Wie ich erst die Wüste verstand und dann das Leben

Sahara Wüste

Ein Tag in der Wüste reicht, um das Leben zu ändern. Nicht als Heilsversprechen, nicht als Antwort auf drängende Fragen, nur als Erinnerung an den ewigen Fluss des Daseins. Der Wind, der mal heftig, mal zärtlich über die Dünen streift, der endlose Tanz des Sandes, der sich zu immer neuen Formen vereint, das Spiel von Licht und Schatten. Alles verändert sich, stetig, unaufhaltsam. Nichts bleibt, alles ist in Bewegung. Was wir machen können, ist uns dem Flow hingeben, wach sein, nicht verharren, nicht stillstehen, Veränderung annehmen.

Meine Annäherung an die Sahara Wüste ist eine leise. Langsam gehe ich vorwärts, immer wieder innehaltend. Auf einer Düne setze ich mich in die Nachmittagssonne, lasse meine Hand über den Sand gleiten, der wie Goldstaub durch meine Finger rinnt. Ich schließe die Augen und lausche. Alles um mich herum ist Energie: das Licht, die Wärme, der Wind, der mir unerwartet laut in den Ohren rauscht. Eine Krähe krächzt laut, setzt sich nur wenige Meter entfernt in den Sand, beäugt mich mißtrauisch und lässt sich dann vom Wind wieder davon tragen.

Es dauert nur Minuten, bis ich gleichmäßig von einer dünnen Sandschicht überzogen. Je länger ich sitze, umso mehr werde ich Teil der Wüste. Teil dieser unendlichen Weite, die mal heiss, staubig und lebensfeindlich ist und dann wieder hingebungsvoll und betörend wie ein Liebhaber. Ich bin der Faszination erlegen, möchte eigentlich nie wieder aufstehen, um in das Zeltcamp zurückzukehren, dass in der Ferne auf mich wartet.

Du magst Action? Dann schau dir meinen Artikel über das Sahara-Festival in Douz an.

Praktische Tipps für eine Übernachtung in der Sahara Wüste

Es kann kalt werden. Ich meine, wirklich kalt. Darauf sollte man vorbereitet sein. Zwar gibt es in jedem Camp reichlich Decken, aber wer leicht friert, sollte einen guten Schlafsack mitnehmen. Meist ist es abends beim Schlafen gehen schon so kalt, dass man sich kaum traut, seine Sachen auszuziehen. Wer trotzdem seine Hose ablegt, sollte daran denken, diese gut zu verstauen. Ansonsten ist das Beinkleid am nächsten Morgen eiskalt und klamm. Das ist wirklich kein Vergnügen beim Anziehen.

Nachts ist es in den Zelten stockfinster. Eine Taschenlampe oder noch besser eine Stirnlampe ist deshalb sehr praktisch. Zwar kann man auch auf die Taschenlampe des Smartphones zurückgreifen, aber ich habe es erlebt, dass durch die Kälte der Akku innerhalb kürzester Zeit den Geist aufgibt.  Man sollte also eine Powerbank griffbereit haben und das Handy am besten warm im Schlafsack verstauen.

Clever ist auch, für die Übernachtung in der Sahara Wüste eine separate, kleine Tasche zu packen, in der man alle nötigen Utensilien griffbereit verstaut. Das macht es wesentlich einfach. Im Zelt ist meist wenig Platz, es ist dunkel und mit kalten Händen kramt es sich nicht besonders gut im Gepäck. Außerdem hat man sofort Chaos um sich herum, wenn man zu viel auspacken muss.

Körperpflege im Zeltcamp ist meist rudimentär: Zähne putzen, Gesicht waschen, Haare kämmen. Wer duschen will oder sich waschen möchte, sollte das tagsüber einplanen, denn dann ist es warm genug. Abends oder morgens ist es schlicht zu kalt, um sich seiner Sachen zu entledigen. Oder man freut sich nach der Rückkehr auf eine ausgiebige, heiße Dusche, um den ganzen Sand wieder abzuspülen.

Hier findest du meine Checkliste für eine Safari in Afrika.

Das Wüstencamp Zmela in Südtunesien

Das Wüstencamp Zmela war ein echtes Erlebnis. Es liegt mitten in den Dünen, ist aber über eine Piste gut erreichbar. Wer es abenteuerlicher mag, kann mit einem Jeep offroad durch die Wüste fahren.

Das Camp ist ein gutes Beispiel für Ökotourismus in Südtunesien. Alle Mitarbeiter stammen aus der Region, es wird vor Ort eingekauft und das Geld, was man im Camp ausgibt, kommt zu 90 % der Region zugute. Die Stromversorgung wird hauptsächlich über Solarenergie abgedeckt, Abfälle werden sortiert und rund um das Camp werden stetig Bäume gepflanzt.

Ansonsten ist das Camp sehr gut organisiert, sauber und gepflegt. Es gibt leckeres Essen in einem zeltartigen Speiseraum, jeden Abend wird traditionelles Sandbrot am Lagerfeuer gebacken. Eine Übernachtung mit Halbpension kostet pro Person EUR 26,00.

Hier erfährst du mehr über meine Highlights in Südtunesien.


In Südtunesien war ich auf Einladung von Discover Tunisia. Vielen Dank an Andrea Philippi, die uns durch die Wüste geführt hat. 

10 Kommentare

  1. Andrea Philippi, ich weiß nicht wie häufig wir uns schon zufällig gekreuzt haben ohne uns kennen zu lernen; freut mich, daß Sie Tunesien immer noch treu sind und sich in Ihrer Position so stark für den Tourismus engagieren.

    • Hallo Christine, ich glaube, deinen Kommentar verstehe ich nicht. Ich bin zwar auf Einladung vom Tourismusamt Tunesien zusammen mit Andrea gereist, aber für den Blog hier und den Artikel bin ich verantwortlich. Liebe Grüße, Beatrice

  2. Was für ein schöner Artikel – das macht richtig Lust darauf, wieder einmal in die Wüste zu fahren. Die Bilder tun ihr übrigens – nun will ich auch goldenen Sand in meinen Händen haben 😉
    Liebe Grüsse
    Ariana

    • Lieben Dank, Andrea! Die Sahara hat mich aber auch wirklich in ihren Bann gezogen. Da war es leicht, die Emotionen zu Papier zu bringen.

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