Warum Reisen hilft, wenn du das Gefühl hast, komplett festzustecken

Warum Reisen hilft, wenn du das Gefühl hast, festzustecken

Reisen ist für mich in den letzten Jahren immer weniger zu einem touristischen Erlebnis geworden, sondern hat viel mehr mit Selbsterfahrung zu tun. Bekannte Sehenswürdigkeiten sind immer mehr in den Hintergrund getreten. Stattdessen habe ich mich oft und gerne draußen bewegt, war in der Natur unterwegs und habe versucht, ein Gefühl für das Land zu bekommen, in dem ich mich aufhalte.

Den Klimawandel in Tansania mit seinen realen Auswirkungen zu sehen, hat mich mehr bestärkt, etwas an meinem Lebensstil zu ändern, als jeder wissenschaftliche Artikel, den ich zu Hause gelesen habe.

Die nächtlichen Geräusche mitten im Busch in Botswana haben mich mehr berührt, als irgendeine Touristenvorführung traditioneller Tänze es jemals gekonnt hätte.

Von jeder dieser Reisen bin ich verändert zurückgekehrt, weil sie mein Herz berührt und meine Sicht auf die Welt verändert haben und weil ich dadurch auch immer ein Stück weiter zu mir selbst gefunden habe.

Du kehrst anders zurück, als du gestartet bist

Eins steht fest: Aufrüttelnden Erkenntnissen oder neuen Ideen begegnet man nicht, wenn man irgendwo auf Mallorca am Strand liegt oder sich in Dubai in einer Shopping-Mall dem Kaufrausch hingibt. [Obwohl das womöglich zu der Einsicht führen kann, dass man den ganzen Konsum doch nicht mehr so attraktiv findet.]

Wenn man aber intensiver reist, langsamer reist, länger reist, dann können plötzlich ganz erstaunliche Dinge passieren und beim Zurückkehren merkt man, dass sich etwas verändert hat. Dass man ruhiger ist, selbstbewusster, energiegeladener, neue Pläne hat oder bestimmte Dinge, die vorher mal wichtig waren, plötzlich an Bedeutung verloren haben.

Wenn nichts mehr geht, gehst du am besten auf Reisen

Genau diesen Effekt versuche ich zu nutzen, wenn ich merke, dass ich zu Hause gerade komplett feststecke und auf der Stelle trete. Wenn es Bereiche gibt, die einfach nicht mehr oder noch nicht laufen. Mir die Ideen ausgehen. Ich etwas verändern will, aber nicht weiss, wie. Ich mich rastlos fühle, meine Energie aber nicht auf ein Ziel ausrichten kann. Oder ich gerade nicht mal mehr weiss, wo eigentlich mein Ziel ist. Wenn ich in bestimmten Fragestellungen unsicher bin, aber in meinem Umfeld keine Gesprächspartner vorhanden sind, mit denen ich meine Probleme sinnvoll diskutieren kann.

Kommen dir ein paar dieser Gefühle vielleicht bekannt vor?

Genau das war die Ausgangssituation, bevor ich mich auf meine Reise nach Sri Lanka gemacht habe. Kein Sightseeing, kein Herumreisen, nur eine ganz intensive Zeit für mich. Was ich dabei gelernt habe bzw. was sich als nützlich erwiesen hat, habe ich hier zusammengefasst.

Buche einen Kurs, eine Ausbildung oder ein Retreat – probiere etwas völlig Neues aus

Es existiert kaum eine bessere Möglichkeit, etwas Neues zu lernen, als auf einer Reise. Es gibt so viele verschiedene Angebote für jedes Interessenfeld: Yoga, Surfen, Tauchen, Kochen, Klettern, Malen, Meditieren, Tanzen… die Liste könnte man beliebig fortsetzen.

Man kann für ein paar Stunden in ein ganz neues Thema eintauchen, um herauszufinden, ob es einem gefällt. Oder sich einige Wochen intensiv damit auseinander setzen. In einem neuen Umfeld ist die Lernkurve meist ziemlich steil und bestimmte Sportarten wie z. B. Surfen oder Tauchen lassen sich zu Hause auch einfach nicht umsetzen.

Warum Reisen hilft, wenn du das Gefühl hast, festzustecken

Meine persönliche Erfahrung: Etwas ganz Neues auszuprobieren, gibt einen Energieschub in allen Bereichen. Ich war vor kurzem in Sri Lanka bei einem Retreat, um an meinem Blog weiter zu arbeiten. Aber weniger die Arbeit am Laptop, sondern vielmehr meine Surfversuche haben mir sehr dabei geholfen, den Kopf wirklich frei zu bekommen und neue Energie zu schöpfen.

Die ungewohnten Bewegungsabläufe, die Kraft der Wellen, die Konzentration auf das Bord, das Meer und die Momente, wenn plötzlich alles stimmt. Das schafft wieder den inneren Raum, sich auf seine Herausforderungen einzulassen.

Kann ich das, will ich das, wie sehe ich dabei aus?

Sich ganz neuen Themen zu widmen, kann echt ganz schön schwierig sein. Schon faszinierend, was man sich selbst im Vorfeld einreden kann. Surfen, zum Beispiel, wollte ich schon immer mal probieren. Auf die Gelegenheit, es zu versuchen, habe ich mich sehr gefreut. Gleichzeitig habe ich aber auch gedacht, dass es mir bestimmt schwer fällt oder ich mich “doof” dabei anstelle. Nur gut, dass ich es trotzdem gemacht habe, es hat nämlich ziemlich gut geklappt und ich will es unbedingt weiter üben.

Die Liste an internen Ausreden lässt sich wahrscheinlich beliebig ausweiten: 

Meditation – Das habe ich schon zweimal versucht und es klappt bei mir einfach nicht…

Kochen – Bei mir brennt doch sogar Wasser an…

Tanzen – Du liebe Güte, im Takt bewegen konnte ich mich noch nie…

Malen – Ich war in Kunst immer total schlecht und kreativ bin ich schon gar nicht…

Yoga – Ich bin einfach nicht beweglich genug…

Tauchen – Mit dem Kopf unter Wasser fühle ich mich unwohl…

Sprachen – Mir fällt es total schwer, mich in einer fremden Sprache auszudrücken….

Das Beste, was man tun kann: es trotzdem mal ausprobieren. Womöglich klappt’s total gut. Aber selbst, wenn nicht: Who cares? Um ein paar Erfahrungen ist man danach garantiert reicher.

Tausche dich mit Menschen aus, die in einer ähnlichen Situation sind

Auf Reisen zu sein, kann erstmal eine Herausforderung sein, denn das gewohnte Umfeld, Alltag, Familie, Freunde und Kollegen fehlen. Aber diese Lücke bietet auch ganz neue Möglichkeiten für Gespräche und den Austausch von Gedanken und Ideen. Die Erfahrung, dass andere Menschen möglicherweise ähnliche Probleme oder Ängste haben. Wie oft passiert es, dass man zu Hause keine Gelegenheit hat, sich auszutauschen, weil die Familie mit neuen Plänen nichts anfangen kann oder der Freundeskreis mit ganz anderen Themen beschäftigt ist. Aber wo bekommt man neue Gesprächspartner her? Auf Reisen ergeben sich automatisch viele neue Begegnungen, nicht zur zu Einheimischen, sondern auch zu Menschen aus allen möglichen Ländern. Manchmal kommt man über den Small Talk nicht hinaus, manchmal können sich tiefe Begegnungen entwickeln.

Meine persönliche Erfahrung: Neue und gleichgesinnte Menschen zu treffen, kann plötzlich neue Perspektiven erschließen oder ganz einfach Bestätigung geben, dass man mit seinen Gedanken nicht allein ist.

Warum Reisen hilft, wenn du das Gefühl hast, festzustecken

Klingt toll in der Theorie, aber wie bei allen Themen kann man sich auch dabei perfekt selbst im Weg stehen. Das sind meine Hindernisse, wenn ich neuen Menschen begegne:

Introversion vs. Extroversion

Ich selbst finde es manchmal schwer, mich auf neue Menschen einzulassen. Mein introvertierter Anteil steht mir oft dabei im Weg, auf Fremde zuzugehen, mich in Gespräche einzumischen oder selbst das Wort zu ergreifen. Schon ein Abendessen in großer Runde kann anstrengend für mich sein. Aber auf Reisen ergeben sich Kontakte meist ganz natürlich oder man wird selbst angesprochen. Das macht es einfacher.

Sprachprobleme

Auch mit Sprachbarrieren kämpfe ich selbst, solange ich denken kann – was man wahrscheinlich bei einem Reiseblogger nicht unbedingt vermuten würde. Da ich in der DDR aufgewachsen bin, musste ich viel aufholen, um einigermaßen mit Englisch zurecht zu kommen. Meine Fähigkeiten sind mittlerweile ganz in Ordnung, doch muss ich mich immer noch überwinden, auf Englisch zu kommunizieren. Aber es wird natürlich nicht besser, wenn man den Situationen ausweicht. Deshalb versuche ich, mich davon nicht ausbremsen zu lassen. Manchmal klappt das auch richtig gut. Manchmal gar nicht, weil ich einige Menschen einfach schlecht verstehe oder ich an komplexen Themen scheitere, bei denen ich das Gefühl habe, mich nicht ausdrücken zu können. Je öfter ich mich der Challenge stelle, umso besser wird es natürlich.

Fordere dich selbst heraus

Sich der Challenge stellen, auch wenn es unbequem oder furchteinflößend ist. Es geht nichts über das Gefühl, sich etwas zu trauen, etwas Neues zu probieren oder etwas zu erreichen, das man nie für möglich gehalten hätte. Ob es alleine Reisen ist, eine lange Wanderung oder ein exotisches Ziel – wenn ein Vorhaben dafür sorgt, dass man vor Aufregung Schmetterlinge im Bauch hat, dann ist es richtig.

Meine persönliche Erfahrung: Es lohnt sich, die berühmte Komfortzone zu verlassen. Ob das bei mir immer klappt? Nope. Sonst wäre es ja keine Herausforderung.

Auch ich bin voller Ausflüchte und Ängste, wenn es darum geht, etwas zu wagen. Aber es gibt auch genug Gelegenheiteiten, bei denen ich es mache und es fühlt sich total gut an. Dieses Gefühl muss man abspeichern und sich daran erinnern, wenn es darum geht, die nächste Hürde zu meistern.

Mut – das ist wirklich wahr – muss man einfach trainieren.

Reisen sind das beste Übungsfeld, um sich selbst und seinen Ängsten näher zu kommen.

Eine kleine Kollektion meiner Lieblingsängste, die mich auf Reisen heimsuchen (oder dabei ausbremsen):

  • Allein reisen ist etwas, das ich noch mal versuchen will. Ich habe es vor langer Zeit einmal kurz ausprobiert und fand es gar nicht gut. Also eigentlich sogar ziemlich ätzend. Aber vielleicht muss ich dem Thema noch mal eine zweite Chance geben.
  • Der zweite Punkt hängt stark mit dem ersten Punkt zusammen: mein Sicherheitsdenken. Wenn ich mit jemand zusammen bin, kann ich mich gut einfach treiben lassen und muss auch nicht großartig vorausplanen. Wenn ich allein bin, klappt das nicht so gut.
  • Ein ärgerliches Problem, was gerade auf Reisen sehr nervig ist: ich habe zwar einen Führerschein, fahre aber kein Auto. Als ich mit dem Autofahren angefangen habe, hatte ich immer das Gefühl, es nicht so gut zu können, mit dem Ergebnis, dass ich es eher gemieden habe, immer unsicherer wurde und es zum Schluss ganz gelassen habe. Klar, dass das auf Reisen sehr hinderlich ist.

 

Was hast du schon ausprobiert und es hat sich gelohnt? Welche Begegnungen und Erfahrungen haben geholfen, um mehr bei dir selbst anzukommen oder Krisen zu überwinden? Mit welchen Ängsten hast du zu kämpfen? Schreibe mir in den Kommentaren.

 


Die Bilder in diesem Beitrag sind bei der großartigen Yoga & Surf Mastermind Experience von LIVE YOUR HEART OUT entstanden. Eine der besten Ideen, die ich dieses Jahr hatte, war dieses Retreat zu buchen. Die Woche hat mich enorm bereichert und extrem viel Spaß gemacht. Danke an Conni & Kori, die das alles möglich gemacht haben.

Herzlichen Dank an die Fotografin Stefanie Reindl, dass ich ihre Bilder für diesen Artikel nutzen darf.

 

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

1 Trackback / Pingback

  1. Sport- und Fitnessblogs am Sonntag, 03.12.2017

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*