Weniger Plastikmüll – Was schon funktioniert (und wo ich noch scheitere)

weniger Plastikmüll

Deutschland verbraucht das meiste Plastik in Europa! Schock! Wusstest du das? Ich nicht! Aber es ist Realität. Dazu muss mir nur den gelben Sack bei uns in der Küche anschauen, der immer viel schneller voll ist, als mir lieb ist. Eigentlich hatte ich schon vor längerer Zeit dem Plastik-Wahnsinn den Kampf angesagt. Manche Bemühungen haben gut funktioniert, andere blieben im Alltagstrubel wieder auf der Strecke.

Aber es geht, wie z. B. Shia von Wasteland Rebel zeigt, die sehr konsequent den Zero Waste Lifestyle umsetzt. Respekt! Das ist sozusagen die Königsdisziplin. Aber sich die Problematik vor Augen zu führen und den eigenen Lebensstil zumindest teilweise zu korrigieren – das kriegt jeder hin! Klar, Verbesserungsmöglichkeiten gibt’s immer! Aber allein das Bewusstsein hilft, es jedes Mal ein bisschen besser zu machen.

Hier sind meine bisherigen Plastik-Vermeidungstaktiken

Weniger Plastikmüll beim Einkaufen von Lebensmitteln

Die Verwendung von Stoffbeuteln statt Plastiktüten hat sich schon herumgesprochen, oder? ODER? Als Nicht-Auto-Besitzer und Stadtbewohner gehe ich immer zu Fuß und mit Rucksack zum Einkaufen. Da ich nur für zwei Personen einkaufe, ist das problemlos machbar.

Was mir absolut auf die Nerven geht, ist die Verpackung von Bio-Obst & Gemüse in Supermärkten. Überhaupt ist der Einzelhandel eine einzige Verpackungshölle – da müsste ganz dringend bei den Produzenten und Anbietern ein Umdenken stattfinden. Solang das nicht passiert, kann man nur selbst versuchen, durch sein Einkaufsverhalten gegenzusteuern.

Update März 2017: Gerade findet bei REWE in NRW ein Pilotprojekt statt, um „natürliches Labeling“ an Avocados und Süßkartoffeln auszuprobieren. Ich hoffe, dass Verfahren setzt sich schnell überall durch!

Das kommt im Alltag leider oft zu kurz. Ich denke, dass es nicht nur mir so geht, dass manchmal einfach keine Zeit bleibt, verschiedene Geschäfte abzuklappern, um optimal einzukaufen. Ich schaffe es oft nicht, noch extra auf den Markt oder in den Bioladen zu gehen. Dort kann man viel lose kaufen, was natürlich die beste Variante ist. Dafür verwende ich gerne meine ultra-light Packbeutel von Sea to Summit.

Apropos lose… Möchte nicht jemand einen Unverpackt-Laden in Aachen aufmachen? Leider ist der Trend noch nicht bis hier durchgedrungen. 2016 muss es wohl deutschlandweit etliche Neueröffnungen gegeben haben, die alle beim enorm Magazin aufgelistet sind.

Der beste Müll ist natürlich der, der gar nicht erst entsteht.

Zu Hause kommen Vorratsdosen zum Einsatz. Gerade habe ich auch einen Brotbeutel aus Stoff in Betrieb genommen, damit ich mir die Papiertüten beim Bäcker sparen kann.

Ich habe übrigens nicht meine Plastik-Vorratsdosen entsorgt, weil sie noch in gutem Zustand sind. Ich nutze sie so lange wie möglich und achte bei allen Neuanschaffungen darauf, dass nur möglichst plastikfreie und dauerhaft verwendbare Gegenstände in unseren Haushalt einziehen.

Tee kaufe ich lose beim Teehändler, wo ich ich mir meine Metalldosen mit immer neuen leckeren Teesorten befüllen lasse. Der Morgenkaffee wird vom Mann meines Herzen schon immer ganz klassisch in der Espressokanne auf dem Herd gekocht.

Wenn ich unterwegs bin, habe ich immer meine Trinkflasche für Wasser dabei und wenn ich schon frühmorgens aus dem Haus muss, kommt der bodum Travel Mug mit heißem Tee zum Einsatz. (Das beste Messegeschenk, dass ich jemals bekommen habe!)

(Update Juni 2017) Wir kaufen überhaupt keine Getränke mehr in Plastikflaschen. Wasser kommt aus der Leitung und wird nach Bedarf mit unserem neuen Sodastream aufgesprudelt. Entweder pur oder gemischt mit Biosäften als Schorle. Nachdem der Mann zunächst erst ein wenig skeptisch war, ist er hellauf begeistert. Wenig Schlepperei beim Lebensmitteleinkauf (den wir immer zu Fuß erledigen) und es schmeckt wesentlich besser.

Weniger Plastikmüll bei Reinigungsmitteln & Kosmetika

Hier gibt es  zweierlei Aspekte: einmal Verpackungen einsparen und Mikroplastik vermeiden.

Putzmittel kaufe ich nur das Allernotwendigste und dann auch nur Ökomarken, die umweltschonend sind und auf ihre Verpackungen achten. Statt Flüssigseife gibt es normale Seife. Unsere Küchenbürste ist noch aus Plastik, einfach weil solche Utensilien bei uns lange verwendet werden. Ich spüle die Bürste häufig in der Geschirrspülmaschine, sodass sie wieder einwandfrei sauber wird.

Mikroplastik vermeiden kann man, indem man seine Pflegemittel und Kosmetika gezielt danach auswählt, dass sie kein Mikroplastik enthalten. Bei der zertifizierten Naturkosmetik – die ich überwiegend verwende – ist das beispielsweise der Fall. Hilfreich finde ich den Scan mit Codecheck, um beim Einkauf sicher zu gehen, was da gerade in den Einkaufswagen wandert.

Bei Mikroplastik sind die Partikel teilweise so klein, das sie für das menschliche Auge kaum noch sichtbar sind. Es ist ein echtes Teufelszeug und ich will mir eigentlich gar nicht vorstellen, welche Unmengen davon in unsere Umwelt und letztendlich die Ozeane geschwemmt wird.

Ansonsten gilt bei mir ähnlich wie bei den Reinigungsmitteln: Reduktion auf das Wesentliche. Für die Körperpflege werden nur die notwendigen Sachen gekauft, aufgebraucht und dann erst neu besorgt. Ich bin niemand, der tausend Schönheitsmittelchen im Bad hortet. Geduscht wird meistens im Sportstudio, wo ich die Seife aus dem Spender benutze. Auch beim Make-up habe ich meine Standards, die ewig halten, zumal ich mich nur zu besonderen Anlässen schminke.

Waschen von Kleidung

Was ich auch noch nicht so lange weiss: durch das Waschen von synthetischer Kleidung gelangen jede Menge Faserteile ins Wasser. Betroffen sind Fleece-Textilien, Sportsachen, Outdoorkleidung, aber auch ganz normale Alltagsgarderobe, die Kunstfasern wie Elastan, Polyester, Acryl etc. enthält.

Laut aktueller Studienlage verliert ein Kleidungsstück aus Kunstfasern bei einem einzigen Waschgang bis zu 1900 Fasern. (Mehr dazu auch bei ZEIT ONLINE Im Plastik gefangen)

Weil ich Sport mache und oft draußen unterwegs bin, habe ich einiges an Sportswear und Funktionssachen – die dann auch leider recht häufig gewaschen werden. Wenn ich nur wenig geschwitzt habe, lüfte und trockne ich die Sachen und mache dann den Riechtest. Nur wenn es müffelt, muss es gewaschen werden. Ansonsten ziehe ich es noch mal an.

Das ist auch ein Thema, bei dem dringend die Hersteller von Waschmaschinen gefragt sind, ein funktionierendes Filtersystem zur Marktreife zu bringen. Für Verbraucher ist der GUPPY FRIEND Waschbeutel eine Hilfe. Das Projekt ist durch eine Crowdfunding-Aktion finanziert worden und jetzt in den Startlöchern. Das Mikroplastik-Fasern werden beim Waschen aufgefangen und nach dem Waschen im Restmüll entsorgt.

Was man sonst noch tun kann, um möglichst wenig Fasern auszuwaschen:

  • Die Waschmaschine komplett füllen.
  • Bei möglichst niedrigen Temperaturen waschen.
  • Der Kurzwaschgang mit 30 Minuten ist für normal schmutzige Wäsche völlig ausreichend!
  • Nur mit geringen Umdrehungen schleudern.

Korrekte Mülltrennung & Entsorgung

Wir haben in Deutschland eine ziemlich gut organisierte Mülltrennung & Entsorgung. Worüber ich mich aber schon oft gewaltig aufgeregt habe: ganz normale Menschen in einem ganz normalen Mietshaus schaffen es offenbar nicht, ihren Müll korrekt zu trennen. Ganz übel finde ich es beispielsweise, wenn Plastik im Biomüll landet, was ständig vorkommt. Ich weiss gar nicht, wie oft ich schon selbst Plastiktüten bei uns im Haus aus der Biotonne gefischt habe. Auch das Aufhängen einer Auflistung, was in die Biotonne gehört und ein großer Warnaufkleber vom Umweltlöwen hat wenig geholfen.

Mehr zu dem Problem findest du z. B. beim Deutschlandfunk: Zu viel Plastik in der Biotonne.

Das Plastik wird bei der Kompostierung immer weiter zerkleinert. Was am Ende so winzig ist, dass es beim Sieben nicht entfernt werden kann, landet im fertigen Kompost und in der Erde. Dort werden die Plastikstückchen weiter zerrieben und gelangen als Mikroplastik (da haben wir’s wieder!) über die Böden und das Wasser in der Nahrungskette. Sie werden in Flüsse gespült und gelangen am Ende im Meer.

Es kann nicht ernsthaft unsere Absicht sein, so mit unserer Welt umzugehen. Da ist noch viel zu tun, in jeder Hinsicht. Ich versuche jedenfalls, weiterzumachen mit der Müllvermeidung. 

Über Tipps und Erfahrungswerte in den Kommentaren freue ich mich sehr!


Hier findest du meine Tipps für Reiseproviant, denn nichts in nachhaltiger, gesünder und müllsparender, als eigenes Essen in wiederverwendbaren Boxen und Flaschen. Meine Lieblingsrezepte für unterwegs sind Energy Balls & Energieriegel, die sehr lecker sind und sich einfach selbst machen lassen.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei der Whale & Dolphin Conservation WDC, deren eindrucksvolle Grafiken zum Thema Plastik von mir verwendet werden durften. 

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13 Kommentare

  1. Hallo Beatrice,
    toll, dass du hier auf deinem Blog auf die Müllproblematik aufmerksam machst und auch gleich die von dir erprobten Alternativen angibst! Wie du haben wir keinen Unverpackt Laden in der Nähe (der nächste ist in Wien), aber da um uns herum viele Bauern sind, habe ich die kontaktiert und beziehe jetzt viele Trockenprodukte direkt, unverpackt, bio und aus der Region. Ich finde es toll, jetzt so viele Produzenten meiner Lebensmittel persönlich zu kennen und bin überrascht, was hier im nördlichen Niederösterreich alles so wächst, wie z.B. Kichererbsen!

    Mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftige ich mich schon viele Jahre und bin daher auch auf eine fast 100%ige vegane Ernährung umgestiegen und versuche mit meinem Mann so müllfrei wie möglich zu leben. Viel Spaß macht uns auch auf unseren Reisen in Unverpackt Läden zu gehen und dort einzukaufen, weil jeder einzigartig ist.

    Zum Thema Zero Waste habe ich einige Artikel verfasst, falls du mal reinschnuppern möchtest: http://www.oneecoveganlife.com/?s=zero+waste

    Den Austausch über Erfahrungen und gefundene Lösungen finde ich super hilfreich, falls du mal Lust dazu hast 🙂

    Liebe Grüße aus Niederösterreich,

    Karin

    • Liebe Karin,

      herzlichen Dank für die praktischen Ergänzungen und den Link zu deinen Artikeln. Mal in Erfahrung zu bringen, welche Höfe rund um Aachen sind, wäre in jedem Fall eine gute Idee. Und klar, auf Austausch habe ich immer Lust.

      Viele Grüße in Richtung Österreich,
      Beatrice

      • Hallo Beatrice,
        sehr gern geschehen! Einige der Bauern kommen sowieso in unsere Kleinstadt um etwas zu liefern und bringen die Sachen sogar zu uns nachhause. So entstehen auch keine unnötigen Wege mit dem Auto. Eine Bäuerin hat das sogar als Anregung genommen, auf ihrer Webseite jetzt extra die Möglichkeit zu bewerben, dass man mit eigenen Behältern zum Abfüllen kommen kann und bietet jetzt ihre Produkte alternativ auch in Glas-Mehrweg-Behältern an, worüber ich mich besonders gefreut habe.

        Ich freue mich auf den Austausch 🙂

        Liebe Grüße,

        Karin

  2. Super Artikel. Ein Thema das mich auch seeeehr beschäftigt. Ich kann Dir im Übrigen eine Orangen-Haarseife vom Unverpackt-Laden in Köln Ehrenfeld sehr ans Herz legen, falls Du mal in der Stadt sein solltest. Ich bin völlig geflasht, weil ich gefühlt noch nie so schönes, fluffiges Haar hatte. Und ich habe tatsächlich auch das Gefühl, das die Haare weniger schnell nachfetten. LG, Nadine

    • Die Seife klingt toll. Muss ich mir mal ansehen, wenn ich in Köln bin. Da fällt mir ein: vielleicht klappt es ja mal, dass du zu unserem Aachener & Kölner Mini-Reiseblogger-Treffen dazu kommst? Würde mich jedenfalls sehr freuen. Ich sage mal Bescheid, wenn es einen neuen Termin gibt.

  3. Hey Beatrice,
    Daumen hoch für diesen Artikel! 🙂 Finde es weltklasse, dass das Thema immer mehr Aufmerksamkeit bekommt.

    Wir bei ozeankind möchten in Deutschland so viele Menschen wie möglich inspirieren & zum umdenken anregen. Unsere Message ist „Schütze was du liebst“. Bei uns ist es der Ozean und die dort lebenden Tiere (besonders Haie). Wir machen auf die Plastikverschmutzung im Meer aufmerksam.
    Wir möchten zeigen das WIR, also jeder Einzelne, etwas durch geänderte Meinungen und den eigenen Konsum zum positiven ändern & verbessern kann.
    Dafür lassen wir als Paar unser bisheriges Leben zurück und ziehen ab 01.08 per One-way-Ticket in die Welt 🙂

    • Hi Marina,

      lieben Dank für Deine Zeilen. Finde ich ein ganz tolles Vorhaben und ich wünsche euch das Allerbeste für euren Trip & eure wichtige Mission. Auf das ihr viele Menschen mit eurer Message erreicht.

  4. Hallo Beatrice,
    das Problem der Plastikverpackungen haben wir zu einem großen Teil mit einer Biokiste gelöst. Da bekommen wir Bio-Lebensmittel und das Gemüse und Obst ist nicht einzeln in Plastik verpackt. Sehr zu empfehlen.
    Liebe Grüße Karoline

    • Liebe Karoline, Biokiste ist generell eine Supersache. Haben wir momentan nicht bestellt, weil wir ziemlich oft unterwegs sind. Muss mal überlegen, ob es sich nicht doch lohnen könnte. Danke für den Tipp & liebe Grüße zurück!

  5. Hallo Beatrice,
    Danke für diesen schönen Artikel. Ich rege mich auch immer über die Plastik Verpackungen von den Bio Lebensmitteln auf.
    Was ich demnächst mal versuchen wollte sind Körper- und Haarseifen. Hast Du damit Erfahrung?
    Ich habe eine Kapselkaffeemaschine (Asche über mein Haupt). Sie ist schon 8 Jahre alt und funktioniert immer noch, weshalb ich sie nicht entsorgen möchte. Ich werde mir aber jetzt eine Edelstahlkapsel kaufen, die man dann mit Espressopulver befüllen kann. So ist der einzige Müll der Kaffee selbst.
    Lg aus Hamburg
    Miriam

    • Hi Miriam,

      mit Seife für den Körper komme ich ziemlich gut klar. Ist auch praktisch auf Reisen: wiegt wenig, ist klein und hält ewig. Man muss das Seifenstück nach dem Verwenden halbwegs trocken wieder in der Dose verstauen, dann ist das auch eine saubere Angelegenheit. Haarseife habe ich persönlich noch nicht ausprobiert, aber das wäre auch mal eine Sache, die ich mal testen würde.

      Ich wusste bisher noch nichts von der Edelstahlkapsel zum selbst befüllen. Danke für die Info, das klingt doch nach einer sehr guten, müllfreien Lösung.

      Liebe Grüße in den Norden,
      Beatrice

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  1. Wie man Mikroplastik beim Einkauf vermeiden kann

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