ein Malaria-Gebiet rechtzeitig mit dem Thema zu befassen!

Da wohl bekannteste Medikament ist Malarone des Arzneimittelherstellers GlaxoSmithKline. Es wird sowohl verwendet, um sich vor einer Malariainfektion zu schützen, als auch um eine Erkrankung zu behandeln. Wegen seiner guten Wirksamkeit und der sehr seltenen Nebenwirkungen ist es das gängigste Präparat. Man beginnt mit der Einnahme 1 bis 2 Tage vor der Abreise in das Malariagebiet und nimmt täglich eine Tablette. Die Prophylaxe endet 7 Tage nachdem man aus dem Malariagebiet wieder zurückgekehrt ist. Der Hauptnachteil des Medikaments sind die hohen Kosten. Eine 12er-Packung kostet ca. 68,- EUR. Wer zwei Wochen unterwegs ist, braucht direkt zwei Packungen, liegt also bei ca. 136,- EUR.

Mittlerweile gibt es auch Malarone-Generika mit der identischen Wirkstoffkombination aus Atovaquon und Proguanilhydrochlorid. Hier starten die Preise für 12 Tabletten bei ca. EUR 43,- EUR.

Ein weiteres Medikament zur Malariaprophylaxe und Therapie von Malaria ist Mefloquin (Lariam®). Laut meinem Hausarzt treten bei diesem Mittel oft beträchtliche Nebenwirkungen wie Angst, Schlafstörungen, Albträume, Depressionen auf, weshalb das Mittel in Deutschland nur noch sehr selten verschrieben wird.

Doxycyclin ist ein Antibiotikum mit einem breiten Wirkstoff-Spektrum. In Deutschland ist Doxycyclin zwar formal (noch) nicht zur Malariaprophylaxe zugelassen, aber es wird von der WHO als gut wirksames und verträgliches Medikament empfohlen. Man beginnt die Einnahme 7 Tage vor Abreise und nimmt je eine Tablette bis vier Wochen (!) nach Verlassen des Risikogebiets. Der Vorteil des Medikaments: es ist billig und problemlos verfügbar. Eine Packung mit 50 Tabletten kostet ca. 17,- EUR. Der Nachteil ist die sehr lange Einnahmezeit. Als Nebenwirkungen ist vor allen Dingen die erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut zu nennen (auf Sonnenschutz achten!) – außerdem können Durchfall und Kopfschmerzen auftreten.

Meine Erfahrungswerte mit Doxycyclin

Nachtrag 3. Juni 2016: Ich habe mich in Absprache mit meinem Hausarzt für eine Malariaprophylaxe mit Doxycyclin entschieden. Ich bin damit soweit gut klar gekommen, aber was schon stört, ist die lange Einnahmezeit des Antibiotikums – da muss jeder für sich abwägen, ob man das machen möchte. Meine Haut hat nicht verstärkt auf Sonne reagiert und ich habe auch sonst keine Nebenwirkungen gespürt.

Zukünftig muss ich wohl sorgfältiger sein, was die Mückenabwehr angeht: Während der Reise habe ich ein paar Stiche abbekommen, weil ich nicht immer konsequent Nobite verwendet habe.  Insgesamt waren zum Glück zu der Jahreszeit (Ende Mai/Anfang Juni) nicht mehr besonders viele Mücken unterwegs. Trotzdem darf man nicht zu nachlässig sein. Beliebt bei den Moskitos sind die Fußknöchel (selbst mit Socken!) und Hände – also gerade dort das Einsprühen nicht vergessen.

❗️Wichtig (besonders für Frauen): Doxycyclin setzt die Wirksamkeit der Pille herab!

Das Wichtigste noch mal zum Schluss: Auch eine korrekt durchgeführte Malariaprophylaxe schützt nicht hundertprozentig vor einer Malaria. Ein Restrisiko bleibt, weshalb Du bei jeder Erkrankung auch noch lange Zeit nach einer Reise an die Möglichkeit einer Infektion denken und sofort reagieren solltest!

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6 Kommentare

  1. Hallo Beatrice,

    Malaria ist eine schlimme Krankheit und ich finde es wichtig und richtig, davor zu warnen. Was ich aber in deinem Text etwas vermisst habe, ist die Differenzierung zwischen echten Risikogebieten wie dem von dir bereisten und solchen, wo das Risiko schlicht zu vernachlässigen ist und trotzdem ein Standby-Medikament empfohlen wird.

    Ich hab vor ein paar Jahren eine TV-Doku über Thailandurlauber gesehen, die alle (oh, wie können sie nur!) keine Prophylaxe genommen haben. Sie wurden als leichtsinnige Sauglattisten hingestellt. Realitätsfernen könnte Fernsehen nicht mehr sein!

    Zwischen 2003 und 2008 haben sich nur drei deutsche Touristen in Vietnam mit Malaria infiziert. Insgesamt, wohlgemerkt. Sechs kamen noch dazu, die in Kambodscha gewesen waren. In der Zeit waren mehr als 8 Millionen Menschen in der Region. Die Zahlen habe ich von hier: http://www.weltwunderer.de/vietnam-reisevorbereitung-teil-5-malaria-prophylaxe-standby-oder-gottvertrauen/

    Afrika ist nicht das gleiche wie Südostasien. Das ist mir klar. Grundsätzlich finde ich es aber sinnvoll, in Ländern mit geringem Risiko das ganze mal richtig durchzurechnen.

    • Hi Oli, herzlichen Dank für Deine Ergänzung!

      Mir ging es in meinem Artikel aber tatsächlich schwerpunktmäßig darum, wie es mit einer Prophylaxe aussieht (sofern man sich persönlich dafür entscheidet), wenn man in ein Gebiet mit hohem (!) Risiko reist, wie das bei meinem Botswana-Trip der Fall war.

      Für Asien habe ich keine aktuellen Erfahrungswerte und habe dazu auch nicht recherchiert. Bei Regionen mit niedrigem Risiko würde ich persönlich aber auch nicht auf die Idee kommen, eine Prophylaxe zu machen. Da genügt – da bin ich ganz bei Dir – ein Standby-Medikament oder ggf. auch „nur“ das Wissen, bei Fieber & Krankheitsgefühl an die Möglichkeit einer Malaria zu denken und sofort einen Arzt aufzusuchen. So habe ich das zumindest bei meinen (jetzt schon Jahre zurückliegenden) Asienaufenthalten gehandhabt.

      Viele Grüße, Beatrice

  2. Ja das Thema Malaria bringt einen doch vor jeder Tropenreise oder Afrikareise in eine gewisse Überlegungsphase, was zu tun ist. Du hast es in deinem Artikel auch angesprochen. Das allerwichtigste ist auf den Mückenschutz zu achten. In der Dämmerung lange Kleidung, und verzicht auf Parfüm / Au de Toilet / und parfümiertes Deo (der meist süssliche Geschmack zieht Mücken förmlich an.
    Wie du schon sagst gibts zu den Medikamenten viel Diskussuonsstoff. Teils heftige Nebenwirkungen oder eben wie Malarone doch nicht ganz günstig.
    Mir fehlt allerdings in deinem Artikel auch eine Tatsache die auch bei Doxycyclin mit zu bedenken ist. Das ist die Tatsache das es ein Breitantibiotikum ist, das du je nach Aufenthalt bis zu 3-4 Wochen einnimmst.
    Dadurch kann es vorkommen das dein Körper künftig gegen gewisse Antibiotikumbehandlungen immun sein kann. Das sollte man trotz dem günstigen Preis auch mit Bedenken.
    Ich selbst habe bisher in Afrika Malarone gewählt und hatte dies in Thailand als Stand By dabei. Der Termin beim Tropenmediziner vor jeder Reise im Infektionsgebiet gehört zumindest bei mir mittlerweile zur Routine.

    • Vielen lieben Dank für die Ergänzung. Du hast absolut recht, dass alle Medikamente gewisse Vor- und Nachteile haben, die man für sich abwägen muss. Bei meiner Entscheidung haben folgende persönliche Aspekte eine Rolle gespielt:
      1) Ich bin zum Glück sehr selten krank und musste deshalb in den letzten Jahren generell nur wenige Male mit einem Antibiotikum behandelt werden.
      2) Ich werde nicht in absehbarere Zeit wieder in ein Hochrisikogebiet reisen, sodass eine erneute Prophylaxe anstehen würde.
      3) Ich lebe schon seit Jahren vegetarisch/vegan, weshalb ich durch Fleisch oder tierische Nahrungsmittel kaum indirekt Antibiotika aufnehme.
      Insgesamt nehmen ich also sehr wenig Antibiotika zu mir und habe mich deshalb für Doxycyclin entschieden. Man muss sich aber auch darüber im Klaren sein, dass man die lange Einnahmezeit durchhalten muss, denn gerade ein frühzeitiger Abbruch würde die Entstehung von Resistenzen fördern. In jedem Fall sind das Themen, die man für sich individuell abklären muss, weshalb ich auch – genau wie Du – mich vor jedem Trip mit einem reiseerfahrenen Mediziner beraten würde.

  3. Puh, Malaria ernstes Thema. Ich glaube ganz ehrlich, das wäre für mich ein Ausschlusskriterium um dort mit Familie hinzufahren. Wenn ich gestochen werde ist das schlimm genug, aber meine Tochter möchte ich dem Risiko lieber nicht aussetzen. Aber gut, du fährst alleine., das ist etwas anderes Wünsche dir auf jeden Fall viel Glück und komm gesund wieder! Und ich freue mich wie immer suf deine tollen Fotos!
    Grüsse Britta

    • Liebe Britta, eine Tour für Familien ist das vermutlich wirklich nicht und zugegebenermaßen habe ich diesen Aspekt auch bei dem Artikel ganz außer Acht gelassen. Es gibt zum Beispiel Malarone Junior, speziell für die Prophylaxe bei Kindern, aber dann bleibt immer noch die Frage, wie sinnvoll es ist, so eine Reise mit dem Nachwuchs zu machen. Vielen Dank für die guten Wünsche – für mich ist es eines meiner ganz großen Traumreiseziele und ich bin jetzt schon aufgeregt…

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