Ein russisches Wintermärchen – Skifahren & Snowboarden im Kaukasus

By 27. Februar 2017 Europa, Fernweh, Naturerlebnisse, Russland
Skigebiet in Russland

Die gigantischen, schneebedeckten Gipfel ziehen sofort alle Aufmerksamkeit auf sich, sobald man das Flugzeug in Sotschi verläßt. Nur zu gut kann ich mir vorstellen, dass der mächtige Kaukasus bei den alten Griechen als das Ende der ihnen bekannten Welt galt. Aber die Zeiten sind lange vorbei. Mittlerweile ist Sotschi nicht nur als klimaverwöhnter Bade- und Kurort am Schwarzen Meer bekannt, sondern hat seit den Olympischen Winterspielen 2014 auch Berühmtheit als Ski-Destination erlangt. Das ist es auch, was mich in den Westkaukasus geführt hat.

Skigebiet in Russland: Von den Subtropen ins Schneeparadies

Am Flughafen von Sotschi sind es milde 10 Grad mitten im Februar und so recht will ich noch nicht glauben, wie sich Palmen und subtropisches Wetter mit Skipisten und Rodelvergnügen in Einklang bringen lassen. Aber nach nur einer Dreiviertel Stunde Autofahrt befindet ich mich mitten im Skiresort Rosa Khutor. Ein großer Komplex mit Hotels, Restaurants, Bars, und Shops liegt lang gestreckt im Tal.

Mit einer Gondelbahn gelangt man in drei Etappen bis zum 2.320 Meter hohen Gipfel. Auf dem ersten Plateau in 1.170 Metern Höhe befindet sich das ehemalige olympische Dorf, dass mittlerweile ebenfalls als Ski- und Hotelanlage genutzt wird und bei russischen und osteuropäischen Gästen äußerst beliebt ist. Über eine Zwischenstation zum Umsteigen gelangt man ganz nach oben, wo sich ein Restaurant und eine Aussichtsplattform befinden, um das atemberaubende Bergpanorama zu geniessen.

An den steilen Gipfelhängen lässt sich an den vereinzelten Spuren erkennen, dass hier auch Freerider unterwegs sind. Die ganz „normalen“ Ski- und Snowboardfahrer vom Anfänger bis zum Profi haben mehr als 90 km Piste mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden zur freien Auswahl. Gerühmt wird hier die Qualität des Schnees, weil es durch die Nähe zum Meer passieren kann, dass es die ganze Nacht in großen Flocken schneit und dann am nächsten Morgen eine dicke Schicht Neuschnee die Landschaft bedeckt.

Las-Vegas-Style für Ski-Enthusiasten

Nachdem Sotschi 2007 den Zuschlag für die olympischen Spiele erhalten hatte, entstanden innerhalb von fünf Jahren neue Sportanlagen, Pisten, Straßen, Lifte, neue Hotels und sogar eine Eisenbahnlinie. Das Skigebiet Rosa Khutor wurde also innerhalb kürzester Zeit aus dem Nichts geschaffen und bietet so ziemlich alles, was sich Wintersporttouristen aller Altersklassen wünschen. Die Hotels sind modern und gut ausgestattet. Dabei ist das Resort nicht nur eine Winterdestination, sondern kann sehr gut als Ausgangspunkt für ausgiebige Wanderungen genutzt werden.

Wandern & Tiere erleben im Westkaukasus

Wenn man sieht, wie üppig bewaldet die Berghänge sind, kann man sich vorstellen, dass der Westkaukasus im Sommer ein echtes Outdoor-Paradies sein muss. Im Winter bekommt man nur wenig davon mit, denn die Wege sind aufgrund des hohen Schnees nicht begehbar. Immerhin einen kleinen Eindruck von der Naturschönheit bekommt man im Staatlichen Kaukasischen Biosphärenreservat, wo man sich schon seit 1924 um den Schutz der wertvollen Flora & Fauna bemüht. Seit 1999 gehört die Region zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Eine kleine Ausstellung informiert über die Tier- und Pflanzenwelt. Als einer der herausragenden Erfolge ist sicher die erfolgreiche Wiederansiedlung des kaukasischen Wisente. Während und kurz nach dem Russischen Bürgerkrieg waren die letzten noch verbliebenen Bestände ausgerottet worden. Durch gezielte Nachzucht mit Zootieren und polnischen Wisenten war es möglich, die kaukasische Rasse wieder zum Leben zu erwecken. In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts war man so weit, dass man die ersten Herden wieder auswildern konnten. Nach einigen Rückschlägen durch Wilderei in der Umbruchphase der 90er Jahre und zur Jahrtausendwende kann man sich mittlerweile wieder über einen stabilen Bestand freuen.

Rettungsstation für Tiere

Zum Reservat gehört auch eine Wildtier-Auffangstation. Dort sind Wölfe, Adler, Wildkatzen und viele andere einheimische Tiere zu sehen. Einige wurden verletzt oder krank gefunden, andere haben als Jungtier ihre Mutter verloren. Sofern es möglich ist, werden die Tiere wieder ausgewildert, wenn es ihnen wieder gut geht oder sobald sie groß genug sind.

Andere leben dort dauerhaft, wie ein altersschwacher Wisentbulle, der trotzdem noch einen Eindruck davon vermittelt, wie riesig diese Tiere sind, die keine natürlichen Feinde im Kaukasus haben. Ein Fuchs wurde gerettet, weil er von seinem Besitzer dazu mißbraucht wurde, auf Fotos mit Touristen zu posieren. Eine kleine Waschbärdame haben Unbekannte vor dem Reservat ausgesetzt und ein Bär konnte aus schlechter Haltung in einem Restaurant (!) befreit werden. Gerade wird für ihn ein artgerechtes Gehege gebaut, wo er den Rest seines Lebens in Ruhe verbringen darf.

Informationen & persönliche Empfehlungen

Im Sommer oder im Winter in den Westkaukasus?

Die große Mehrheit der Besucher kommt im Winter aufgrund der idealen Schneeverhältnisse. Für mich ist die Region aber auch ganz klar eine Sommerdestination. Hier lässt sich unberührte Natur entdecken und noch ein Abstecher ans Schwarze Meer machen.

Wie steht es um Nachhaltigkeit & Umweltschutz?

Auch wenn ich es grundsätzlich gut finde, dass die ehemaligen olympischen Anlagen nahtlos für den Tourismus genutzt werden, bedeutet ein großes Skigebiet immer einen krassen Einschnitt in die Natur. Auf Nachfrage habe ich erfahren, dass in Zukunft auch verstärkt über Schutz- und Renaturierungsmaßnahmen nachgedacht werden soll. Trotzdem ist in meinen Augen eine Wanderreise im Sommer die nachhaltigere Variante. Zudem hat mir gefallen, wie engagiert man sich im Biosphärenreservat für die Natur, die Tiere und damit auch für die Region einsetzt.

Hier gibt es ein paar Eindrucke von meiner mehrtägigen Wandertour in Swanetien im Großen Kaukasus.

Wo kann man Flüge & Unterkünfte buchen?

Es ist geplant, dass es für die Wintersaison 2017/18 mit Condor ab Berlin-Schönefeld einen Direktflug nach Sotschi gibt. (Zeitraum voraussichtlich von November 2017 bis März 2018.) Angebote mit Flug & Hotel (in verschiedenen Preiskategorien) werden z. B. über Pul Express und Go East buchbar sein.

Skigebiet in Russland

Winter wie Sommer kann man mit Aeroflot über Moskau nach Sotschi fliegen und Hotels direkt über die Website von Rosa Khutor buchen.

Was gibt es beim Visum für Russland zu beachten?

Für eine Reise nach Russland muss man ein Visum beantragen. Alles, was man dazu wissen muss, hat meine Bloggerkollegin Christina von Trip To The Planet ausführlich aufgeschrieben. So klappt’s mit der Einreise in das größte Land der Welt.


Ich wurde von Rosa Khutor zu dieser Recherchereise in den Westkaukasus eingeladen. Alle Ansichten sind meine eigenen.

Mehr Eindrücke gibt’s bei meinen Bloggerkolleginnen:

➤ Yvonne von fernwehyvi –  Skiurlaub im Kaukasus

➤ Christina von Trip To The Planet – Rosa Khutor, Sotschi & Umgebung 

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