(Un)cozy Christmas – Warum ich aus Versehen umweltfreundlich Weihnachten feiere

Mit Weihnachten konnte ich lange Zeit nicht besonders viel anfangen. Mir ging der ganze Wirbel an den Feiertage auf die Nerven. Ich mochte den Konsumwahn nicht. Einen Bezug zur christlichen Tradition habe ich nicht. Eine große Familie gibt es nicht. Was sollte das Ganze überhaupt?

Meine Abneigung gegen Weihnachten traf meist auf wenig Verständnis: „Es ist doch alles so schön!“ war die einhellige Meinung meines Umfeldes.

Ich habe dann vor etlichen Jahren beschlossen, dass Weihnachten auf meine Art doch ganz in Ordnung ist. Dass es völlig okay ist, Frieden mit meinen eigenen Ansichten zu schließen und den Feiertag so „reduziert“ zu begehen, wie ich es für richtig halte.

Das war übrigens noch zu Zeiten, wo kein Mensch von Müllbergen und Klimawandel sprach, sich niemand den Kopf über veganes Essen oder schlechte Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern zerbrach.

Wie sieht „mein“ Weihnachten aus?

Keine Geschenke-Orgie

Ich verschenke nichts und erwarte auch keine Geschenke. Das ist jetzt keine unausweichliche Standardregelung, aber es gibt in etwa den Status wieder. Manchmal verschenke ich selbst gebackene Plätzchen oder ähnliche Kleinigkeiten. Ansonsten frage ich ganz konkret nach Wünschen und richte mich danach. Oder ich lade zu einen gemeinsamen Essen oder Kinobesuch ein.

Ist das komisch? Nein, sehr entspannend. Schenken an sich ist etwas Schönes, aber es ist in meinen Augen total zum Selbstzweck geworden. Alle sollen etwas kriegen – und es wird immer mehr, daran sind wir von Kindestagen gewöhnt worden. Wie anstrengend (und oft auch unnötig).

Wenn ich mit Leuten spreche, höre ich teilweise, dass es mehr zur Pflicht geworden ist, etwas zu schenken.

„Letztes Jahr gab es bei den Kindern meines Bruders eine einzige Geschenkeschlacht. Ich fand das richtig schlimm, aber irgendwie erwartet jeder, dass man da mitmacht.“

„Ich weiss nicht, was ich schenken soll, denn eigentlich hat er ja alles. Gar nichts schenken finde ich aber auch komisch.“

Das sind nur zwei Zitate aus Gesprächen in den letzten Wochen. Ich weiss, dass viele Menschen Schenken einfach toll finden, aber ich glaube auch, dass es einige gibt, die am Sinn des ganzen Trubels zweifeln und es gerne anders machen würden.

Keine endlosen Verwandtenbesuche

Das hat bei mir damit zu tun, dass es nur wenig Familie gibt. Aber auch so sind die Feiertage eher eine Zeit, in der ich mich gerne zurückziehe. Meine Eltern besuche ich schon vor Weihnachten. An Weihnachten selbst ist Ruhe und Entspannung angesagt.

Kein großes Weihnachtsessen

Es gibt keine aufwändiges Festessen und schon gar keinen Braten. Da ich auch sonst vegetarisch bzw. vegan esse, gilt das auch zu Weihnachten. Manchmal koche oder backe ich etwas Besonderes, manchmal auch nicht. Kommt darauf an, worauf ich Lust haben. Positiver Nebeneffekt: Ich muss mich nicht durch überfüllte Supermärkte kämpfen. Ein „normaler Einkauf“ reicht vollkommen aus und es endet niemand im „Fresskoma“.

Ein paar spezielle Leckereien gibt es in der Vorweihnachtszeit allerdings schon – und zwar nur im Dezember! Darauf freue ich mich dann schon richtig: ob das Aachener Domspitzen sind oder Original Dresdner Christstollen.

Kein Weihnachtsbaum

Meine Eltern haben aufgehört, einen Weihnachtsbaum aufzustellen, als ich neun Jahre alt war. Damals hatten wir uns einen kleinen Kater angeschafft und meine Eltern fürchteten zu Recht, dass er den Baum zum Klettergerüst umfunktionieren würde. Also kein Baum, stattdessen ein schönes Weihnachtsgesteck. Eine Gewohnheit, die ich letztendlich übernommen habe. Bei mir gibt es meist eine große Vase mit Zweigen und ein paar Blumen. Finde ich völlig okay. Dazu Kerzen – die brennen bei mir im Herbst und Winter ohnehin fast ohne Unterbrechung.

Klar gibt es schöne Weihnachtsbäume, darüber kann ich mich auch freuen. Aber ich muss nicht unbedingt einen eigenen bei mir zu Hause stehen haben. Für mich gehören Bäume in erster Linie in den Wald.

Ist das jetzt cozy oder uncozy?

Oh, mein Gott! Keine Geschenke, keine Familie, kein Festessen, kein Weihnachtsbaum! Wie schrecklich! Und ungemütlich! Du musst völlig deprimiert sein!

Nein, mir geht’s super und ich finde es auch total gemütlich. Ich geniesse das komplett und freue mich auf die Ruhe an den Feiertagen!

Der nachhaltige „Nebeneffekt“ – umweltfreundlich Weihnachten feiern

Was vor Jahren als nerdige Eigenbrötlerei angefangen hat, ist so ganz nebenbei ziemlich umweltfreundlich. Weniger Abfall, weniger Konsum, weniger verbrauchte Ressourcen – nur weil ich nicht so Weihnachten feiere, wie es die meisten anderen tun.

Let’s make our own Christmas

Weihnachten kann so ein cooles Fest sein, wenn man es gestaltet, wie man es selbst für richtig hält (und nicht einfach macht, was sich über Jahre eingebürgert hat und beinahe zur Pflichtveranstaltung geworden ist). Man muss ja nicht alles über Bord werfen, aber ein paar Gewohnheiten zu hinterfragen, kann glaube ich nicht schaden.

Wenn jeder einfach weglässt, was eigentlich sowieso nervt, hätten wir schon jede Menge unnötigen Christmas-Tam-Tam aussortiert.

Und unsere Erde freut’s!


Wie ich auf dieses Thema gekommen bin? Durch den Uncozy Sweater vom WWF, den du im Titelbild siehst. Auf den ersten Blick ein ganz normaler, traditioneller Strickpullover mit Tiermotiven und Schneeflocken. Wenn man genauer hinschaut, sieht man statt Weihnachtsidylle tote Fische, Wirbelstürme und hungrige Eisbären. 

Ich denke, zu Weihnachten lohnt es sich, in doppelter Hinsicht hinzuschauen:

  • Wie will ich die Feiertage begehen? 
  • Gibt es Aspekte, die ich eigentlich nicht mag und deren Abschaffung sogar noch unsere Erde schonen würden?

1 Kommentar

  1. Ich feier Weihnachten auch im kleinen Kreise. Wenn andere über den Weihnachtsbesuch-Marathon stöhnen, kann ich nicht mitreden, weil ich oft die einzige bin, die nichts zu meckern hat. Ich sehe tatsächlich nur Leute, auf die ich mich freue.

    Im kommenden Jahr werde ich auf Geschenke verzichten, da ich eh immer ideenlos bin (bei Geburtstagen und Weihnachten). Ich habe schon angekündigt, dass man mich stattdessen gerne zum Essen einladen kann. Aber dieses Jahr ist mir tatsächlich noch etwas nützliches eingefallen (letzte Woche – also reichlich spät): Kleine Helferlein, die mir beim Plastik reduzieren helfen werden. Ich war in diversen Unverpackt-Läden und hab mich etwas inspirieren lassen.

    Feiern werde ich am 24. sicher aber „immer“ irgedwie. Ein naher Verwandter hat da Geburtstag 😉

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