Auf Augenhöhe mit Geparden: Foto-Besuch in N/a’an ku sê in Namibia [Gastartikel]

Geparden in Namibia

Wir wirbeln Staub auf, als wir mit unserem Allrad-Auto mit Dachzelt durch das staubige Gelände des N/a’an ku sê Wildlife Sanctuaries gleich außerhalb von Windhoek fahren. Schon der erste Blick auf die Ecolodge im frühen Morgenlicht begeistert uns! Die Gebäude fügen sich perfekt in die Landschaft ein mit ihren dezenten Grautönen und den Stroh gedeckten Dächern.

Wir haben die „behind the scenes with Marlice“ Tour gebucht, der Besitzerin von N/a’an ku sê. Die Hälfte des Tour-Erlöses fließt in die Arbeit des Wildlife Sanctuaries, was uns schon mal gut gefällt.

Zuerst aber gibt’s für uns ein leckeres Frühstück im liebevoll dekorierten Restaurant. Alles ist hier aus Holz gemacht, sogar die großen einladenden Schüsseln am Buffet. Hängesesseln laden zum Relaxen ein. Beim Blick aus dem Fenster sehen wir Paviane am Swimmingpool herumturnen. Bedient wird man im Restaurant meistens von San (auch als Buschmänner bekannt), die hier ausgebildet werden, um später am Arbeitsmarkt in der Gastronomiebranche Fuß fassen zu können.

Ein Spaziergang mit Alex, dem Wüstenluchs

Frisch gestärkt fahren wir nach dem Frühstück mit Solomon raus zum Gehege der Wüstenluchse, die man auch als Karakals bezeichnet. Wüstenluchs Alex kommt kurz in einen Transportkäfig und dann fahren wir ein paar Minuten mit dem Jeep, bis wir im freien Gelände sind. Dort haben wir die Ehre, Alex auf seinem Spaziergang begleiten zu dürfen. Bei diesen Ausflügen soll Alex lernen, Beute zu fangen und sich in der freien Wildbahn zurecht zu finden. Es macht Spaß Alex zuzusehen, wie er seine Umgebung entdeckt. Wüstenluchse können aus dem Stand über 3 Meter hoch springen, wir sind schwer beeindruckt! :-O

Vom Konflikt zwischen Menschen und Großkatzen

Nach dem Spaziergang setzt uns Solomon bei Flo ab. Er ist zuständig für das Monitoring der Geparden und Leoparden via GPS-Halsbändern. So können die Farmer der Gegend rechtzeitig verständigt werden, wenn eines der Tiere sein Land betritt.

Früher hatten die meisten Farmer kurzen Prozess mit Großkatzen gemacht, die ihr Farmland durchquerten, um das Reißen von Herdentieren zu vermeiden. Flo zeigt uns auch die grauslichen Fallen, mit denen Großkatzen teilweise noch bis heute gefangen werden. Ein Gepard hatte einen 17x gebrochenen Lauf, nachdem er in eine Fangeisenfalle geraten war.

Heute arbeiten viele Farmer mit dem Team von N/a’an ku sê zusammen und können ihr Vieh rechtzeitig auf andere Weiden treiben, wenn ein Leopard oder Gepard sich nähert.

Wie man sich in einem Pavian-Matriarchat durchsetzt

Nachdem sich sonst keiner für die Tour angemeldet hat, genießen wir eine exklusive Führung durch das Wildlife Sanctuary. Wir treffen Marlice, die N/a’an ku sê mit ihrem Mann Rudi aufgebaut hat und führt. In Jeans und weißer Hemdbluse, mit hellblond gefärbten Strähnchen und frisch manikürten Nägeln sieht man ihr nicht an, dass sie – unter anderem – schon über 300 Paviane großgezogen hat!

Marlice – Copyright: N/a’an ku sê

Ihre herzliche Art und der Enthusiasmus für ihre Arbeit sind ansteckend. Zuerst nimmt sie uns mit zu den Pavianen, die in Käfigen für die Babies, die Juniors, die Erwachsenen und die Alten aufgeteilt sind.

Alle Tiere sind auf N/a’an ku sê, weil sie von Menschen in irgendeiner Art verletzt wurden, häufig wurden die Muttertiere erschossen. Ein Pavianjunges war noch nicht mal auf der Welt, als die Mutter erschossen wurde. Durch den Einschuss wurde der eine Fuß so verletzt, dass nur mehr 2 Zehen davon gerettet werden konnten.

Jeden Tag hat jede Paviangruppe 3 Stunden Auslauf. Paviane leben im Matriarchat. Weibliche Junge bekommen immer den selben Rang wie ihre Mütter. Marlice hat jeden einzelnen der Paviane selbst aufgezogen und steht somit als Oberste in der Rangordnung. Manchmal will ihr ein Weibchen den Rang streitig machen, dann beißt es Marlice. Da hilft nur zurückbeißen und dann die Pavianhaare aus den Zähnen ziehen, erklärt sie uns lachend.

Weiter geht es zu den Warzenschweinen, Zebramangusten und einem einzelnen Erdmännchen, dessen Geschwister und die Mutter bei der Geburt gestorben sind. Das kleine Stachelschwein besuchen wir in der Klinik von N/a’an ku sê, weil es gerade an Durchfall leidet. In der Klinik ist es so dunkel, dass wir leider kein Foto machen können.

Hilfe für die Buschmänner

Als Nächstes schauen wir uns die Clever Cubs Vorschule an. Hier lernen die kleinen Kinder der über 70 Angestellten (vor allem San) Englisch, damit sie dann in der regulären Schule problemlos mitkommen. Marlices Großvater war schon mit den San befreundet und einige von Marlices besten Freunden sind San. Daher spricht sie neben Afrikaans und Englisch auch fließend die Sprache der Buschmänner.

In manchen Gegenden geht es den San ganz schlecht, sie kämpfen mit Tuberkulose, HIV/AIDS oder Alkoholismus und sterben „wie die Fliegen,“ wie Marlice uns erzählt. Marlice & ihr Mann Rudi (der praktischer Arzt ist) haben mittlerweile eine mobile Klinik ins Leben gerufen, um die medizinische Versorgung für die Buschmänner zu verbessern. Im Osten von Namibia gibt es auch die N/a’an ku sê Lifeline Klinik. Diese Klinik wurde 2003 gegründet und stellt unentgeltliche medizinische Vorsorge für die San Buschmänner zu Verfügung Afrikanische Wildhunde und endlich Großkatzen

Danach statten wir den afrikanischen Wildhunden einen Besuch ab, die vom Aussterben bedroht sind. Marlice möchte sie wieder auswildern und vermehren. Da sie in freier Wildbahn so gut wie ausgerottet sind, freuen wir uns besonders, dass 3 Wildhunde in der Nähe des Gehegezauns stehen und wir sie bestaunen und fotografieren können.

Weiter geht es zu 2 Löwenweibchen und einem Männchen und dann zu einem Gehege mit 3 Geparden. Genau wie die Wildhunde hat Marlice all diese Tiere per Hand aufgezogen.

Obwohl unsere Zeit von der ‚behind the scenes with Marlice’ Tour eigentlich schon vorbei ist und Sonntag ist, nimmt sich Marlice soviel Zeit, wie wir möchten und beantwortet geduldig unsere vielen Fragen. Zurück beim Restaurant beschließen wir, noch das sehr gute all-you-can-eat Mittagsbuffet zu genießen. Marlice ist so lieb und sucht uns noch aus einem Führer einen geeigneten Campingplatz für die Nacht und meint, wir können den Führer auch mitnehmen. Beim Verabschieden bekommt jeder von uns beiden eine herzliche Umarmung – Marlice ist wirklich eine beeindruckende Persönlichkeit!

Erholung pur im N/a’an ku sê Eco-Bungalow

Schon beim Wegfahren ist uns klar, dass wir nach N/a’an ku sê zurückkommen wollen und so schauen wir vor dem Ende unserer 3-wöchigen Reise noch einmal vorbei. Diesmal gönnen wir uns eine Übernachtung in einem der wunderschönen Eco-Bungalows.

Das Innere ist eine gelungene Mischung aus modernem Design, Naturmaterialien und geschmackvollem Upcycling. Uns begeistert die große freistehende Dusche ohne Wände genauso, wie die aus Ästen gemachten Kleiderhaken und das Waschbecken, dessen Sockel aus Natursteinen gemacht wurde.

Endlich! Im Busch mit Gepardin Kiki

Wir haben Glück und sind auch diesmal die Einzigen, die die Tour „Cheetah Experience“ gebucht haben. Mit einem offenen Jeep geht es quer durch das weitläufige Gelände von N/a’an ku sê ,bis wir schließlich auf einer offenen Fläche ankommen, wo Kiki und ihr Betreuer schon auf uns warten.

Obwohl wir schon öfter Geparden gesehen haben, ist es etwas ganz Anderes, diesem eleganten und stolzen Tier Aug’ in Aug’ gegenüber zu stehen. Kiki zieht uns vom allerersten Moment völlig in ihren Bann und wir können gar nicht genug davon bekommen, sie zu beobachten. Selbstsicher streift sie umher und nimmt mit ihren scharfen Augen ihre Umgebung genauestens ins Visier.

In unserer Euphorie schießen wir jede Menge Fotos, denn es ist eine einmalige Gelegenheit, einen Gepard auf Augenhöhe fotografieren zu können. Da Kiki von Hand aufgezogen wurde, hat sie keinerlei Scheu vor Menschen. Nach einer Weile kommt sie zu uns her und wir können Erinnerungsfotos machen. Obwohl unser N/a’an ku sê Besuch jetzt schon einige Zeit zurück liegt ist unsere Begegnung mit Kiki noch immer eines unserer absoluten Urlaubs-Highlights.

N/a’an ku sê engagiert sich noch in viel mehr Bereichen, als wir hier erzählen konnten. Einen Einblick über die verschiedenen Projekte von N/a’an ku sê findet man auf der Webseite. Einen Teil der Kosten für die Haltung der Tiere finanziert sich N/a’an ku sê auch durch Volontär-Programme.

Foto-Tipps für N/a’an ku sê und Planung einer Namibia-Reise

Die Touren auf N/a’an ku sê bieten großartige Foto-Gelegenheiten für verschiedenste Motive. Wir fanden besonders unsere Spaziergänge mit Wüstenluchs und Gepard optimal, um Bilder in natürlicher Umgebung machen zu können. Trotzdem kommt man auch bei der Behind the scenes Tour sehr nahe an Tiere heran, wie z.B. Löwen, und kann auch ohne langem Teleobjektiv tolle Fotos machen.

Optimal ist es, diese Touren gleich in der Früh zu machen, da ist es noch nicht so heiß ist und man hat schönes, weiches Seitenlicht hat. Außerdem sind die Tiere um diese Zeit wesentlich aktiver.

Es macht einen großen Unterschied, aus welcher Perspektive man Tiere fotografiert. Am Beeindruckendsten wirken Bilder, wenn man auf Augenhöhe geht.

Wenn man Porträts machen will, schaut es am Schönsten aus, wenn der Hintergrund unscharf ist. Das erreicht man, indem man so nahe wie möglich an das Motiv herangeht und eine offene Blende einstellt. Je nach Objektiv kann das z. B. f/4 sein. Wer mit Automatikprogrammen arbeitet, der wählt das Porträtprogramm aus und hat einen ähnlichen Effekt.

Für den Besuch im Wildlife Sanctuary eignet sich ein Allround-Zoom-Objektiv, z.B. mit 18-200 mm Brennweite, so kann man schnell verschiedenste Motive einfangen ohne umstecken zu müssen.

Mittlerweile bietet N/a’an ku sê auch verschiedenste Touren mit Buschmännern an. Wir waren im Norden des Landes mit Buschmännern über Nacht unterwegs, haben uns ihre Geschichten aus alter Zeit am Lagerfeuer angehört und sind mit ihnen auf Nahrungssuche gegangen. Wer sich für die faszinierende Kultur der San interessiert, dem legen wir diese Aktivitäten sehr ans Herz! Auch hier ergeben sich wunderschöne, ganz besondere Motive.

Fotonomaden – Tipps & Tricks rund ums Fotografieren, Testberichte und jede Menge Fotos

Namibia ist nicht nur eines der schönsten, sondern auch abwechslungsreichsten und sichersten Länder im südlichen Afrika. Wer jetzt Lust bekommen hat, selbst nach Namibia zu fahren, der findet bei uns jede Menge Tipps zur Planung der eigenen Natur-Foto-Reise und zur passenden Foto-Ausrüstung.

 


Dieser Gastartikel stammt von Karin und Markus, zwei leidenschaftlichen Fotografen mit dem Fokus auf Natur, Travel & Wildlife. Schaut unbedingt auf ihrem Blog FOTONOMADEN vorbei, wo ihr Tipps, Inspirationen & Workshops rund ums Fotografieren und Reisen findet. Mehr von den beiden gibt es auch bei Facebook und Instagram

Lesetipp: Kennst du schon meinem Artikel über den Geparden Atheno, mit dem ich eine Nacht den Schlafsack geteilt habe?

 

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