Vom Landleben, überraschenden Erkenntnissen & muskulösen Oberarmen

Landleben

Seit meiner Rückkehr vor einigen Tagen lasse ich mir meine Zeit auf dem Gnadenhof Ziegenhain immer wieder durch den Kopf gehen und entdecke ständig neue Aspekte, was diese 2,5 Wochen mit mir gemacht haben. Schon bevor es los ging, dachte ich mir, dass diese Auszeit auf dem Land auch gleichzeitig eine innere Reise werden würde. So war’s dann auch – und ein paar überraschende Erkenntnisse sind dabei ebenfalls zutage gekommen

Den Kopf frei bekommen…

Ich dachte im Vorfeld, dass die Zeit auf dem Hof gut geeignet ist, um sich ein paar Gedanken darüber zu machen, wie’s in Zukunft bei mir weitergehen soll. Das ist in der Form nicht passiert. Ich war schlicht zu beschäftigt für „Gedanken“. Mit der Arbeit auf dem Hof ging’s sofort richtig los. So schnell, dass ich schon nach wenigen Tagen ziemlich eigenständig alles erledigt habe.

Jeder Tag hat einen relativ festen Rhythmus: Pferdefutter vorbereiten, füttern, Pferdeweide misten, Stall kontrollieren, Wasser auffüllen, Kaninchenfutter sammeln und, und, und… Man arbeitet vor sich hin und der Kopf wird leer dabei. Sehr heilsam, wenn man die Gehirnwindungen von Balast befreien will.

Die Kehrseite dieser Gedankenleere: Die Hofzeit ist (ungeplant) zu einem Digital Detox geworden, weil mein Kopf keine kreativen Ideen mehr hergegeben hat. Fotografieren? Twittern? Womöglich einen Blogartikel schreiben und live berichten? Undenkbar. Ich war viel zu sehr mit dem Hofalltag beschäftigt.

Bin ich meinen BIG FIVE näher gekommen?

Vor der Reise habe ich fünf Gedanken formuliert, die ich (möglichst oft) in mein Leben integrieren will. Hat sich davon etwas auf dem Hof umsetzen lassen? Ja, zum großen Teil.

Die Welt zu einem besseren Ort machen. Ich habe auf dem Gnadenhof für die dort lebenden Tiere gearbeitet. Aber ganz egal, ob man etwas für Kinder oder Senioren tut, ob man Strände von Müll reinigt oder sich in der Nachbarschaft engagiert. Es ist einfach gut, einen kleinen Beitrag zu leisten. Und es fühlt sich gut an.

Die beste Ausgabe meiner Selbst sein. Sich schnell in ein bestehendes Team einbringen und auf das Leben in einer WG einstellen – das hat mich in jedem Fall auch persönlich gefordert.

Mit Tieren leben. Der Hof war voll mit Tieren. Aber was man nicht unterschätzen darf: Tierschutz ist harte Arbeit. Und jeden Tag geht es wieder von vorne los mit immer neuen (und vielen immer gleichen) Aufgaben. Man darf also nicht glauben, dass man auf einen Gnadenhof stundenlang mit süßen Kätzchen kuschelt und Pferde streichelt. Spaß gemacht hat es trotzdem.

Die Welt erkunden & (ein wenig) begreifen. Ich habe viel gelernt in der Zeit. Über Tiere und wie man sie behandelt. Wie es sich anfühlt, den ganzen Tag an der frischen Luft zu arbeiten. Das war eine deutliche Umstellung zu meinem sonst leider sehr vom Laptop bestimmten Leben.

Sich auf den Weg machen. Mal eine ganz andere Lebensweise & -perspektive auszuprobieren ist ein großartiges Gefühl. Ich kam mir auf dem Hof vor wie in einem Paralleluniversum, weil einfach gar nichts mit meinem sonstigen Alltag zu tun hatte.

Die überraschenden Erkenntnisse & Auswirkungen

Mit manchen Einsichten hatte ich gar nicht gerechnet:

Vor meinem Hofaufenthalt war ich eindeutig etwas großstadtmüde und gespannt, wie sich das Landleben anfühlen würde. Mein Fazit: Eine begrenzte Zeit ist es schön, aber auf Dauer würden mir einige Annehmlichkeiten der Stadt fehlen. Mal schnell für’s Abendessen einkaufen, zum Yoga gehen oder eine Feierabendbier trinken – das lässt sich auf dem Dorf nicht machen. Insofern bin ich mehr Stadtmensch, als ich selbst von mir gedacht hätte. 

Besonders überrascht war ich von der Tatsache, dass ich durch die Hofarbeit richtig viel Kraft bekommen habe. 2,5 Wochen misten und sich ständig bewegen hat mehr gebracht, als wochenlanges Training im Fitness-Studio. Meine Muskeln haben sich gefreut und über Bewegungsmangel konnte ich wahrlich nicht klagen. Pro Tag habe ich locker 15.000 bis 20.000 Schritte zurückgelegt!

Vor meinem Landeinsatz war meine innere Uhr ein wenig durcheinander geraten. Ich hatte zu viel am Computer gearbeitet und mich in Relation dazu wenig bewegt. Tagsüber habe ich mich ständig müde und abgeschlagen gefühlt, während ich nachts nicht zur Ruhe gekommen bin. Die körperliche Arbeit hat dafür gesorgt, dass dieses Ungleichgewicht in kürzester Zeit verschwunden war.

Würde ich so etwas wieder machen?

Ja, in jedem Fall! Besonders in Umbruchzeiten, wenn man über  seinen eigenen Lebenswandel nachdenkt, ist so eine komplette Auszeit vom gewohnten Alltag sehr erholsam. Vielleicht entdeckt man dadurch ganz neue Perspektiven oder kann auf einmal wieder schätzen, was man zu Hause hat. Ich würde beispielsweise gerne mal ausprobieren, wie ein Selbstversorgerhof funktioniert oder eine Weile auf einem Biohof arbeiten

2 Kommentare

  1. Ein sehr schöner Beitrag, finde ich. Es ist so wichtig, sich zu engagieren, weil es Gutes bewirkt und zusätzlich auch noch gut tut. Und so eine Auszeit vom Stadtleben ist auch mal was Feines. Wenn wir für Urlaub Dolomiten aufs Land fahren, kaufen wir allerdings einfach ein paar Flaschen Bier und nehmen sie mit, dann fehlt uns die Möglichkeit des Feierabendbiers gar nicht erst. Ich denke, vieles ist einfach Gewöhnung. 😉

    • Lieben Dank für Deinen Kommentar, Rita. Beim „Feierabendbier“ ging es uns auch weniger um das Getränk, sondern viel mehr auch um’s unter Leute kommen. Wenn man Tag für Tag auf dem Hof arbeitet, kriegt man halt auch mal ’nen Koller. 😀 Aber klar, es ist sicher auch Gewöhnungssache!

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*