Belgische Ardennen – In der Schatzkammer der Arduinna

belgische Ardennen

Belgische Ardennen – der Name, so sagt man – soll auf Arduinna zurückgehen, der keltischen Göttin der Jagd und des Waldes. Wie passend für eine Region, die auch heute noch in Europa ihresgleichen sucht. Tiefe Flusstälern zerfurchen üppig bewaldete Berge. Fast kann man sich die jugendliche Göttin vorstellen, wie sie mit Pfeil und Bogen bewaffnet auf einem Eber durch ihr Revier reitet.

Wandern in den Ardennen - Reisetipp Belgien

Geisterspuk in La-Roche-En-Ardenne

Im Tal der Ourthe liegt das kleine Örtchen La Roche-en-Ardenne, dessen malerische Silhouette jäh von der düsteren Festungsruine über der Stadt unterbrochen wird. Massig wirken die dicken Mauern und wenig einladend. Es wundert also nicht, dass ein solch drohendes Anwesen über ein hauseigenes Schlossgespenst verfügt, zu dem es natürlich die passende Legende gibt.

Berthe, die Tochter des Schlossherrn von La Roche, war eine schöne junge Frau. Um ihren künftigen Ehemann zu finden, veranstaltete der Vater einen Wettkampf. Zu den Teilnehmer gehörte auch Walram, ältester Sohn des Grafen von Montaigu, der sich vorher von seiner Verlobten Alix De Salm getrennt hatte. Walram besiegte alle Mittbewerber – ausser einem schwarz gekleideten Ritter, der als Sieger Berthes Ehemann werden sollte. Nach der Hochzeitsnacht wurde Berthe tot aufgefunden, während von dem Ritter jede Spur fehlte. Es hiess, dass der Ritter die betrogene Verlobte war, die sich mit dem Teufel verbündet hatte, um sich an ihrem Liebsten zu rächen. Seither soll die ruhelose Seele der armen, ermordeten Berthe durch die Ruinen geistern.

Belgische Ardennen – Ideale Bedingungen zum Wandern

Aber La Roche hat nicht nur Geistergeschichten zu bieten, sondern auch herausforderungsvolle Wanderwege. Die Bergroute hinauf zum Aussichtspunkt am Deister gestaltet sich unerwartet anstrengend: schmale, dicht bewachsene Pfade, große rutschige Schieferplatten. Aber der Blick man über das Tal entschädigt für den Aufstieg.

Wandern in den Ardennen - Belgien - La Roche en Ardenne

Unterwegs erwarten uns noch weitere Kostbarkeiten aus der Schatzkammer der belgischen Ardennen – zum Beispiel die typischen Trockensteinmauern aus Schiefer. Sie werden ohne Mörtel aufgeschichtet und sind wegen ihre Wasserdurchlässigkeit besonders an steilen Hängen zu finden. Abgesehen vom offensichtlichen Nutzen und der jahrhundertelangen Haltbarkeit, finde ich die raue und erstaunlich gleichmäßige Struktur der Oberfläche einfach wunderschön.

Belgien Ardennen Trockenmauer

Als wir den Berg nach unten laufen, begegnet uns ein weiteres Kleinod in Gestalt der Kapelle Sainte Marguerite aus der Zeit um 1600. Im Halbdunkel des winzigen Raumes, umgeben von rohem Gemäuer, ist eine sanft blickende Marienfigur zu sehen, die von innen heraus zu strahlen scheint.

Der berühmte Schinken aus den Ardennen

Wieder in der Ortschaft angekommen, sollen wir Bekanntschaft mit einer besonderen Spezialität machen: dem Ardenner Schinken. Aufgereiht wie zu einer Parade hängen die Keulen im Räucherofen der Metzgerei Maison Bouillon & Fils. Ich bin ein bisschen eingeschüchtert angesichts der eindrucksvollen Präsentation, wie im Keller des Familienbetriebes das Schweinefleisch in die wallonischer Delikatessen verwandelt wird. Beim Thema Schinken falle ich als Vegetarier nicht unter die Zielgruppe und so verfolge ich mit gewissem Sicherheitsabstand den Erläuterungen von Monsieur Bouillon.

Belgien Belgische Spezialität Ardenner Schinken

Am Ende dürfen wir natürlich kosten. Wobei ich mich eher auf den vorzüglichen Käse konzentriere und einen guten Schluck des leckeren Schlehenlikörs nehme, der uns mit Sekt aufgegossen serviert wird.

Schlehenlikör Belgien Schlemmertipps
Santé!

Tipps und weiterführende Links für La-Roche-en-Ardenne

✔️ Besuch der armen Berthe auf der Burgruine

✔️ Verkostung von Ardenner Schinken in einer der Metzgereien, z. B. Maison Bouillon & Fils

✔️ Wenn du eine Wandertour in Ostbelgien plant, dann hilft dir der Online-Wanderroutenplaner bei der Zusammenstellung der Route. „Go Eastbelgium“ gibt es auch als App für iOS und Android.

✔️ Ferienhäuser könnt Ihr bei Ardennes-Etape mieten. Mehr dazu findest du auch in meinem Artikel Warum Du ein Ferienhaus in Belgien mieten solltest

Herzlichen Dank an Belgien-Tourismus für die Einladung zu dieser Reise.

6 Kommentare

  1. Die Ardennen stehen hier auch noch auf meiner Liste, ich habe es bisher einfach nicht geschafft. So weit Weg isses von mir ja nicht. Im Hohen Venn gibt es auf jeden Fall auch sehr schöne Ecken. Gerade an der Hoegne kann man sehr viel entdecken! Aufjedenfall ein Interessanter Beitrag von dir. Gerade das erste Bild gefällt mir dabei sehr gut. Hat was Urwaldmäßiges!

    Cheers!

    • Tja, seit letztem Jahr ist mir erst mal bewusst geworden, wie gut man in Belgien unterwegs sein kann. Deinen Beitrag von der Hoegne habe ich gesehen. Schöne Langzeitbelichtungen mit dem fliessenden Wasser!

  2. Der Wald sieht im wahrsten Sinne des Wortes wie ein URwald aus. Finde ich ganz fantastisch! Und auch die Mauern aus Schieferplatten gefallen mir sehr: rau und unregelmäßig und doch in ganz eigener Ordnung. Das Foto hatte ich ja unlängst schon bewundert. Wieder einmal ein Beweis dafür, dass wir keine Reisen bis auf die andere Seite des Globus unternehmen müssen, um unbekannte Welten zu entdecken! Wünsche dir einen guten Start in die Woche, Jutta

    • Die weiten Reisen haben schon auch ihren eigenen Reiz, aber ganz ohne Zweifel sind gerade Holland und Belgien für uns beide, die wir grenznah wohnen, ganz hervorragende Ziele. Stell‘ Dir vor, ich war z. B. bisher auch noch nie in Amsterdam! Okay, ich bin nicht unbedingt der Städtetrip-Typ, aber trotzdem gibt’s noch einige Lücken, die ich gerne schliessen will. Komm‘ Du auch gut in die Woche. Liebe Grüße, Beatrice

      • Haben Sie zweifelsohne, wobei ich denke, dass es nicht auf die Entfernung zum Reiseziel und die Anzahl der bereits abgehakten Länder ankommt, sondern wie intensiv man tatsächlich gereist ist. Ich bin ein absoluter Liebhaber der kleinen, auf den ersten Blick unspektakulären Schönheiten, die mich dann so überwältigen, dass ich ganz voll davon bin! Vor Ayers Rock in die Knie gehen, das kann jeder. Aber den Zauber wie zum Beispiel hier im Wald in den Ardennen zu erliegen, das ist schon eine ganz andere Ebene. Übrigens mag ich Städte ebenso gern wie die Natur. Irgendwie kann ich (fast) allem etwas abgewinnen. Ich muss allerdings zugeben, dass mich Städte auch sehr schnell stressen. Nicht jede, wie zum Beispiel Oslo. Norwegens Hauptstadt finde ich völlig entspannend : ) Und unlängst Luxemburg Stadt, aber die ist ja so klein … Da kann es nur entspannt zugehen! Liebe Grüße, Jutta

        • Tja, das mit den „abgehakten“ Ländern ist tatsächlich so ein Phänomen, das ich auch schon oft beobachtet habe. Es wird ja geradezu verbildlicht in diesen Darstellungen, wo man auf der Weltkarte markieren kann, welche Länder man schon besucht hat. Aber was heisst es denn z. B., wenn man in Moskau oder St. Petersburg war?! Markiert man dann 17 Mio. Quadratkilometer und behauptet, Russland zu kennen?!

          Ich habe es auch schon bei bekannten Sehenswürdigkeiten erlebt, dass sich Leute kurz umsehen und dann wieder gehen – frei nach dem Motto: „Das hätten wir jetzt auch erledigt…“

          Naja, vielleicht versuche ich es demnächst wieder mit ein paar Städten. Eigentlich ist es auch so, dass mich fast alles interessiert. Aber Städte haben bei mir schon deutlich das Potential, dass ich sie schnell „anstrengend“ finde. Muss es wohl einfach mal darauf ankommen lassen.

          Sei herzlich gegrüßt aus dem verregneten Aachen, Beatrice

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