Slow Travel in der Wallonie – (Little) Green Guide für die Region Durbuy

[Werbung/Kooperation mit Belgien Tourismus Wallonie] Als ich noch in Aachen gewohnt habe, war ich oft in der Wallonie unterwegs. Direkt an der Grenze war es bequem, für einen Flohmarkt-Ausflug, einen Spaziergang oder zum Lebensmitteleinkauf zum westlichen Nachbarn zu fahren. Kaum hatte man die Grenze passiert, veränderte sich sofort die Atmosphäre. Immer schon habe ich unsere Nachbarn für ihren eklektischen Stil bewundert. Sie vereinen mühelos Kunst, Design und Antiquitäten zu einem ganz persönlichen Mix. Selbst kleinste Dörfer sehen aus wie aus dem Bilderbuch. Jeder Marktstand, jeder Bäcker, jeder Feinkostladen wird mit Liebe zum Detail geführt. Da macht es Spaß, sich einfach treiben und inspirieren zu lassen.

Vor diesem Hintergrund hatte ich große Lust, der Einladung von Belgien Tourismus Wallonie zu folgen, um die Region Durbuy individuell und umweltfreundlich mit dem E-Bike zu erkunden. Für die An- und Abreise nach Belgien habe ich den Zug genommen. Bei meinen Erkundigungen vor Ort habe ich den Fokus auf kleine, lokale und möglichst nachhaltige Angebote gelegt.

Bei meiner Zugreise über Köln und Lüttich hatte ich mit einigen Verspätungen zu kämpfen. Glücklicherweise wurde ich am Bahnhof in Bomal abgeholt und bequem zum Bed & Breakfast Chez Tante Alice chauffiert. Schon im Auto plauderte ich angeregt mit Marie-France Lardot-Lesage, die das kleine Gästehaus zusammen mit ihrem Mann Didier führt.

Bed & Breakfast Chez Tante Alice in Aisne

Als ich das wunderschöne, alte Haus betrat, war mir sofort klar, dass mein Aufenthalt nur gut werden konnte. Die vier Gästezimmer sind alle individuell und geschmackvoll eingerichtet und haben ihren eigenen Charme. Statt der sonst üblichen Nummerierung ist jeder Raum nach einem regionalen Schriftsteller benannt.

 

Mein tiefrot gestrichenes Zimmer mit zwei sinnlichen Frauenakten an der Wand erinnerte mich ein wenig an ein Boudoir. Durch das kleine Fenster fiel gedämpft das Licht nach innen, ich hatte einen herrlichen Blick über den Garten und schlief abends mit dem Plätschern des Flusses hinter dem Haus ein. Das Bad war überraschend groß und ausgefallen dekoriert – mit einer alten Holzleiter, einer Schulbank und vielen alten Emaille-Schildern an der Wand. Auch die anderen Gästezimmer durfte ich kurz besichtigen und fotografieren, da die Räume erst am Wochenende ausgebucht waren.

 

Im Erdgeschoss gibt es einen Aufenthaltsraum mit Couch, Kühlschrank, TV, Kaffeemaschine und Wasserkocher. Hier kann man sich mit Getränken versorgen. Kaffee und Tee sind inklusive, für Bier, Wein und Mineralwasser fällt ein kleiner Obolus an.

 

Frühstück im Chez Tante Alice

Mein tägliches Highlight war das Frühstück im Wintergarten des Hauses mit Blick in den Garten. Hier sorgt Didier für einen reichlich gedeckten Tisch, an dem es nichts fehlt. Er fragt die persönlichen Vorlieben der Gäste ab und serviert entsprechend: Tee oder Kaffee, frisches Obst, Müsli, selbstgemachter (!) Joghurt im Gläschen, nach Wunsch auch Käse oder Schinken aus der Produktion lokaler Höfe. Dazu eine spektakuläre Selektion selbst eingekochter Konfitüren, die jeden Geschmack abdecken. Im Brotkorb befindet sich knuspriges Baguette, Vollkornbrot und natürlich ein unwiderstehliches Croissant. Eierspeisen werden nach Bedarf individuell zubereitet.

So persönlich umsorgt zu werden, ist wirklich herzerwärmend. Da kommt ein Hotel mit Standardbuffet kaum mit. Einmal überraschte mich Didier sogar mit einem Armen Ritter – den Klassiker aus altbackenen Brot und aufgeschlagenen Eiern hatte ich seit Jahren nicht mehr gegessen.

 

Alle Gäste sitzen beim Frühstück zusammen an einer großen Holztafel. Da ergeben sich auch schnell mal zwanglos Gespräche, ganz anders als in einem anonymen Hotel. Auch Didier und Marie-France stehen immer für einen Plausch parat, erkundigen sich charmant nach dem Wohlergehen und geben Tipps, welche Erkundungen sich lohnen. Ihre feinfühlige und persönliche Art, mit ihren Gästen umzugehen, hat mir unheimlich gut gefallen. Man kam sich fast vor wie im Urlaub bei Freunden.

Adresse: Didier und Marie-France Lardot-Lesage, Aisne 52, 6941 Aisne-sous-Heyd (Durbuy)

Website: www.cheztantealice.be/Tante_Alice

La Ferme du Bel’Ozo – Käserei & Hofladen

Mein erster Besuch führte mich in die Käserei und den Hofladen von Etienne und Véronique Rouxhet in Izier. Das kleine Dörfchen liegt hoch auf einem Berg, sodass ich gleich die Tauglichkeit meines E-Bikes  austesten konnte, dass ich mir im B&B Chez Tante Alice ausgeliehen hatte.

 

Auf dem Hof ganz am Ende der Dorfstraße angekommen, musste ich erst mal Véronique suchen. Die viel beschäftigte Landwirtin hatte sich an dem Morgen extra Zeit genommen, mir den (zu der Zeit normalerweise geschlossenen) Hofladen und die Käserei zu zeigen. Hier wird fantastischer Käse gemacht, der im Kühlhaus in hohen Regalen reift. Dazu natürlich noch Butter, Joghurt, Frischkäse und im Sommer auch Eis. Der Hof ist kein Bioproduzent, aber ein kleines Familienunternehmen, in dem alle Produkte mit sehr viel handwerklicher Sorgfalt erzeugt werden. Zum Schluss durfte ich noch die eigentlichen Milchproduzentinnen und ihren Nachwuchs begrüßen.

Adresse: Etienne und Véronique Rouxhet, 14 Ozo, 6941 Izier (Durbuy)

Facebook: facebook.com/LaFermeDuBelOzo/

 

Wéris – Megalithen & historisches Dorfambiente

Mein Ausflug nach Wéris war wettertechnisch eine kleine Herausforderung. Während zeitgleich in Deutschland starke Gewitter und Unwetter für große Probleme sorgten, blieb ich in der Wallonie relativ unbehelligt. So ganz ohne heftige Regenschauer kam ich jedoch nicht davon, sodass ich gezwungen war, meine Tour ein wenig abzukürzen. Ein paar wesentliche Eindrücke konnte ich dennoch sammeln.

Bekannt ist Wéris unter anderem für seine Megalithen-Anlage, die sich auf einem 8 km langen und 300 Meter breiten Streifen erstreckt. Die Routen entlang der Steine sind gut erschlossen und können (bei gutem Wetter) problemlos mit dem Fahrrad oder als Wanderung erkundet werden. Die steinernen Relikte stammen aus der Zeit um 3.000 v. Chr. und ihre Bedeutung gibt heute noch viele Rätsel auf. Wer tiefer in das Thema eintauchen will, kann im Museum Maison des Mégalithes mehr über die Geschichte der Steine erfahren.

 

Nach der Besichtigung der Megalithen-Anlage bietet sich ein Rundgang durch Wéris an, was als eines der schönsten Dörfer in der Wallonie gilt. Auf jeden Fall lohnt sich auch ein Blick auf die alte romanische Kirche Sainte-Walburge aus dem 11. Jahrhundert.

Restaurant & Brasserie Les Lanternes in Wéris

Für eine Stärkung empfehle ich das Restaurant Les Lanternes, was sich in unmittelbarer Nähe des Maison des Mégalithes befindet. Ich hatte eigentlich eine Reservierung für den Abend. Weil ich aber hungrig und durchgefroren vom Regen war, ging ich kurzerhand schon am späten Nachmittag in das Lokal. Das Restaurant öffnet erst am Abend, aber eine angeschlossene Brasserie bietet tagsüber durchgehend kleine Gerichte und Getränke, die man bei Sonnenschein auch draußen auf der Terrasse genießen kann.

 

In der Wallonie ist es nach wie vor sehr üblich, opulente Fleischgerichte zu servieren. Oder es kommen Fisch und Milchprodukte zum Einsatz kommen. Vegetarisch oder rein vegan unterwegs zu sein, kann also manchmal etwas schwierig werden. Ich esse hin und wieder Fisch und bestellte mir einen Salat mit einer Variation aus verschiedenen Fischsorten und Meeresfrüchten. Die Portion war sehr üppig – auch das ist in Belgien normal – und hat wirklich hervorragend geschmeckt.

Adresse Maison des Mégalithes: Pl. Arsène Soreil 7, 6940 Wéris (Durbuy)

Adresse Restaurant Les Lanternes: Pl. Arsène Soreil 6, 6940 Wéris (Durbuy)

Le Petit Marché de Mormont

Der Empfehlung meiner Gastgeber folgend radelte ich nach Mormont, wo jeden Samstagvormittag ein kleiner Markt mit lokalen Produkten stattfindet. Im ersten Anlauf verfehlte ich den Standort komplett und wunderte mich am Ende der rue Haute, wo jetzt der Markt sein soll. Ich hatte Stände entlang der Straße erwartet. Aber der Marché liegt von der Kirche kommend etwas versteckt links auf einem kleinen Kiesplatz.

 

Die Öffnungszeiten sind von 10 bis 13 Uhr. Normalerweise ist man in Deutschland um diese Uhrzeit schon etwas spät dran für einen Markt. In der Wallonie ist es eher umgekehrt. Die Stände öffneten gerade und es waren noch kaum Besucher da. Es empfiehlt sich also, ruhig gegen Mittag hinzugehen. Der Marché besteht nur aus einer Handvoll Stände, die aber sehr einladend sind. Die Anwohner kommen gerne hierher, um einen kleinen Plausch zu halten und ein Glas Wein zu trinken.

Adresse: Rue Haute, 6997 Érezée (Mormont) 

Durbuy – Die charmante “kleinste Stadt der Welt”

Wer mit dem E-Bike von Bomal nach Durbuy fährt, für den ist der Weg das Ziel. Der idyllische Fuß- und Fahrradweg schlängelt sich entlang des Flusses Ourthe und ist für sich schon eine Sehenswürdigkeit: gut befahrbar, bestens ausgeschildert und mit viel Abwechslung am Wegesrand.

Diesmal hatte ich Glück mit dem Wetter und radelte entlang einer blühenden Mailandschaft und üppig grünen Bäumen, in das die Sonne tanzende Lichtflecken malte. Vögel zwitschern, Bienen summten, hin und wieder hörte ich die Rufe und das Lachen der Kanufahrer auf dem Fluss. Wirklich das perfekte Frühlingsszenario in der Wallonie.

In Durbuy erwartete mich etwas mehr Trubel. Da ich an einem Samstag unterwegs war, gab es etliche Besucher, die sich durch die malerischen mittelalterlichen Straßen treiben ließen und die Restaurants bevölkerten. Aber der Andrang hielt sich in Grenzen und ich empfand das “dolce far niente”  in den schmalen Gässchen als sehr angenehm. Da es viel Gastronomie in der Stadt gibt, vermute ich mal, dass in der Hochsaison noch mal deutlich mehr Betrieb herrscht.

 

UNESCO Geopark Famenne Ardenne

Dieser eindrucksvolle Felsen besteht aus Schichten von Kalkgestein, die sich durch Erdbewegungen zu einer Kuppel geformt haben. Überhaupt ist die ganze Region um Durbuy geologisch interessant und gehört zum UNESCO Geopark Famenne Ardenne. Der Geopark umfasst die Täler von drei Flüssen (Lesse, Lomme, Ourthe), die außergewöhnliche Karstgrotten und -stätten aufweisen, die für touristische und wissenschaftliche Zwecke genutzt werden.

C’est de la faute de Maman – Café & Petit Restaurant

Meine Mittagspause habe im ich C’est de la faute de Maman verbracht. Der Entschluss erfolgt ganz spontan, weil mich die gemütliche Sitzecke auf der Terrasse magisch anzog. Die Besitzer des kleinen Restaurants haben ein gutes Händchen für eine besondere Ausstattung: hier treffen weiche Ledersofas auf klassische Bistromöbel; flauschige Felle, Flohmarktfunde und moderne Leuchten werden gekonnt gemixt.

 

Das Essen steht dem Interieur in Nichts nach und hat hervorragend geschmeckt. Tagsüber gibt es nur eine kleine Karte mit wenigen Gerichten. Die haben aber vollkommen ausgereicht, um etwas Passendes zu finden. Eigentlich war mein Plan, mehrere Restaurants in Durbuy auszuprobieren und jeweils eine Kleinigkeit zu essen. Aber “Kleinigkeiten” gibt es in der Wallonie nicht. Das Sandwich entpuppte sich als üppig mit Käse überbackenes Brot, das von einem Berg köstlichen Salat begleitet war. Die Portion war so riesig, dass ich hinterher komplett satt war. So saß ich dann mit vollem Bauch und zufrieden zwischen meinen Samtkissen und ließ die Passanten an mir vorbeiflanieren.

Adresse: Rue des Récollets 5, 6940 Durbuy

Facebook: facebook.com/cestdelafautedemaman

Lütticher Waffel im Eiscafé Marilia

Wenn ich sage, ich war satt, dann stimmte das auch. Aber weil bekanntlich nichts über eine Lütticher Waffel geht, musst ich mir unbedingt noch ebendiese als Dessert besorgen. Da kam mir das kleine Eiscafé Marilia zuhilfe, dass sich ganz in der Nähe befand. Die Theke mit den verschiedenen Eisvarianten sah verlockend aus, sogar vegane Sorten gab es im Sortiment. Aber mich zogen die süß duftenden Waffeln magisch an. Ich liebe die kleinen Zuckerstücke, die beim Backen schmelzen und karamellisieren.

Adresse: Rue Alphonse Eloy 3, 6940 Durbuy

 

Lokale Köstlichkeiten im Confiture Saint Amour

Wenn man Feinkost und Delikatessen hört, denkt man oft automatisch an Highsociety-Etablissements mit Austern, Kaviar und Champagner. Es gibt aber auch die nahbaren Feinkostläden mit lokalen Produkten aus der Umgebung. Solche, die eine Vielzahl verschiedener Köstlichkeiten bieten, oftmals etwas chaotisch wirken und bei denen man wahre Schätze finden kann. Solche, zu denen man geht, wenn man eine besondere Erinnerung aus dem Urlaub mitbringen möchte. Genau zu dieser Sorte Feinkostläden gehört das Confiture Saint Amour in Durbuy.

Adresse: Rue des Récollets 7, 6940 Durbuy

Website: www.confitureriesaintamour.be

 

Couettes et Picotin – Gästezimmer & Eselparadies in Heyd

Kurz vor meiner Abreise war ich noch einen Abstecher nach Heyd gemacht, um den Hof von Patrick Wauty zu besuchen. Pat arbeitet als Therapeut für Tierkinesiologie und das merkt man sofort an der emphatischen Art, mit seinen Tieren umzugehen. Neben der kleinen Eselherde gibt es noch ein imposantes Kaltblut und einen spielfreudigen Labrador. Als besonders anhänglich erwies sich Esel Jack, der mit mir sofort Freundschaft schloss und pausenlos gekrault und gestreichelt werden wollte. In dieser Hofidylle kann man auch ein Gästezimmer buchen und inmitten der Vierbeiner seinen Urlaub genießen.

Adresse: ninane 38, 6941 Heyd (Durbuy)

Website: www.ecuriesdeninane.be

 

Verständigung in der französischsprachigen Wallonie

Im Vorfeld hatte ich mir Gedanken gemacht, wie gut ich als Nicht-Französisch-Sprechende allein in der französischsprachigen Wallonie zurechtkomme. Die Menschen sprechen hier wenig Englisch, aber es war immer noch genug, um kommunizieren zu können. Sehr oft ergaben sich Gesprächssituationen, bei denen sich spontan mehrere Personen gegenseitig austauschten, wenn ihnen ein Wort nicht einfiel oder sie mich nicht verstanden hatten. In jedem Fall ist man immer sehr offen und entspannt mit mir umgegangen, ohne sich von Sprachbarrieren behindern zu lassen. Zur Not haben ein paar Sprachfetzen ausgereicht, um sich auszutauschen. Das macht es als Gast natürlich einfach, sich wohl und willkommen zu fühlen.


Dieser Artikel entstand in bezahlter Zusammenarbeit mit Belgien Tourismus Wallonie und enthält deshalb Werbung. Meine persönliche Meinung sowie die Inhalte dieses Artikels wurden dadurch nicht beeinflusst.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*