Spanien neu entdecken – Drei außergewöhnliche Wanderungen in der Region Valencia

Valencia Spanien

Spanien ist bei den Deutschen eines der beliebtestes Reiseziele und weltweit das am dritthäufigsten besuchte Land der Welt. Besonders die bekannten Highlights wie die Millionenstadt Barcelona oder die Urlaubsinsel Mallorca ziehen Unmengen ausländischer Gäste an. Leider hat der Besucheransturm in den Touristenzentren – mittlerweile diskutiert als Overtourism – viele negative Folgen.

Spanien hat so viel zu bieten an Lebensart, vielfältiger Kultur und faszinierender Landschaft. Gleichzeitig ist es das drittgrößte Land Europas – das eröffnet jede Menge Möglichkeiten für individuelle Entdeckungstouren.

Es gibt viele wunderschöne Städte und Regionen abseits der bekannten Urlauber-Hot-Spots, die es verdient haben, erkundet zu werden.

Meinen persönlichen Überraschungsmoment hatte ich in der Region Valencia. Eigentlich ein sehr bekanntes Urlaubsgebiet in Spanien, allerdings nur, was die Küstengebiete Costa del Azahar und die beliebte Costa Blanca angeht. Das Hinterland ist dagegen weitestgehend unbekannt.

Ich bin dort im Frühherbst wandern gewesen und war völlig überwältigt von den vielfältigen Eindrücken: angefangen von den prähistorischen Felsenmalereien, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören, über die bergige Landschaft mit türkisblauen Naturpools, Olivenhainen und uralten Wacholderbäumen bis hin zu köstlichen Tapas und Wein, mit denen jedes Essen zelebriert wird.

Ich war mir überhaupt nicht darüber bewusst, welche vorgeschichtlichen Kunstschätze sich im spanischen Mittelmeergebiet befinden. Auch hatte ich keine Ahnung, wie viel es davon gibt. Insgesamt mehr als 700 Fundplätze der sogenannten levantinischen Felsmalereien wurden im Jahre 1998 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Mehr als 300 davon befinden sich in der Region Valencia.

Aber nicht nur die Menschen haben ihre Spuren hinterlassen. Es gibt auch einige beeindruckende Fundstellen von Dinosaurier-Fußabdrücken.

Alles ist sehr schön aufgearbeitet und präsentiert im Eco Museo de Bicorp. Die Ausstellung und auch die Website sind leider nur auf Spanisch, aber die Guides sprechen Englisch und erklären mit viel Engagement alle historischen Hintergründe.

Nach dem Museumsbesuch waren wir in den Cuevas de la Araña im Reservat Nacional de Caza Muela de Cortes, etwa 10 Kilometer westlich von Bicorp. Der Felsenüberhang wurden von den frühen Jäger- und Sammlervölkern genutzt, die dort zahlreiche Höhlenmalereien hinterließen. Die Bilder lassen sich in drei zeitlich unterschiedliche Epochen einteilen. Sie zeigen Tiere, Jagdszenen und die Darstellung einer Honigsammlerin, die zu einem Bienenvolk klettert, um den Honig mit einem Gefäß einzusammeln.

Route El Charco de los Morteros am Río Cazuma

Von den Cuevas de la Araña sind wir noch entlang des Río Cazuma gewandert – (Informationen zu allen Routen in der Region sind auf der Website von Bicorp zu finden.) In der wunderschönen Flusslandschaft reiht sich ein kristallklarer Naturpool an den anderen. Es lohnt sich in jedem Fall, Badesachen dabei zu haben oder zumindest die wandermüden Füße ins kalte Wasser zu tauchen. Es dauert dann auch meist nicht lange, bis sich die zahlreichen Fische näher trauen und anfangen, an den Füßen zu knabbern.

Vorsicht, wenn man ins Wasser klettert. Die Felsen können sehr glatt und glitschig sein.

Tipp zum Essen: Wir waren im Agroturismo Los Botijos, einem Campingplatz mit ländlichem Restaurant, in dem es sehr zwanglos und unkonventionell zugeht und wir ganz hervorragend gegessen haben. Eines meiner Highlights.

Sprung ins kühle Nass: Um das Glück noch perfekt zu machen, haben wir vom Campinglatz einen kleinen Spaziergang zum Fuente la Tosca gemacht. Ein Naturpool mit kleinen Wasserfall und so paradiesischer Schönheit, dass ich und zwei Bloggerkolleginnen nicht verzichten konnten und wir nackt ins Wasser gesprungen sind. (Wir hatten nämlich leider keine Badesachen dabei.) Ich sage dir, es war ein göttliches (und eiskaltes) Vergnügen!

Fuente la Tosca

Wanderung zum Aquädukt Peña Cortada

Die beeindruckendste Wanderung in Valencia war entlang des Aquädukts von Peña Cortada. Mich hat die felsige Landschaft beeindruckt, aber ganz besonders das imposante Bauwerk aus der römischen Zeit und die Möglichkeit, durch die ehemals wasserführenden Tunnel und Kanäle zu laufen.

Wann hat man schon mal die Gelegenheit, auf einem Aquädukt entlanglaufend eine tiefe Schlucht zu überqueren?

Aquädukt Peña Cortada

Von Chelva aus genügt ein relativ kurzer Aufstieg, um zum Aquädukt zu gelangen, das in drei Bögen die Schlucht Cueva del Gato zu überspannt. Die Konstruktion ist 36 Meter lang, 33 Metern hoch und nur zwei Meter breit – ohne jede Abgrenzung nach rechts und links. Für mich war es eine kleine Herausforderung, die Schlucht auf diesem schmalen Weg zu überqueren. Wer auch Probleme mit der Höhe hat, weiss, wovon ich rede.

Direkt auf der anderen Seite ist eine tiefe Spalte in den Fels getrieben, durch die das Wasser durchgeführt wurde.

Sobald man die Felsspalte passiert, hat man auf der anderen Seite einen weiten Ausblick auf die umliegenden Berge und Felsenformationen.

Danach läuft man entlang der alten Wasserleitung, die in Form von Tunneln und Rinnen an einer Felswand entlang führen. Ich bin noch nie einen vergleichbaren Weg gelaufen und fand es absolut faszinierend.

Wissenswertes: Die Wanderung führt entlang der Route PR-V092. Mehr Informationen über die Wanderwege in der Region gibt es auf der Website von Chelva.

Tipp zu Chelva: Es gibt im historischen Stadtzentrum den Weg der drei Kulturen, der zum Bummeln und Fotografieren in den ehemals jüdischen, christlichen und maurischen Vierteln einlädt.

Naturpark Puebla de San Miguel

Der Naturpark Puebla de San Miguel verfügt über sechs besonders geschützt Mikroreservate für besonders wertvolle und bedrohte Pflanzenarten. Ausgehend vom dem kleinen Dörfchen Puebla de San Miguel mit seinen rund 50 Einwohnern kann man zum Beispiel im Wald von Las Blancas einen ganz besonderen Naturschatz bewundern. Das Areal ist berühmt für die alten Wacholderbäume. Einige Exemplare sind mehrere hundert Jahre und teilweise sogar über tausend Jahre alt.

Blick auf das kleine Dorf Puebla de San Miguel

Es macht großen Spaß, über die sonnigen Wege zu wandern und immer wieder reife, aromatische Brombeeren zu pflücken (wir waren Anfang Oktober unterwegs). Die Route ist sehr abwechslungsreiche und ich habe mich über flinke Schlangen, schroffe Felsen und die knorrigen, teils bizarr gewachsenen Bäume gefreut.

Wissenswertes: Etwas außerhalb des Ortes Puebla de San Miguel liegt ein Informationszentrum, wo man Karten zu den Wanderwegen erhalten kann. Die Tour durch den Wald von Las Blancas ist ca. 11 km lang und relativ einfach zu begehen.


Ich war in Valencia auf eine Bloggerreise eingeladen, die von Spanien Tourismus und der Provinz Valencia organisiert wurde.

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